Eignet sich Cannabis zur Behandlung von Hautkrebs?

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 29. Januar 2018

Geändert am: 29. Januar 2018

In Deutschland erkranken jedes Jahr über 21.000 Menschen an einer bösartigen Hautkrebserkrankung – dem malignen Melanom. Dass Cannabis als Medizin bei einer Krebstherapie hilfreich sein kann, ist weitreichend belegt und bekannt. Aber haben Cannabinoide auch Einfluss auf das Krebswachstum?

Eignet sich Cannabis zur Behandlung von Hautkrebs?

Cannabis als Medizin kann im Rahmen einer Chemo- und Strahlentherapie dazu beitragen, die hierdurch ausgelöste Übelkeit zu vermindern, den Appetit zu verbessern und Schmerzen zu lindern. Außerdem können die Cannabinoide aus der Cannabispflanze schlaffördernd und stimmungsaufhellend wirken, was zusätzlich dazu beiträgt, dass sich die Lebensqualität der Patienten verbessert. Insofern könnte Cannabis als Medizin auch für Patienten, die an Hautkrebs leiden, eine Ergänzung zur Krebstherapie sein.

Das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs) ist die bösartigste Hautkrebsform und betrifft Männer und Frauen gleichermaßen. Während der Hautkrebs bei Männern oftmals Rücken auftritt, zeigt sich der Hautkrebs bei Frauen meist an den Unterschenkeln. Das maligne Melanom ist jedoch nicht die einzige Hautkrebsart.

Welche Arten von Hautkrebs gibt es?

Der Überbegriff Hautkrebs steht für bösartige Tumore der Haut. Unterschieden wird zwischen dem schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) und dem weißen Hautkrebs (Basilom oder Spinaliom). Beim schwarzen Hautkrebs handelt es sich um einen bösartigen Hauttumor, der durch die pigmentbildenden Hautzellen (Melanozyten) entsteht. Da sich die Krebszellen über das Blut- und Lymphsystem im Körper ausbreiten können, besteht die Gefahr, dass sich Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden.

Der weiße Hautkrebs zeigt sich meist in hautfarbenen und unpigementierten Formen, wobei hier zwischen den folgenden Hautkrebsarten unterschieden wird:

  • Basaliom: Dieser semimaligner (halbbösartige Hauttumor) ist die häufigste Form von Hautkrebs und entwickelt in den meisten Fällen keine Metastasen. Jedoch können die Krebszellen das umliegende Gewebe sowie die Knochen und den Knorpel befallen. Das Basaliom bildet sich aus den Basalzellen der Haut sowie aus den Haarfollikelwurzeln.
  • Spinaliom: Der maligne (bösartige) Hauttumor entsteht aus der sogenannten Stachelzellschicht in der Oberhaut und tritt am häufigsten im Gesicht auf. Spinaliome treten vor allem ab einem Alter von 70 Jahren vermehrt auf.
  • Aktinische Keratose: Hierbei handelt es sich um die Frühform des Spinalioms, wenn sich die Hornzellen (Keratinozyten) der obersten Hautschicht unkontrolliert vermehren. Ein Symptom dieser Hautkrebs-Art ist eine raue und rötliche Veränderung an der Hautoberfläche.

Hautkrebs und seine Ursachen

Eine besondere Rolle bei der Entstehung von Hautkrebs spielt in den meisten Fällen die UV-Belastung. So ist für die Entstehung des schwarzen Hautkrebses eine starke UV-Belastung mit einer Vielzahl an Sonnenbränden ein hoher Risikofaktor. Gefährdet sind insbesondere helle Hauttypen sowie Menschen mit blonden oder rötlichen Haaren. Das Risiko für eine Hautkrebserkrankung steigt zudem, wenn man zu Leberflecken neigt. Aber auch eine erbliche Komponente scheint bei der Entstehung von Hautkrebs eine wichtige Rolle zu spielen.

Ursächlich für den weißen Hautkrebs ist häufig ein langes Sonnenbad ohne entsprechenden Hautschutz. Wenn die Haut längere Zeit einer hohen Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, erhöht sich das Risiko für die Entstehung eines Basalioms. Betroffen sind vor allem ungeschützte Hautareale wie der Kopf, Gesicht, Hals und Hände.

