Aktionstag gegen den Schmerz: Projekt PAIN2020

„Handeln, bevor Schmerzen chronisch werden – das ist der Grundgedanke des bundesweiten Modellprojekts PAIN2020“, erklärt die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. anlässlich des heutigen 8. bundesweiten Aktionstages gegen den Schmerz.

Aktionstag gegen den Schmerz: Projekt PAIN2020

Wenn Schmerzen chronisch werden, bedeutet das für Betroffene großes Leid. Infolge dessen leidet die Psyche, die Lebensqualität sinkt und die Arbeitsfähigkeit lässt nach. Laut der Deutschen Schmerzgesellschaft sind mehr als 12 Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Das Modellprojekt PAIN2020 soll nun Schmerzpatienten helfen.

„Bei den meisten Menschen mit chronischen Schmerzen dauert es oft mehrere Jahre, bis sie eine wirksame Schmerzbehandlung erhalten“, erklärt Professor Dr. med. Claudia Sommer, Präsidentin der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. und leitende Oberärztin und Schmerzforscherin an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg.

PAIN2020 – Handeln, bevor Schmerzen chronisch werden

Auf der heutigen Pressekonferenz zum Aktionstag gegen Schmerz in Berlin erläutern verschiedene Experten das Versorgungsforschungsprojekt PAIN2020. Auch Cannabis als Medizin bei Schmerzen wird hier ein Thema sein. Leafly.de wird selbstverständlich vor Ort sein.

„Handeln, bevor Schmerzen chronisch werden – das ist die Devise des bundesweiten Versorgungsforschungsprojektes PAIN2020, mit dem Patienten über eine ambulante interprofessionelle Therapie vor chronischen Schmerzen bewahrt werden sollen“, erklärte Sommer vorab in einer Pressemitteilung.

Weiter erklärte die Präsidentin der Schmerzgesellschaft, dass bestimmte Anzeichen auf das Risiko einer Chronifizierung von Schmerzen hinweisen. So zum Beispiel, wenn die Schmerzen länger als sechs Wochen andauern oder aber immer wieder zurückkehren und dass trotz einer Behandlung. Wer seit mindestens vier Wochen krankgeschrieben ist aufgrund von Beschwerden, gehört ebenfalls zu den Risikopatienten.

„Wenn es gelingt, diese ‚Risikopatienten‘ früh zu identifizieren und dann auch früh zu behandeln, bleibt ihnen möglicherweise ein jahrelanger Leidensweg erspart“, führte Sommer aus.

Versorgungssituation von Patienten verbessern

Gemeinsam mit der Krankenkasse BARMER und weiteren Partnern hat die Deutsche Schmerzgesellschaft jetzt das Projekt PAIN2020 ins Leben gerufen. Dieses steht für: „Patientenorientiert. Abgestuft. Interdisziplinär. Netzwerk.“

Im Fokus steht hier die Frage, ob sich die Versorgungssituation von Patienten verbessern lässt, wenn diese frühzeitig eine interdisziplinäre Diagnostik und Therapieempfehlungen erhalten. Das Projekt läuft über drei Jahre und erhält eine Förderung vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) in Höhe von sieben Millionen Euro.

27 Kliniken, Schmerzzentren und Schmerzambulanzen sind bereits PAIN2020-Zentren und haben die ersten Patienten in das Projekt aufgenommen. Rund 6000 weitere Teilnehmer werden im Zeitraum des vom G-BA-Innovationsfonds bewilligten Projekts folgen.

Am heutigen Aktionstag können Patienten eine kostenlose Hotline nutzen und sich informieren. Diese ist erreichbar zwischen 09:00 und 18:00 Uhr unter:

Tel.: 0800-18 18 120

Darüber hinaus gibt es eine SchmerzApp mit Informationen rund um das Thema Schmerz.

Was können die Patienten noch vom Projekt PAIN2020 erwarten?

In der Pressemitteilung heißt es weiter, dass Patienten eine interdisziplinäre multimodale Bewertung durch ein Team aus Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten erwarten dürfen. Diese empfehlen auf der Grundlage der jeweiligen Befunde eine individuelle Therapie und beraten Patienten umfassend.

„Was wir als Schmerzexperten immer fordern, nämlich eine ganzheitliche Sicht auf den Patienten und die möglichen Ursachen seiner Schmerzen, wird bei PAIN2020 möglich: Ein interprofessionelles Team trifft zusammen mit dem Patienten zu einem frühen Zeitpunkt eine gemeinsame Therapieentscheidung“, so Sommer.

Darüber hinaus werden zwei unterschiedliche interdisziplinäre und multimodale (Schmerz) Therapiemodule erprobt. Diese sollen die die üblichen Therapieformen in der ambulanten Versorgung ergänzen.

  • Therapiemodul „Edukation (E-IMST)“: Der Patient erhält eine dreistündige Schulung zum Thema Schmerz sowie über die Bedeutung von Eigenverantwortung in der Anwendung schmerzreduzierender Strategien.
  • Begleitende Therapie (B-IMST): Diese Therapie ist berufsbegleitend und verteilt sich auf 32 Stunden in zehn Wochen. Gruppen mit jeweils acht Patienten erhalten Informationen und Unterstützung zur Schmerzbewältigung.

„Das Gesundheitswesen ist für die Patienten da – und nicht umgekehrt! Von daher sind wir schon jetzt sehr zuversichtlich, dass das Projekt nach Evaluation und Projektabschluss in die Regelversorgung übernommen werden kann und den Kampf gegen den Schmerz wesentlich verbessert“, erklärte Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft.

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