Brustkrebs: Einsatz von medizinischem Cannabis in der Chemotherapie

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 25. Oktober 2017

Geändert am: 5. Januar 2018

Ungefähr jede zehnte Frau in Deutschland erkrankt an Brustkrebs (Mammakarzinom). Jedes Jahr kommen etwa 46.000 Neuerkrankungen hinzu. Trotz der steigenden Neuerkrankungsrate sinkt die Zahl der Sterbefälle. Mittlerweile stehen die unterschiedlichsten Therapiemethoden zur Verfügung, wobei die Operation, die Chemo- und Strahlentherapie immer noch die drei wichtigsten Säulen bei der Brustkrebsbehandlung sind. Viele Betroffene haben Angst vor der Chemotherapie und ihren Nebenwirkungen. Doch medizinisches Cannabis kann hier helfen.

Brustkrebs: Einsatz von medizinischem Cannabis in der Chemotherapie

In vielen Kulturen wird Cannabis seit Jahrhunderten gegen die unterschiedlichsten Beschwerden eingesetzt. Nachdem die chemischen Strukturen der Inhaltsstoffe der Cannabispflanze wie Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) ermittelt werden konnten und das körpereigene Endocannabinoid-System mit seinen Rezeptoren CB1 und CB2 wird immer intensiver geforscht. Mittlerweile ist bekannt, dass die Cannabinoide ein breites Wirkungsspektrum aufweisen und unter anderem schmerzlindernd, entzündungshemmend, krampflösend und stimmungsregulierend wirken. Zudem konnten zahlreiche Studien belegen, dass Cannabinoide in der Behandlung von Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit infolge einer Chemotherapie, auch bei Brustkrebs, wirksam sind.

Das Mammakarzinom ist eine bösartige Gewebeneubildung (Tumor) der Brustdrüse, die bei Frauen die häufigste Krebserkrankung darstellt. Zwar können auch bei Männern in der Brust bösartige Gewebeneubildungen auftreten, jedoch ist dies eher selten der Fall.

Die genauen Ursachen sind bei Brustkrebs immer noch nicht vollständig geklärt. Allerdings sind unterschiedliche Risikofaktoren bekannt, die die Entstehung des Brustkrebses begünstigen können. Hierzu gehören:

  • frühes Eintreten der Regelblutung
  • spätes Eintreten der Wechseljahre
  • Kinderlosigkeit
  • Schwangerschaft nach dem 30. Lebensjahr
  • Übergewicht und/oder Bewegungsmangel nach den Wechseljahren
  • Mastopathie im fortgeschrittenen Stadium (gutartige Vermehrung der Drüsenläppchen sowie des Bindegewebes der Brustdrüsen)

Weitere Risikofaktoren sind:

  • Risikofaktor Alter: Das Brustkrebsrisiko steigt mit dem Älterwerden. Die Mehrheit der betroffenen Frauen ist über 65 Jahre alt, wenn sie an Brustkrebs erkranken. Nur ungefähr 30 Prozent der Brustkrebspatientinnen sind jünger als 55 Jahre. Dennoch tritt die Krankheit im Vergleich zu anderen Krebsarten im Durchschnitt in einem jüngeren Lebensalter auf.
  • Risikofaktor Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden: Mediziner empfehlen Frauen, die Hormone gegen ihre Wechseljahresbeschwerden einnehmen, diese – sofern überhaupt notwendig – nur über einen kurzen Zeitraum einzunehmen. Denn je länger diese Hormone eingenommen werden, desto größer ist das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Dabei können Kombinationspräparate aus Östrogen und Progesteron im Vergleich zu reinen Östrogenpräparaten das Brustkrebsrisiko noch verstärken.
  • Risikofaktor genetische Veranlagung: Bei ungefähr jeder vierten Frau, die an Brustkrebs erkrankt, gibt es bereits Fälle von Brustkrebs in der Familie.
  • Risikofaktor Tumorgene: Die Tumorgene BRCA-1 und BRCA-2 stehen nachweislich mit Brustkrebs in Verbindung. Weisen diese Gene eine Erbgutveränderung auf, so erkranken ungefähr 50 bis 80 Prozent der Frauen vor dem 70. Lebensjahr an Brustkrebs. Dabei steigt das Brustkrebsrisiko bei den Betroffenen ungefähr um das zehnfache. Außerdem erhöhen die veränderten Gene auch das Risiko für weitere Krebserkrankungen, wie zum Beispiel Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs).

