Medizinisches Cannabis bei HIV beziehungsweise Aids

HIV ist die Abkürzung für Humanes Immundefizienz-Virus. Die HIV-Übertragung kann durch Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten (Blut, Sperma, Vaginalsekret, Muttermilch und Liquor) erfolgen. Das Merkmal von HIV ist, dass es die Zellen des Immunsystems zerstört. Unbehandelt entwickelt sich nach einer meist mehrjährigen Latenzphase das Vollbild der Krankheit - Aids. Aids ist die Abkürzung für Aquired Immunodeficiendy Syndrome.

Medizinisches Cannabis bei HIV beziehungsweise Aids

Weltweit sind etwa 35 Millionen Menschen mit HIV infiziert, etwa 36 Millionen Menschen sind seit dem ersten Auftreten der Krankheit in den 1980er Jahren daran gestorben. Trotz intensiver Forschungen ist HIV/Aids nicht heilbar und es existiert noch keine Impfung. Dennoch kann eine HIV-Infektion gut behandelt werden. Eine Kombination aus HIV-Medikamenten verhindert, dass sich das Virus im Körper stark vermehren und die Zellen des Immunsystems zerstören kann. Man bezeichnet diese Therapie als HAART – Hochaktive antiretrovirale Therapie.

Wofür ist Cannabis bei HIV Aids nützlich?

Die Behandlung mit Medikamenten ist ein Segen für HIV-Infizierte, denn sie können ein normales Leben führen und haben auch eine hohe Lebenserwartung. Doch die HIV-Medikamente haben häufig auch eine Reihe an Nebenwirkungen.

Cannabis für medizinische Zwecke hat keine Wirkung bzw. keinen Einfluss auf die HIV-Infektion und die Krankheit. Jedoch hat sich Cannabis als Medizin in der Behandlung einiger HIV-Symptome und Nebenwirkungen als wirksam erwiesen. Das haben viele HIV-Infizierte in der Vergangenheit festgestellt. Eine Studie aus Kanada aus dem Jahr 2004 befragte HIV-positive Patienten. 67 Prozent gaben an, Cannabis aus medizinischen Gründen zu verwenden.

Ärzte können medizinisches Cannabis seit März 2017 im Rahmen einer Behandlung auf einem BTM-Rezept verordnen. Betroffene Patienten können vor der Verordnung einen Antrag auf Kostenübernahme bei ihrer Krankenkasse stellen.

Mehr zum Thema HIV und Aids/Behandlung mit Medizinalcannabis.

Medizinisches Cannabis hat eine appetitanregende Wirkung

Eine typische Nebenwirkung der antiretroviralen Therapie bzw. bei Aids-Patienten ist Appetitlosigkeit. Damit geht häufig ein starker Gewichtsverlust einher, der den geschwächten Körper zusätzlich belastet.

In mehreren Studien wurde sowohl für Cannabis als auch für die Einnahme von Dronabinol gezeigt, dass die Kalorienaufnahme im Vergleich mit einem Scheinmedikament (Placebo) erhöht war. Die Studienteilnehmer, die Cannabis oder Dronabinol erhielten, aßen häufiger. Damit könnte Cannabis ergänzend in der HIV-Behandlung eingesetzt werden.

Wird durch die HIV-Medikamente Übelkeit und Erbrechen hervorgerufen, sind die Patienten ebenfalls appetitlos. Erhielten Patienten THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) in Form von Dronabinol, wurde auch bei ihnen der Appetit wieder angeregt.

Interessanterweise hat sich gezeigt, dass nicht alle Patienten bei der Cannabis-Therapie mehr Kalorien aufnehmen. Nur bei Patienten, die stark abgemagert waren, zeigte sich in Studien ein günstiger Effekt. HIV-Patienten mit nur wenig oder keinem Gewichtsverlust, aßen nicht mehr als sonst.

Cannabis verringert Übelkeit als HIV-Symptom

Übelkeit und Erbrechen ist eine häufige Nebenwirkung von HIV-Medikamenten. Man geht davon aus, dass Übelkeit und Brechreiz entsteht, wenn in verschiedenen miteinander in Kontakt stehenden Gruppen von Nervenzellen bestimmte Informationen zusammentreffen. Das können Informationen zu giftigen Substanzen im Blut sein oder auch eine Meldung über den Inhalt des Magens und Darms oder über die Spannung im Magen. Die unterschiedlichen Informationen werden im Gehirn analysiert und dann “entschieden”, was der Körper dagegen unternehmen möchte.

