Borderline und Cannabis: Experten im Interview

Das Borderline-Syndrom ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung. Bislang existieren keine Studien zu dieser Erkrankung und Medizinalcannabis. Dennoch berichten zahlreiche Betroffene, dass ihnen Cannabis hilft. Wir haben uns das Krankheitsbild näher angesehen und darüber hinaus mit Dr. Grotenhermen und einer DBT-Therapeutin über Borderline und Cannabis gesprochen.

Borderline und Cannabis: Experten im Interview

Von himmelhochjauzend über zu Tode betrübt bis hin zum Gefühl der inneren Leere – das Borderline-Syndrom ist eine komplexe Persönlichkeitsstörung, bei der die Betroffenen im ständigen Wechselbad der Gefühle leben. Allein in Deutschland leiden ein bis zwei Prozent der Bevölkerung unter dieser schweren psychischen Erkrankung.

Für kaum eine andere psychische Erkrankung sind so viele Therapien und Lösungsansätze entwickelt worden wie für die Borderline-Persönlichkeitsstörung. Dennoch gestaltet sich die Therapie mit einem Betroffenen häufig schwierig. Denn vielen fällt es schwer, eine dauerhafte und konstruktive Therapiebeziehung einzugehen.

Geht es um eine unterstützende medikamentöse Therapie, so erhalten Patienten nicht selten einen ganzen Medikamentencocktail, der aus Stimmungsstabilisierern, Antidepressiva, Benzodiazepinen, Schlafmitteln und sogar Antipsychotika bestehen kann. Meist schaden diese Medikamente aufgrund der starken Nebenwirkungen mehr, als dass sie helfen.

Bevor wir jedoch weiter auf die Therapiemöglichkeiten eingehen und die Experten zu Wort kommen lassen, folgt ein kurzer Überblick über das Krankheitsbild.

Borderline-Persönlichkeitsstörung: Ursachen

Die genauen Ursachen sind bis heute ungeklärt. Vermutlich spielen sowohl genetische Faktoren, als auch traumatische Erfahrungen in der Kindheit, bei der Entstehung des Borderline-Syndroms eine Rolle. In psychoanalytischen Erklärungsmodellen heißt es, dass es sich bei dieser Erkrankung um eine Frühstörung handelt. Dies bedeutet, dass die Denkmuster und Strukturen aus der frühen Kindheit bestehen bleiben. Eine differenzierte Wahrnehmung ist nicht möglich.

Oftmals sind Betroffene in einem Umfeld aufgewachsen, in dem Menschen oder das Verhalten von Menschen entweder als „gut“ oder „böse“ bewertet wurde. Solch ein typisches Verhaltensmuster kann beispielsweise sein, dass man als ein „gutes“ Kind niemals wütend sein darf. Infolge dessen lernen Betroffene nicht, angemessen mit Gefühlen oder schwierigen Situationen umzugehen.

Darüber hinaus können auch übermäßig strenge Erziehungsmethoden oder aber eine extreme emotionale Vernachlässigung in der Kindheit eine Borderline-Störung prägen. Auch Missbrauchserfahrungen werden in den vergangenen Jahren zunehmend als mögliche Ursache untersucht.

Borderline-Persönlichkeitsstörung: Symptome

Betroffene haben Schwierigkeiten damit, ihre Gefühle zu regulieren, was unterschiedliche Symptome zur Folge haben kann:

  • Viele Betroffene haben starke Verlustängste. Sie versuchen verzweifelt, ein vermutetes oder tatsächliches Verlassenwerden zu verhindern. Bereits minimale Verspätungen oder zeitlich begrenzte Trennungen können als sehr bedrohlich empfunden werden. Dies löst starke Angst aus.
  • Das Selbstbild und die Selbstwahrnehmung sind gestört. Häufig zeigen Betroffene selbstgefährdendes Verhalten, weil sie sich „schuldig“ fühlen oder sich als „böse“ ansehen. Um sich selbst zu bestrafen oder „einfach nur um spüren“ zu können, fügen sich Betroffene Schnittverletzungen oder Brandwunden zu. Gefährliches Verhalten, wie beispielsweise Drogenkonsum, zu schnell Auto fahren, Geld verspielen oder ähnliches, ist ebenfalls möglich.
  • Die Gefühlslage ist sehr wechselhaft. Wenn eher eine gedrückte Grundstimmung zugrunde liegt, können Phasen mit starker Angst, Verzweiflung und Erregbarkeit auftreten. Damit reagieren Betroffene oftmals auf zwischenmenschliche Belastungen. Erlebt der Betroffene Zurückweisung und Vernachlässigung, so kann es auch zu unkontrollierbaren Wutausbrüchen kommen.
  • Ein Großteil der Betroffenen klagt über das Gefühl innerer Leere. Sie leiden unter quälender Langeweile und suchen stets nach Beschäftigung.
  • Verfolgungsideen und dissoziative Symptome wie Selbstentfremdung können ebenfalls in extremen Belastungssituationen auftreten.

Borderline-Persönlichkeitsstörung: Diagnose

Gemäß des Diagnostischen und Statistischen Handbuchs Psychischer Störungen (DSM) müssen mindestens fünf der folgenden Kriterien vorliegen, um die Diagnose Borderline stellen zu können:

  • selbstverletzendes Verhalten, Selbstmordandrohungen, Selbstmordversuche
  • affektive Instabilität (heftige Stimmungsschwankungen, extremes Gefühlserleben)
  • verzweifelte Bemühungen, das befürchtete oder tatsächliche Verlassenwerden zu vermeiden
  • intensive, instabile zwischenmenschliche Beziehungen (Wechsel zwischen Idealisierung und Abwertung des Partners)
  • Identitätsstörung (instabile Selbstwahrnehmung/Selbstbild)
  • starke Impulsivität in mindestens zwei Bereichen (z. B. Essstörung, Selbstmordversuche, Selbstmordandrohungen, Drogenmissbrauch)
  • andauerndes Gefühl der inneren Leere
  • unangemessene Wutausfälle und Schwierigkeiten Wut zu kontrollieren
  • vorübergehende dissoziative Gefühle oder paranoide Vorstellungen

Diese auffälligen Verhaltensweisen treten bei Betroffenen dauerhaft auf und nicht für einen begrenzten Zeitraum. Dabei treten die Störungen schon in Kindheit und Jugend auf. Auch im Erwachsenenalter zeigen sich diese Störungen dauerhaft.

Borderline-Persönlichkeitsstörung: Behandlungsmöglichkeiten

An erster Stelle sollte bei der Behandlung eine oder mehrere Therapieformen stehen. Diese können auf verschiedene Schwerpunkte der Krankheit abzielen.

Hierzu gehören:

  • Dialektisch behaviorale Therapie (DBT)
  • Schematherapie (SFT)
  • Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT)
  • Transference Focussed Therapy (TFP)
  • Psychoanalytische und tiefenpsychologisch-fundierte Therapie
  • Traumatherapie

Medikamentöse Therapie

Unterstützend kommen auch verschiedene Medikamente zum Einsatz. Dabei richtet sich die Auswahl der Medikamente nach den im Vordergrund stehenden Symptomen. Am häufigsten erhalten Borderline-Patienten Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI).

Diese sollen Ängste, Depressionen, aggressive Impulse sowie den Drang zur Selbstverletzung mindern. Ganz nebenwirkungsfrei sind sie allerdings nicht. Trotz dieser Problematik verordnen immer mehr Ärzte Antidepressiva (Leafly berichtete).

Viele Patienten erhalten auch Neuroleptika mit sedierender, antipsychotischer und psychomotorisch dämpfender Wirkung, um schwere Unruhe- und Erregungszustände zu reduzieren. Jedoch kann es hierunter zu erheblichen unerwünschten Nebenwirkungen kommen.

Nebenwirkungen können sein: 

  • Krämpfe und Zuckungen
  • Mundtrockenheit
  • Gewichtszunahme
  • Bewusstseinsstörungen
  • niedriger Blutdruck
  • Hormonstörungen
  • Blut- und Leberschäden

In einigen Fällen werden auch Stimmungsstabilisierer wie Lithium verordnet, wie sie bei einer bipolaren Störung eingesetzt werden.