Ein Gentest könnte sinnvoll sein, wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft:

  • mindestens drei Familienmitglieder sind an Brustkrebs erkrankt
  • mindestens zwei Familienmitglieder sind an Brustkrebs erkrankt, bei dem mindestens bei einem Familienmitglied vor dem 51. Lebensjahr Brustkrebs diagnostiziert wurde
  • mindestens ein Familienmitglied mit Brustkrebs und mindestens ein Familienmitglied mit Eierstockkrebs
  • mindestens zwei Familienmitglieder mit Eierstockkrebs
  • mindestens ein Familienmitglied mit beidseitigem Mammakarzinom (Diagnose vor dem 50. Lebensjahr)
  • mindestens ein Familienmitglied mit der Diagnose Brustkrebs vor dem 35. Lebensjahr
  • mindestens ein männliches Familienmitglied mit Brustkrebs und einem weiblichen Familienmitglied mit Brustkrebs oder Eierstockkrebs

Zwar existiert bisher noch keine spezielle Therapie für solche Genmutationen, ggf. könnte aber eine Operation sinnvoll sein, bei der das Brustgewebe entfernt und durch Implantate ersetzt wird. Frauen, die zu dieser Risikogruppe zählen, sollten ab dem 25. Lebensjahr eine halbjährliche Früherkennungsuntersuchung in Anspruch nehmen. Außerdem haben sie ab dem 30. Lebensjahr alle ein bis zwei Jahre Anspruch auf eine Mammographie.

Welche Brustkrebsarten gibt es?

Für die Brustkrebs-Behandlung als auch die Prognose ist es wichtig, die Eigenschaften der bösartigen Gewebeneubildung bzw. des Tumors zu kennen, da Brustkrebs von verschiedenen Gewebetypen der Brustdrüse ausgehen kann. Die Milchgänge als auch die Drüsenläppchen stellen hier die wichtigsten Gewebetypen dar. An dem Gewebetyp lässt sich bereits erkennen, wie sich die Krankheit wahrscheinlich entwickelt.

Für die weitere Einteilung ist es von Bedeutung, ob sich die bösartige Gewebeneubildung noch im Ausgangsgewebe (nicht-invasives Karzinom) befindet, dieses schon durchbrochen hat (invasives Karzinom) oder bereits Metastasen gebildet hat.

Brustkrebs: Einteilung nach Rezeptorstatus

Für die Auswahl der richtigen Therapie sind bestimmte Rezeptoren für Botenstoffe von Bedeutung, die das Krebswachstum beeinflussen. Hierzu gehören die Rezeptoren für Progesteron und Östrogen. Sind diese vorhanden, wird von einem hormonsensitiven Tumor gesprochen, der mit einer Anti-Hormontherapie behandelt wird.

Liegt der Wachstumsfaktor HER-2 auf den Tumorzellen, nimmt die Krankheit in aller Regel einen ungünstigen Verlauf. Behandelt wird dieser Tumor mit einer Antikörpertherapie. Wenn Tumorzellen hingegen weder Rezeptoren für Progesteron, Östrogen und HER-2 besitzen, wird dies als „triple negativ“ bezeichnet. Patientinnen mit solch einem Tumortyp haben eine ungünstige Prognose.

Brustkrebs: Einteilung nach Stadien

Für die richtige Therapiewahl ist es außerdem wichtig, die Krebserkrankung in verschiedene Stadien einzuteilen. Diese beschreiben das Fortschreiten der Brustkrebserkrankung. Genutzt wird hierfür das weit verbreitete Verfahren TNM (Tumour-Node-Metastasis), um Tumore einzuteilen. Pathologisch gesicherte Daten werden bei einer Operation erhoben. Hierfür wird die pTNM-Klassifikation benutzt. Wenn nach der Operation eine Bestrahlung oder eine Chemotherapie durchgeführt wurde, wird bei der pTNM-Klassifikation noch der Buchstabe „y“ vorgestellt. Von Vorteil sind die Klassifikationssysteme, da so die Ärzte als auch die Patientinnen die gleiche Information über das Brustkrebsstadium haben.

Die Klassifikation funktioniert nach dem folgenden System:

  • Tumour (T): Ausdehnung des Tumors
  • Nodus (N): Befall der Lymphknoten
  • Metastasis (M): Bildung von Fernmetastasen

Hinter den jeweiligen Buchstaben steht eine Zahl. Je höher diese Zahl ist, desto weiter ist der Krankheitsprozess fortgeschritten.

