Cannabinoide in der Behandlung von Hautkrankheiten

Autor: Dr. Christine Hutterer

Verõffentlicht am: 23. Mai 2018

Geändert am: 15. Juni 2018

Die Haut ist ein Organ, das häufig vernachlässigt wird. Aufmerksamkeit erlangt das größte Organ des Menschen meist erst, wenn sich Hautkrankheiten zeigen. Da die Haut und das Endocannabinoid System eng miteinander verbunden sind, besitzt Cannabis als Medizin durchaus Potenzial, um Hautkrankheiten zu behandeln.

Cannabinoide in der Behandlung von Hautkrankheiten

Die Haut ist das größte Organ des Menschen, bekommt aber meist erst Aufmerksamkeit geschenkt, wenn sie Probleme macht. Dabei erfüllt sie als Barriere nach innen und außen sehr wichtige Funktionen. Es gibt eine Vielzahl von Hautkrankheiten – das Spektrum reicht von harmlosen Hautekzemen bis zu sehr schmerzhaften und die Lebensqualität einschränkenden Erkrankungen sowie lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Hautkrebs.

Dass die Haut nicht nur sprichwörtlich der Spiegel der Seele ist, sondern sich tatsächlich psychische Belastungen unter anderem auf der Haut niederschlagen können, hat man inzwischen gezeigt. Das bedeutet allerdings auch, dass nicht jeder Veränderung der Haut auch unbedingt eine Erkrankung der Haut (Dermatose) ist. Vielmehr können sich Erkrankungen im Inneren der Körpers und eben auch Erkrankungen der Psyche an der Haut äußern, beispielsweise durch einen Hautausschlag (Urticaria). Das macht manchmal die Behandlung schwierig, weil eine äußerlich angewandte Creme nur ein Symptom bekämpft – z.B. einen Hautausschlag – die Ursache aber an anderer Stelle zu finden ist und anders behandelt werden müsste.

Dennoch lohnt es sich, die Verbindungen zwischen der Haut und dem Endocannabinoidsystem näher zu betrachten, um das Potential von Cannabis oder Cannabinoiden als Medizin in der Behandlung von Hautkrankheiten besser zu verstehen.

Die Haut und das Endocannabinoidsystem

Man ist sich inzwischen ziemlich sicher, dass Endocannabinoid-Signalwege in der der Haut vorhanden sind und auch für verschiedene biologische Prozesse eine Rolle spielen. Es gibt nämlich eine Reihe von Hinweisen darauf. Man hat beispielsweise beobachtet, dass nach einem entzündungsfördernden oder anderen irritierenden Reiz der Haut die Konzentrationen der Endocannabinoide (Anandamid und 2-AG) in der Haut stark ansteigen. Wissenschaftler vermuten, dass das eine adaptive Antwort des Körpers ist, um Schmerzen und Entzündungszustände zu reduzieren. Diese Vermutung wird durch weitere Beobachtungen unterstützt: Ist/Wird die Wirkung der Endocannabinoid-abbauenden Enzyme im Körper unterdrückt, hat das schmerzlindernde und antientzündliche Wirkungen. Durch die vermehrte Produktion von Anandamid und 2-AG versucht der Körper offenbar, den biologischen Abbau der Endocannabinoide nach einer gewissen Zeit zu umgehen und die Wirkung länger aufrecht zu erhalten.

Auch in den Hautzellen scheint das Endocannabinoidsystem wichtige Funktionen zu übernehmen. So beeinflussen Anandamid und 2-AG auf unterschiedliche Weise die Entwicklung (Differenzierung) der Hautzellen. Besonders bei der Bildung der Epidermis, also der äußersten Zellschicht der Haut, spielt das Endocannabinoidsystem und die Endocannabinoid-Rezeptoren (CB1 und CB2) eine Rolle.

Schuppenflechte & Cannabinoide

Die Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine der häufigsten entzündlichen Hautkrankheiten. Sie ist gekennzeichnet durch stark schuppende, punktförmige bis etwa handtellergroße Stellen auf der Haut. Häufig betroffen ist die Haut an den Gelenken – an den Knien und Ellenbogen – doch auch an anderen Stellen des Körpers, z.B. um den Bauchnabel, sowie auf der Kopfhaut kann sich die Schuppenflechte zeigen. Typisch ist auch ein starker Juckreiz. Die Zellen der Epidermis teilen sich zu stark, so dass es zum Schuppen der Haut kommt.

Bei der Schuppenflechte handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Man vermutet, dass sich das Immunsystem gegen die eigenen Keratinozyten, einen bestimmten Zelltyp der Epidermis, richtet und so einerseits zur Entzündung der Haut und andererseits zur vermehrten Teilung der Keratinozyten führt. Die genauen Ursachen für die Psoriasis sind noch immer nicht bekannt. Wahrscheinlich sind mehrere unterschiedliche Gene und Faktoren an der Entstehung beteiligt.

