Bipolare Störung und Cannabis als Medizin

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 5. Juli 2018

Geändert am: 5. Juli 2018

Bipolare Störung und Cannabis als Medizin

Affektive Störungen, insbesondere die bipolare Störung, sind weit verbreitet und gehören zu den am häufigsten vorkommenden psychiatrischen Erkrankungen. Statistiken zeigen, dass einige Betroffene mit einer bipolaren Störung dazu neigen, Cannabis als Freizeitdroge, zur Dämpfung der Manie oder zur Stimmungsaufhellung in einer depressiven Phase nutzen. Laut dem Deutschen Ärzteblatt haben 50 bis 90 Prozent der Cannabiskonsumenten eine psychische Störung.

Weiter wird ausgeführt, dass einige Studien nahelegen, dass es einen Zusammenhang zwischen bipolaren Störungen und Cannabiskonsum bzw. dem vermehrten Auftreten von manischen Symptomen gibt. Die Studienlage bei depressiven Episoden sei weniger eindeutig. Dem muss entgegnet werden, dass bereits Studien belegen können, dass Cannabis einen antidepressiven Effekt haben kann.

Gehen wir aber zunächst auf das Krankheitsbild affektive Störung näher ein, bevor wir uns mit den Studien befassen.

Symptome einer bipolaren affektiven Störung

Die Symptome einer affektiven Störung unterscheiden sich danach, welche Stimmungsstörung aktuell vorliegt. So kann es sich hierbei um eine sogenannte unipolare Störung (Depression oder Manie) oder um eine bipolare Störung (manisch-depressive Erkrankung) handeln. Es können sich bei den unterschiedlichen Formen der affektiven Störungen manische und/oder depressive Episoden zeigen, die einen unterschiedlichen Schweregrad haben können. Nur in seltenen Fällen bestehen diese Zustände dauerhaft.

In der Regel tritt eine Episode in Phasen auf, die rein depressiv oder rein manisch verläuft. Die Episoden können sich während einer Phase aber auch vermischen oder abwechseln. In solch einem Fall wird von einer gemischten Episode gesprochen.

Darüber hinaus können neben der veränderten Stimmungslage auch weitere Symptome auftreten, die sich nicht nur auf das Verhalten der betroffenen Person, sondern auch auf die körperliche sowie geistige Leistungsfähigkeit auswirken können. In vielen Fällen sind das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit bei Betroffenen beeinträchtigt. Zudem kann eine depressive Episode die Anpassungsfähigkeit reduzieren sowie die Denk- und Verhaltensweise verändern bzw. beeinträchtigen.

Symptome einer Depression

Eine affektive Störung äußert sich häufig nur durch die Symptome einer Depression (unipolare Depression) oder aber durch eine depressive Phase, die mit manischen oder gemischten Phasen auftritt.

Im Rahmen einer depressiven Episode können folgende Symptome auftreten:

  • Antriebslosigkeit
  • Teilnahmslosigkeit
  • Niedergeschlagenheit
  • Denk- oder Konzentrationsstörungen
  • Interessenlosigkeit

Das Ausmaß der Symptome reicht von einer leicht gedrückten Stimmung bis hin zur Schwermütigkeit und Gefühllosigkeit (leichte, mittelgradige oder schwer ausgeprägte Symptomatik). Oftmals zeigen depressive Betroffene keinerlei Gestik und Mimik und sprechen mit leiser, zögerlicher Stimme. Ihre Umwelt erleben Betroffene als grau und sie fühlen sich wertlos oder schuldig.

Infolge dessen ziehen sie sich von ihren Mitmenschen zurück und können folgende weitere Symptome zeigen:

  • Schlaflosigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • innere Unruhe
  • Angst
  • mangelndes sexuelles Interesse

Das Suizidrisiko ist bei schwer depressiven Betroffenen sehr hoch. So haben 40 bis 80 von 100 der Betroffenen Selbstmordgedanken.

Viele Betroffene zeigen auch eine sogenannte Dysthymie, eine immer wiederkehrende oder ständige leichte depressive Verstimmung. Derartige anhaltende Störungen entwickeln sich häufig im frühen Erwachsenenalter. Dennoch sind diese Betroffenen meist dazu in der Lage, ihren Alltag zu bewältigen.

Symptome einer Manie

Meist äußern sich affektive Störungen nur selten ausschließlich durch eine Manie. Eine gemischte Episode kommt wesentlich häufiger vor. Die Symptome zeigen sich in Form von einer unangemessenen gehobenen oder aber reizbaren Stimmung, einer Antriebssteigerung sowie einem beschleunigten Denken und einer Selbstüberschätzung.