Es gibt Medikamente, die den Brechreiz unterdrücken und Übelkeit lindern können. Dazu gehört auch THC bzw. Dronabinol. Es wirkt auf zwei Arten. Einerseits blockiert THC die Weitergabe von Informationen über Übelkeit auslösende Reize aus dem Blut und Magen-Darm-Trakt an die zuständigen Nervenzellen im Gehirn. Andererseits unterdrückt es die Ausschüttung des Botenstoffs Serotonin. Da die Serotonin-produzierenden Zellen in der Magenwand durch die Medikamente geschädigt werden, wird zu viel Serotonin abgegeben und simuliert fälschlicherweise eine zu hohe Spannung im Magen.

Andererseits kann Cannabis Übelkeit verursachen. Einige Menschen vertragen Cannabis als Medizin nicht, weil sie regelmäßig mit Übelkeit reagieren. Bei sehr wenigen Patienten tritt Übelkeit und Erbrechen erst nach jahrelanger regelmäßiger Cannabisanwendung auf.

Cannabis fördert Schlaf und Entspannung

Schlafstörungen sind ebenfalls eine mögliche Nebenwirkung von einer medikamentösen Therapie. Sie können auch durch die psychische Belastung, Angstzustände oder Depressionen hervorgerufen oder verstärkt werden.

Die Cannabinoide THC und CBD haben entspannende und schlaffördernde Wirkungen. THC beispielsweise erweitert die Arterien. Das führt zu einem Absinken des Blutdrucks, was beruhigend wirkt. Viele Cannabis Patienten berichten von einer Besserung der Schlafstörungen, wenn Cannabinoide eingesetzt wurden. CBD wirkt in geringer Dosierung hingegen wachmachend. In einer höheren Dosierung wirkt das Cannabinoid einschläfernd (sedierend).

Cannabis wirkt bei weiteren HIV-Symptomen

Sowohl die Therapie einer HIV-Infektion als auch in späteren Stadien eine Aids Erkrankung kann eine Reihe weiterer Symptome aufweisen. Die Cannabis-Therapie hat in Studien oder bei Anwendern bei einer Reihe von Beschwerden lindernde Wirkung gezeigt. Dazu gehören:

  • Angst und Angststörungen
  • Nervenschmerzen
  • Chronische Schmerzen
  • Missempfindungen wie Brennen, Kribbeln und Prickeln
  • Depressionen
  • Verstopfung
  • Schwächegefühl

 Hanf wirkt positiv auf das Immunsystem

Wissenschaftler haben bei ihren Studien herausgefunden, dass THC auf die Zellen des Immunsystems wirken kann. In einer Untersuchung zeigte sich, dass THC eine nützliche Wirkung haben kann, in dem es die Entstehung von Entzündungsvorgängen im Magen-Darm-Trakt verhindert. Wie genau der Zusammenhang ist, bzw. auf welche Weise diese Erkenntnisse in der HIV-Therapie genutzt werden könnten, ist derzeit aber noch unklar.

Cannabis in Kombination mit HAART

Die antiretrovirale Therapie erfolgt mit einer Kombination von Medikamenten. Diese sollen gezielt die Vermehrung des HI-Virus im Körper unterdrücken. Meist müssen die Medikamente in regelmäßigen Abständen gewechselt werden, weil sich das HI-Virus verändert und so die Wirkung der Therapeutika umgeht.

In Studien wurde untersucht, ob eine Therapie mit Cannabinoiden zusätzlich zu einer HIV oder Aids Behandlung unerwünschte Wirkungen auf die HIV-Medikamente hat. Das konnte nicht beobachtet werden. Cannabis hat offenbar keinen negativen Einfluss auf die Wirksamkeit der HAART.

Wirkt Medizinalhanf auf das HI-Virus?

Obwohl das Endocannabinoidsystem an vielen Schaltstellen im Körpern von Bedeutung ist und Cannabinoide eine große Zahl von Prozessen beeinflussen können, so hat Medizinalhanf bzw. seine wichtigsten Inhaltsstoffe THC und CBD keine Wirkung auf das HI-Virus.

Fazit

Cannabis als Medizin kann folglich die Auswirkungen einer HIV-Infektion und die Krankheitssymptome lindern, es kann aber die Krankheit nicht heilen.

 

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

 

 

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