Ausdehnung des Tumors (T) Befall der Lymphknoten (N) Fernmetastasen (M)
T0: Kein Tumor in der Brust N0: Keine Lymphknoten befallen M0: Keine Fernmetastasen
Tis: Nicht invasiver Tumor N1: 1 bis 3 Lymphknoten in der Achselhöhle sind befallen M1: Fernmetastasen nachweisbar
T1 mic: Tumor bis zu 0,1 cm N2: 4 bis 9 Lymphknoten in der Achselhöhle sind befallen
T1: Tumor bis 2 cm N3: mehr als 10 Lymphknoten in der Achselhöhle sind befallen
T2: Tumor zwischen 2 bis 5 cm
T3: Tumor zwischen 5 bis 10 cm
T4: Tumor ist unabhängig von der Größe über das Brustgewebe hinausgewachsen

Mithilfe des Gewebes, das aus der Brust entnommen wird (Biopsie), kann der Arzt das sogenannte Grading bestimmen. Das bedeutet, je weiter der Ausreifungsgrad der Tumorzellen ist, desto langsamer wachsen die Tumore. Dabei wird der Ausreifungsgrad zwischen G1 (gut), G2 (mäßig) bis G3 (schlecht ausgereift) unterschieden. Die Therapie sollte desto intensiver sein je ausgereifter die Tumorzellen sind.

Brustkrebs: Behandlung und Therapie

Um den bösartige Gewebeneubildung zu bekämpfen, sind verschiedene Therapien erforderlich. Dabei ist eine Operation in den meisten Fällen nach wie vor unentbehrlich. Entweder erfolgt zunächst eine Chemotherapie, um den Tumor zu verkleinern, sodass er anschließend operativ entfernt werden kann, oder der Tumor wird direkt nach der Diagnose Brustkrebs entfernt. Dank der heutigen Möglichkeiten ist häufig auch ein Erhalt der Brust möglich. Ergänzend kommen dann noch unter Umständen Bestrahlungen sowie die Behandlung mit Medikamenten im Rahmen einer Chemotherapie, Hormontherapie oder Antikörpertherapie.

Operationsverfahren bei Brustkrebs

Vor über 20 Jahren wurde sofort nach einer Brustkrebsdiagnose die Brust abgenommen (Mastektomie oder Ablatio), da befürchtet wurde, dass der Krebs an der gleichen Stelle wiederkommen könnte. Heute ist aber bekannt, dass das Risiko eines solchen Lokalrezidivs genauso niedrig ist, als wenn der Tumor entfernt wird und danach eine Strahlenbehandlung erfolgt. Demnach ist die Strahlenbehandlung die Bedingung für die brusterhaltende Operation. Um eine Patientin nicht durch solch eine Operation zu gefährden, sollten zudem noch die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Tumor ist größer als 2 Zentimeter.
  • Der Tumor hat keine Verbindung zur Brustwarze und weit genug von ihr entfernt.
  • Der Tumor besitzt keinen entzündlichen Anteil
  • Der Tumor hat in die umliegenden Milchgänge Ausläufer gebildet.
  • Der Tumor geht nicht von den Drüsenläppchen aus, sondern von den Drüsengängen.

Bei Tumoren, die größer als 2 Zentimeter sind, erfolgt in der Regel eine medikamentöse Therapie über zwei bis vier Monate, um den Tumor zu verkleinern (neoadjuvante Chemotherapie), sodass eine brusterhaltende Operation wirklich wird.

In einigen Fällen ist es notwendig, die Brust zu amputieren. Das gilt vor allem dann, wenn die Gefahr hoch ist, dass der Krebs wieder auftritt. Auch die folgenden Kriterien zwingen den Arzt zu einer Brustamputation:

  • Der Tumor ist im Verhältnis zur Brust zu groß.
  • Der Tumor bildet Ausläufer in die Milchgänge.
  • Der Tumor besitzt entzündliche Anteile.
  • Der Tumor bildet durch die Haut ein Geschwür.
  • Der Tumor hat Tochterknoten in der gleichen Brust gebildet.
  • Der Tumor befindet sich nah an der Brustwarze.
  • Der Tumor ist nach einer brusterhaltenden Operation und weiteren Therapien wiedergekommen.