Manische Betroffene geben oftmals leichtsinnig Geld aus oder weisen ein sexuell enthemmtes Verhalten auf. Demnach kann eine manische Phase gravierende finanzielle und gesundheitliche Folgen haben. Hinzu kommt, dass sich auch wahnhafte Symptome wie ein Größenwahn entwickeln kann, sodass Betroffenen womöglich die Krankheitseinsicht fehlt. Ist die Manie nur leicht ausgeprägt, sprechen Mediziner von einer Hypomanie.

Symptome einer bipolaren affektiven Störung

Wenn ausgeprägte manische und depressive Symptome auftreten, handelt es sich um eine bipolare affektive Störung (manisch-depressive Erkrankung). Diese verläuft typischerweise in Episoden. Die manischen und depressiven Symptome zeigen sich in einem schnellen Wechsel und nur selten treten beide Episoden gleichzeitig auf.

Eine bipolare affektive Störung kann in den einzelnen Phasen verschiedene Symptome hervorrufen, weshalb die Störung anhand der Symptome charakterisiert wird, die aktuell auftreten, wie zum Beispiel als bipolare affektive Störung mit einer manischen Episode. Zwischen den einzelnen Phasen treten meist keine Symptome auf. Dennoch gibt es Fälle, wo dauerhaft milde Symptome auftreten (Zyklothymia).

Hiervon wird ausgegangen, wenn die bipolare affektive Störung mindestens seit zwei Jahren andauert. Auch hier setzt die chronische Stimmungsstörung in der Regel im frühen Erwachsenenalter ein. Ein typisches Symptom der Zyklothymia ist eine instabile Stimmung mit vielen Phasen leicht gehobener Gefühlslage und leichten Depressionen. Nur selten gibt es Zeiten, in denen die Stimmung stabil bleibt.

Ursachen einer bipolaren affektiven Störung

Die Ursachen können unterschiedlich sein. Zwar spielt eine erbliche Veranlagung eine wichtige Rolle, innere und äußere Faktoren sind jedoch ebenso entscheidend. Ob ein einschneidendes Lebensereignis eine Störung auslöst, hängt vor allem davon ab, wie empfänglich Betroffene für eine affektive Störung sind.

In der Regel zeigen sich bei einer affektiven Störung Depressionen, wobei im Vorfeld meist ein traumatisches Ereignis stattgefunden hat (z. B. Konflikte in der Familie oder der Verlust eines geliebten Menschen). Jedoch sind diese Faktoren vermutlich nicht alleine für eine Störung ursächlich. So können auch Krankheiten (z. B. Epilepsie, Parkinson, Cushing-Syndrom) oder Medikamente (z. B. Kortison-Therapie) die Ursache für die Entstehung einer affektiven Störung sein.

Wissenschaftler nehmen an, dass der Bornavirus eine affektive Störung auslösen kann. Bei Betroffenen mit bipolaren affektiven Störungen oder mit Depressionen konnte dieser Virus im Blut nachgewiesen werden, der lediglich während der akuten Krankheitsschübe aktiv war. Bei Betroffenen, die anfällig für affektive Störung sind, könnte der Bornavirus die Symptome verstärken oder womöglich die Krankheitsschübe auslösen. Allerdings werden diese Theorien sehr kontrovers diskutiert.

Es gilt als bewiesen, dass erbliche Faktoren die Krankheit begünstigen können, da unter Verwandten ersten Grades affektive Störungen besonders häufig auftreten. Wenn also zum Beispiel ein Elternteil eine Störung hat, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind ebenfalls erkrankt, zwischen 10 und 15 Prozent. Sollten beide Elternteile erkrankt sein, steigt die Wahrscheinlichkeit auf 30 bis 40 Prozent.

Biologische Faktoren scheinen auch eine wichtige Rolle zu spielen. Bei Betroffenen konnte man Veränderungen bestimmter chemischer Neurotransmitter (Botenstoffe) im Gehirn, die unter anderem an der Weiterleitung von Nervenreizen beteiligt sind, feststellen.

  • Die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin liegen bei Betroffenen mit Depressionen in zu geringen Mengen vor. Deshalb werden Medikamente gegeben, die die Konzentration dieser Botenstoffe erhöhen.
  • Die Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin liegen bei Betroffenen mit einer Manie in erhöhter Konzentration vor.

