Apotheker halten Cannabis als Medizin für sinnvoll

Autor: Gesa Riedewald

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Seit nunmehr 18 Monaten können sich Patienten Cannabis als Medizin von ihrem Arzt verschreiben lassen. Aber wie stehen die Apotheker dazu? Eine aktuelle Umfrage zeigt: Medizinalhanf finden die meisten Apotheker eine sinnvolle Behandlungsoption. Allerdings kritisieren sie den hohen bürokratischen Aufwand und die Lieferengpässe bei Cannabisblüten.

Apotheker halten Cannabis als Medizin für sinnvoll

Eine aktuelle Umfrage unter 300 deutschen Apothekern zeigt, dass sie die Anwendung von Cannabis als Medizin positiv sehen: Drei Viertel der Befragten bewerten Cannabis grundsätzlich als eine sinnvolle medizinische Therapie. Über die Hälfte der befragten Apotheker sind sogar eindeutig von der therapeutischen Wirkung des medizinischen Cannabis überzeugt. Das gab das Unternehmen Wayland in einer Pressemitteilung bekannt.

Kleinere Apotheken haben wenig Erfahrung mit Medizinalhanf

Mehr als 60 Prozent der befragten Apotheken gaben in der Umfrage an, dieses Jahr schon Cannabis als Medizin abgegeben zu haben. Somit ist Cannabis zumindest teilweise in der alltäglichen Patientenversorgung angekommen.

 Die Umfrage zeigt allerdings auch: Je weniger Filialen eine Apotheke besitzt, umso weniger Erfahrung hat sie mit dem Thema Cannabis. Rund die Hälfte der befragten Apotheken mit nur ein bis zwei Standorten gab an, bisher noch kein medizinisches Cannabis abgegeben zu haben.

„Größere Apotheken haben scheinbar schneller die Marktpotenziale von medizinischem Cannabis für sich erkannt und umgesetzt“, erläutert Morten Brandt, Deutschlandc-Chef von Wayland.

Bürokratie und schlechte Verfügbarkeit die größten Probleme

Der größte Hemmschuh ist die Bürokratie: 64 Prozent der befragten Pharmazeuten kritisieren den hohen bürokratischen Aufwand bei Verordnung, Abgabe und Erstattung. Ein weiteres Problem ist die mangelnde Verfügbarkeit von Cannabisblüten, wie 56 Prozent der Befragten anmerken. Ein Drittel der Apotheker (32 %) moniert, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Kostenübernahme zu häufig ablehnen.

Aber auch das Imageproblem von Cannabis spielt immer noch eine Rolle: Jeder fünfte Apotheker macht sich Sorgen, dass er mit Medizinalhanf „das falsche Klientel“ anziehe. Knapp 22 Prozent sehen den Mangel an wissenschaftlichen Belegen als Schwierigkeit. Fast dieselbe Anzahl (21 %) kann die Nebenwirkungen nicht wirklich einschätzen.

Grundsätzlich erwähnen die Apotheker immer wieder, dass die Prüfung und Kontrolle der Ausgangsstoffe zu aufwendig sei. Außerdem moniert jeder fünfte Apotheker die Unkenntnis und Unsicherheit der verordnenden Ärzte rund um die Behandlung mit Cannabis als Medizin.

Apotheker fordern mehr Fortbildungen und Schulungen

Wenn man sich die Probleme ansieht, die die Apotheker kritisieren, erstaunt es nicht, welche Verbesserungsvorschläge sie anführen. So wünschen sich mehr als die Hälfte der Befragten eine Erleichterung der staatlichen Auflagen, um die bürokratischen Hürden abzubauen.

Um sicherer im Umgang mit Cannabis als Medizin zu sein, wünscht sich fast die Hälfte der Befragten, dass das Thema künftig auf die Lehrpläne beim Pharmaziestudium und bei der PTA-Ausbildung integriert wird. Außerdem erhoffen sich die Apotheker mehr Fortbildungsangebot (44 %) und Schulungen (40 %).

Zur Umfrage

Die deutschlandweite Online-Umfrage wurde im Zeitraum vom 20. August bis zum 3. September von DocCheck Research im Auftrag von Wayland durchgeführt. DocCheck Research ist ein Institut für Markt- und Meinungsforschung im Bereich Pharma und Healthcare. Wayland ist ein Cannabis-Produzent, der sowohl im kanadischen Burlington als auch in München ansässig ist. Das Unternehmen wurde als Maricann Group gegründet, firmierte im September 2018 aber um.

Die Apotheker sehen Cannabis als Medizin positiv – eine Legalisierung von Cannabis für den Freizeit-Konsum lehnt die Bundesapothekerkammer allerdings ab. Leafly.de berichtete.

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