Cannabis-Bücher, die man nicht unbedingt gelesen haben muss

Autor: Alexandra Latour

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Worte sind bekanntlich ein machtvolles Werkzeug – und geht es um Cannabis-Bücher, können Worte wissenschaftlich fundiert und informierend sein, aber auch (lebens-)gefährliche Ratschläge geben. Hier ein Überblick von Büchern, die man nicht unbedingt gelesen haben muss.

Cannabis-Bücher, die man nicht unbedingt gelesen haben muss

Vor Kurzem haben wir in unserem Beitrag „Bücher über Cannabis als Medizin, die man gelesen haben sollte“ einige interessante und lesenswerte Cannabis-Bücher vorgestellt. In diesem Beitrag widmen wir uns Büchern, die nur bedingt oder gar nicht zu empfehlen sind, zumindest ist das die Meinung der Leafly.de Redaktion.

Cannabis-Bücher, die man nicht unbedingt gelesen haben muss

Sun Dragon: Cannabis Geheimnisse – altes und neues Wissen der Yogis und Schamanen

Der Autor Sundragon begann im Alter von 12 Jahren mit dem Studium der Runen und erlebte im 19. Lebensalter das Erwachen der Kundalinikraft. Im 21. Lebensalter initiierte ihn ein afro-brasilianischer Ekstasekult in die Welt der afrikanischen Yoruba Götter. Sein Zugang zur geistigen Welt wurde durch mehrere Nahtoderlebnisse vertieft und seine Vision ist ein planetarer, kulturübergreifender Weg, die Menschen wieder mit der Erde zu verbinden. Zugegeben, das hört sich sehr spirituell an, dennoch habe ich mir das Büchlein einmal näher angesehen.

Zu Beginn geht Sun Dragon auf Hanf ein, eine faszinierende und vielseitige Pflanze. Schnell geht es dann aber wieder auf die spirituelle Ebene, indem er beispielsweise ausführt, dass Hanf die Entwicklung menschlicher Fähigkeiten anregen, verbessern und sogar paranormale Kräfte fördern könne. Außerdem beschreibt er Hanf als Brücke zwischen Körper und Geist und zwischen Bewusstsein und Natur. Weiter geht es dann um den Umgang mit bewusstseinserweiternden Substanzen, wobei auch kurz auf das Endocannabinoidsystem eingegangen wird.

In dem Kapitel „Die Befreiung und Aktivierung der verborgenen Fähigkeiten des Endocannabinoidsystems“ geht es dann um das sogenannte Cannabis-Power-Training. Dies soll dazu dienen, dem eigenen Körper zu vertrauen, da in uns allen ein uraltes Heilungswissen steckt. Empfohlen wird hier, auf Getreide, Zucker und Industrieprodukte zu verzichten und dem Körper viele gesunde Fette und Proteine zuzuführen. Es folgen dann zahlreiche Produktempfehlungen von Nahrungsergänzungsmitteln.

Nun informiert Sun Dragon über das Programm „Cannabis-Power-State“. Dieses entsteht, wenn durch den Genuss von Phytocannabinoiden alle Teile des Körpers und Geistes intensiver zusammenzuarbeiten. Gefühle, Gedanken, Körper und Seele verbinden sich, sodass die höchste Form der Homöostase erreicht wird. So soll dieses Programm starke regenerierende und heilsame Qualitäten haben. Außerdem kann das Programm psychedelische Elemente und paranormale Wahrnehmung hervorbringen.

Im Folgenden erklärt der Autor die Bedingungen, die für den Eintritt in den Cannabis-Power-State wichtig sind. Hierauf möchte ich allerdings nicht näher eingehen, dass es sich wie eine Anleitung zum Cannabiskonsum liest.

Bewertung
Hier handelt es sich eher um ein Cannabis-Büchlein bzw. Heftchen (23 x 15 cm) mit ca. 30 Seiten und großer Schrift und nicht um eines der Cannabis-Bücher. Meiner Meinung nach ist der Preis von 11,71 Euro völlig überteuert. Auf die Entlüftung großer Cannabis-Geheimnisse wartete ich beim Lesen leider vergeblich. Für mich als Autorin, die sich mit den medizinischen Aspekten von Cannabis beschäftigt, war das Büchlein wenig gewinnbringend. Zudem sollten Patienten und Schwerkranke diese Literatur mit Vorsicht genießen und derartige „Therapien“ nicht ohne vorherige Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt in Erwägung ziehen. Zu bestellen hier

Aaron B Hammond: Cannabis-Medizin – die Grundprinzipien für medizinisches Marihuana

Aaron Hammond stammt aus Großbritannien und absolvierte ein Studium in Lebensmittelwissenschaften und Ernährung ab. Schon früh begeisterte sich Hammond für Cannabis und die medizinischen Einsatzzwecke. Gemeinsam mit seiner Frau Eva hat er sich zum Ziel gesetzt, Cannabis-Patienten und Freizeitkonsumenten von Cannabis die richtigen Informationen und Anleitungen für den Gebrauch von Cannabis zu liefern. Über den Verlag HMPL Publishing hat Hammond bereits zahlreiche Bücher zum Thema Cannabis veröffentlicht, wie beispielsweise „Growing Marijuana for Beginners“, „CBD & Hemp Oil“ und „Cannabis Extracts“.