Es wird davon ausgegangen, dass ein gestörtes Gleichgewicht zwischen diesen Botenstoffen bei affektiven Störungen eine wichtige Rolle spielt. Hinzu kommt, dass bei Betroffenen mit Depressionen häufig die Rezeptoren, die auf diese Botenstoffe einwirken, im Gehirn verändert sind. Außerdem weisen die Aktivitäten unterschiedlicher Hirngebiete bei einigen Betroffenen Besonderheiten auf. Bei Betroffenen mit Depressionen sind die Gehirnstrukturen, die mit der Entwicklung von Zielen zusammenhängen, weniger aktiv, während die Gebiete, die mit der Entstehung von negativen Gefühlen zusammenhängen, sehr stark erregt sind.

Ein gestörter Hormonhaushalt kann eine affektive Störung vermutlich ebenfalls begünstigen. Bei einigen depressiven Menschen ist ein Überschuss des Hormons Kortisol vorhanden, was wiederum mit einem gestörten Botenstoffhaushalt im Gehirn in Verbindung steht. Beispielsweise kann eine hohe Kortisol-Konzentration die Dichte der Serotonin-Rezeptoren reduzieren. Ebenso kann ein plötzlicher Abfall der Hormone Progesteron und Östrogen nach einer Geburt eine depressive Störung auslösen (Wochenbettdepression).

Affektive Störungen: Diagnose

Da die Symptome sehr unterschiedlich ausfallen, ist es nicht leicht, eine affektive Störung zu diagnostizieren. Eine Stimmungsstörung kann als Manie, Depression oder als bipolare Störung auftreten. Auch die Ausprägung kann unterschiedlich stark sein. Die Diagnose einer bipolaren Störung gelingt häufig erst sehr spät. Betroffene begeben sich meist in einer depressiven Phase in Behandlung, sodass zunächst eine unipolare Depression diagnostiziert wird. Um eine bipolare Störung zu erkennen, benötigt ein Arzt jedoch Hinweise auf manische Symptome, was in aller Regel schwierig ist, da sich Betroffene in manischen Phasen nur selten behandeln lassen.

In erster Linie ist also zunächst ein sehr ausführliches Gespräch mit einem Arzt erforderlich, indem die früheren und bestehenden Symptome erläutert werden. Für solch ein Gespräch helfen oftmals strukturierte Interviewleitfäden und Fragebögen, um die typischen Symptome besser erfassen zu können. Hierbei geht es nicht nur um die Selbstbeurteilung des Patienten, sondern auch die Angaben der Angehörigen, die entscheidende Informationen für die Diagnosestellung liefern können.

Darüber hinaus muss eine affektive Störung von einer psychotischen Störung abgegrenzt werden. Eine manische oder gemischte Episode kann ähnliche Symptome wie eine Schizophrenie auslösen.

Ebenso wichtig ist es auch, organische Ursachen auszuschließen, weshalb meist die folgenden Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Blutuntersuchung
  • Urinuntersuchung
  • Elektroenzephalografie (EEG)
  • Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomografie (CT)

Der Arzt wird zudem danach fragen, welche Medikamente regelmäßig eingenommen werden, da verschiedene Arzneimittel wie beispielsweise Kortison, Zytostatika oder Antidepressiva eine affektive Störung begünstigen können. Auch der Konsum von Drogen wird erfragt. So können Kokain, Ecstasy und Amphetamine manische Symptome auslösen.

Affektive Störungen: Therapie und medikamentöse Behandlung

Die Therapie hängt von unterschiedlichen Faktoren ab wie beispielsweise vom Grad der Beeinträchtigung, dem Ausmaß der Stimmungsstörung sowie auch dem sozialen Umfeld. Ein wichtiges Ziel der Behandlung ist, die manischen oder depressiven Symptome zu reduzieren (Akutbehandlung). In der langfristigen Therapie geht es darum, weitere manische und/oder depressive Phasen zu verhindern (Phasenprophylaxe).

In den meisten Fällen reicht eine ambulante Therapie in Form von einer Psychotherapie und medikamentösen Behandlung aus. Dabei kann es im Rahmen der Psychotherapie auch hilfreich sein, die Familie mit einzubeziehen.

Oftmals ist es schwierig, eine akute manische Phase zu behandeln, da Betroffene keine Krankheitseinsicht zeigen. Bei einer schweren manischen Phase kann es deshalb erforderlich sein, eine stationäre Behandlung in Erwägung zu ziehen, um Betroffene von Außenreizen abzuschirmen.

