Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom – was ist das?

Bauchschmerzen, starke Übelkeit und mehrmaliges Erbrechen am Tag bei Cannabiskonsumenten. Handelt es sich hier um das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom? Was ist das eigentlich genau? Und kann das jeden Cannabiskonsumenten betreffen? Wir klären auf.

Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom – was ist das?

Cannabinoide werden besonders häufig aufgrund ihrer antiemetischen (übelkeit- und brechreizlindernden) Eigenschaften eingesetzt, beispielsweise im Rahmen einer Chemotherapie. Allerdings können Cannabinoide auch eine gegenteilige Wirkung entfalten wie beim Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (CH-Syndrom). Dieses kann bei Menschen auftreten, die über einen sehr langen Zeitraum hohe Dosen von Cannabis konsumieren. Da die aktuellen Fallzahlen jedoch sehr gering sind, ist kaum etwas über das CH-Syndrom bekannt.

Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom: Symptome

Die Symptome zeigen sich in der Regel in drei Phasen:

  • Präemetische Phase: In dieser Phase, die mehrere Jahre andauern kann, verspüren Betroffene oftmals eine immer wiederkehrende Übelkeit und Bauchbeschwerden. Infolge dessen verspüren die Betroffenen auch häufig Angst, sich übergeben zu müssen. Betroffene neigen in dieser Phase dazu, den Cannabiskonsum zu erhöhen, weil sie glauben, dass dies die Übelkeit lindern kann.
  • Hyperemetische Phase: Diese Phase dauert normalerweise kürzer an. Betroffene erleiden Perioden von intensiver Übelkeit und Erbrechen. In schwerwiegenden Fällen übergeben sich Betroffene bis zu fünfmal pro Stunde. Auch die Bauchschmerzen können sich verstärken. Aufgrund des häufigen Erbrechens kann es zudem zu einer Dehydration kommen.
  • Genesungsphase: Sobald die Betroffenen auf den Cannabiskonsum verzichten, beginnt die Genesungsphase. Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen nehmen ab. Auch der Appetit kehrt zurück.

Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom: Therapie

Da der Pathomechanismus bisher nicht bekannt ist, ist die Ursache auch nicht behandelbar. Insofern erfolgt eine Behandlung symptomatisch. Dabei geht es vorrangig darum, eine Dehydration durch den Flüssigkeitsverlust zu vermeiden, ebenso einen zu hohen Gewichtsverlust. Betroffene erhalten dann in der Regel intravenöse Fusionen, die den Flüssigkeitsverlust ausgleichen. In besonders schweren Fällen können auch brechreiz- und schmerzlindernde Medikamente zum Einsatz kommen.

Von den wenigen Betroffenen ist bekannt, dass die Symptome durch eine heiße Dusche oder ein heißes Bad linderbar sind. Auch von ärztlicher Seite wird dieses Vorgehen empfohlen, wobei darauf zu achten ist, dass das Wasser nicht zu heiß ist..

Studien zum Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom

Um die Existenz des Cannabinoid-Hyperemesis-Syndroms zu belegen, werden die beiden folgenden Hauptstudien herangezogen.

Studie 1:

Forscher des Mt Barker Hospitals in Australien untersuchen im Jahr 2004 den Zusammenhang zwischen einem chronischen Cannabismissbrauch und zyklischem Erbrechen, nachdem 19 Fälle in Südaustralien bekannt wurden. Aus rechtlichen und ethischen Gründen wurde allen Patienten empfohlen, jeglichen Cannabismissbrauch einzustellen. Um den klinischen Verlauf darzustellen, sollten die Patienten an seriellen Urinuntersuchungen und regelmäßigen klinischen Konsultationen teilnehmen. Fünf Patienten lehnten dies ab und weitere fünf wurden ausgeschlossen. Die restlichen neun Fälle wurden dann mit einem veröffentlichten Fall von psychogenem Erbrechen verglichen.

Im Ergebnis der Studie heißt es, dass in allen Fällen inkl. des veröffentlichen Falls, ein chronischer Cannabismissbrauch vor dem Beginn des zyklischen Erbrechens vorlag. Die Einstellung des Cannabismissbrauchs führte in sieben Fällen dazu, dass das zyklische Erbrechen abnahm. Drei Fälle, einschließlich des veröffentlichten Falls, verzichteten nicht auf Cannabis und litten immer wieder an Erbrechen. Drei Fälle haben sich nach einer Abstinenz dazu entschieden, wieder Cannabis zu konsumieren. Infolge dessen wurden sie wieder krank. Zwei dieser Fälle verzichteten erneut auf Cannabis und bleiben gesund.

Aus den Ergebnissen schlussfolgerten die Forscher, dass ein chronischer Cannabismissbrauch in allen Fällen die Ursache des zyklischen Erbrechens war, einschließlich des zuvor beschriebenen Falls von psychogenem Erbrechen.

Studie 2:

Im Jahr 2013 erklärten Forscher der Temple University School of Medicine in Philadelphia, das ihr Verständnis des CH-Syndroms einige Mängel aufweise. So gebe es keine epidemiologischen Daten und Prävalenz zu einem Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom bei chronischen Cannabiskonsumenten. Im Rahmen ihrer Studie verglichen die Forscher verschiedene Untersuchungen und Fallberichte.

Sie erklärten, dass einige Menschen vermutlich genetische Polymorphismen in den Cytochrom-P450-Enzymen aufweisen, die für den Metabolismus der Cannabinoide verantwortlich sind. Dies könnte zu übermäßigen Mengen an pro-emetischen Cannabinoiden oder emetogenen Metaboliten führen. Solche genetischen Variationen müssten jedoch bei Patienten, die mit CHS diagnostiziert werden, noch untersucht werden.

Eine weitere Erklärung könnte sein, dass bei anfälligen Personen die pro-emetische Wirkung (Erbrechen bewirkend) von Cannabis auf den Darm (z. B. eine verzögerte Magenentleerung) seine anti-emetischen ZNS-Eigenschaften außer Kraft setzt. Diese Hypothese wird durch die Demonstration einer verzögerten Magenentleerung bei der Magenentleerungsszintigrafie gestützt.

Darüber hinaus legt diese Studie nahe, dass vom CH-Syndrom meist chronische Cannabiskonsumenten betroffen sind. So heißt es hier, dass die Betroffenen im Durchschnitt einen etwa 16 Jahre langen Cannabiskonsum angaben.

Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom: Schlussfolgerungen

Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom tritt sehr selten auf und sind auch nur wenige Fälle bekannt. Es wird angenommen, dass vorwiegend chronische Cannabiskonsumenten davon betroffen sind, die seit vielen Jahren hohe Dosen Cannabis konsumieren. In den Untersuchungen heißt es auch immer wieder, dass die Anwender  „Joints“ rauchen. Ob sich also das CH-Syndrom auch beim Vaporisieren entwickeln kann, ist unklar. Auch die genauen Ursachen und Wirkweisen sind bislang nicht geklärt. Tritt das CH-Syndrom jedoch auf, so scheint nur der Verzicht auf Cannabis zu helfen.

 

 

 

 

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