Nach der Brustamputation wünschen sich viele Frauen einen Wiederaufbau der Brust, was auch in den meisten Fällen möglich ist.

Strahlentherapie nach der Operation

Wenn nach der brusterhaltenden Operation keine Bestrahlung durchgeführt wird, muss bei ungefähr der Hälfte aller Fälle mit einem Rückfall gerechnet werden. So lässt sich die Rückfallrate durch eine Strahlentherapie von etwa 80 Prozent auf 5 bis 10 Prozent senken. Aus diesem Grund ist die Strahlentherapie ein unverzichtbarer Bestandteil bei der Brustkrebstherapie.

Ziel der Strahlentherapie ist es, mikroskopisch kleine Tumorreste zu vernichten. Hierfür werden in der Regel Linearbeschleuniger eingesetzt, da diese eine hohe Dosisleistung besitzen und somit die Bestrahlungszeiten verkürzt werden können.

Die Nebenwirkungen der Bestrahlung können durch eine genaue Planung und Durchführung der Strahlentherapie weitestgehend gering gehalten werden. Akute Nebenwirkungen zeigen sich direkt gegen Ende der Bestrahlung in Form von Hautrötungen. Gelegentlich treten auch Epitheliolysen (oberflächliche Hautläsionen) auf, die von selbst heilen. Zudem fühlen sich Patientinnen nach einer Sitzung müde und abgeschlagen. Als Spätfolge kann sich die Brust in geringem Ausmaß verkleinern oder verfestigen. Möglich sind zudem Hautveränderungen wie Hyperpigmentierung oder Besenreiser.

Da bei der Strahlentherapie auch ein Teil der Lunge mitbestrahlt wird, können sich Fibrosen (Vernarbungen) bilden, wobei sich diese nicht auf Atemfunktion auswirken. Wenn die linke Brust bestrahlt wird und Zytostatika (Anthrazykline) gegeben werden, erhöht sich das Risiko für Durchblutungsstörungen im Herzen. Eine weitere schwerwiegende Nebenwirkung kann auftreten, wenn sich in der Achselhöhle eine Lymphabflussstörung ausbildet.

Behandlungsschemata für die Chemotherapie

In der Brustkrebsbehandlung haben Chemotherapien (zytostatische Therapie) einen hohen Stellenwert. Jedoch muss nicht jede Brustkrebsform durch eine Chemotherapie behandelt werden. Hinzu kommt, dass nicht jede Patientin von einer Chemotherapie profitiert. Ein Schema F gibt es in der Brustkrebsbehandlung leider nicht. Unterschieden wird hier zwischen der primären (neoadjuvante), adjuvante und palliative Therapie.

Die neoadjuvante Chemotherapie wird vor einer Operation durchgeführt. Wenn bereits Operationen erfolgt sind und es sich keine Metastasen in anderen Organen gebildet haben, wird von der adjuvanten Therapie gesprochen. Sollten sich bereits Metastasen (Tumorbesiedlungen) gebildet haben, kann eine Chemotherapie in einigen Fällen dennoch sinnvoll sein (palliative Therapie), da sich hiermit verschiedene Symptome wie Schmerzen reduzieren lassen.

Chemotherapie bei Brustkrebs: Welche Arzneimittel kommen zum Einsatz?

Um die Vermehrung der Tumorzellen zu hemmen, werden im Rahmen der Chemotherapie Zytostatika (Zellstopper) verabreicht, die eine normale Zellteilung verhindern. Dabei ist ihre Wirkung an den Zellen umso höher, desto schneller sich diese vermehren. Gegenüber der Chemotherapie sind Krebszellen sehr empfindlich, da sie sich schnell teilen (hohe Vermehrungsrate). Jedoch werden durch die Zytostatika auch gesunde Zellen daran gehindert, sich zu teilen. Infolge dessen leidet vor allem das Körpergewebe mit einer hohen Teilungsrate wie die Haarwurzelzellen und der Magen-Darm-Trakt.

