Medizinisches Cannabis bei HIV beziehungsweise Aids

Autor: Dr. Christine Hutterer

Verõffentlicht am: 20. Mai 2017

Geändert am: 17. September 2018

HIV ist die Abkürzung für Humanes Immundefizienz-Virus. Die HIV-Übertragung kann durch Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten (Blut, Sperma, Vaginalsekret, Muttermilch und Liquor) erfolgen. Das Merkmal von HIV ist, dass es die Zellen des Immunsystems zerstört. Unbehandelt entwickelt sich nach einer meist mehrjährigen Latenzphase das Vollbild der Krankheit - Aids. Aids ist die Abkürzung für Aquired Immunodeficiendy Syndrome.

Medizinisches Cannabis bei HIV beziehungsweise Aids

Weltweit sind etwa 35 Millionen Menschen mit HIV infiziert, etwa 36 Millionen Menschen sind seit dem ersten Auftreten der Krankheit in den 1980er Jahren daran gestorben. Trotz intensiver Forschungen ist HIV/Aids nicht heilbar und es existiert noch keine Impfung. Dennoch kann eine HIV-Infektion gut behandelt werden. Eine Kombination aus HIV-Medikamenten verhindert, dass sich das Virus im Körper stark vermehren und die Zellen des Immunsystems zerstören kann. Man bezeichnet diese Therapie als HAART – Hochaktive antiretrovirale Therapie.

Wofür ist Cannabis bei HIV bzw. Aids nützlich?

Die Behandlung mit Medikamenten ist ein Segen für Infizierte, denn sie können ihr Leben fast normal weiterleben und haben auch eine hohe Lebenserwartung. Doch die HIV-Medikamente haben häufig auch eine Reihe an Nebenwirkungen.

Cannabis hat zwar keine Wirkung auf die Infektion und die Krankheit, aber es hat sich in der Behandlung einiger HIV-Symptome und Nebenwirkungen als wirksam erwiesen. Das haben viele HIV-Infizierte in der Vergangenheit festgestellt. Eine Studie aus Kanada aus dem Jahr 2004 befragte HIV-positive Patienten. 67 Prozent gaben an, Cannabis aus medizinischen Gründen zu verwenden.

Inzwischen kann Medizinalhanf unter bestimmten Umständen auf Rezept verordnet werden.

Medizinalhanf hat eine appetitanregende Wirkung

Eine typische Nebenwirkung der HAART bzw. bei Aids-Kranken ist Appetitlosigkeit. Damit geht häufig ein starker Gewichtsverlust einher, der den geschwächten Körper zusätzlich belastet.

In mehreren Studien wurde sowohl für Cannabis als auch für die Einnahme von Dronabinol gezeigt, dass die Kalorienaufnahme im Vergleich mit einem Scheinmedikament (Placebo) erhöht war. Die Studienteilnehmer, die Medizinalhanf oder Dronabinol erhielten, aßen häufiger.

Wird durch die HIV-Medikamente Übelkeit und Erbrechen hervorgerufen, sind die Betroffenen ebenfalls appetitlos. Erhielten Patienten THC in Form von Dronabinol, wurde auch bei ihnen der Appetit wieder angeregt.

Interessanterweise hat sich gezeigt, dass nicht alle Patienten bei der Cannabis-Therapie mehr Kalorien aufnehmen. Nur bei Patienten, die stark abgemagert waren, zeigte sich in Studien ein günstiger Effekt. HIV-Patienten mit nur wenig oder keinem Gewichtsverlust, aßen nicht mehr als sonst.

Cannabis verringert Übelkeit als HIV-Symptom

Übelkeit und Erbrechen ist eine häufige Nebenwirkung von HIV-Medikamenten. Man geht davon aus, dass Übelkeit und Brechreiz entsteht, wenn in verschiedenen miteinander in Kontakt stehenden Gruppen von Nervenzellen bestimmte Informationen zusammentreffen. Das können Informationen zu giftigen Substanzen im Blut sein oder auch eine Meldung über den Inhalt des Magens und Darms oder über die Spannung im Magen. Die unterschiedlichen Informationen werden im Gehirn analysiert und dann “entschieden”, was der Körper dagegen unternehmen möchte.

