Brustkrebs und medizinisches Cannabis – Fakten, Meinungen und Erfahrungen

Autor: Uta Melle

Verõffentlicht am: 31. Oktober 2017

Geändert am: 8. Mai 2018

Viele Menschen verbinden Brustkrebs mit Haarausfall, Narben oder gar Tod. Die Heilungschancen sind jedoch ganz gut: statistisch überleben ca. 85% der Frauen die Erkrankung. Doch der Weg zur Genesung ist schwer: Appetitlosigkeit, Schmerzen, Ängste und Depressionen müssen in einer Zeit ertragen werden, in der man oft auch noch sein komplettes Leben neu ordnen muss.

Brustkrebs und medizinisches Cannabis – Fakten, Meinungen und Erfahrungen

Allein in Deutschland erkranken ungefähr 500 Männer und 72.000 Frauen jährlich an Brustkrebs. Ich bin eine von ihnen. Bei mir liegt der Grund im BRCA2-Gen das sich im Jahre 2009 in meiner linken Brust ausbreiten wollte. Ich siegte, genau wie ca. 85% der betroffenen Frauen. Wie uns Betroffenen medizinisches Cannabis in Zukunft weiterhelfen könnte und wie für mich die Medizin der Zukunft aussieht, möchte ich hier beschreiben.

In Deutschland gibt es inzwischen mehr als 260 zertifizierte Brustzentren, Kliniken oder Krankenhausabteilungen, die sich auf die Behandlung von Brustkrebs spezialisiert haben. Die meisten dieser Institutionen arbeiten inzwischen ganzheitlich, also mit allen Mitteln, die alle Arten von Medizin bieten, sie verbinden klassische Medizin mit Naturheilkunde, chinesischen oder indischen Ansätzen, Ernährungskunde, Ayurveda, Physiotherapeuten, Onkopsychologie und vielem mehr. Der Krebs wird bekämpft und das Immunsystem wird gestärkt. Im Prinzip heißt es so wenig Eingriff wie nötig, so viel Unterstützung wie möglich.

Welche Therapiemöglichkeiten für Brustkrebs gibt es?

Sehr gute Therapiemöglichkeiten liegen in der Mastektomie (Amputation der betroffenen Brust), der Chemotherapie und der Bestrahlung. Hier sind gerade in den letzten Jahren wieder neue Techniken, Mittel und Dosierungsempfehlungen erforscht worden, die immer bessere Heilungschancen versprechen.

Beispielsweise bewirkt die Bestrahlung direkt auf den Punkt bei der Operation sehr viel mehr, als eine nachträgliche Bestrahlung, neue Chemotherapeutika sind auf dem Markt und Operationstechniken wurden weiterentwickelt. Oftmals wird anschließend noch eine langjährige Hormonersatztherapie verschrieben.

Einsatzmöglichkeiten von medizinischem Cannabis bei Brustkrebs

Nachweislich sehr gute Resultate erzielt der Einsatz von medizinischem Cannabis während der Chemotherapie und der Bestrahlung gegen deren Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen, wie Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Schmerzen. Viele Menschen leiden in dieser Zeit auch unter Schlaflosigkeit, Depressionen und Angstzuständen.

Kein Wunder, denn die Diagnose Krebs bedeutet nicht nur, dass man sich um sein Leben Gedanken machen muss, sondern auch oft, dass der Patient gezwungen ist sein Leben, seine Arbeit oder sein Umfeld neu zu ordnen. Und damit sind nur einige der Zusatzbelastungen genannt.

In der Palliativmedizin wird medizinisches Cannabis schon seit langer Zeit erfolgreich eingesetzt. Die Wirksamkeit ist im Vergleich mit Morphinen sehr viel sanfter und weniger sedierend.

Medizinisches Cannabis kann die Heilung unterstützen

Wissenschaftler und Forschungszentren weltweit widmen sich gegenwärtig mit Hochdruck der Erforschung von Cannabinoiden in der Unterstützung der Chemotherapie. Erfolge beschränken sich jedoch bisher auf Zellstudien und Versuchen mit Mäusen. Da bei solchen Forschungen die Langzeitfolgen überprüft werden müssen, können wir erst in fünf bis zehn Jahren mit Ergebnissen rechnen.