Auch die aktinische Keratose kann durch zu viel Sonneneinstrahlung entstehen, weshalb sich diese Krebsvorstufe meist an den Hautstellen bildet, die lange oder häufig dem UV-Licht ausgesetzt sind. Das Gleiche gilt auch für das Spinaliom, wobei hier besonders diejenigen gefährdet sind, die ein schwaches Immunsystem haben.

Das ist beispielsweise bei Menschen der Fall, die Medikamente einnehmen, welche die Immunabwehr unterdrücken, oder auch Menschen nach einer Organtransplantation. In der Regel entwickelt sich das Spinaliom nach einer aktinischen Keratose. Es kann jedoch auch durch verschiedene Hauterkrankungen, chronische Wunden oder Verbrennungsnarben entstehen.

Symptome bei Hautkrebs

Weißer Hautkrebs und schwarzer Hautkrebs äußern sich durch verschiedene Symptome, insbesondere in Bezug auf die betroffene Körperregion, in ihrer Form sowie in ihrer Pigmentierung.

Schwarzer Hautkrebs – Symptome

Für einen Laien ist die Unterscheidung nicht leicht: Ist es ein harmloses Muttermal oder schwarzer Hautkrebs? Hilfreich ist hier die ABCDE-Regel, da hiermit die Hautveränderungen verglichen werden können:

  • Asymmetrie (asymmetrische Form)
  • Begrenzung (unregelmäßig begrenzt)
  • Colorit/Färbung (uneinheitlich gefärbt)
  • Durchmesser (Durchmesser von mehr als 5 Millimeter)
  • Erhabenheit (Vorwölbung)

Treffen ein oder mehr Aussagen bzw. Symptome zu, so ist die Gefahr groß, dass es sich um Hautkrebs handelt.

Weißer Hautkrebs – Symptome

Die Symptome von weißem Hautkrebs zeigen sich in unterschiedlichen Formen je nach Krebsart.

Bei einem Basaliom zeigen sich schmerzlose Hautveränderungen in unterschiedlicher Ausprägung. So kann es beispielsweise zu flachen, knötchenförmigen, geschwürartigen oder narbenähnlichen Hautveränderungen kommen. Oftmals zeigen sich Basaliome zunächst in Form von gelblich-rötlichen oder auch braunen bis schwarzbraunen Knötchen mit feinen Blutgefäßen. Durch die Zellveränderung der Haut treten im späteren Krankheitsverlauf häufig kleine nässende und/oder blutende Geschwüre auf.

Die Symptome bei der Hautkrebs-Erkrankung aktinische Keratose zeigen sich häufig an Körperstellen, die längerer Zeit dem Sonnenlicht ausgesetzt wurden. Hierzu zählen vor allem die Körperbereiche Kopf, Gesicht und Handrücken. Die ersten Symptome bei Hautkrebs sind kleine hautfarbene oder rötliche raue Flecken. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium bilden sich graubraune, rötliche und verhornte Knötchen.

Beim Spinaliom können die Symptome je nach betroffener Hautstelle variieren. Zu Beginn ähneln die Symptome dieser Hautkrebs-Erkrankung den der aktinischen Keratose. Im späteren Verlauf bilden sich durch die Zellveränderung der Haut harte Knoten, die keine Schmerzen verursachen. Je länger das Spinaliom wächst, desto mehr bösartige Gewebeneubildungen zeigen sich bzw. breitet sich das Spinaliom im umliegenden Gewebe weiter aus.

Hautkrebs: Behandlung und Therapie

Die Behandlung und die Art der Therapie hängt davon ab, um welche Hautkrebsform es sich handelt und davon, wie weit die Hautkrankheit bereits fortgeschritten ist.

Schwarzen Hautkrebs behandeln

Der schwarze Hautkrebs (malignes Melanom) muss immer behandelt werden, auch dann, wenn nur der Verdacht auf eine Krebserkrankung besteht. Beim bösartigen Hautkrebs sieht der Therapie-Plan zunächst vor, dass die Hautveränderungen mithilfe eines kleinen chirurgischen Eingriffs entfernt werden. Eine örtliche Betäubung für diesen Eingriff ist meist ausreichend. Sollte die bösartige Gewebeneubildung bzw. der Tumor nicht operierbar sein, so wird eine Strahlentherapie in Betracht gezogen.