Studien: Medizinalcannabis und Borderline-Persönlichkeitsstörung

Bislang gibt es keine Studien, die speziell auf Medizinalcannabis und eine Borderline-Erkrankung abzielen. Dies hat vermutlich auch damit zu tun, dass ein Substanzmissbrauch eine häufig diagnostizierte komorbide Störung bei einem Borderline-Syndrom ist, wobei dies nicht unbedingt Cannabis betreffen muss.

Laut einem Bericht des Deutschen Ärzteblattes sind Angststörungen und affektive Belastungsstörungen die häufigsten komorbiden psychiatrischen Störungen bei Patienten. Danach folgen Tabak-, Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Suchtbezogene Störungen seien deshalb bei Betroffenen gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöht.

Auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl an Fallberichten von Betroffenen, die Cannabis nur bei Bedarf dazu verwenden, um beispielsweise starke Unruhezustände oder Ängste zu reduzieren. Hier zu unterscheiden, was unter Missbrauch fällt und was nicht, dürfte sich als schwierig herausstellen.

Medizinalcannabis gegen Unruhe, Ängste und Depressionen

Wir haben bereits mehrfach darüber berichtet, dass Medizinalcannabis sowohl bei Angstzuständen als auch Depressionen helfen kann. Dies belegen auch verschiedene Studien. Insofern könnten auch Borderline-Patienten von Medizinalcannabis profitieren.

Cannabis und Angstzustände
Medizinisches Cannabis bei Depressionen
Cannabinoide bei Depressionen

Interview mit Dr. Grotenhermen

maxresdefault-dr-grotenhermen-phoenix-bundestag https://www.youtube.com/watch?v=Td8NmXM8B9kWir haben Dr. Franjo Grotenhermen, Mediziner, Autor und großer Befürworter von Cannabis als Medizin, in einem exklusiven Interview dazu befragt, inwieweit Borderline-Patienten von Medizinalhanf profitieren können.

Leafly.de: Wie können Patienten mit einer Borderline-Symptomatik von Medizinalcannabis profitieren?

Dr. Grotenhermen: Grundsätzlich ist es zunächst wichtig, sich der Symptome einer Borderline-Persönlichkeitsstörung bewusst zu sein. Sie leiden an gestörten Emotionen. Oft können sie diese gar nicht richtig einordnen. Auch merken sie nicht, dass sie sich über etwas ärgern oder depressiv sind. Dann können sie im nächsten Moment impulsiv sein, Wut oder Angst bis hin zur Panik entwickeln.

Wir wissen heute, dass Cannabis Emotionen verstärken und wieder erlebbar machen kann. Es kann bei einigen Patienten mit einer Borderline-Störung antidepressiv wirken, Impulsivität reduzieren und Ängste lindern. Dadurch können sie wieder in Kontakt zu ihren Emotionen bekommen und fühlen sich diesen nicht mehr so ausgesetzt. Das verbessert die Möglichkeit zu sozialen Kontakten und hat dadurch erhebliche positive Auswirkungen auf die Lebensqualität.

Leafly.de: Sie haben selbst Patienten mit einer Borderline-Symptomatik. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Dr. Grotenhermen: Ich habe einige Patientin mit einer Borderline-Symptomatik, die sehr gut auf eine Therapie mit Cannabis ansprechen. Ich muss aber einschränkend sagen, dass es sicherlich um ein recht selektives Kollektiv handelt. Die meisten Patienten haben bereits Vorerfahrungen mit Cannabis und haben bereits festgestellt, dass es ihnen hilft. Daher ist unbekannt, wie groß der Prozentsatz der Patienten mit einer Borderline-Störung ist, der von Cannabis profitiert. Oft sind die Patienten auch nicht einfach zu führen. Man benötigt also eine gewisse Erfahrung, damit die Patientin auch tatsächlich von einer solchen Therapie profitieren.

Leafly.de: Worauf sollten Ärzte besonders achten, wenn Sie Borderline-Patienten Medizinalcannabis verordnen?

