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Bauchspeicheldrü­sen­krebs: Ursachen, Symptome und Potenzial von Cannabis

Cannabis als Medizin findet bei Krebserkrankungen Anwendung, um unter anderem den Appetit zu fördern und um Schmerzen zu lindern. Nun liefern verschiedene Studien Hinweise darauf, dass die Cannabinoide aus der Cannabispflanze, und insbesondere CBD, womöglich dabei helfen können, das Tumorwachstum beim Bauchspeicheldrüsenkrebs zu verringern.

Bauchspeicheldrü­sen­krebs: Ursachen, Symptome und Potenzial von Cannabis

In Deutschland ist der Bauchspeicheldrüsenkrebs die dritthäufigste Krebstodesursache. Für Betroffene ist die Prognose meist ungünstig, da ein Tumor in der Bauchspeicheldrüse häufig erst spät erkannt wird.

Cannabis als Medizin kann krebskranken Betroffenen dabei helfen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Das belegen unter anderem auch unsere vielen Patientenberichte. Verschiedene Studien geben zudem Hinweise darauf, dass die Cannabinoide aus der Cannabispflanze möglicherweise den Bauchspeicheldrüsenkrebs bekämpfen können. Bevor wir jedoch tiefer in diese Thematik einsteigen, sehen wir uns erst einmal an, was ein Bauchspeicheldrüsenkrebs überhaupt ist, wie er entsteht, welche Symptome er verursachen kann, und welche Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen.

Was ist Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Beim Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) handelt es sich um einen bösartigen Tumor der Bauchspeicheldrüse. Häufig entsteht der Tumor im Pankreaskopf in der Nähe vom Gallengang (Pankreaskopfkarzinom).

Der Krebs betrifft in mehr als 95 Prozent der Fälle den sogenannten exokrinen Teil der Bauchspeicheldrüse, die Verdauungsenzyme produziert und wieder absondert. In diesem Fall wird dann auch von einem exokrinen Pankreaskarzinom gesprochen. Wesentlich seltener geht der Bauchspeicheldrüsenkrebs von den hormonproduzierenden Bauchspeicheldrüsenzellen aus (endokrines Pankreaskarzinom).

Bauchspeicheldrüsenkrebs und seine Ursachen

Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Karzinoms in der Bauchspeicheldrüse sind unbekannt. Bekannt ist aber, dass verschiedene Faktoren das Risiko erhöhen können. Hierzu gehören:

  • Alkoholkonsum
  • Nikotinkonsum
  • Adipositas (Fettleibigkeit)
  • Vorerkrankungen (chronische Bauchspeicheldrüsenentzündungen und/oder Diabetes mellitus)

Zudem wird davon ausgegangen, dass bestimmte Ernährungsgewohnheiten zu den Risikofaktoren gehören, wie zum Beispiel der häufige Verzehr von tierischen Fetten, Zucker sowie gegrillte und geräucherte Speisen. Weitere Risikofaktoren für Bauchspeicheldrüsenkrebs kann ein häufiger Kontakt mit Schadstoffen (z. B. Chrom/Chromverbindungen, Kraftstoffdämpfe oder chlorierte Kohlenwasserstoffe) sein.

Spielt eine erbliche Veranlagung bei der Entstehung des Pankreaskarzinoms eine Rolle?

Sollte ein Verwandter ersten Grades, also Eltern, Geschwister oder Kinder, an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkranken, so ist die Wahrscheinlichkeit im Vergleich zur Normalbevölkerung erhöht. Allerdings ganz nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden, dass ein Pankreaskarzinom erblich bedingt ist. So könnten beispielsweise auch dieselben Risikofaktoren, also eine ähnliche Lebensweise in der Familie, die Krebserkrankung fördern. Dennoch empfehlen Mediziner eine genetische Beratung, wenn mindestens zwei Verwandte ersten Grades betroffen sind.

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Symptome

Wie die meisten Krebsarten auch, verursacht ein Pankreaskarzinom im Anfangsstadium in der Regel keine Symptome. Im fortgeschrittenen Stadium zeigen sich dann meist die ersten Beschwerden, da der wachsende Tumor beispielsweise die Verdauungssaftproduktion in der Bauchspeicheldrüse oder aber das Abfließen in den Zwölffingerdarm behindert. Infolge dessen treten dann die sogenannten Fettstühle auf. Das heißt, dass unverdautes Fett vermehrt über den Stuhl abgegeben wird.