Zytostatika werden in unterschiedliche Gruppen eingeteilt, die in verschiedene Zellzyklusphasen eingreifen. Zum Einsatz kommen folgende Wirkstoffklassen:

  • Alkylantien (z. B. Cyclophosphamid)
  • Anthrazykline (z. B.Epirubicin oder Doxorubicin)
  • Antimetabolite (z. B. Fluorouracil/5-FU, Methotrexat, Capecitabin, Gemcitabin)
  • Platinderivate (z. B. Carboplatin oder Cisplatin)
  • Mitosehemmer
  • Taxane (z. B. Paclitaxel, Docetaxel, Nab-Paclitaxel)
  • Vinca-Alkaloide (z. B. Vinorelbin)
  • Halichondrin-B-Analoga (z. B. Eribulin)

In der adjuvanten Chemotherapie bei Brustkrebs hat sich eine Kombination aus unterschiedlichen Wirkstoffen bewährt (Polychemotherapie), wodurch sich die Chance erhöht, dass viele Tumorzellen zerstört werden. Diesen Kombinationen wurden Namenskürzel gegeben, wie zum Beispiel EC-P für (Epirubicin + Cyclophosphamid gefolgt von Paclitaxel) oder DAC für Docetaxel + Doxorubicin + Cyclophosphamid. Immer wieder werden neue Kombinationen untersucht, sodass jede Brustkrebspatientin eine individuell abgestimmte Chemotherapie erhalten kann.

Bei einem fortgeschrittenen Krebsstadium kommt eine Polychemotherapie meist nur zum Einsatz, wenn die Patientin starke Beschwerden hat oder der Tumor schnell wächst. Ansonsten erhalten Patientinnen eine Monochemotherapie mit einzelnen Wirkstoffen.

Nebenwirkungen der Chemotherapie bei Brustkrebs

Bei der Chemotherapie können folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Appetitlosigkeit, Durchfall, Verstopfung
  • Schmerzen beim Schlucken
  • Entzündungen der Mundschleimhaut
  • Haarausfall, Hautausschlag, veränderte Finger- und Zehennägel
  • Anämie (Blutarmut)
  • Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche)
  • Neuropathie (Gefühlsstörungen an Händen und/oder Füßen)
  • Müdigkeit/Abgeschlagenheit
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Konzentrationsstörungen/Beeinträchtigung der Merkfähigkeit
  • erhöhte Anfälligkeit für spätere Tumore

Darüber hinaus kann auch die Fruchtbarkeit nach der Chemotherapie bei Brustkrebs eingeschränkt  sein. Möglich sind zudem Schädigungen an den Eierstöcken sowie eine Eierstockinsuffizienz (Verlust der Periode und Wechseljahrbeschwerden).

Welche Nebenwirkungen auftreten und wie stark diese ausgeprägt sind, hängt generell von der Art und Dosis der eingesetzten Medikamente ab. Dabei sind die meisten Nebenwirkungen vorübergehender Natur, wie zum Beispiel der Haarausfall im Rahmen der Chemotherapie bei Brustkrebs. Nach dem Ende der Therapie wachsen die Haare wieder nach.

Mögliche Risiken während der Chemotherapie bei Brustkrebs

Ein sogenanntes Paravasat stellt ein mögliches Risiko bei der Behandlung mit Zytostatika dar. Hierunter wird das unbeabsichtigte übertreten der chemotherapeutischen Wirkstoffe in das umliegende Gewebe während einer Infusionsbehandlung verstanden, wenn beispielsweise eine Vene platzt oder eine Infusionskanüle herausrutscht. Allerdings passiert dies nur selten und ist nicht mit der Schmerzhaftigkeit der Venen vergleichbar, die im Laufe der Chemotherapie in aller Regel auftritt.

Brustkrebs: Chemotherapie-Nebenwirkungen lindern

Viele Nebenwirkungen können durch begleitende therapeutische Maßnahmen gemildert werden. So werden gegen Übelkeit und Erbrechen entsprechende Arzneimittel verabreicht und durch regelmäßige Blutkontrollen kann eine Immunschwäche, die eine erhöhte Infektanfälligkeit zur Folge hat, frühzeitig erkannt und behandelt werden. Durch die Gabe von Erythropoietin kann zudem die Neubildung von roten Blutkörperchen angeregt werden, wodurch sich eine Blutarmut vermeiden lässt.

