Banken: US-Cannabisindustrie hofft auf neues Gesetz

In den USA boomen die Cannabisunternehmen. Dennoch ist es bisher für diese Branche sehr schwierig, mit Banken und Finanzinstituten zu kooperieren. Teilweise können die Unternehmen kein Konto eröffnen und zahlen die Gehälter in bar aus. Ein neues Gesetz soll das jetzt ändern. Hätte diese Regelung auch Auswirkungen für uns in Deutschland?

Banken: US-Cannabisindustrie hofft auf neues Gesetz

Amerikanische Banken scheuen Cannabisindustrie

In den USA haben viele Bundesstaaten Cannabis legalisiert. Dennoch ist es auf Bundesebene gemäß dem Klassifizierungssystem der Drug Enforcement Administration (DEA) immer noch verboten. Durch diese Einteilung wird Cannabis als genauso gefährlich eingestuft wie beispielsweise Heroin.

Wenn eine US-Bürgerin oder -Bürger in der Cannabisbranche arbeitet, drohen Sanktionen. Und Kanadier, die in der Industrie tätig sind und in die USA einreisen wollen, wurden davor gewarnt, dass sie Probleme bekommen könnten. (Leafly.de berichtete.)

Auch die amerikanischen Banken scheuen die Zusammenarbeit mit der boomenden Cannabisindustrie. Viele Bankhäuser und Finanzinstitute gehen keine Kundenbeziehungen mit Unternehmen ein, die über eine offizielle Cannabis-Verkaufslizenz verfügen. Sie haben Sorge davor, mit den Behörden in Konflikte zu geraten.

Dies hat bisher viele Cannabisfirmen gezwungen, mit Bargeld zu arbeiten: So bezahlen sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in bar. Und sogar Steuern wurden mit Säcken voller Dollarscheinen in cash beglichen.

Aber nicht nur die großen Unternehmen leiden unter diesem Problem, sondern auch die kleinen, legalen Cannabis-Shops. Die Besitzer sammeln ihre Einnahmen in prall gefüllten Umschlägen und Taschen. Auch sie bezahlen Gehälter und Steuern in bar. Darüber hinaus erhöht sich das Risiko von Überfällen aufgrund der hohen Bargeldsummen für diese Läden. Das bedeutet ein großes Sicherheitsrisiko für Shopbetreibende und Angestellte.

Gesetzentwurf soll Banken Zusammenarbeit ermöglichen

Vielleicht gehört dieses absurde Szenario aber bald der Vergangenheit an: Kürzlich hat das Repräsentantenhaus in Washington den SAFE Banking Act, “Secure and Fair Enforcement (SAFE) Act”, verabschiedet. Der Gesetzentwurf ist die erste Cannabisreform, die vom Parlament in der Geschichte des Kongresses genehmigt wurde.

Der Entwurf wird als ein großer Gewinn für Banken, Investoren und einen Großteil der legalen Cannabisindustrie angesehen. Wenn der Senat zustimmt, würde das Bankengesetz Finanzinstitute schützen, die mit legalen Cannabisunternehmen zusammenarbeiten.

Der Cannabis Act geht nun in den US-Senat. Ob er dort verabschiedet wird, ist noch nicht klar. Viele Beobachter sind allerdings optimistisch.

Auswirkungen für Deutschland?

Wird der SAFE Banking Act auch Auswirkungen auf den deutschen Cannabismarkt haben? Direkt sicherlich nicht. Aber durch die verbesserte Finanzierungssituation der Cannabisunternehmen in den USA, könnte das Gesetz auf längere Sicht durchaus einen Effekt auf Deutschland haben.

So erklärt Benedikt Sons, Mitgründer und Geschäftsführer der Cansativa GmbH, ein unabhängiger Großhändler für medizinisches Cannabis als Arzneimittel:

“Sollte der SAFE Banking Act auch im US-Senat verabschiedet werden, können Banken in Zukunft mit US-Cannabisfirmen, die ja bisher vornehmlich im Freizeitbereich tätig sind, zusammenarbeiten und das enorme Bargeldproblem der US-Cannabisindustrie würde aufgelöst. Wir erwarten keine unmittelbaren Effekte für die Versorgungslage des deutschen Marktes, da die USA bisher nicht als Exporteur für medizinisches Cannabis in Erscheinung getreten sind. Mittel- bis langfristig wird eine Diversifizierung und auch ein Markteintritt in den globalen Medizinal-Cannabis-Markt durch US-Cannabishersteller wahrscheinlicher, da sich deren Finanzierungsbedingungen verbessern werden.”

Medizinalcannabis aus den den USA? Bisher liegt das noch in weiter Ferne. Jedoch wären neue Importmöglichkeiten begrüßenswert, um die Versorgung der Cannabispatient*innen in Deutschland sicherzustellen.

Kritik: Gesetz nicht weitgehend genug

Es gibt in den USA auch Kritik am Bankengesetz, der Reformvorschlag sei nicht weitgehend genug. Verschiedene Organisation haben laut Leafly.com bemängelt, dass das neue Gesetz breitere und umfassendere Bemühungen zur Neuregelung der Cannabisgesetze untergraben würde.

Auch Politiker äußerten sich besorgt, dass Bankeninteressen vor einer größeren Cannabisreform stehen: „Der Kongress sollte nicht eine Bankreform alleine verordnen und denken, damit ist die Arbeit getan“, twitterte beispielsweise Chuck Schumer, Demokrat und Senator aus New York. „Wir brauchen die Entkriminalisierung auf Bundesebene, die Reform des Strafrechts und Investitionen, von denen kleine Unternehmen im Besitz von Minderheiten und Frauen profitieren.“

Ins gleiche Horn blies auch Cory Booker, ebenfalls Demokrat und Senator aus New Jersey:

„Wir können und müssen mehr tun“.

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