Cannabis-Forschung in Kanada: Der Weg ist frei

Autor: Alexandra Latour

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Nach der vollständigen Legalisierung von Cannabis Kanada ist nun der Weg frei für die Cannabis-Forschung. Demnach übernimmt das Land eine Führungsrolle in der Wissenschaft. Schon jetzt sind zahlreiche neue klinische Studien geplant.

Cannabis-Forschung in Kanada: Der Weg ist frei

Kanada hat am 17. Oktober als erste G-7-Nation Cannabis vollständig legalisierte (Leafly berichtete ausführlich). Nun ist der Weg frei für die Cannabis-Forschung. Denn nun sind die kanadischen Wissenschaftler nicht länger der Gefahr der Zensur, Verboten oder des Fehlens von Proben ausgesetzt. Jetzt sind klinische Studien möglich, um soziale, biologische, genetische und landwirtschaftliche Fragen rund um Cannabis zu untersuchen. Von Botanikern bis zu Phytochemikern, Mikrobiologen und Epidemiologen, Wissenschaftlern aller Art steht es frei, eine größere Quantität und Qualität bei der Cannabis-Forschung zu betreiben.

Cannabis-Forschung beginnt nicht bei Null

In einem Medienbericht heißt es, dass das 95-jährige Cannabisverbot zu einem recht kurzen Eintrag in die Enzyklopädie geführt habe. Vieles stamme hauptsächlich aus Einzelbeobachtungen und Kurzzeitstudien. Kanadische Laboratorien beginnen jedoch nicht bei Null, heißt es weiter.

Im Jahr 2001 war Kanada das erste Land, das die medizinische Verwendung von Cannabis genehmigte. 2011 veröffentlichte ein kanadisches Team die erste Sequenz des Cannabis-Genoms. Der konservative Premierminister Stephen Harper, kippte die Budgets der Gesundheits- und Drogenpolitik und bezeichnete Cannabis als „unendlich viel schlechter“ als Tabak. Die Cannabis-Forschung wurde im Jahr 2014 vorangetrieben, als kommerzielle Züchter die Genehmigung erhielten, medizinisches Cannabis an kanadische Patienten zu liefern.

Forscher sind keine potenziellen Drogendealer mehr

Kanadas brandneue Gesetzgebung, das Cannabis Act, ersetzt ein restriktives System, in dem Forscher vorher als potenzielle Drogendealer behandelt wurden. Wissenschaftler, die beabsichtigen, ihre eigenen Pflanzen anzubauen, können jetzt einfach eine bestimmte Lizenzklasse beantragen, anstatt sich um eine Befreiung vom retrograden Controlled Drugs and Substances Act zu bemühen. Dies machte sogar unter anderem eine Vorstrafenprüfung erforderlich.

Die kanadische Regierung finanziert 14 neue Studien und will weiter Millionen für Forschungsstipendien ausgeben, um verschiedene Fragen beantworten zu können. Wird eine schwangere Mutter, die Cannabis konsumiert, der Entwicklung ihres Babys schaden? Beeinflusst das Rauchen die Reaktionszeit der Fahrer am Steuer? Und ab welcher Grenze wird der Cannabiskonsum von Teenagern destruktiv?

Kanadische Cannabisunternehmen treiben die Forschung an

Im Vorfeld der Legalisierung forderten die Hersteller dringend medizinische Lizenzen, um neuartige Produkte auf Cannabis-Basis zu formulieren. Mehr als 130 Unternehmen wurden bereits zugelassen. Hunderte weitere stehen an. Die Branchenführer haben umfangreiche Studien gestartet, darunter die Erkundung der Kraft der Pflanze, um durch Chemotherapie verursachte Übelkeit zu lindern und Anfälle bei epileptischen Kindern zu reduzieren.

Zur Erforschung einer Cannabislösung für die Opioid-Überdosis-Epidemie wurde eine Universitätsprofessur in Höhe von mehreren Millionen Dollar eingerichtet.

Kleinere Unternehmen versuchen sich an der Entwicklung von infundierten Cremes und hoch konzentrierten Konzentraten. Akademiker und gemeinnützige Organisationen nutzen die Industrie, um mutigere Studien zu finanzieren. Zum Beispiel durch realistische Bildungsprogramme zur Entwicklung von „Cannabis-Kompetenzen“ für Jugendliche.