Wie auch immer – allein schon die antidepressive Wirkung von Cannabis ist für mich ein wichtiger Aspekt, denn meiner Meinung nach unterstützt Lebensbejahung die Heilung.

Kaum Nebenwirkungen bekannt bei Cannabistherapie

Die bekannten Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis können Schwindel, Übelkeit, Müdigkeit, Herzrasen, Bluthochdruck, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen oder Angstzustände sein. Vergleicht man diese mit den Nebenwirkungen anderer Präparate, wie Morphine oder Opiate, welche durchaus als organschädigend gelten, sind diese allerdings eher harmlos.

Die einzige schädigende Wirkung würde die Behandlung mit medizinischem Cannabis haben, wenn man es als „Joint“ rauchen würde. Rauchen schädigt den Körper und kann zu Lungenkrebs führen. Daher wird medizinisches Cannabis in vielen Darreichungsformen – von der Kapsel, über Tropfen bis zu Spray – angeboten. Blüten können als Tee aufgegossen oder mit Hilfe eines Verdampfers zu sich genommen werden.

Meine persönlichen Erfahrungen und Rechercheergebnisse aus den letzten acht Jahren

Sehr gute Heilergebnisse konnten mir Patienten berichten, die sich ganzheitlich haben behandeln lassen. Fast alle guten Ärzte arbeiten gern mit guten Heilpraktikern zusammen und vice versa.

Heilpraktiker, die der Meinung sind Brustkrebs ohne ärztliche Unterstützung heilen zu können, sind in meinen Augen Scharlatane.

Sie haben nicht die Erfahrung und die umfassende Ausbildung von Medizinern und ich setze mich lieber in ein Flugzeug, welches von einem Piloten gesteuert wird und nicht von einer Stewardess – wenn beide einen guten Job machen, hat man einen angenehmen und sicheren Flug. Verantwortungsvolle, gute Heilpraktiker werden mir hier sicher recht geben.

Das Internet: Unterstützung, Informationsquelle aber auch Gefahr

Das Internet ist voll mit Seiten, Gruppen und youtube-Filmen, die Informationen über die Anwendung von medizinischem Cannabis bei Brustkrebs anbieten. Ob es sich um seriöse Informationen handelt oder der angebotene Lösungsweg ganz am Ende in einem Shop für teure „Alternative Heilmittel“ endet, ist schwer ersichtlich. Das deutsche Krebsforschungszentrum hat für Hilfesuchende einen Wegweiser für sichere Informationsquellen erstellt.

In den letzten acht Jahren habe ich viele Berichte über Krebsheilungen durch Cannabis gelesen und bin jedem Fall nachgegangen. Wie jeder Mensch hätte ich mich unglaublich über eine Bestätigung gefreut, doch leider entpuppte sich während der gewissenhaften Recherchen jeder einzige als Fehlinformation.

Entweder war es kein bösartiger Krebs, den Menschen gab es gar nicht, der Krebs wurde operativ entfernt, derjenige wollte seine genaue Diagnose nicht belegen oder es wurde doch noch eine Chemotherapie parallel eingesetzt. Hingegen kannte ich zwei Frauen, die ihren Brustkrebs mit Cannabis bekämpfen wollten. Sie sind leider beide sehr schnell gestorben.

Ausdrücklich warnen möchte ich an dieser Stelle vor den vielen Scharlatanen, Websites und Gruppen, die neuen hilfesuchenden Patienten erst einmal vom Arztbesuch, einer Operation oder der Chemotherapie abraten.

Sie empfehlen Shakes, Aprikosenkerne, Chlor Tropfen, Psychotherapien, homöopathische Kügelchen, Vitamine oder Cannabisöl ohne nach der genauen Diagnose zu fragen und empfehlen häufig fragwürdige Alternativmedizin Shops in persönlichen Nachrichten. Hinterfragt man diese Kommentare stellt sich fast immer heraus, dass die Schreiber weder über medizinisches Wissen verfügen noch selbst Krebs haben oder hatten.

Aufgrund der Probleme mit der Kostenübernahme der Krankenkassen ist die Versuchung bei einigen Patienten groß, sich über das Internet oder auf der Strasse Alternativen zu besorgen. Da diese weder auf ihre Wirkstoffe, noch auf deren Zusatzstoffe geprüft sind, raten wir von Leafly.de dringend von diesem Beschaffungsweg ab.

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