Alzheimer: Neue Studie mit Cannabis-Arzneimittel

Alzheimer, die häufigste Form von Demenz, führt zu einem zunehmenden Verlust von geistigen Fähigkeiten und Hirnfunktionen. Weitere Symptome der Erkrankung sind Aggressivität und Unruhe. Eine neue britische Studie soll zeigen, ob das Mundspray Sativex® Linderung bringt.

Alzheimer: Neue Studie mit Cannabis-Arzneimittel

Die führende britische Demenz-Forschungsorganisation „Alzheimer’s Research UK“ teilte mit, eine klinische Studie am King’s College London zu finanzieren, in der eine Cannabis-Behandlung von Demenzkranken bzw. an Alzheimer erkrankten Patienten untersucht wird. Bei dem Cannabis-Arzneimittel handelt es sich um das Mundspray Sativex®. Dieses ist in Großbritannien wie auch in Deutschland bisher zur Behandlung von Spastiken im Zuge einer Multiplen Sklerose zugelassen.

Was ist Alzheimer?

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. In Deutschland leben mehr als 1,5 Millionen Menschen mit Alzheimer. Diese unheilbare Erkrankung des Gehirns macht sich durch den fortschreitenden Verlust des Gedächtnisses bemerkbar. Da Nervenzellen im Gehirn absterben, werden die Betroffenen zunehmend vergesslich, verwirrt und sogar orientierungslos.

Neben diesen bekanntesten Alzheimer Symptomen verändern sich im Verlauf der Krankheit aber auch die Persönlichkeit und das Verhalten. Aggressionen, Erregung und Unruhezustände können auftreten. Dies ist häufig einer der schwierigsten Aspekte der Krankheit – sowohl für den Demenzkranken als auch für Angehörige und Pflegende. (Mehr zum Thema Alzheimer hier.)

Cannabis-Mundspray gegen Unruhe und Erregung

Sativex® ist ein Mundspray, das die Cannabinoide Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) im Verhältnis 1:1 enthält. Das Medikament wird bereits in England wie in Deutschland bei Muskelsteifheit und Verspannungen bei Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose angewendet. Für andere Therapien ist das Cannabis-Medikament derzeit nicht zugelassen. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass das Cannabis-Spray auch bestimmte Symptome der Demenz lindern kann. Dies soll die klinische Studie am King’s College überprüfen.

Für die klinische Phase-II-Studie mit Sativex® hat „Alzheimer’s Research UK“ rund 340.000 Euro zur Verfügung gestellt. Das hat die Forschungs-Organisation in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. Die Sativex®-Studie wird nun prüfen, ob es möglich ist, Agitiertheit bei Patienten mit Alzheimererkrankung mit dem Medikament zu behandeln.

Kann Cannabis Alzheimer Symptome lindern?

Das Studienteam am King’s College London wird Freiwillige mit einer Alzheimer-Erkrankung rekrutieren, die zwischen 55 und 90 Jahren alt sind, in Pflegeheimen leben und Symptome von Erregung oder Aggression zeigen. Die Probanden der Studie nehmen das Medikament vier Wochen lang ein. Die Forscher vergleichen dann die Ergebnisse derjenigen, die Sativex® einnehmen und derjenigen, die ein Scheinmedikament erhalten.

Der erfolgreiche Abschluss der Forschung wird den Wissenschaftlern zeigen, ob eine größere klinische Studie mit Sativex® bei Patienten mit Demenz durchgeführt werden sollte.

Professor Dag Aarsland, der leitende Forscher der Studie, erklärt:

„Derzeitige Behandlungen von Verhaltensstörungen und psychiatrischen Symptomen von Demenz sind sehr begrenzt und wir müssen dringend Alternativen entwickeln. Ärzte verschreiben manchmal antipsychotische Medikamente, und obwohl diese Medikamente wichtige Vorteile haben können, müssen sie gegen das Risiko sehr schwerwiegender Nebenwirkungen abgewogen werden.“

Die Untersuchung soll auch zeigen, ob es praktikabel ist, Demenzkranken im agitierten Zustand ein Mundspray zu verabreichen.

Vielzahl von medizinischen Ansätzen bei Demenz wichtig

Die Forscher erwarten keine Heilung des Krankheitsprozesses durch Cannabis. Auch wenn ein Hauptanliegen der Demenzforschung sei, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder zu verhindern. Diese Studie ziele darauf ab, den Alltag der Betroffenen zu verbessern, erklärt Dr. David Reynolds von der britischen Demenz-Forschungsorganisation:

„Da es seit über 15 Jahren keine neuen Demenz-Behandlungen mehr gibt, ist es äußerst wichtig, dass wir eine Vielzahl von Ansätzen testen, um wirksame Wege zu finden, Menschen zu helfen, die mit der Erkrankung leben. Ein Hauptanliegen der Demenzforschung ist die Entwicklung von Medikamenten, die das Fortschreiten der Demenz-Erkrankung verlangsamen oder stoppen, aber ein Medikament, von dem die Menschen in Alltag profitieren, ist ebenfalls wirklich wichtig.“

Durch die Studie soll auch festgestellt werden, ob mögliche Nebenwirkungen wie Gedächtnisstörungen, Koordinationsschwierigkeiten oder Angstzustände bei den Probanden durch Sativex® auftreten.

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