Mit dem Abbau der rechtlichen Barrieren wurde der Weg für die Cannabis-Forschung geebnet.

Neue Wissenschaftsprojekte nehmen in Europa, Israel und Australien Gestalt an. Und viele davon sind das Ergebnis von Joint Ventures mit kanadischen Unternehmen. Andere wurden nur mit importiertem getrocknetem medizinischem Cannabis und Cannabisöl aus Kanada möglich.

„Kanada ist die Quelle für Cannabis auf Forschungsniveau in der ganzen Welt“, erklärte Philippe Lucas, Chef der Forschung des kanadischen Herstellers Tilray.

USA zeigt sich wenig begeistert

Kanadas großes Experiment war bereits ein Katalysator für intelligentere Wissenschaft in den Vereinigten Staaten, wo das Bundesverbot die Cannabis-Forschung behindert hat. Obwohl 33 Staaten ihre Cannabis-Gesetze gelockert haben, ist nur eine einzige Einrichtung in Mississippi für die Lieferung von getrocknetem Cannabis staatlich zugelassen.

Im September erhielt Tilray von der Drug Enforcement Administration die Genehmigung, Cannabis-Extrakt aus Kanada an einen kalifornischen Neurologen zu liefern, der eine Behandlung für Tremor bei älteren Menschen entwickelt.

Amerikas Cannabis-Unternehmer sind jedoch nicht so begeistert von der potenziellen Pipeline im Norden.

Ein medizinischer Multistate-Hersteller hat Präsident Trump in einer ganzseitigen Anzeige des Wall Street Journal um innerstaatliche Regulierung gebeten und sich darüber geärgert, dass „Amerika schnell seinen Wettbewerbsvorteil gegenüber Kanada verliert!“

Bieterkriege ersetzen Drogenkriege

Da Bieterkriege den Drogenkrieg ersetzen, verspricht die Legalisierung den politischen Entscheidungsträgern empirische Beweise, die zwischen der Sensibilisierung der Bevölkerung und einem Mangel an Daten stehen.

Das statistische Amt von Kanada und das Gesundheitsministerium des Landes sammeln bereits Informationen von einer neuen Bevölkerung von Cannabiskonsumenten. Die Metriken könnten es den Jurisdiktionen weltweit ermöglichen, politische Reformen und öffentliche Gesundheitsprogramme zu entwickeln, um die potenziellen negativen Auswirkungen der Legalisierung zu minimieren.

Kanada übernimmt Führungsrolle

Die Cannabis-Forschung wird nun endlich voranschreiten. Hierzu erklärte Jonathan Page, dass die therapeutische Anwendung von Cannabis den archäologischen und historischen Berichten zufolge Tausende von Jahren zurückreiche. Page ist ein in Vancouver ansässiger Pflanzenbiologe und Leiter des Cannabis-Genomprojekts.

Im Juni verkaufte Page sein Labor Anandia für 115 Millionen kanadische Dollar (88 Millionen US-Dollar) an Aurora Cannabis. Vor Kurzem wurde Page dann zum Chief Science Officer ernannt, der etwa 40 Doktoranden betreut.

Er stellt sich vor, dass kanadische Wissenschaftler viel Cannabis-Forschungen betreiben. Und zwar von der Entschlüsselung von Cannabis sensorischer Anziehungskraft bis zur Prüfung, ob Cannabis als Ersatz für Alkohol verwendet werden kann. Die Wissenschaft könne sogar die mehrjährige Debatte darüber regeln, ob es tatsächlich zwei Arten von Cannabis gibt. Nämlich Sativa, die belebend wirken soll und Indica, die eine beruhigende Wirkung haben soll.

„Marihuanas hart erkämpfte Rückkehr in den kanadischen Mainstream legt nahe, dass psychoaktive Pflanzen für das moderne Leben von Bedeutung sind und die menschliche Kultur weiterhin prägen werden. Das Verbot war nur ein Schlag auf die Zeitleiste der Zivilisation und ein dunkles Zeitalter für die Wissenschaft“, führte Page aus.

Weiter erklärte Page, dass Kanada im Zeitalter globaler Paranoia eine entscheidende Führungsrolle übernommen habe.

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