Welche Medikamente zum Einsatz kommen, hängt davon ab, ob eine reine Depression, eine reine manische oder eine bipolare Störung vorliegt. Gegen eine Depression werden in der Regel Antidepressiva wie selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) verordnet. In manischen Phasen kommen entweder einzelne Medikamente (Monotherapie) oder unterschiedliche Arzneimittel (Kombinationstherapie) zum Einsatz. Oftmals wird einer akuten manischen Phase das Medikament Lithium gegeben, das erneute manische und depressive Symptome verringern soll.

Wie alle Medikamente haben auch Arzneimittel, die bei affektiven Störungen eingesetzt werden, Nebenwirkungen. Besonders erwähnenswert ist hier, dass diese Medikamente zu einer Gewichtszunahme führen können, weshalb geraten wird, das Körpergewicht regelmäßig zu kontrollieren.

Affektive Störungen: Krankheitsverlauf

In der Regel weisen affektive Störungen einen phasenweisen Verlauf auf, sodass manische und/oder depressive Phasen in Schüben auftreten, die mehr oder weniger ausgeprägt sind. Zwischen diesen Phasen klingen die Symptome ab. Während eine manische Phase häufig innerhalb weniger Stunden oder Tage auftritt, kann eine depressive Phase schleichend beginnen. Das plötzliche Auftreten einer depressiven Phase ist eher selten.

Verläuft eine affektive Störung unipolar, also durch eine manische oder depressive Phase, treten im Durchschnitt ungefähr vier Phasen im Laufe des Lebens auf. Hingegen verläuft eine bipolare Störung in der Regel in mehreren kürzeren Phasen. Die Phasen folgen immer schneller aufeinander, je länger die Erkrankung besteht. Unbehandelte depressive oder manische Phasen dauern meist drei bis zwölf Monate. Hier verkürzt sich die symptomfreie Zeit ebenfalls zwischen den Schüben mit zunehmender Phasenzahl. Die Prognose ist also desto günstiger, je früher eine Behandlung erfolgt.

Kann Medizinalhanf eine bipolare Störung positiv beeinflussen?

Einige Studien haben gezeigt, dass die Phytocannabinoide aus der Cannabispflanze wie THC und CBD auf Patienten mit einer Depression, Angstzuständen oder einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) positive Auswirkungen haben können. Die Forschung darüber, wie diese Phytocannabinoide auf Patienten mit einer bipolaren Störung beeinflussen, ist leider noch begrenzt.

Im Jahr 2015 wurde an der britischen Lancaster University eine Studie durchgeführt. Hier wurden 24 Patienten mit einer bipolaren Störung, die Cannabis mindestens dreimal pro Woche konsumierten, gebeten, sechs Tage lang ein Tagebuch zu führen und dort zu dokumentieren, wie sich der Cannabiskonsum auf die depressiven oder manischen Phasen auswirkte. Problematisch ist, dass die meisten Studienteilnehmer Cannabis als Freizeitdroge und nicht zu medizinischen Zwecken nutzten, weshalb die Ergebnisse nicht aussagekräftig sind. Hinzu kommt, dass einige Studienteilnehmer berichteten, dass die Cannabis-Wirkung die manischen und depressiven Phasen verstärkten.

An der Harvard Medical School in Boston fanden die Forscher hingegen im Jahr 1998 fünf Fälle, in denen die Studienteilnehmer mit einer bipolaren Störung von Cannabis profitieren konnten. Im Ergebnis hieß es, dass Medizinalhanf den Patienten dabei half, ihre extremen Höhen und Tiefen besser zu bewältigen.

Interessant ist auch eine Studie aus dem Jahr 2010, die an der University of Oslo durchgeführt wurde. Die Forscher führten aus, dass der Cannabiskonsum mit einer veränderten neurokognitiven Funktion bei schweren psychischen Störungen verbunden sei, dass die Daten jedoch noch nicht eindeutig seien und noch keine Studien zur bipolaren Störung vorlägen. Das Ziel dieser Studie war es, den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Neurokognition bei bipolarer Störung im Vergleich zur Schizophrenie in einem naturalistischen Umfeld zu untersuchen.

Insgesamt wurden 133 Patienten mit bipolarer Störung und 140 Patienten mit Schizophrenie neuropsychologischen Untersuchungen und einer klinischen Charakterisierung einschließlich der Messungen des Substanzkonsums unterzogen. In den beiden diagnostischen Gruppen wurden die Beziehungen zwischen Cannabiskonsumenten und der neurokognitiven Funktion untersucht.