Auch die Ernährung bei Brustkrebs bzw. während der Chemotherapie spielt eine wichtige Rolle, da das Immunsystem und auch das Verdauungssystem stark beansprucht werden. Deshalb sollten Patientinnen vor allem leicht und gut verträgliche Kost in vielen kleinen Mahlzeiten zu sich nehmen. Geeignet sind vor allem gedünstetes Gemüse, Geflügelfleisch, reifes Obst sowie gekochte Vollkornprodukte (z. B. Naturreis oder Vollkornnudeln). Außerdem sollten Patientinnen ausreichend Flüssigkeit in Form von Mineralwasser oder ungezuckertem Tee zu sich nehmen. Meiden sollten Patientinnen hingegen:

  • fettige frittierte Speisen
  • schwer verdauliches und blähendes Gemüse (z. B. Zwiebeln, Bohnen, Erbsen)
  • saures unreifes Obst
  • süße und fettige Backwaren
  • stark gewürzte Speisen
  • geräucherte Speisen

Des Weiteren ist auch der Alkohol während einer Chemotherapie bei Brustkrebs zu meiden.

Medizinisches Cannabis gegen die Nebenwirkungen der Chemotherapie

Medizinisches Cannabis kann nachweislich die starken Nebenwirkungen der Chemotherapie bekämpfen. Eine der weltweit umfangreichsten Untersuchung zu diesem Thema wurde von der Universität Sydney durchgeführt. Der Onkologe Peter Grimison und sein Team gaben 300 Studienteilnehmern Tabletten mit den Cannabinoiden Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) aus der Hanfpflanze. Dabei basierte diese Strategie auf einer früheren Studie aus dem Jahr 2010, die an der Universitat Autònoma de Barcelona durchgeführt wurde. Beide Studien können belegen, dass medizinisches Cannabis Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, die im Rahmen einer Chemotherapie auftreten, gelindert werden konnten.

Neben Übelkeit und Erbrechen ist eine weitere Folgeerscheinung der Chemotherapie die Appetitlosigkeit. Diese kann zu einem starken Gewichtsverlust führen, was dem Patienten erheblich schaden kann. Aber auch hier kann medizinisches Cannabis helfen, da es den Appetit anregt. Verschiedene Studien konnten dies bereits belegen. Und kanadische Forscher der University of Alberta stellten sogar fest, dass sich bei Patienten, die Medikamente auf THC-Basis (Marinol) einnahmen, der Geschmackssinn verbesserte.

Bereits Studien aus den 80er Jahren darauf hin, dass Cannabinoide bei der Behandlung von Übelkeit und Erbrechen stärker wirksam sind als Antiemetika wie zum Beispiel Prochlorperazin, Phenothiazine, Metoclopramid).

Interessant ist außerdem eine Studie aus den USA. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Dronabinol (THC) eine additive Wirkung bei der Kombination mit modernen Antiemetika besitzt. So war Dronabinol genauso wirksam wie das Antiemetikum Ondansetron.

Medizinisches Cannabis richtig einsetzen

Seit der Gesetzesänderung im März 2017 können sich Schwerkranke Cannabisblüten, Cannabisextrakte und cannabishaltige Arzneimittel auf einem Betäubungsmittelrezept verschreiben lassen. Die Krankenkassen können einen Antrag auf Kostenübernahme nur noch in seltenen Einzelfällen ablehnen.

Cannabinoide wirken am besten in ihrer natürlichen Form. Deshalb wird empfohlen, Cannabisblüten mithilfe eines Vaporizers zu verdampfen. Zum Einstieg wird häufig die Indica-dominierende Cannabissorte Bedica empfohlen. Während Sativa-Sorten eher psychisch stimulierend wirken, weisen Indica-Sorten eine entspannende Wirkung auf. Ausgegeben wird Bedica granuliert, sodass es mit einem Vaporizer inhaliert werden kann.

Wie läuft eine Chemotherapie bei Brustkrebs ab?

Die Chemotherapie bei Brustkrebs kann ambulant oder stationär erfolgen, wobei die Mehrzahl ambulant durchgeführt wird. Der Verlauf der Chemotherapie bei Brustkrebs ist immer von Patientin zu Patientin verschieden. Jedoch werden die Zytostatika als Infusion verabreicht, sodass sich die Wirkstoffe über das Blut im Körper verteilen können. In der Regel wird die Chemotherapie bei Brustkrebs in Zyklen (6 bis 16 Zyklen) durchgeführt. Dabei werden die Medikamente innerhalb eines Zyklus entweder an einem oder mehreren Tagen verabreicht. Nach einer Behandlungspause, die Tage oder Wochen dauern kann, können sich die gesunden Zellen erholen. Die Durchführung der Chemotherapie in Zyklen macht es zudem möglich, zum Beispiel Tumorzellen, die sich innerhalb des ersten Zyklus in einer Ruhephase befanden, später durch die Medikamente zu beeinflussen, wenn sie teilungsaktiv werden sollten.