Bei einigen Melanom-Formen, insbesondere dann, wenn die bösartige Gewebeneubildung tief die Haut eingedrungen ist, wird häufig nach einer Operation eine Interferon-Alpha-Therapie empfohlen. Dabei handelt es sich bei den Interferonen um eine körperverwandte Substanz, die noch vorhandene Krebszellen eliminieren und das Immunsystem anregen soll. Ob eine Interferon-Alpha-Therapie bei Hautkrebs infrage kommt, muss vom Facharzt sorgfältig abgewogen werden, die diese unterschiedliche Nebenwirkungen auslöst.

Die Therapie bei Hautkrebs, wenn sich bereits Metastasen gebildet haben, sieht weitere Behandlungsmaßnahmen vor. Hierzu gehören beispielsweise Operationen, eine Strahlentherapie oder eine Immuntherapie.

Weißen Hautkrebs behandeln

Um den weißen Hautkrebs zu behandeln, wird zunächst versucht, das Basaliom durch einen chirurgischen Eingriff vollständig zu entfernen. In einigen Fällen kann der weiße Hautkrebs auch ohne Operation behandelt werden. Hier kommen dann verschiedene Therapien zum Einsatz wie das Ausschaben (Kürettage) oder eine Kältebehandlung (Kryotherapie).

Eine photodynamische Therapie kann bei weißem Hautkrebs ebenfalls angewandt werden. Weitere Therapiemöglichkeiten sind die Strahlen- und Lasertherapie. Eine weitere Möglichkeit ist die örtliche Immuntherapie mit dem Wirkstoff Imiquimod.

Hautstellen, die von der aktinischen Keratose betroffen sind, werden herausgeschabt oder aber herausgeschnitten. Ebenso können die Vereisung, die Lasertherapie sowie die photodynamische Therapie bei dieser Hautkrebs-Erkrankung angewendet werden.

Ein Spinaliom sollte schnellst möglichst behandelt werden. Die chirurgische Entfernung ist in der Regel unumgänglich. Sollte eine Operation nicht möglich sein, so kommen unterschiedliche Behandlungsmethoden infrage, wie die lokale Immuntherapie oder Chemotherapie, die Kältebehandlung oder eine Strahlentherapie.

Schwarzer und weißer Hautkrebs: Krankheitsverlauf

Wie bei jeder anderen Krebsart gilt auch für den Hautkrebs, dass die Chancen auf Heilung umso größer sind, desto früher dieser erkannt wird. Beim schwarzen Hautkrebs hängen die Heilungschancen vom Typ des Tumors und des Stadiums ab. Wenn sich der Hautkrebs lediglich in der obersten Hautschicht befindet, ist er in den meisten Fällen heilbar.

Sollte das Melanom jedoch tiefer in die Hautschicht eingedrungen sein, erhöht sich das Risiko für Metastasen, wodurch sich die Prognose verschlechtert.

Wenn eine aktinische Keratose nicht behandelt wird, kann hieraus ein Spinaliom entstehen und wird dieses frühzeitig erkannt, sind die Chancen auf Heilung gut – sofern sich keine Metastasen gebildet haben. Das Basaliom bildet nur in sehr seltenen Fällen Tochtergeschwülste und lässt sich deshalb meist erfolgreich behandeln.

Was sagen aktuelle Studien zur Hautkrebsbehandlung mit Cannabis?

Bereits im Jahr 2003 untersuchten spanische Forscher die Wirkung von Cannabinoiden auf Hautkrebstumore in einem Zellkulturexperiment. Es zeigte sich der Zelltod von bösartigen epidermalen Zellen, während die gesunden Zellen nicht beeinträchtigt wurden. Bei Versuchsmäusen zeigte sich das gleiche Ergebnis, sodass die Forscher hier einen neuen Ansatz zur Behandlung von Hauttumoren sahen.

Britische Forscher der Newcastle University veröffentlichten im Jahr 2015 die Ergebnisse einer interessanten Studie. Hierin wird erklärt, dass für den metastasierten Hautkrebs neue Behandlungsstrategien notwendig sind, da die Überlebensrate bei unter 10 Prozent liegt. Weiter gehen die Forscher auf die Autophagie ein, einer der wichtigsten Prozesse im Körper, um Zellen gesund zu halten. Die Förderung dieses Prozesses sei vor allem bei Chemotherapie-resistenten Tumoren wichtig.