Die Schwere und Ausbreitung der psoriatischen Hautveränderungen wird mit Hilfe des Psoriasis Area and Severity Index (PASI) erfasst.  Wenngleich die Schuppenflechte gutartig ist, kann sie sich negativ auf die Psyche und das ganze Leben der betroffenen Patienten auswirken. Nicht nur der Juckreiz und die übrigen Symptome sind belastend, auch die Scham vor Reaktionen von Mitmenschen, Hänseleien und Ausgrenzung wirken sich ungünstig auf das Wohlbefinden und die seelische Stabilität aus.

Mit dem oben beschriebenen Wissen über die Wirkung der Endocannabinoide in der Haut, könnten auch Phytocannabinoide bei einer möglichen Störung im Endocannabinoidsystem die notwendigen Funktionen (antiproliferativ, immunmodulierend) übernehmen. In Versuchen mit menschlichen Keratinozyten-Zelllinien unterdrückten die Cannabinoide THC, CBN (Cannabinol), CBD (Cannabidiol) und CBG (Cannabigerol) die übermäßige Teilung der Zellen. Auch die immunmodulierende Wirkung konnte bereits in Studien gezeigt werden: Bei der Verwendung von Cannabis nahm die Menge an proinflammatorisch (entzündlich) wirkenden Botenstoffen (Cytokinen) ab.

Bisher gibt es keine direkten Untersuchungen an einem Tiermodell für Schuppenflechte oder an Patienten. Doch die beobachteten Effekte verschiedener Cannabinoide, Anandamid und den Endocannabinoid Rezeptoren CB1 und CB2 lassen vermuten, dass das Endocannabinoidsystem für die Entstehung der Psoriasis von Bedeutung sein könnte. Wäre dies tatsächlich der Fall, könnten Cremes oder Salben mit Cannabinoiden dabei helfen, das aus dem Gleichgewicht geratene Endocannabinoid System wieder ins Lot zu bringen oder zumindest günstige Wirkungen zu entfalten.

Neurodermitis & Cannabinoide

Die Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Sie verläuft schubweise und tritt häufig bei (kleinen) Kindern auf. Meist bessern sich die Symptome mit steigendem Alter. Die Haut der Betroffenen ist sehr trocken und juckt stark. Durch das Kratzen wird die gereizte Hautoberfläche beschädigt, was zu stärkerem Juckreiz oder auch zu Infektionen mit Bakterien führen kann. Das Hautekzem kann am ganzen Körper vorkommen. Mehr Details zur Neurodermitis hat meine Kollegin Alexandra Latour hier zusammengefasst.

Wie genau die Neurodermitis entsteht, ist (wie auch bei der Schuppenflechte) noch nicht geklärt. Man vermutet jedoch, dass (unter anderem) eine überschießende Immunreaktion auf bestimmte Substanzen oder Allergene dafür verantwortlich ist. Diese Reaktion führt über verschiedene Schritte zur Aktivierung so genannter Mastzellen. Mastzellen sind wichtig für die Immunabwehr – bei Allergien oder einigen Autoimmunerkrankungen findet die Aktivierung der Mastzellen ungerechtfertigt statt. Mastzellen schütten Substanzen aus (Histamin, Serotonin, Proteasen und Cytokine), die Entzündungen und Juckreiz fördern.

Immer mehr Untersuchungen weisen darauf hin, dass das Endocannabinoidsystem in der Kontrolle und Regulation der Mastzellen eine Schlüsselrolle einnimmt. Nun könnte man folgern, dass Störungen im Endocannabinoid System für die Ausprägung der Neurodermitis (mit)verantwortlich sind, und dass eine Regulierung von außen hilfreich sein könnte. Genau diese Beobachtung hat man auch gemacht! Sowohl die körpereigenen, als auch die Phytocannabinoide der Cannabispflanze können bei chronischen und akuten Entzündungen schützend wirken.

Die Anwendung von Salben oder Cremes mit Cannabinoiden scheinen besonders den Juckreiz zu lindern. Doch auch das Entzündungsgeschehen auf der Haut geht zurück. Bei der Behandlung von Kindern mit Neurodermitis ist zu bedenken, dass die Auswirkungen von Cannabis auf den kindlichen Organismus noch sehr wenig untersucht sind. Man weiß nur von Jugendlichen, die Cannabis rauchen, dass das negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns hat. Vermutlich ist vor allem das THC und seine Wirkungen auf das sich entwickelnde Gehirn dafür verantwortlich. Zur Sicherheit sollten, Salben/Cremes ohne THC bei Kindern verwendet werden.

Doch auch die Anwendung von Hanföl, welches keine Cannabinoide, sondern viele essentielle Fettsäuren enthält, bringt vielen Neurodermitis-Patienten Linderung.

