Cannabis-Kaugummi in der Entwicklung

Autor: Gesa Riedewald

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Kaugummi mit pharmazeutischem Cannabis: Das amerikanische Biotechnologie-Unternehmen Axim wird cannabishaltige Kaugummis für klinische Studien herstellen. Die Forschung soll in den Niederlanden beginnen. Das pharmazeutische Cannabis für das Produkt kommt von Bedrocan. Medizinische Kaugummis haben den großen Vorteil, dass sie einfach anzuwenden sind.

Cannabis-Kaugummi in der Entwicklung

Kaugummi mit medizinischem Cannabis ist etwas Neues. So neu, dass die erste Charge des Cannabis-Kaugummi noch nicht einmal hergestellt wurde. Axim Biotechnologies hat das Produkt entwickelt und wartet auf die ersten klinischen Studien in den Niederlanden. Bisher kannte man nur die üblichen Anwendungsformen von Cannabis. Mit dem Kaugummi kommt nun bald eine Alternative.

Axim erhält GMP-Zertifikat

Bereits Anfang Oktober 2018 erhielt Axim von der niederländischen Regierung ein GMP-Zertifikat, um Prüfmedikamente für klinische Studien herzustellen. Dieses Testmedikament kann jetzt weltweit als Forschungsressource verwendet werden. Der Cannabis-Kaugummi trägt den Namen „MedChew Rx®” und enthält 5 mg Cannabidiol (CBD) sowie 5 mg Tetrahydrocannabinol (THC). Das pharmazeutische Cannabis für dieses Produkt liefert der Hersteller Bedrocan aus den Niederlanden.

Der Cannabis-Kaugummi wurde entwickelt, um Schmerzen und Krämpfe bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) zu behandeln. Das niederländische Universitätsklinikum in Amsterdam wird die klinischen Prüfungen durchführen.

Cannabis-Kaugummi ist patientenfreundlich

Bisher gibt es medizinische Kaugummis beispielsweise für Reiseübelkeit, Schmerzen oder Raucherentwöhnung. Axim wählte bewusst das Kaugummi als Verabreichungsmethode. Laut Lekhram Changoer, Leiter der Technologie-Abteilung von Axim, handelt es sich um eine sozial akzeptierte und benutzerfreundliche Methode. Viel mehr als das Inhalieren von pharmazeutischem Cannabis.

„Kauen hat einen erheblichen Effekt. Kauen aktiviert das Gehirn. Wissenschaftler der Vrije Universiteit in Amsterdam haben bewiesen, dass die Medikamente beim Kauen eine größere Wirkung haben, insbesondere bei Schmerzen“, so Changoer.

Dem Leiter der Technologie-Abteilung zufolge haben Ärzte positiv auf die Cannabis-Kaugummis reagiert. Ärzte möchten nicht, dass ihre Patienten Cannabis rauchen, erklärt Changoer. Und nicht alle Patienten können oder möchten einen Verdampfer verwenden. Kaugummis dagegen kann man unproblematisch mitnehmen, wie eine Tablette.

Ziel ist es, die Arzneimittelzulassung für den Cannabis-Kaugummi in den USA und in Europa zu bekommen. Bis dahin müssen klinische Studien erst zeigen, dass das Mittel wirkt. „Vorläufige Studien zeigen ein positives Bild“, erklärt Changoer:

„Der Ansatz besteht darin, dass der Patient etwa zwanzig Minuten ruhig an einem Stück Kaugummi kaut. Die Aufnahme der aktiven Chemikalien erfolgt dann über die Schleimhäute in der Wange.“

Changoer erwartet, dass es noch mindestens drei Jahre dauern wird, bis das Kaugummi auf dem Markt erhältlich sein wird.

Weitere klinische Studien

Axim Biotechnologies wird nächstes Jahr weitere klinische Forschung betreiben. QPS, ein Arzneimittelforschungsunternehmen mit Sitz in Groningen, Niederlande, wird eine Studie zu Kaugummi mit synthetischem Dronabinol (THC) durchführen. Dieses Kaugummi soll unter anderem Übelkeit und Erbrechen aufgrund von Chemotherapie verhindern oder den Appetit anregen. Die University of British Columbia in Kanada führt klinische Studien zur Behandlung drogenbedingter Psychosen mit Cannabis-Kaugummi durch. Und eine doppelblinde, randomisierte Studie mit 30 RLS-Patienten wird nächstes Jahr in Israel beginnen.

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