Biosynthese: Auswirkungen auf die Cannabisindustrie

Autor: Alexandra Latour

Veröffentlicht am:

Geändert am:

Die Biosynthese, eine alternative, natürliche Methode zur Herstellung von Cannabinoiden, könnte tiefgreifende Auswirkungen auf die Cannabisindustrie haben. So sollen in den letzten Monaten die kanadischen Unternehmen Cronos Group und Organigram Investitionen getätigt haben, um mithilfe dieser Methode Cannabinoide herzustellen.

Biosynthese: Auswirkungen auf die Cannabisindustrie

Cannabinoide können aus der Cannabispflanze extrahiert oder synthetisch hergestellt werden. Zudem ist die Herstellung von Cannabinoiden aus Hefe mithilfe der Biosynthese möglich. Bei diesem Prozess werden Hefe oder das Bakterium Escherichia coli (E. coli) sowie Wasser, Zucker, Kohlendioxid und Enzyme verwendet.

Der entscheidende Vorteil dieser Methode besteht darin, dass es zu einer höheren Reinheit und niedrigeren Kosten bei einem wesentlich geringeren CO2-Ausstoß führt, als es beispielsweise bei der Extraktion von Cannabinoiden der Fall ist.

Biosynthese: Was sind die Folgen für die Cannabisindustrie?

Wenn es in der Cannabisindustrie ausschließlich um das Rauchen oder Verdampfen ginge, wäre die Herstellung von Cannabinoiden aus alternativen Methoden kein Problem. Jedoch macht der Markt für Medizinalcannabis mindestens die Hälfte des gesamten Cannabismarktes aus. Wenn sich die Biosynthese als skalierbare Technologie entwickelt, könnte dies den Cannabismarkt ordentlich durcheinanderbringen.

Die Biosynthese scheint Cannabinoide mit höherer Reinheit zu erzeugen. Darüber hinaus sollte die Technologie in der Lage sein, Cannabinoide herzustellen, die in der Cannabispflanze selbst nicht signifikant exprimiert werden. Diese selteneren Cannabinoide könnten besonders für pharmazeutische Unternehmen interessant sein, heißt es in einem Medienbericht.

Unternehmen entwickeln Biosynthese-Technologie

Aktuell arbeiten unter anderem die folgenden Unternehmen an der Weiterentwicklung der Biosynthese:

Anandia Laboratories ist ein kanadisches Cannabis-Kraftwerk, das von Aurora Cannabis erworben wurde. Das Unternehmen veröffentlicht seit dem Jahr 2012 Forschungsarbeiten zu diesem Thema, wobei der aktuelle Stand der Forschung nicht bekannt ist.

Die Gründung des in Massachusetts ansässigen Unternehmens Gingko Bioworks erfolgte im Jahr 2009 von MIT-Wissenschaftlern. Seit dem Jahr 2014 ist es an der Y Combinator beteiligt. Erst vor kurzem arbeitete das Unternehmen mit der Cronos Group zusammen, um Cannabinoide zu entwickeln. Das Unternehmen ist im Vergleich zu anderen Unternehmen finanziell gut aufgestellt. Unter anderem gehört Bill Gates zu den Investoren. Insgesamt hat Gingko Bioworks rund 430 Millionen US-Dollar aufgebracht.

Das kanadische Unternehmen InMed Pharmaceuticals unterscheidet sich von den Konkurrenten, da es Cannabinoide mithilfe des Bakteriums E. coli entwickelt.

Librede, ein kalifornisches Unternehmen, hat sich die Produktion von Cannabidiolsäure (CBDA) in Hefe bereits erfolgreich patentieren lassen, nachdem es im Jahr 2017 ein weiteres Patent für die Produktion von Cannabinoiden in Hefe erhalten hatte.

Auch Renew Biopharma in San Diego arbeitet daran, Cannabinoidmoleküle unter Verwendung von Mikroalgen und Hefe zu entwickeln. Das Unternehmen behauptet, Zugang zu einem umfangreichen Portfolio an Patenten zu haben, und plant. Zudem sei geplant, eigene Therapien für die Behandlung chronischer Schmerzen, die Huntington- und Parkinson-Krankheit sowie weitere Erkrankungen zu entwickeln.

Teewinot Life Science (ehemals CBC Technologies) in Florida hat patentgeschützte Biosyntheseverfahren für die Herstellung von THCVA, CBDVA, CBCVA und CBGVA entwickelt. Das Unternehmen verfügt auch über US-Patente zur Herstellung wasserlöslicher Cannabinoide und hat kürzlich ein kanadisches Patent angekündigt.

Wie sieht die Zukunft aus?

Noch hat sich die Biosynthese nicht als skalierbare Technologie bewährt, sie kann jedoch die Art und Weise, wie Cannabinoide in naher Zukunft hergestellt werden, radikal verändern.

Wenn sich die Technologie als erfolgreich erweist, könnte dies viele Cannabis-Unternehmen belasten. Einige Unternehmen sollen schon Investitionen getätigt haben, um sich auf etwaige Änderungen am Cannabismarkt einzustellen. Es dürfte spannend sein, die Entwicklung der Biosynthese in kommenden Jahren weiter zu beobachten.

 

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

Ähnliche Artikel