Cannabis als Medizin in Dänemark

Autor: Gesa Riedewald

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Seit diesem Jahr können Patienten in Dänemark Cannabis als Medizin erhalten. Im Moment läuft das Pilotprogramm als vierjähriger Test. Was bedeutet diese Versuchsphase für Patienten, Cannabis-Produzenten und Mediziner? Herausforderungen gibt es zahlreiche. Wie kann die Zukunft für Cannabis als Medizin in Dänemark aussehen?

Cannabis als Medizin in Dänemark

Testphase für Cannabis als Medizin

Am 1. Januar 2018 trat in Dänemark ein Pilotprogramm in Kraft, mit dem Ärzte Cannabis als Medizin bzw. bestimmte cannabinoidhaltige Arzneimittel an Patienten verschreiben können, denen zugelassene Arzneimittel keinen Nutzen gebracht haben. (Leafly.de berichtete.)

Die Testphase soll den Gesetzgebern eine bessere Grundlage für die Bewertung der Verwendung von Cannabis bieten. Das Ziel ist die dauerhafte Legalisierung von Cannabis als Medizin am Ende der vierjährigen Versuchsperiode. Das Pilotprogramm richtet sich an Patienten mit Multipler Sklerose oder Rückenmarksschäden sowie an Patienten, die an Übelkeit nach Chemotherapie oder an neuropathischen Schmerzen leiden.

Parallel zu der vierjährigen Testphase wurde ein Entwicklungsprogramm eingeführt, das es den Herstellern ermöglicht, bei der dänischen Arzneimittelbehörde eine Lizenz für die Kultivierung und den Umgang mit medizinischen Cannabis-Produkten zu beantragen. Damit ist Dänemark eines der wenigen Länder in Europa, das die Herstellung von Cannabis für den medizinischen Gebrauch zulässt. In Deutschland läuft die Ausschreibung für den Cannabis-Anbau und die Produktion. (Leafly.de berichtete.)

Welche Herausforderungen gibt es für Cannabis als Medizin in Dänemark?

Rikke Jakobsen, Geschäftsführerin der Nichtregierungsorganisation Cannabis Danmark, erklärt im Interview mit Health Europa, dass die dänische Arzneimittelbehörde vor der Verabschiedung des Pilotprogramms untersucht hat, wie die Rechtsvorschriften in Kanada, den Niederlanden und Israel aussehen. Dann haben sie das Beste aus den Gesetzen genommen und es in einen dänischen Kontext gebracht.

„In Dänemark haben wir sehr hohe Anforderungen an die Medizin und die Kontrolle der Medizin. Dies sollte mit einer lebenden Pflanze gepaart werden. Es gibt also Herausforderungen auf diesem Weg, aber auch Gesetzesänderungen sind möglich“, so Rikke Jakobsen.

Nur wenige Ärzte verschreiben bisher Cannabis

Eine große Herausforderung für Cannabis als Medizin ist in Dänemark – wie in Deutschland auch – der fehlende Wille der Ärzte, Cannabis zu verschreiben. In Dänemark haben sich einige Forscher und verschreibende Ärzte in einem neuen Forum, dem Clinical Cannabis Forum, zusammengeschlossen. Das könnte sowohl Fachwissen wie auch Akzeptanz steigern. Cannabis Danmark unterstützt dieses Forum nach Kräften.

Preis für Cannabis als Medizin

Ein weiterer Hemmschuh für den Einsatz von Cannabis als Medizin ist der Preis. Denn in Dänemark erhalten nur Palliativpatienten eine hundertprozentige Kostenerstattung durch die Krankenkassen. Alle anderen Cannabispatienten dagegen erhalten nur einen Zuschuss von 10.000 Dänischen Kronen pro Jahr, was etwa 1.340 Euro entspricht. Allerdings können die Dänen darauf hoffen, dass die Kosten für Medizinalhanf fallen werden, wenn Anfang 2019 dänisches Cannabis in den Regalen steht.

Hohe Qualitäts- und Produktionsstandards

Die dänischen Qualitäts- und Produktionsstandards gehören zu den höchsten in der Welt. Rikke Jacobsen bewertet diese Standards als eine große Herausforderung für die Cannabis-Produzenten in Dänemark. Neben einer perfekten pestizidfreien Kultivierung sollte die Cannabissorte nicht mehr als 10 Prozent vom berechneten THC- und CBD-Gehalt vor der Ernte abweichen. Die Standards für Cannabis entsprechen den Anforderungen anderer Medikamente. Die Herausforderung ist aber, dass Cannabis eine veränderbare Pflanze ist, die sofort nach der Ernte mit der natürlichen Decarboxylierung beginnt.

Die Zukunft von Cannabis als Medizin in Dänemark

Wie wird die medizinische Cannabis-Landschaft in fünf oder zehn Jahren in Dänemark aussehen? Nach Einschätzung von Rikke Jakobsen hängt die Zukunft von Cannabis als Medizin von der weltweiten Gesetzgebung ab:

„Ich glaube nicht, dass dieser Bereich allein von Nationalstaaten entwickelt werden kann. Wenn wir eine Entwicklung bei der Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke sehen wollen, müssen Staaten bei der Forschung kooperieren. Im Moment ist die Forschung hoffnungslos im Rückstand, und wir haben noch niemanden gesehen, der viel in den Goldstandard der Forschung investieren möchte. Ich glaube, dass wir in diesem Bereich länderübergreifend zusammenarbeiten müssen.“

Daher hofft Cannabis Danmark darauf, dass die EU bereitwillig Mittel für die Grundlagenforschung in Bezug auf Cannabis als Medizin freigibt. Weiterhin ist es nötig, dass medizinische Universitäten damit beginnen, Studenten im Bereich des Endocannabinoid-Systems zu unterrichten. Mit diesem „medizinischen Werkzeugkasten“ kann die Wissenschaft dahin kommen, „Cannabinoide und Terpene für jedes Individuum“ zu kombinieren, so Jakobsen.

„Das ist meine Hoffnung für die Zukunft, und ich glaube, dass dies die Strategie ist, der wir folgen müssen. Im Interesse der vielen Millionen Patienten, die von Cannabis als günstige und wirksame Medizin profitieren können.“

Quellen:

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