Apotheker fühlen sich nicht gut informiert

Das Expertenpanel aposcope hat bei Apotheken und PTAs eine Umfrage durchgeführt. Obwohl Apotheker dem Thema Medizinalcannabis offen gegenüberstehen, fühlen sie sich jedoch noch nicht gut dazu informiert.

Apotheker fühlen sich nicht gut informiert

Die Umfrage von aposcope fand vom 5. bis 6. Juli 2019 statt. Hieran nahmen 508 Apotheker und PTAs teil. Dabei besteht das Expertenpanel von aposcope aus über 2 000 zertifizierten Apothekern und PTAs. Im Ergebnis heißt es, dass sich lediglich 56 Prozent der Teilnehmer gut zum Thema Medizinalcannabis informiert fühlen.

Apotheker wünschen sich mehr Informationen

Darüber hinaus heißt es, dass sich 66 Prozent der Teilnehmer mehr Informationen zur Abrechnung wünschen. 65 Prozent der Befragten benötigen mehr Informationen zur Abgabe von Medizinalcannabis und 63 Prozent zu rechtlichen Fragestellungen. Ebenso benötigen sie Informationen zu den folgenden Themen:

  • zugelassene Fertigarzneimittel und Cannabisblüten
  • Rezepturhinweise
  • Identitätsprüfung der Cannabisblüten

Als hilfreich erachten die Apotheker auch Aufklärungsmaterial für Patienten. Produktbroschüren betrachten sie als weniger wichtig.

Mehr Informationen vom BfArM

Weiter heißt es, dass sich 61 Prozent der Umfrageteilnehmer vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mehr Informationen zum Thema Medizinalcannabis wünschen. 57 Prozent wünschen sich dies hingegen von den Apothekenkammern und 49 Prozent von den Apothekenverbänden. Nur 38 Prozent wünschen die Informationen von den Krankenkassen.

Apotheker holen sich Informationen über Fachmedien

90 Prozent der Befragten holen sich die benötigten Informationen über Fachmedien und -portale. Nur 32 Prozent nutzen die Kammern und Verbände zur Informationsgewinnung. Das Internet sowie die allgemeinen Medien nutzen hingegen wiederum 53 Prozent der Befragten.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) führte aus, dass die Informationen zu Medizinalcannabis im Mitgliederbereich „rege genutzt“ werden.

„Wir verzeichnen fünfstellige Zugriffszahlen. In den FAQ werden alle allgemeinen Fragen von Apothekern beantwortet“, erklärte eine Sprecherin des ABDA.

Weiter erklärte sie, dass das Dokument regelmäßig auf Aktualität und Vollständigkeit geprüft werde. Zudem seien in den vergangenen Monaten keine Anfragen von Apothekern eingegangen, die nicht von den FAQ beantwortet werden konnten.

„Wenn uns Anfragen von Apothekern zu Wissenslücken rund um medizinisches Cannabis erreichen, nehmen wir diese ernst und prüfen, ob wir die FAQ entsprechend erweitern können“, erklärte die Sprecherin weiter.

Medizinalcannabis und Lieferschwierigkeiten

Bei der Belieferung von Cannabisrezepten sie die größte Herausforderung immer noch der Bezug der Rezepturstoffe. Direkt danach kommen die Probleme mit der Abrechnung, Taxierung und dem Retax. Zum Thema Verfügbarkeit erklärte die Sprecherin des ABDA:

„Die ABDA erfasst die Liefersituation bei medizinischem Cannabis nicht systematisch, da sich diese täglich ändern kann. Bei Lieferengpässen kann der verordnende Arzt oft für den jeweiligen Patienten auf ähnliche Sorten anderer Hersteller ausweichen.“

Sollten die verordneten Cannabisblüten eines Produzenten nicht lieferbar sein, muss die Apotheke erst mit dem Arzt sprechen. Erst dann könne auf eine andere Cannabissorte ausgewichen werden.

Darüber hinaus erklärte die Sprecherin, dass bei einzelnen Cannabissorten Lieferschwierigkeiten möglich seien. Insbesondere dann, wenn Chargen ausverkauft oder noch nicht freigegeben seien.

Wie bewältigen die Apotheken die Probleme?

Aus der Umfrage geht hervor, dass 36 Prozent bereits einen Kollegen eingesetzt haben, der sich auf das Thema Medizinalcannabis spezialisiert hat. Interessant ist auch, dass jede vierte Apotheke schon einen internen Prozess- und Beratungsleitfaden erstellt hat. Außerdem gab es bei einigen Apotheken interne Teamfortbildungen (16 Prozent).

Den größten Optimierungsbedarf sehen die Apotheker und PTAs in der Kommunikation. Laut jedem vierten Umfrageteilnehmer muss sich die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Beteiligten verbessern. Ein großes Verbesserungspotenzial in Bezug auf die Rezeptausstellung und Informiertheit sehen 21 Prozent. Lediglich 17 Prozent der Teilnehmer erklärten, dass die Abläufe einwandfrei und die Ärzte kooperativ sind.

Unterstützung bekommen die Apotheken jetzt auch vom Verband der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA), der erst vor kurzem gegründet wurde (Leafly.de berichtete). Dieser setzt sich für bessere Bedingungen für Apotheker und Patienten ein.

 

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