Kosten für die Chemotherapie bei Brustkrebs

Für gewöhnlich übernimmt die Krankenkasse die Behandlungskosten. Zudem haben Patientinnen die Möglichkeit, Anträge bei der Krankenkasse zu stellen, wenn sie beispielsweise ein neues Arzneimittel benötigen, ein neuartiges Verfahren ausprobieren möchten oder Interesse an naturheilkundlichen Verfahren besteht. Hierbei berücksichtigen die Krankenkasse in aller Regel die Einschätzungen der behandelnden Ärzte, sodass Art und Umfang der Brustkrebsbehandlung den Ärzten und der Patientin vorbehalten bleibt.

Spätfolgen der Chemotherapie nach Brustkrebs

Laut einer Studie aus den USA leiden zwei Drittel der Patientinnen an Folgeerkrankungen. Verursacht werden diese Langzeitschäden hauptsächlich durch die Veränderungen an den gesunden Zellen und nicht immer werden die Schäden sofort bemerkt, wie zum Beispiel beim Verlust der Fruchtbarkeit. Dabei hängt es von den ausgewählten Chemotherapeutika und der Dosis ab, bei welchen Organen bleibende Schäden auftreten können. Unterschieden wird hier zwischen zwei Arten von Spätfolgen:

  • Zweittumore: Diese können in den ersten 5 bis 10 Jahren nach der Chemotherapie auftreten. Auslöser können Chemotherapien mit Alkylanzien (Cyclophosphamid), Etoposid und Platinderivaten (Carboplatin und Cisplatin) sein.
  • Funktionelle Organschäden: Jedes Organ kann im Grunde betroffen sein. So ist beispielsweise Bleomycin (Zystatikum) bekannt dafür, die Lunge zu schädigen, was Gewebeveränderungen und eine Lungenfibrose zur Folge haben kann. Zudem belasten Chemotherapeutika das Nervensystem, sodass es zu Missempfindungen oder Neuropathien kommen kann.

Weitere Therapien bei Brustkrebs im Überblick

Antihormonelle Entzugsbehandlung

Da der Großteil aller Tumore in der Brust östrogenabhängig ist und somit Wachstumsreize durch Geschlechtshormone erhalten, kann mithilfe einer Hormon-Entzugsbehandlung das Tumorwachstum beeinflusst werden. Am häufigsten wird hier Tamoxifen eingesetzt. Junge Patientinnen erhalten hingegen das synthetische Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH-Analoga), womit die Östrogen-Produktion gestoppt werden kann. Ebenso kann das Enzym Aromatase die Östrogen-Produktion hemmen, weshalb auch häufig Aromatasehemmer eingesetzt werden. Welche antihormonelle Therapie sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, ob sich die Patientin vor oder nach den Wechseljahren befindet.

Anti-HER2-Therapie

Das Protein HER2 kommt bei ungefähr 20 Prozent aller Patientinnen vermehrt vor. Hier bietet sich dann eine Anti-HER2-Therapie mit Trastuzumab an. Angewandt wird diese Therapie sowohl im Frühstadium als auch bei metastasiertem krebs. Sollte die Krankheit dennoch voranschreiten, können weitere gegen die HER2-Rezeptoren gerichtete Therapien angewendet werden. Zum Einsatz kommen dann sogenannte Signalhemmer wie Lapatinib. Dieser Wirkstoff blockiert den HER2-Rezeptor nicht wie Trastuzumab von außen, sondern im inneren. Gleichzeitig blockiert Lapatinib auch den HER1-Rezeptor (EGF-Rezeptor).

Triple-Negative-Therapie

Bei einigen Frauen verfügt der Brustkrebs über keine Rezeptoren, wo die Wirkstoffe andocken können. Es handelt sich hierbei dann um das sogenannte Triple-Negativ-Mammakarzinom. Untersucht werden aktuell PARP1-Hemmer auf ihre Wirksamkeit.

Therapie mit Bisphosphonaten

Wenn der Brustkrebs bereits in den Knochen Metastasen gebildet hat, kann die Gabe von Bisphosphonaten sinnvoll sein, da hierdurch Schmerzen reduziert sowie Knochenbrüche vorgebeugt werden können.

Anti-Angiogenese-Therapie

Ziel dieser Therapie ist es, die Krebszellen „auszuhungern“, indem die Entstehung neuer Blutgefäße unterdrückt wird. Zurzeit werden hier neue Arzneimittel untersucht, die bei Patientinnen eingesetzt werden können, die unter einem fortgeschrittenen Brustkrebs leiden.