Dr. Grotenhermen: Es gilt das gleiche Prinzip wie bei anderen Erkrankungen. Da ein unerfahrener Patient und auch der Arzt nicht wissen, ob Cannabis wirksam ist, sollte mit kleinen Dosen gestartet werden, möglichst in den Abendstunden. Diese sollte dann langsam gesteigert werden, um zu sehen, ob wirklich ein positiver Effekt auf die oben beschriebenen Symptome eintritt.

Es ist nicht auszuschließen oder sogar wahrscheinlich, dass Cannabis im Einzelfall auch negative Wirkung haben kann, beispielsweise Ängste verstärkt. Es ist also zu Beginn eine intensive Kommunikation zwischen Arzt und Patient erforderlich, bis der Patient die Droge kennengelernt hat und damit umzugehen weiß.

Leafly.de: Viele Borderline-Patienten erhalten verschiedene Medikamente, wie zum Beispiel verschiedene Stimmungsstabilisierer, Benzodiazepine gegen Angstzustände oder auch Antidepressiva gegen Depressionen. Verträgt sich das mit Medizinalcannabis?

Dr. Grotenhermen: Grundsätzlich kann Cannabis mit all diesen Präparaten kombiniert werden. Viele meiner Patienten nehmen auch andere Medikamente, während andere diese im Verlauf der Therapie reduzieren oder auch ganz absetzen können. Zunächst empfehle ich, die bisherige Medikation beizubehalten, um eventuelle Veränderungen der Emotionen der Cannabistherapie zuschreiben zu können. Die Reduzierung anderer Medikamente sollte vorsichtig erfolgen.

Leafly.de: Fachärzte für Psychiatrie und Neurologie sind überwiegend extrem ablehnend, wenn es um die Cannabis-Behandlung bei Borderline-Patienten geht. Was meinen Sie, warum ist das so?

Dr. Grotenhermen: Psychiater und Neurologen kennen überwiegend die problematische Seite des Cannabiskonsums. Es wird Jahre benötigen, bevor man mit einem grundlegenden Wandel rechnen kann. Wir haben das jetzt bei den Leitlinien für die Behandlung des ADHS erlebt. Dort hat die Fachgesellschaft eine Negativempfehlung für Cannabis ausgesprochen. Da schlagen sich dann vorgefasste Meinungen der Mehrheit entsprechend negativ für die Patienten nieder.

Erschwerend kommt bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung hinzu, dass es überhaupt keine klinischen Studien gibt. Bei ADHS haben wir immerhin eine kleine kontrollierte Studie aus Großbritannien, die recht vielversprechend ist. Wie mir der Studienleiter mitteilte, ist nun eine größere Studie geplant. Eine Studie mit Borderline-Patienten ist nicht in Aussicht.

Vielen lieben Dank Herr Dr. Grotenhermen für das spannende und informative Gespräch.

Interview mit einer DBT-Therapeutin

Wir haben mit einer DBT-Therapeutin gesprochen, die über langjährige Erfahrungen in der Arbeit mit Borderline-Patienten verfügt. Da sie sich in einem festen Angestelltenverhältnis befindet und natürliche viele direkte Kontakte zu Betroffenen hat, nennen wir die Therapeutin nicht namentlich, um sie nicht unnötigen Konflikten mit ihrem Arbeitgeber oder ihren Klienten auszusetzen.

Leafly.de: Die Borderline-Erkrankung wird häufig mit dem Cannabismissbrauch in Verbindung gebracht. Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihren Klienten gemacht?

Therapeutin: Einige unserer Klienten, die unter hoher Anspannung und/oder Ängsten, besonders sozialen Ängsten leiden, berichten, dass Cannabis ihnen hilft. Rein quantitativ waren es bisher nicht allzu viele, die offen darüber sprachen, was sicher daran liegt, dass es meist ein Ausschlusskriterium zur Teilnahme an Therapien oder anderen Maßnahmen darstellt, bzw. die Angst vor Kriminalisierung.