Ziel der Studie war es, die Hypothese zu testen, dass Cannabinoide die Autophagie-abhängige Apoptose (Zelltod) im Melanom fördern. Die Behandlung mit Tetrahydrocannabinol (THC) führte zur Aktivierung der Autophagie, zum Verlust der Lebensfähigkeit der Zellen und zur Aktivierung der Apoptose.

Labormäusen mit bösartigen Melanomen wurde dann ein Sativex-ähnliches Präparat mit gleichen Mengen an THC und Cannabidiol (CBD) verabreicht, was die Melanom-Lebensfähigkeit und das Tumorwachstum hemmte sowie parallel zu einem Anstieg der Autophagie und der Apoptose führte.

Zusammenfassend legen diese Ergebnisse nahe, dass THC die Autophagie-vermittelte Apoptose von Melanomzellen aktivieren kann.

Im gleichen Jahr veröffentlichten auch Forscher der Universität Bonn die Ergebnisse ihrer Studie. Zu Beginn heißt es, dass Cannabinoide wie THC möglicherweise in der Lage sein können, die Apoptose (Zelltod) von Krebszellen zu unterstützen und die bösartige Gefäßneubildung zu hemmen.

Weiter heißt es, dass die Behandlung von malignen Erkrankungen mit Cannabinoiden aufgrund ihrer immunmodulatorischen Wirkungen, die die Antitumorimmunität unterdrücken können, kontrovers diskutiert wird. Deshalb untersuchten die Forscher die Rolle von endogenen (körpereigenen) und exogenen (zugeführten) Cannabinoide bei Mäusen mit Hautkrebs. Die Forscher stellten fest, dass THC das Tumorwachstum bei den Mäusen hemmen konnte.

Die bisher durchgeführten Studien bieten zwar Hinweise, dass Cannabis als Medizin bei Hautkrebserkrankungen wirkungsvoll sein könnte, eindeutige Belege existieren jedoch nicht. Es sind noch viele Forschungen, insbesondere klinische Studien, notwendig, um die Frage, ob Cannabis das Krebswachstum hemmen oder Krebs sogar heilen kann, beantworten zu können.

Ausführliche Informationen zu dem Thema „Cannabis und Krebs“ hat Leafly in den folgenden Artikeln zusammengestellt:

https://www.leafly.de/cannabinoide-koennten-krebs-bekaempfen/
https://www.leafly.de/cannabis-gegen-krebs/
https://www.leafly.de/der-einsatz-von-cannabinoiden-in-der-onkologie/

Hautkrebs-Behandlung mit Hanföl

Mit Hautkrebs und Cannabis wird sehr häufig auch das Rick Simpson Öl („Tränen des Phönix“) in Verbindung gebracht. Auf seiner Webseite gibt Simpson an, dass sich rund 5.000 krebskranke Menschen mit dem Öl geheilt hätten. Sowohl die Aussagen von Simpson als auch die Herstellung und die Inhaltsstoffe (THC-Gehalt von 90 Prozent) des Cannabisöls müssen kritisch betrachtet werden, denn es existieren keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit des Cannabisöls.

Leafly.de hat hierzu einen Grundlagenartikel erstellt.

 

Quellen:

Project on Cellular and Molecular Biology and Gene Therapy, Centro de Investigaciones Energéticas, Medioambientales y Tecnológicas, Madrid, Spain, Casanova ML1 et al., 2003, “Inhibition of skin tumor growth and angiogenesis in vivo by activation of cannabinoid receptors

Dermatological Sciences, Institute of Cellular Medicine, Newcastle University, Newcastle-upon-Tyne, UK; Faculty of Applied Sciences, University of Sunderland, Sunderland, UK, Armstrong JL1 et al., 2015, “Exploiting cannabinoid-induced cytotoxic autophagy to drive melanoma cell death

Laboratory of Experimental Dermatology, Dept. of Dermatology and Allergy, University of Bonn, 53105 Bonn, Germany, Glodde N1 et al., 2015, “Differential role of cannabinoids in the pathogenesis of skin cancer

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