Wenn sich der Tumor auf benachbarte Organe wie Magen, Darm und Leber ausbreitet oder aber Druck auf die Wirbelsäule ausübt, kann es zu folgenden Symptomen kommen:

  • Oberbauchschmerzen
  • Druckgefühl im Bauch
  • Rückenschmerzen (vor allem in der Rückenlage)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Gewichtsverlust
  • Juckreiz
  • Gelbsucht

Typische Anzeichen für ein Pankreaskarzinom sind Oberbauchschmerzen und eine Gelbsucht. Dabei kommt es zu einer Gelbsucht, wenn sich der Tumor in der Nähe des Gallengangs befindet (Pankreaskopfkarzinom). Da der Tumor auf den Gallengang Druck ausübt, behindert er den Abfluss der Galle. Deshalb kommt es zu dunklen Urinausscheidungen und hellem Stuhl.

Wenn die Funktion der Bauchspeicheldrüse durch den Tumor stark beeinträchtigt ist, kann sich auch ein Diabetes mellitus entwickeln. Normalerweise setzt die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin frei. Dieses regelt die Verwertung von Zucker im Körper. Sollte die Insulinproduktion jedoch gestört sein, so entsteht ein Mangel, sodass sich der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht.

Des Weiteren kann der Tumor auch streuen und Metastasen (Tochtergeschwülste) in der Leber, Lunge und in den Knochen bilden.

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Diagnose

Eine frühzeitige Diagnose ist enorm wichtig. Denn so sind die Chancen, den Tumor erfolgreich operieren zu können gut. Sollte der Verdacht auf ein Pankreaskarzinom bestehen, so werden neben einem ausführlichen Arztgespräch verschiedene Untersuchungen durchgeführt:

  • Blutuntersuchung
  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie) und/oder Endosonographie
  • Röntgen-Thorax
  • Computertomografie (CT)
  • Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Bauchspiegelung (Laparoskopie)
  • Endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP)

Um festzustellen, ob sich bereits Metastasen gebildet haben, können die Skelettszintigraphie sowie Positronen-Emissions-Tomografie (PET) zum Einsatz kommen. Mithilfe dieser Untersuchungsmethoden lassen sich auch schon kleine Metastasen sichtbar machen.

Therapie bei Krebs der Bauchspeicheldrüse

Wenn der Krebs frühzeitig entdeckt wird, kann versucht werden, den Tumor operativ zu entfernen. Sollte der Pankreaskrebs jedoch zu lange unentdeckt bleiben, ist eine Operation in den meisten Fällen nicht mehr möglich. Die Behandlung hat dann das Ziel, die Krankheitsverlauf zu mildern sowie die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Zum Einsatz kommen dann in der Regel Medikamente sowie eine Chemotherapie und ggf. auch eine Bestrahlung.

Für die Prognose ist entscheidend, wie früh die Krebserkrankung erkannt wird. Wenn der Tumor rechtzeitig entfernt wird, besteht durchaus eine Chance auf Heilung. Ungefähr 40 Prozent der Patienten, bei denen der Tumor nicht größer als zwei Zentimeter ist und sich dieser vollständig entfernen lässt, überleben länger als fünf Jahre. Leider bleibt der Bauchspeicheldrüsenkrebs in dem meisten Fällen lange Zeit unentdeckt, sodass ein operativer Eingriff lediglich in ungefähr 15 Prozent der Fälle noch möglich ist. Demnach sinkt die Lebenserwartung mit dem Fortschreiten des Krebses.

Medizinalcannabis im Kampf gegen den Bauchspeicheldrüsenkrebs

Es existieren doch einige Studien, bei denen die Forscher die Wirkung von Cannabinoiden auf Pankreaskrebszellen untersucht haben. Allerdings wurden diese Studien lediglich im Labor oder an Mäusen durchgeführt. Dennoch zeigen die Ergebnisse deutlich, dass hier mehr Forschung notwendig ist.

Im Jahr 2006 erklärte spanische Forscher Complutense University in Madrid im Rahmen ihrer Studie, dass Cannabinoidrezeptoren in menschlichen Pankreastumorzelllinien und Tumorbiopsien in viel höheren Mengen als in normalem Pankreasgewebe exprimiert werden. In den Ergebnissen heißt es unter anderem, dass THC eine Apoptose (Zelltod) in den Krebszellen induzierte und dass sich das Wachstum der Tumorzellen in zwei Tiermodellen reduzierte.

Darüber hinaus verhinderte die Behandlung mit Cannabinoiden die Ausbreitung von Pankreastumorzellen. Weiter erklärten die Forscher, dass diese Erkenntnisse dazu beitragen können, die Grundlage für einen neuen therapeutischen Ansatz zur Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs zu schaffen.