Alternative Therapien bei Brustkrebs

Neben den Therapieverfahren der Onkologie existieren viele weitere Therapiemöglichkeiten. Oftmals werden in Praxen, Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen mehrere Elemente angeboten, die unter dem Begriff integrative Onkologie laufen. Aktuell rücken diese Therapiemöglichkeiten mehr in den Fokus der Wissenschaft, jedoch gibt es bislang trotz großer Verbreitung keine standardisierten Empfehlungen.

Im Mittelpunkt der alternativen Therapieverfahren stehen die Erhaltung der Lebensqualität sowie die Aktivierung der körpereigenen Abwehrkräfte gegen die Krebszellen. Um diese Ziele zu erreichen, stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung:

  • Hydro-/Thermo-/Klimatherapie
  • Ernährungs- und Bewegungstherapie
  • Ozon-/Sauerstoff-/HOT-Therapie
  • Mikrobiologische Therapien
  • Misteltherapie und weitere pflanzliche Heilstoffe wie Sonnenhut

Wie gut sind die Heilungschancen?

Wie bei jeder Krebserkrankung gilt auch bei Brustkrebs: Je früher der Krebs erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf Heilung. Laut Statistik liegen die Heilungschancen durch Früherkennungsmaßnahmen bei über 90 Prozent. Jedoch ist Heilungschance bei Brustkrebs von weiteren Faktoren abhängig. Sowohl das Patientinnenalter und die Brustkrebsart als auch der Lymphknotenbefall, begleitende Krankheiten und das Vorhandensein von Metastasen spielen sind hier von Bedeutung. Dabei wird die Krebserkrankungen-Prognose in Form der 5-Jahres-Überlebensrate (5JÜR) angegeben. Hierbei wird der Anteil der Patientinnen die fünf Jahre nach der Erkrankung noch am Leben sind, betrachtet. Bei Brustkrebs liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei einem frühen Krankheitsstadium bei bis zu 97 Prozent.

Rehabilitation und Nachsorge

In der Regel nehmen Patientinnen eine Reha nach der Chemotherapie bei Brustkrebs in Anspruch, um sich zu erholen und den Weg zurück in die Normalität zu finden. Die Kosten für solch eine Kur werden von den Krankenkassen übernommen. Möglich ist eine ambulant durchgeführte Reha in der Nähe des Wohnortes oder ein Aufenthalt in einer speziellen Reha-Klinik.

Für Frauen mit Brustkrebs ist die Nachsorge sehr wichtig. Regelmäßige Kontrollen sollten unbedingt durchgeführt werden, um ggf. einen Rückfall frühzeitig erkennen zu können.

Quellen:

Pharmazeutische Zeitung online, Nicole Schuster, 2013, „Geheilt heißt nicht gesund sein

NSW Government, 2016, „Medical cannabis trial for chemo patients

Fundació Institut Català de Farmacologia, Hospital Universitari Vall d’Hebron, Universitat Autònoma de Barcelona, E-08035, Marta Duran et al., 2010, “Preliminary efficacy and safety of an oromucosal standardized cannabis extract in chemotherapy-induced nausea and vomiting

Deutsches Ärzteblatt, Franjo Grotenhermen, Kristen Müller-Vahl, 2012, “Das therapeutische Potenzial von Cannabis und Cannabinoiden

Department of Agricultural, Food & Nutritional Science, University of Alberta, Edmonton, Canada, Brisbois TD1 et al., 2011, “Delta-9-tetrahydrocannabinol may palliate altered chemosensory perception in cancer patients: results of a randomized, double-blind, placebo-controlled pilot trial

Chang AE et al., 1981, “A prospective evaluation of delta-9-tetrahydrocannabinol as an antiemetic in patients receiving adriamycin and cytoxan chemotherapy

Colls BM et al., 1980, “The antiemetic activity of tetrahydrocannabinol versus metoclopramide and thiethylperazine in patients undergoing cancer chemotherapy

Bethesda Memorial Hospital, Comprehensive Cancer Care Center, Boynton Beach, FL 33435-7995, USA, Meiri E1 et al., 2007, “Efficacy of dronabinol alone and in combination with ondansetron versus ondansetron alone for delayed chemotherapy-induced nausea and vomiting

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