Erstes Cannabis Forschungsinstitut in Wales geplant

Autor: Gesa Riedewald

Verõffentlicht am: 26. Juli 2017

Geändert am: 29. September 2017

Im walisischen Cardiff wird ein neues Forschungsinstitut die medizinischen Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis durchleuchten. Die Eröffnung ist bereits für diesen Sommer geplant. Die ersten Cannabis Studien werden sich damit beschäftigen, wie Cannabinoide bei den Nebenwirkungen einer Chemotherapie helfen können.

Erstes Cannabis Forschungsinstitut in Wales geplant

Cannabis Forschung: mit Cannabis Medikamenten gegen Krebs

Betrieben wird das neue Cannabisforschungsinstitut von dem Unternehmen MediPen Ltd, das vor zwei Jahren einen Cannabis Vaporisator auf den Markt gebracht hat. Laut eigener Angaben plant das Unternehmen eine Reihe von Cannabis Studien in ihrem neuen Forschungsinstitut, um die medizinischen Anwendungsbereiche verschiedener Bestandteile von Cannabis zu analysieren. Ziel ist, in den nächsten Jahren eine Reihe von Cannabis Medikamenten zu entwickeln.

Besonderer Fokus wird auf die Behandlung von Krebspatienten gelegt. So soll erforscht werden, wie der Cannabiswirkstoff THC die negativen Nebenwirkungen einer Chemotherapie verringern kann – beispielsweise Übelkeit oder Erbrechen. Darüber hinaus sind Versuche geplant, durch Cannabinoide die Vermehrung von Krebszellen zu verhindern und so die Metastasierung einzuschränken. Leafly.de berichtete.

Betreiber MediPen Ltd. ist bestrebt, „mit dem neuen Forschungsinstitut Großbritannien zu einer führenden Nation in der Cannabis Forschung zu machen“, so ein Unternehmenssprecher. Daher soll das Institut in Wales auch zu einer Plattform werden, die Unterstützung für die Gründer anderer Cannabis-basierter Innovationen zur Verfügung stellt: ein F & E-Netzwerk, modernste Prüfeinrichtungen sowie eine Rechtsberatung. MediPen Ltd. ist damit die zweite britische Firma, die in die Forschung von Cannabis-basierter Medizin für Krebspatienten investiert.

Zusammenarbeit zwischen Cannabis Wissenschaft und Krankenkassen

Das staatliche Gesundheitssystem in Großbritannien und Nordirland, genannt NHS, wie auch andere Gesundheitsorganisationen sollen von Beginn an in die Cannabis Studien involviert werden – und so mit der Cannabis Wissenschaft zusammenarbeiten. Das Unternehmen erhofft sich auf diesem Weg, das Image von medizinischen Cannabinoiden in der Öffentlichkeit nachhaltig verbessern zu können. MediPen Ltd. erklärt, dass es „die Kriminalisierung von über einer Millionen medizinischen Cannabiskonsumenten beenden“ will und Cannabis Medikamente allen Betroffenen zugänglich machen möchte.

Cannabinoide Medizinprodukte in Großbritannien

Cannabis als Pflanze ist in Großbritannien illegal, der medizinische Nutzen wird nicht anerkannt. Anders sieht es bei Medizinprodukten aus, die CBD enthalten und nur sehr wenig oder gar kein THC: Sie werden seit Herbst 2016 als Arzneimittel anerkannt. Die medizinische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel in Großbritannien (kurz MHRA) äußert sich zu der Gesetzesänderung in einem Statement: „Wir sind zu der Einsicht gekommen, dass Produkte, die Cannabidiol (CBD) enthalten, Medizin sind.“ Laut Independent ist diese neue Einschätzung der Regierung das Ergebnis von Beratungen zwischen dem Unternehmen MediPen und der MHRA. Damit ist man in Großbritannien weiter, als in Deutschland.

Bereits seit einigen Jahren ist das synthetische Cannabinoid Nabilone sowie das Cannabis-basierte Fertigarzneimittel Sativex in Großbritannien zugelassen. Ärzte dürfen Nabilone gegen die Nebenwirkungen einer Chemotherapie verschreiben, vor allem bei Übelkeit und Erbrechen. Sativex wird gegen Spastik bei Multipler Sklerose eingesetzt. Sollen Nabilone oder Sativex für andere Krankheitsbilder verschrieben werden, muss der Arzt einen Antrag an die MHRA stellen.

Politiker fordern, medizinischen Nutzen von Cannabis Therapie anzuerkennen

Bereits seit Jahren gibt es in Großbritannien eine engagierte öffentliche und politische Debatte, ob medizinische Cannabinoide legalisiert werden sollten. In Wales spricht sich die Plaid Cymru Partei dafür aus. Leanne Wood, Vorsitzende von Plaid Cymru, fordert, dass Wales dem Vorbild von Irland, Kanada, den Niederlanden und Deutschland folgen und Cannabis für den medizinischen Gebrauch legalisieren sollte. Die Politikerin weist bei Wales Online darauf hin, dass Sativex in vielen Gebieten für Patienten nicht erhältlich ist. „Eine Studie der MS Society hat herausgefunden, dass nur 1 % der Menschen, die berechtigt sind Sativex einzunehmen, auch Zugang dazu haben.“

Die walisischen Konservativen hingegen sind laut Wales Online gegen die Legalisierung, egal für welchen Zweck: „Cannabis, ob für medizinische Anwendungen oder den Freizeit-Konsum, ist eine gefährliche Substanz, die katastrophale Konsequenzen für Gesundheit und Gesellschaft hätte, wenn sie jemals legalisiert werden würde.“

Laut der Online-Ausgabe des Independent hat sich im britischen Parlament eine Parteien-übergreifende Arbeitsgruppe mit dem Thema Reform der Drogenpolitik beschäftigt. Die Politiker kommen zu dem Ergebnis, es sei irrational, den medizinischen Nutzen einer Cannabis Therapie nicht anzuerkennen.

Für diese Untersuchung wurden die Daten von 623 Patienten ausgewertet. Empfehlungen wurden eingeholt von medizinischen Experten sowie von Juristen und Politikern, die in anderen Ländern die rechtlichen Voraussetzungen für die Legalisierung von medizinischem Cannabis geschaffen haben. Die parlamentarische Arbeitsgruppe ruft dazu auf, die de facto Kriminalisierung von Hunderten von Menschen zu beenden, die Cannabis für therapeutische Zwecke nutzen.

Noch hält das britische Innenministerium an der Erklärung fest, es gäbe keinerlei Pläne, Cannabis zu legalisieren. Der Schritt, CBD-haltige Produkte als Medizinprodukte anzuerkennen, kann jedoch nach Einschätzung des Independent ein erster Schritt in Richtung Legalisierung für medizinische Zwecke sein. Denn jetzt ist der Weg frei, verstärkt in die Cannabisforschung zu investieren, den Nutzen von THC und CBD für die Cannabis Therapie zu untersuchen und so evidenzbasierte Regelungen und Gesetze zu schaffen.
Quellen:
Wales Online
The Independent Online

MediPen to run a course of clinical trials into the medicinal applications of cannabis


https://medipen.co/blog/medicinal/medipen-to-launch-uk-cannabis-research-facility
http://www.walesonline.co.uk/news/wales-news/plaid-cymrus-leanne-wood-calls-12671265
http://www.independent.co.uk/news/uk/home-news/cannabis-legality-uk-government-finally-admits-marijuana-has-a-medicinal-effect-a7355941.html

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