Studie von der Technischen Universität München

Im Jahr 2009 führten Forscher der Technischen Universität München aus, dass man kürzlich gezeigt habe, dass Cannabinoide wachstumshemmende Eigenschaften bei Bauchspeicheldrüsenkrebs ausüben können.

In verschiedenen Untersuchungen zeigte sich, dass, obwohl sich die Endocannabinoid-Spiegel nicht zwischen gesunden Menschen und Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs unterschieden, die Cannabinoid-Rezeptoren sowie die FAAH- und MAGL-Spiegel eine signifikante Variation zeigten.

Erklärungen zu FAAH und MAGL

Erklärung zu FAAH: Bei der Fettsäureamid-Hydrolase (FAAH) handelt es sich um ein Enzym aus dem Fettstoffwechsel, das am menschlichen Endocannabinoidsystem beteiligt ist. Hauptsächlich bildet die Bauchspeicheldrüse, die Nieren sowie die Skelettmuskulatur das FAAH. Durch die Hemmung des FAAH erhofft man sich, in das Endocannabinoidsystem eingreifen zu können, um die gewünschten Effekte zu erzielen.

Erklärung zu MAGL: Die Aufgabe der Monoacylglycerol-Lipase ist es unter anderem, das körpereigene Cannabinoid 2-AG aufzubauen. Dieses Endocannabinoid ist bereits mit dem Altern bei Säugetieren in Verbindung gebracht worden (Leafly.de berichtete).

Weitere Ergebnisse der Forscher

Die Forscher erklärten in ihren Ergebnissen, dass die Konzentrationen von Cannabinoidrezeptoren im Pankreaskarzinom im Allgemeinen hochreguliert waren, was auf eine aktive Rolle dieser Rezeptoren bei der Pankreaskarzinogenese schließen lässt. Im Gegensatz zu den Befunden bei der akuten Pankreatitis, bei denen das Endocannabinoidsystem hochreguliert wurde, fanden sich keine Veränderungen der Endocannabinoid-Spiegel im Pankreaskarzinomgewebe. Dies kann auf die geringe Anzahl untersuchter Proben zurückzuführen sein, kann aber auch die starke desmoplastische Reaktion bei Bauchspeicheldrüsenkrebs widerspiegeln.

In den weiten Bereichen der peritumoralen Desmoplasie (Wachstum von fibrösem Bindegewebe) nahm der Anteil der Krebszellen am Stroma (bindegewebige Stützgerüst eines Organs) ab. Obwohl das Endocannabinoidsystem scheinbar nicht durch Bauchspeicheldrüsenkrebs beeinflusst wird, kann man spekulieren, dass die lokalen Konzentrationen von Endocannabinoiden in der Nähe der Tumorzellen signifikant verändert sein könnten. Mit den derzeit verwendeten Techniken seien solche Änderungen jedoch nicht messbar. Daher zogen die Forscher die Schlussfolgerungen, dass die Befunde hauptsächlich auf den Status der Cannabinoidrezeptoren und der Cannabinoid-metabolisierenden Enzyme stützen.

CBD und Krebs

Eine im Jahr 2018 durchgeführte Studie von britischen und australischen Forschern kam zu vielversprechenden Ergebnissen. Im Fokus der Untersuchung standen die G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPR55). Man geht davon aus, dass diese beim Wachstum verschiedener Krebsarten eine wichtige Rolle spielen. Bisher war allerdings unklar, ob die Hemmung der Rezeptoren das Überleben der Betroffenen verbessern kann. Interessanterweise gilt das nicht-psychoaktive Cannabinoid Cannabidiol (CBD) als Antagonist der GPR55-Rezeptoren.

Für die Experimente nutzten die Forscher Mäuse mit Pankreaskrebs, die in vier Gruppen aufgeteilt wurden. So erhielte zehn Mäuse CBD und acht Tiere Gemcitabin (Chemotherapeutikum. Weitere sieben Mäuse bekamen CBD und Gemcitabin, während neun weitere ein Placebo erhielten.

Im Ergebnis heißt es, dass die Mäuse, die sowohl CBD und Gemcitabin erhielten, fast 53 Tage nach Beginn der Behandlung überlebten. Hingegen überlebte die CBD-Gruppe rund 25 Tage und die Gemcitabin-Gruppe 28 Tage. Die Mäuse in der Placebo-Gruppe verstarben im Durchschnitt nach 19 Tagen.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass CBD womöglich in der Lage ist, die GPR55-Rzeptoren zu blockieren, sodass sie nicht mehr mit anderen Substanzen interagieren können und damit auch die Vermehrung der Krebszellen verhindert. Zudem erklärten die Forscher, dass CBD vermutlich die Entwicklung von Gemcitabin-Resistenzen hemmen kann.

 

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

 

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