Für diesen Artikel habe ich mich für das Buch „Die Grundprinzipien für medizinisches Marihuana“ entschieden. Dieses beginnt zunächst mit einem Bonus. Doch hinter diesem Bonus versteckt sich lediglich die Aufforderung, sich für den Newsletter des HMPL-Verlags anzumelden. Am Ende des Büchleins wird dann aus dem Bonus der Gratis-Bonus und wieder die Bitte, sich anzumelden.

Weiter geht es dann mit einer Minieinführung zu Cannabis allgemein, und warum Marihuana immer noch so einen schlechten Ruf hat. Auch die Rechtslage zu Cannabis in Großbritannien und den USA wird kurz angeschnitten. Etwas ausführlicher wird dann der Autor bei der Beschreibung von den Cannabinoiden THC und CBD sowie den weiteren wichtigen Bestandteilen von Cannabis. Danach wird noch auf verschiedene Cannabissorten wie Indica, Sativa sowie diverse Kreuzungen eingegangen.

Etwas „exotisch“ wird es in dem Kapitel „Marihuana Konzentrate“. Unter Konzentraten versteht der Autor Haschisch-Öl, Kief, Rosin sowie weitere Varianten, die laut seinen Angaben stark wirken und sowohl dem Freizeitkonsumenten als auch dem Patienten helfen können. Auch auf die Herstellungsmethoden dieser Konzentrate wird eingegangen und dass man diese Konzentrate an lizenzierten Verkaufsstellen erwerben kann. In Deutschland gibt es diese „lizenzierten Verkaufsstellen“ natürlich nicht.

Nur auf zwei Seiten wird der medizinische Nutzen von THC und CBD angerissen. Dann geht es auch schon weiter mit dem Thema „Cannabis konsumieren“, ein kurzer Absatz zur Zukunft von Cannabis und mit einem Erdnussbutter-Cookies- und Cannabutter-Rezept endet das Buch.

Bewertung
Das kleine Heftchen von Hammond (22 x 12,5 cm) hat rund 60 Seiten, wobei jede Seite mit großer Schrift bedruckt ist und für den Preis in Höhe von 8,23 Euro etwas zu teuer ist. Über die kleinen Übersetzungsfehler vom Englischen ins Deutsche sehr ich mal hinweg. Einen wirklichen Mehrwert bietet dieses Heftchen jedoch nicht. Cannabispatienten können hier nur wenig über ihre Medizin erfahren. Gehört nicht zur Liste der lesenswerten Cannabis-Bücher. Zu bestellen hier

Mark Sircus: Medizinisches Marihuana

Mark Sircus besuchte zwei private Heilpraktikerschulen und arbeitete danach im Krankenhaus Pochutla in Mexiko. Sich selbst bezeichnet Sircus als Akupunkteur und Doktor der östlichen und pastoralen Medizin. Seinen Doktortitel „Ac., OMD, DM (P) acupuncturist, doctor of oriental and pastoral medicine“ hat er käuflich erworben. Sircus hat weder ein Medizinstudium absolviert, noch ist er ein approbierter Arzt. Dennoch wird er häufig als „Krebsspezialist“ bezeichnet.

Genau wie der ehemalige italienische Arzt Tullio Simoncini ist Sircus der Überzeugung, dass Krebserkrankungen durch eine Übersäuerung und Pilzbefall des Körpers entsteht. Für die Krebsbehandlung empfiehlt er eine Therapie aus Natriumcarbonat (Backpulver) und Melasse. Simoncini wurde deshalb die Zulassung als Arzt entzogen, da es nach der Behandlung zu mehreren Todesfällen kam. Auch Sircus propagiert solch eine experimentelle Therapie aus Backpulver und Melasse (Ahornsirup), die Krebs heilen soll. Zusätzlich empfiehlt er eine Behandlung mit Marihuana und Magnesiumchlorid oder Magnesiumöl. Hierüber berichtet Sircus auch ausführlich in seinem Buch „Medizinisches Marihuana“.

Bewertung
Die gebundene Ausgabe des Buches kostet 21,95 Euro – Geld, das man sich sparen kann. Bei den „Therapien“ von Sircus handelt es sich um experimentelle Medizin, die jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Seine Annahme und Theorien können in keiner Weise belegt werden. Auch für die Wirksamkeit dieser Therapien gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Ebenso wie die Propaganda von Rick Simpson, der behauptet, sein THC-Öl könne Krebs heilen und empfiehlt, auf jegliche Standardkrebstherapien zu verzichten, stufe ich auch die Behandlungsmethoden von Sircus als höchst fragwürdig und sogar gefährlich ein. So empfiehlt Sircus beispielsweise auch bei Diabetes-Erkrankungen das Absetzen von Insulinen und die Verabreichung von Natriumbikarbonat-Injektionen, was für Diabetiker lebensgefährlich ist. Hier ist also äußerste Vorsicht geboten. Dieses Buch sollte auf die Liste der verbotenen Cannabis-Bücher gesetzt werden.

 

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

 

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