Ärzte sind immer noch übervorsichtig bei der Verschreibung von Cannabis

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 2. Januar 2018

Geändert am: 7. März 2018

Das neue Cannabis-Gesetz bietet noch keine schlüsselfertige Lösung. Viele Ärzte sind übervorsichtig beim Verschreiben von Cannabis und befürchten zudem, in Regress genommen zu werden.

Ärzte sind immer noch übervorsichtig bei der Verschreibung von Cannabis

Ärzte rechnen ihre Leistungen nach einer Gebührenordnung ab. Das Verschreiben von Cannabis als Medizin bedeutet für viele Ärzte einen hohen Zeitaufwand. Gleichzeitig gehen sie ein hohes Risiko ein, denn überschreiten Ärzte ihre Budgets, weil sie beispielsweise Gebühren fehlerhaft berechnet haben, können sie in Regress genommen werden. Bei den üblichen medizinischen Maßnahmen und Medikamenten kennen die Ärzte ihre Grenzen. Jedoch sind viele Ärzte unsicher und übervorsichtig, wenn es um die Verschreibung von Medizinalhanf geht.

Wenn ein Arzt viel Medizinalhanf verschreibt, das die Krankenkassen erstatten müssen, entstehen hohe Kosten. Gerät der Arzt in den Fokus der Krankenkasse und lässt diese ihn überprüfen, so kann das für den Arzt teuer werden, wenn ihm unterstellt wird, dass günstigere Therapiemöglichkeiten nicht ausreichend ausgeschöpft wurden.

Ärzte, die Cannabis verschreiben, müssen ihre Patienten aufklären und Daten anonymisiert sammeln. Hierfür wurde zum 1. Oktober 2017 rückwirkend eine Gebührenordnung verabschiedet. Nunmehr darf der Arzt für die Datenerhebung 28 Punkte (2,95 Euro), für die Datenerfassung und Übermittlung 92 Punkte (9,70 Euro) und für die Unterstützung bei der Antragstellung für die Kostenübernahme bei der Krankenkasse 143 Punkte (15,06 Euro) abrechnen. Sieht man sich im Vergleich den Zeitaufwand für den Arzt an, so ist sein Verdienst unterdurchschnittlich, was wiederum zur Folge hat, dass nur wenige Ärzte bereit sind, Cannabis zu verschreiben.

Jeder Arzt hat ein Jahresbudget, mit dem er auskommen muss. Lediglich die Medikamente für chronisch Kranke gehen hieran vorbei. Alles andere wird vom Budget heruntergerechnet und da die Krankenkasse Cannabis nur bei schweren Erkrankungen erstatten, wäre dies eigentlich kein Problem für die Ärzte. Wenn die Kostenübernahme abgelehnt wurde oder ein Patient nicht an einer schweren Erkrankung leidet, kann der Arzt ein Privatrezept für Cannabis ausstellen. Die Kosten muss der Patient dann selbst tragen.

Die Regresspflicht soll verhindern, dass „unnötige“ Kosten verhindert werden, was nicht immer zum Vorteil der Patienten ist. Zwar sind Cannabisblüten/-extrakte und cannabinoidhaltige Fertigarzneimittel auch nur Medikamente, aktuell aber Neuland, sodass sich zukünftig vermutlich noch viele Probleme zeigen werden. Für Patienten bedeutet dies zunächst, dass sie leider weiterhin nach Ärzten suchen müssen, die bereit sind, ihnen Cannabis zu verschreiben.

Warum sollten Ärzte Cannabis verschreiben?

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