Cannabis-Allergie: Ja, das gibt es wirklich!

Autor: Dr. Christine Hutterer

Verõffentlicht am: 7. Mai 2018

Geändert am: 8. Mai 2018

Von Milch bis Latex – gegen alles kann man allergisch sein. Und ja, falls Sie es sich eventuell aus gegebenem Anlass fragen sollten, es gibt auch eine Cannabis-Allergie. Wie sich eine solche bemerkbar macht und was man dann tun kann, erfahren Sie im folgenden Text.

Cannabis-Allergie: Ja, das gibt es wirklich!

Häufigkeit der Cannabis-Allergie

Exakte Zahlen zur Häufigkeit der Cannabis-Allergie findet man nicht. Allerdings wurden allergische Reaktionen gegen Nutzhanf und andere industriell genutzte Familienmitglieder der Hanfpflanzen schon häufiger beschrieben.

Dass es keine belastbaren Zahlen gibt, liegt mit recht hoher Wahrscheinlichkeit auch daran, dass der Konsum von Cannabis in vielen Ländern in der Vergangenheit illegal war und es in vielen Ländern auch noch ist.

Personen, die allergische Reaktionen auf Cannabis bei sich beobachten vermeiden es möglicherweise einfach, damit zum Arzt zu gehen. Dennoch, das schätzen Experten, scheint die Zahl der Betroffenen Cannabis-Allergiker stetig zu wachsen.

Wie bekommt man eine Cannabis-Allergie?

Die Voraussetzung, um eine Cannabis-Allergie zu entwickeln, ist der Kontakt mit Cannabis. In den meisten Fällen wird eine Allergie folglich durch den aktiven Cannabiskonsum, also durch rauchen, vaporisieren oder die orale Aufnahme ausgelöst werden.

Es gibt aber auch Berichte, dass Personen, die selbst nicht konsumieren eine Allergie bekommen. Das geschieht durch Allergene, die sich im Rauch befinden. Kinder können also beispielsweise durch das Cannabisrauchen der Eltern in der Wohnung oder der näheren Umgebung eine Cannabis-Allergie entwickeln.

Ein Cannabis-„Heuschnupfen“ durch die Pollen der Cannabispflanzen ist ebenfalls möglich. Pollen der männlichen Cannabispflanzen werden durch den Wind sehr weit verbreitet. Das ist jedoch nur im näheren oder weiteren Umfeld von Nutzhanfplantagen denkbar, denn für die Verwendung von Cannabis als Medizin oder für den Freizeitkonsum werden nur die weiblichen Pflanzen verwendet und die männlichen entfernt, bevor sie Pollen produzieren.

Symptome einer Cannabis-Allergie

Eine Cannabis-Allergie kann, wie die meisten anderen Allergien auch, unterschiedlich starke Symptome hervorrufen. Manche Reaktionen sind, bzw. bei manchen Personen ist die allergische Reaktion nur schwach ausgeprägt, bei anderen kann sie lebensbedrohlich sein und bis zum anaphylaktischen Schock gehen. Die Stärke der allergischen Reaktion hängt häufig mit der Art und Weise zusammen, in der das Cannabis aufgenommen wird (Expositionsweg).

Allergische Symptome der Atemwege sind beispielsweise:

  • eine laufende Nase
  • geschwollene Schleimhäute in Nase und Mund
  • Asthma und asthmaähnliche Symptome wie Husten, Atemnot, Schwellungen der Augenlider

Diese Anzeichen treten vorwiegend beim Rauchen (aktiv oder passiv) oder Vaporisieren von Cannabis auf oder aber durch das Einatmen oder den Kontakt zu Cannabispollen, wie auch bei anderen Pollenallergien.

Durch den Kontakt von Cannabispflanzen oder Teilen der Cannabispflanze mit der Haut können Kontaktallergien entstehen. Typisch für eine solche allergische Reaktion ist ein nesselartiger Hautausschlag und/oder Schwellungen der Haut oder der Schleimhäute.

Schwere allergische Reaktionen, wie auch ein anaphylaktischer Schock, wurden nach der Aufnahme von Hanfsamen und durch das Trinken von Cannabis-Tee beobachtet.

Cannabis und seine Kreuzallergien

Eine Kreuzallergie beschreibt das Phänomen, dass Allergiker, die eine Allergie gegen ein bestimmtes Allergen haben, häufig auch gegen andere (Kombinationen von) Pflanzen, Pollen, Früchte etc. allergisch sind.

Das erklärt sich folgendermaßen:

  • Ein Allergen ist ein kleines Molekül mit einer bestimmten Struktur, die durch die Abfolge der Aminosäuren, also der Bausteine der Proteine weitere molekulare Gegebenheiten bestimmt wird.
  • Fälschlicherweise reagiert das körpereigene Immunsystem auf diese Struktur mit der Bildung spezifischer Antikörper, die genau diese Struktur erkennen.
  • Doch häufig gibt es auch in anderen Pflanzen Moleküle ähnlicher Struktur.
  • Häufig „erkennen“ die Antikörper diese ebenfalls und lösen die allergische Reaktion aus.
  • Wer beispielsweise allergisch gegen Birkenpollen ist, hat häufig auch Probleme mit Äpfeln.

Bei einer Allergie gegen Cannabis werden die häufigsten Kreuzallergien gegen Pfirsich, Banane, Apfel, Kirsche, Nüsse, Tomate und gelegentlich gegen Citrusfrüchte wie Orangen und Grapefruit beobachtet („cannabis-fruit/vegetable syndrome“). Ebenfalls können allergische Reaktionen gegen Bier, Wein und Tabak auftreten.

Diagnose und Behandlung der Cannabis-Allergie

Eine Allergie gegen Cannabis wird zum einen durch die Beschreibung der Symptome erkannt. Des Weiteren kann ein Hauttest, der so genannte Prick-Test, gemacht werden. Dabei wird an der Innenseite des Unterarms mit einer kleinen Nadel die Haut oberflächlich angeritzt und ein Extrakt der möglichen Allergene aufgetragen.

Nach etwa 20 bis 30 Minuten kann festgestellt werden, ob die Stellen geschwollen und gerötet sind und jucken und in welcher Stärke eine Reaktion erfolgt ist. Eine weitere Möglichkeit ist ein Bluttest, bei dem die Menge der Allergie-relevanten Antikörper, der IgE-Antikörper, bestimmt wird. Bei einer Allergie ist die Konzentration deutlich erhöht.

Leider gibt es derzeit keine Therapie, mit der eine Cannabis-Allergie oder die Kreuzallergie zwischen Cannabis und verschiedenen Obst- und Gemüsesorten geheilt werden könnte. Eine Desensibilisierung, wie sie bei anderen Allergien verbreitet ist, wurde bislang nur in Einzelfällen versucht. Es bleibt nur die Beendigung der Einnahme von Cannabis sowie der Obst-/Gemüsesorten, auf die ebenfalls allergisch reagiert wird.

Wer im Rahmen einer medizinischen Behandlung mit Cannabis oder cannabinoidhaltigen Extrakten die oben genannten Symptome bei sich beobachtet, sollte unbedingt mit dem behandelnden Arzt sprechen.

Ein Leitfaden zu Cannabis-Allergien und den entsprechenden Symptomen

Quellen:

  • Victor R. Preedy. Handbook of Cannabis and Related Pathologies: Biology, Pharmacology, Diagnosis and Treatment. 2017. Academic Press

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