Diejenigen, mit denen ich offen sprechen konnte, berichteten, dass es besser helfe als Psychopharmaka. Es würde sie „runterbringen“ (Anspannung). Diese Entspannung führe dazu, dass Emotionen nicht mehr so überwältigend erscheinen und dass Ängste vor schwierigen Situationen reduziert werden. Dies habe dazu geführt, dass solche Situationen überhaupt wahrgenommen werden konnten, statt mit Rückzug und Vermeidung zu reagieren. Dadurch konnten auch positive Referenzerfahrungen gemacht werden.

Ein wichtiger Faktor sei dabei die Selbstbestimmung: Im Gegensatz zu Psychopharmaka, die meist durchgehend genommen werden müssen, könne Cannabis auch nur bei Bedarf konsumiert werden. Außerdem habe es keine unangenehmen Nebenwirkungen.

Leafly.de: Einige DBT-Therapeuten sehen die Kombination aus DB-Therapie und Cannabis als kontraproduktiv an. Warum ist das so und sehen Sie das genauso?

Therapeutin: Dazu habe ich die Information, dass Cannabis die Aufnahme von Lerninhalten in das Langzeitgedächtnis erschwert. Da DBT als Verhaltenstherapie mit dem Erlernen neuer Kognitionen und Verhaltensmuster arbeitet, sei das kontraproduktiv. Ich bin keine Medizinerin und kann das nicht wirklich beurteilen. Vorstellbar ist für mich, dass ein dauerhafter Konsum, im Sinne eines Suchtverhaltens, kontrainduziert ist, da hier keine Commitment für das Erlernen von Skills zu erkennen wäre.

Wenn Cannabis als Bedarf, in engmaschiger ärztlicher und therapeutischer Begleitung, bei gleichzeitiger DBT, genutzt würde, kann ich mir das vorstellen. Dazu sollte abgesprochen sein, in welchen Situationen es sinnvoll sein kann, zum Beispiel in Krisen, wenn der Zugang zu Skills (noch) nicht möglich ist.

Leafly.de: Glauben Sie persönlich, dass Medizinalcannabis eine ergänzende Option für Borderline-Patienten sein könnte?

Therapeutin: Unter den oben genannten Bedingungen – ja. Hier steht für mich der Aspekt der Selbstverantwortung im Vordergrund, statt der Abhängigkeit von Psychopharmaka. Außerdem natürlich die schweren Nebenwirkungen der Medikamente.

Leafly.de: Kennen Sie Klienten, die versucht haben, Medizinalcannabis von einem Arzt verordnet zu bekommen?

Therapeutin: Nein, bisher nicht.

Vielen Dank für das hilfreiche und informative Gespräch.

Fazit: Borderline-Syndrom und Cannabis

Borderline-Patienten haben einen enorm hohen Leidensdruck, weshalb es besonders wichtig ist, eine adäquate Therapieform zu finden, auf die sich Betroffene langfristig einlassen können. Medikamente allein sind nur bedingt hilfreich. Sie können jedoch unterstützend eingesetzt werden. Problematisch ist wiederum, dass diese starke Nebenwirkungen haben, weshalb Cannabis als Medizin eine Alternative sein kann.

Viele Borderline-Patienten haben bereits Erfahrungen mit Cannabis gemacht und festgestellt, dass es ihnen dabei geholfen hat, ihre Emotionen zu regulieren. Bei diesen Patienten könnte also eine Medizinalcannabis-Verordnung mit enger Bindung zum Arzt hilfreich sein.

Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch viele Betroffene, bei denen ein Missbrauch, also ein dauerhafter Konsum, besteht. In solchen Fällen dürfte eine Behandlung mit Medizinalcannabis tatsächlich kontraproduktiv sein.

Grundsätzlich dürfte es für einen Borderline-Patienten sehr schwierig sein, einen Arzt zu finden, der ihnen Medizinalcannabis verordnet. Denn wie schon Herr Dr. Grotenhermen erklärt hat, kennen Neurologen und Psychiater lediglich die problematische Seite des Cannabiskonsums. Umso wichtiger ist eine gute Aufklärungsarbeit bei Ärzten dieser Fachrichtung.

 

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