Alzheimer: Mehr Forschung mit Medizinalcannabis

Verschiedene Studien haben bereits Hinweise darauf geliefert, dass Medizinalcannabis womöglich bei Alzheimer effektiv eingesetzt werden kann. Der bekannte Neurowissenschaftler Dr. Ethan Russo fordert jedoch mehr klinische Studien.

Alzheimer: Mehr Forschung mit Medizinalcannabis

Die Alzheimer-Krankheit ist bislang nicht heilbar. In einem Bericht aus den USA heißt es, dass die Pharmaindustrie große Anstrengungen unternommen hat, um Betroffenen Arzneimitteloptionen zur Verbesserung ihrer Lebensqualität zur Verfügung zu stellen. Tatsächlich gibt es jetzt vier von der FDA zugelassene Arzneimittel zur Behandlung von Gedächtnisverlust bei Patienten mit Alzheimer. Jedoch sind die Wirksamkeitsraten niedrig.

Verschiedene Studien legen nahe, dass Medizinalcannabis bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer wirksam sein könnte. Dies bestätigt auch der in Seattle ansässige Neurowissenschaftler Dr. Ethan Russo, Direktor für Forschung und Entwicklung am Internationalen Institut für Cannabis und Cannabinoide. Dabei hat sich Russo auf die Ursachen der Erkrankung sowie auf die Behandlung mit cannabisbasierten Arzneimitteln konzentriert. Laut Russo sei der Entourage-Effekt, also die Wirkung aller Inhaltsstoffe aus der Cannabisstoffe, besonders wichtig.

„Alle Komponenten in der Cannabispflanze arbeiten wie eine Symphonie zusammen. Man könnte THC als Solisten mit einem wichtigen Anteil an CBD betrachten, aber Sie haben auch diese anderen Komponenten, die eine Harmonie erzeugen, die den Gesamteffekt wirklich erhöht“, führt Russo aus.

Bedeutung des Entourage-Effekts

Bereits im Jahr 2011 veröffentlichte Russo die Ergebnisse seiner Studie über die Synergien der Phytocannabinoide und erklärte, wie sich die Cannabisstoffe aufeinander auswirken können.

Die Bedeutung dieses Entourage-Effekts kann laut Russo nicht genug betont werden, insbesondere beim aktuellen CBD-Hype. Weiter heißt es in dem Bericht, dass Martha Stewarts jüngstes unternehmerisches Spiel in der Heimtier-CBD-Szene von vielen Leuten und den Medien als Glaubwürdigkeitsmacher für die Cannabisindustrie angesehen wurde (Leafly.de berichtete). Doch CBD ohne THC sei aufgrund empirischer Forschungsstudien erheblich weniger effektiv, so Russo.

Alzheimer: Klinische Studien sind erforderlich

Russo zufolge ist es an der Zeit, klinische Studien durchzuführen. Es wurde gezeigt, dass sowohl THC als auch CBD die Produktion abnormaler toxischer Substanzen im Gehirn von Patienten mit Alzheimer stören.

„Sowohl THC als auch CBD sind bekannte neuroprotektive Wirkstoffe, die den degenerativen Prozess möglicherweise verlangsamen oder sogar stoppen können“, erklärt Russo.

Darüber hinaus wurde auch die Rolle des Endocannabinoidsystems bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer in verschiedenen Studien untersucht. Beispielsweise fanden Forscher bei verstorbenen Alzheimer-Patienten Veränderungen im Endocannabinoidsystem, insbesondere in den Hauptimmunzellen des Zentralnervensystems. Aus diesem Grund wird angenommen, dass das Endocannabinoidsystem, das durch cannabisbasierte Arzneimittel aktiviert werden kann, bei der Entwicklung von Alzheimer von Bedeutung ist.

Die bisherigen Forschungsergebnisse sind vielversprechend. Es bedarf jedoch noch einer intensiven Erforschung, um genau klären zu können, wie Medizinalcannabis bei neurodegenerativen Erkrankungen wirken kann.

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Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

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