Es gibt Medikamente, die den Brechreiz unterdrücken und Übelkeit lindern können. Dazu gehört auch THC bzw. Dronabinol. Es wirkt auf zwei Arten. Einerseits blockiert THC die Weitergabe von Informationen über Übelkeit auslösende Reize aus dem Blut und Magen-Darm-Trakt an die zuständigen Nervenzellen im Gehirn. Andererseits unterdrückt es die Ausschüttung des Botenstoffs Serotonin. Da die Serotonin-produzierenden Zellen in der Magenwand durch die Medikamente geschädigt werden, wird zu viel Serotonin abgegeben und simuliert fälschlicherweise eine zu hohe Spannung im Magen.

Andererseits kann Cannabis Übelkeit verursachen. Einige Menschen vertragen Cannabis als Medizin nicht, weil sie regelmäßig mit Übelkeit reagieren. Bei sehr wenigen Patienten tritt Übelkeit und Erbrechen erst nach jahrelanger regelmäßiger Cannabisanwendung auf.

Cannabis fördert Schlaf und Entspannung

Schlafstörungen sind ebenfalls eine mögliche Nebenwirkung von HIV-Medikamenten. Sie können auch durch die psychische Belastung, Angstzustände oder Depressionen hervorgerufen oder verstärkt werden.

Die Cannabinoide THC und CBD haben entspannende und schlaffördernde Wirkungen. THC beispielsweise erweitert die Arterien. Das führt zu einem Absinken des Blutdrucks, was beruhigend wirkt. Viele Cannabis Patienten berichten von einer Besserung der Schlafstörungen, wenn Medizinalhanf eingesetzt wurde.

CBD wirkt in geringer Dosierung wachmachend, in höherer Dosierung einschläfernd (sedierend).

Cannabis wirkt bei weiteren HIV-Symptomen

Sowohl die Therapie einer HIV-Infektion als auch in späteren Stadien eine Aids-Erkrankung kann eine Reihe weiterer Symptome aufweisen. Die Cannabis-Therapie hat in Studien oder bei Anwendern bei einer Reihe von Beschwerden lindernde Wirkung gezeigt. Dazu gehören:

  • Angst und Angststörungen
  • Nervenschmerzen
  • Chronische Schmerzen
  • Missempfindungen wie Brennen, Kribbeln und Prickeln
  • Depressionen
  • Verstopfung
  • Schwächegefühl

 

Hanf wirkt positiv auf das Immunsystem

Wissenschaftler haben bei ihren Forschungsarbeiten herausgefunden, dass THC auf die Zellen des Immunsystems wirken kann. In einer Untersuchung zeigte sich, dass THC eine nützliche Wirkung haben kann, in dem es die Entstehung von Entzündungsvorgängen im Magen-Darm-Trakt verhindert. Wie genau der Zusammenhang ist, bzw. auf welche Weise diese Erkenntnisse in der HIV-Therapie genutzt werden könnten, ist derzeit aber noch unklar.

Hanf in Kombination mit HAART

Die HIV-Therapie mit HAART erfolgt mit einer Kombination von Medikamenten. Diese sollen gezielt die Vermehrung der Viren im Körper unterdrücken. Meist müssen die Medikamente in regelmäßigen Abständen gewechselt werden, weil sich das HI-Virus verändert und so die Wirkung der Therapeutika umgeht.

In Studien wurde untersucht, ob eine eine Cannabis-Therapie zusätzlich zu einer HIV- oder Aids-Behandlung unerwünschte Wirkungen auf die HIV-Medikamente hat. Das konnte nicht beobachtet werden. Cannabis hat offenbar keinen negativen Einfluss auf die Wirksamkeit der HAART.

 Wirkt Medizinalhanf auf das HI-Virus?

Obwohl das Endocannabinoidsystem an vielen Schaltstellen im Körpern von Bedeutung ist und Cannabinoide eine große Zahl von Prozessen beeinflussen können, so hat Medizinalhanf bzw. seine wichtigsten Inhaltsstoffe THC und CBD keine Wirkung auf das HI-Virus.

Fazit:

Cannabis als Medizin kann folglich die Auswirkungen einer HIV-Infektion und die Krankheitssymptome lindern, es kann aber die Krankheit nicht heilen.

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