Appetit und Hunger: Wie Cannabis dies beeinflusst

Autor: Gesa Riedewald

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Hilfe bei Appetitverlust und krankheitsbedingter Anorexie: Neue Untersuchungen zeigen, wie der Cannabiskonsum das Essverhalten beeinflusst. Dass Cannabis den Appetit anregt, ist nicht neu. Die Forscher der Washington State University wollten aber herausfinden, wie sich Cannabinoide auf das Hungergefühl auswirken. Die Ergebnisse könnten vor allem für schwer kranke Menschen – beispielsweise Krebspatienten – neue Behandlungsmethoden aufzeigen.

Appetit und Hunger: Wie Cannabis dies beeinflusst

Die neuen Forschungen dazu, wie der Cannabiskonsum das Essverhalten verändert, können zu Therapien gegen den Verlust von Appetit bei schweren Erkrankungen wie Krebs oder AIDS / HIV führen. Das ist die Meinung der Experten der Washington State University, die die Studie durchgeführt haben. Bei den Untersuchungen setzten die Wissenschaftler Laborratten mithilfe eines neuen Verfahrens Cannabis-Dampf aus.

Die Forscher fanden so heraus, wie Cannabis Hungerhormone auslöst. Außerdem gelang es den Wissenschaftlern, die spezifischen Gehirnregionen zu identifizieren, die unter dem Einfluss von Cannabis in einen „hungrigen“ Modus wechseln. Die Studienergebnisse veröffentlichten die Forscher kürzlich bei der Society for the Study of Ingestive Behavior, einem internationalen Treffen von wissenschaftlichen Experten zum Thema Nahrungsaufnahme.

Wie wirkt sich Cannabis auf das Essverhalten und den Appetit aus?

„Wir wissen alle, dass Cannabiskonsum den Appetit beeinflusst, aber bis vor Kurzem haben wir eigentlich nur sehr wenig darüber verstanden, wie oder warum“, so Jon Davis, Forscher in der Abteilung für Integrative Physiologie und Neurowissenschaften der Washington State University. „Durch die Untersuchung der Exposition gegenüber Cannabis-Pflanzen, der am häufigsten konsumierten Form, finden wir genetische und physiologische Abläufe im Körper, die es Cannabis erlauben, das Essverhalten an- oder auszuschalten.“

Vor allem das Cannabiniod Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) kann den Appetit anregen. Diese Fähigkeit von THC ist wertvoll, da viele Krankheiten extremen Appetitverlust verursachen, der die Lebensqualität verringert und die Genesung der Patienten verlangsamt.

Cannabis versetzt das Gehirn in den Hunger-Modus

Für die neuen Studien entwarfen die Wissenschaftler ein Verdampfungssystem, um nachzuahmen, wie Menschen häufig Cannabis konsumieren. Dies ermöglicht eine genaue Kontrolle der Dosierung. Darüber hinaus wurden die Mahlzeiten der Ratten während des Tages überwacht. Dabei zeigte sich: Selbst wenn die Tiere dem Cannabis-Dampf nur kurz ausgesetzt waren, stimulierte dies die Nahrungsaufnahme – selbst wenn die Ratten kürzlich gegessen hatten. Das deutet darauf hin, dass das Inhalieren von Cannabis-Dampf das Gehirn in den Hunger-Modus versetzt.

„Wir fanden heraus, dass Cannabis-Exposition häufigere, kleine Mahlzeiten verursacht“, sagte Davis. „Aber es gibt eine Verzögerung, bevor es Wirkung zeigt.“

Diese Verzögerung liefert einen Hinweis darauf, wie Cannabis wirken könnte: Wenn der Magen leer ist, gibt er normalerweise ein Hormon namens Ghrelin frei. Dies ist eine Nachricht an das Gehirn, dass es an der Zeit ist, nach Nahrung zu suchen. Die Forscher erkannten, dass die Cannabis-Dosis einen Ghrelin-Anstieg auslöst. Als sie einen zweiten Wirkstoff gaben, der den Ghrelin-Anstieg verhindert, löste Cannabis keine Nahrungsaufnahme mehr aus.

Darüber hinaus zeigten die Untersuchungen auch Veränderungen in der Reaktion des Gehirns auf die Hunger-Nachricht. In einer kleinen Region des Hypothalamus, die für die Wahrnehmung von Ghrelin verantwortlich ist, veränderte Cannabis die genetische Aktivität von Gehirnzellen, die auf das Hormon reagieren.

Neue Hoffnung für krankheitsbedingte Anorexie

Die Forscher sind optimistisch, dass die Erkenntnisse, wie Cannabis im Körper wirkt, um den Appetit zu verändern, zu neuen Behandlungen für krankheitsbedingte Anorexie führen kann. Ein starker Appetitverlust ist ein häufiges Symptom vieler chronischer Erkrankungen und besonders problematisch bei Krebs, HIV / AIDS, Herzerkrankungen und einigen Stoffwechselstörungen. Eine zielgerichtete Behandlung, die die positiven Effekte auf den Appetit ohne größere Auswirkungen auf Körper und Geist bietet, könnte die Lebensqualität der Patienten verbessern und die Genesung beschleunigen.

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