Hautkrebs & Cannabinoide

Umgangssprachlich meint man mit Hautkrebs meist den schwarzen Hautkrebs oder das maligne Melanom. Das ist die gefährlichste und bösartigste Form des Hautkrebses. Zellen, die das Hautpigment Melanin bilden, entarten. Der schwarze Hautkrebs ist sehr aggressiv und bildet schnell Metastasen.

Daneben gibt es noch andere Hautkrebsarten, z.B. den weißen oder hellen Hautkrebs. Man unterscheidet zwei Arten: das Basalzellkarzinom (Basaliom) und das spinozelluläres Karzinom (Spinaliom). Der Hauptauslöser ist in diesen Fällen UV-Licht (Sonnenlicht). Daher findet sich weißer Hautkrebs meist an stark Exponierten Hautstellen, z.B. im Gesicht oder im Nacken. Weißer Hautkrebs bleibt meist lokal begrenzt und bildet nur sehr selten Metastasen. Meist kann es operativ entfernt werden.

Neben diesen häufigsten Formen gibt es noch eine Reihe von seltenen Hautkrebsarten, wie z.B. Lymphome der Haut, Kaposi-Sarkom, Fibrosarkome und andere.

Hautkrebs – Risikofaktoren, Symptome, Vorbeugung

Hautkrebs macht erstmal keine Beschwerden. Daher kann es passieren, dass er erst spät erkannt wird. Besonderes Augenmerk sollte man auf Veränderungen auf der Haut legen. Fangen Muttermale plötzlich an zu wachsen, bilden sich welche neu, verändern sie die Farbe oder Form usw. All das sind Hinweise auf eine Aktivität in der Haut. Nicht immer handelt es sich um Hautkrebs, doch eine Abklärung durch einen Hautarzt ist auf jeden Fall sinnvoll.

Vielen Fällen von Hautkrebs kann durch konsequenten und angemessen hohen Sonnenschutz vorgebeugt werden. Besonders Personen mit empfindlicher Haut oder vielen Muttermalen sollten immer auf guten Sonnenschutz achten. Doch Hautkrebs kann auch ohne Sonneneinwirkung entstehen. Wahrscheinlich spielen auch genetischer Faktoren eine Rolle. Damit ist nicht nur gemeint, dass ein defektes Gen das Risiko erhöhen kann (wie beispielsweise beim Brustkrebs das BRCA1-Gen), sondern dass die genetischen Gegebenheiten auch den Hauttyp bestimmen.

Hautkrebs – Cannabinoide in der Therapie

Die bisherigen Forschungen zur Wirkung von Cannabis oder Cannabinoiden in der Vorbeugung von Krebs, können Sie hier nachlesen.

Nun soll es um die Möglichkeiten von Cannabinoiden in der Therapie des Hautkrebs gehen.

Ist der Krebs bereits weit fortgeschritten, kann THC palliativ eingesetzt werden. Ebenso gibt es die nachgewiesenen Wirkungen bei Chemotherapie-bedingter Übelkeit und Erbrechen. Zudem kann es appetitanregend wirken.

Des Weiteren könnte Cannabis aber auch in der Behandlung Therapie der Krebserkrankung hilfreich sein. Zwar gibt es noch wenige Untersuchungen dazu, aber es konnte gezeigt werden, dass Endocannabinoide, Phytocannabinoide oder auch synthetische Cannabinoide die Fähigkeit besitzen, in die Regulation von Signalwegen einzugreifen, die für grundlegende Zellfunktionen wichtig sind. Ein Beispiel für einen solchen essentiellen Prozess ist die Steuerung zwischen Zelltod und Zellüberleben. Im Fall von Krebs ist diese Steuerung gestört. Die exakten Abläufe, die dazu führen, dass eine Hautzelle entartet, kennt man noch nicht. Man weiß aber, dass in menschlichen Melanomzellen (Zellen des schwarzen Hautkrebses) funktionsfähige Endocannabinoid Rezeptoren vorliegen. Eine weitere Untersuchung konnte zeigen, dass die Bindung von passenden Molekülen an die Endocannabinoid Rezeptoren zur Folge hatte, dass die Melanomzellen das Wachstum und die Zellteilung einstellten, die Anbindung der Zellwucherung an die Blutgefäße verringert wurde und die Metastasierung abnahm. Das sind vielversprechende Ergebnisse, die zum einen auf eine wichtige Rolle des Endocannabinoid Systems in der Entstehnung oder im Wachstum von schwarzem Hautkrebs hindeutet, zum anderen aber auch die Möglichkeit gibt, über die Verwendung von Phytocannabinoiden aus der Cannabispflanze in die Regulation des Endocannabinoid Systems einzugreifen.

Die Forschung zu Cannabinoiden in der Therapie des Hautkrebs und anderer Hautkrankheiten steht noch am Anfang. Doch die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend und lassen hoffen, dass für einige Erkrankungen Cannabis als Medizin eine zusätzliche Option werden kann.

Quellen:

  • Pertwee R. Handbook of Cannabis. Oxford Univ Pr; Auflage: Reprint (1. Oktober 2016)

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