Bei Patienten mit bipolarer Störung war der Cannabiskonsum mit einer besseren neurokognitiven Funktion assoziiert, während bei den Schizophrenie-Patienten das Gegenteil der Fall war. Es zeigte sich ein statistisch signifikanter Interaktionseffekt bei fokussierter Aufmerksamkeit, logischem Gedächtnis und Gedächtnislernen. Diese Unterschiede in der neurokognitiven Funktion konnten nicht durch mutmaßliche Störfaktoren erklärt werden.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Cannabiskonsum mit einer verbesserten Neurokognition bei einer bipolaren Störung und einer eingeschränkten Neurokognition bei Schizophrenie in Zusammenhang steht. Die Ergebnisse müssen jedoch in unabhängigen Proben repliziert werden und können verschiedene zugrunde liegende Krankheitsmechanismen bei den beiden Erkrankungen nahelegen, so die Forscher.

CBD: Keine ausreichende Wirkung bei manischer Episode

Das pharmakologische Profil von Cannabidiol (CBD) weist mehrere Eigenschaften auf, die mit Arzneimitteln zusammenhängen, von denen bekannt ist, dass sie bipolare affektive Störungen begünstigen, was zu der Hypothese führt, dass CBD therapeutische Eigenschaften haben kann. Diese Theorie wurde im Jahr 2010 von den Forschern der University of Sao Paulo ausgeführt. Im Rahmen einer Studie untersuchten die Forscher die Wirksamkeit und Sicherheit von CBD bei zwei Patienten mit bipolarer Störung.

Beide Patienten erfüllten die DSM IV-Kriterien für eine bipolare I-Störung, bei der eine manische Episode ohne Begleiterkrankungen auftrat. Die beiden Patienten erhielten zunächst für die ersten fünf Tage ein Placebo und vom 6. bis 30. Tag CBD (anfängliche orale Dosis von 600 mg bis hin zu 1200 mg/Tag). Vom 6. bis zum 20. Tag erhielt die erste Patientin (eine 34 Jahre alte Frau) zusätzlich Olanzapin (orale Dosis von 10-15 mg).

Am Tag 31 wurde die CBD-Behandlung unterbrochen und 5 Tage lang durch Placebo ersetzt. Der erste Patient zeigte unter Olanzapin plus CBD eine Verbesserung der Symptome, zeigte jedoch während der CBD-Monotherapie keine zusätzliche Verbesserung. Die zweite Patientin (eine 36-jährige Frau) hatte während der Studie keine Verbesserung der Symptome mit einer CBD-Dosis erfahren. Beide Patienten vertrugen CBD sehr gut und es wurden keine Nebenwirkungen berichtet. Diese vorläufigen Daten deuten darauf hin, dass CBD für die manische Episode möglicherweise nicht wirksam ist.

Im Jahr 2017 gingen die Forscher der Federal University of Minas Gerais in Brasilien nach, ob CBD nützlich und sicher für die Behandlung von psychiatrischen Störungen ist. Ziel war es, eine systematische Übersicht über die Vorteile und Nebenwirkungen von CBD bei der Behandlung von Schizophrenie, psychotischen Störungen, Angststörungen, Depressionen, bipolaren Störungen und Substanzstörungen zu erstellen. Im Ergebnis hieß es, dass die Evidenz bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit von CBD in der Psychiatrie noch gering ist. Um die Auswirkungen von CBD auf psychiatrische Erkrankungen zu untersuchen, sind weitere größere gut angelegte randomisierte kontrollierte Studien notwendig.

Medizinalhanf gegen depressive Episoden

Zwar scheint pharmazeutisches Cannabis bei einer manischen Episode keine ausreichende Wirkung zu entfalten, gegen Depressionen wird Cannabis hingegen bereits seit Jahrhunderten eingesetzt. In zahlreichen Studien wird immer wieder auf die stimmungsaufhellende Wirkung hingewiesen, worüber wir in verschiedenen Beiträgen bereits ausführlich berichtet haben. Auch das nicht-psychoaktive Cannabinoid CBD scheint Potenzial zu haben, um die Symptome einer Depression zu lindern.

Anzuführen sind hier zwei Studien. Spanische Forscher von der Universidad de Cantabria führten aus, dass CBD den 5-HT1A-Rezeptoren (Serotonin-Rezeptoren) andockt und so antidepressive Effekte entfalten kann. Brasilianische Forscher von der University of Rio de Janeiro stellten das gleiche fest und gehen davon aus, dass CBD eine antidepressive und angstlösende Wirkung haben kann.

Quellen:

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