Cannabis als Medizin in der HIV und AIDS Behandlung

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts leben in Deutschland rund 85.000 Menschen mit HIV, wovon rund 12.600 nichts von ihrer Infektion wissen. Jedes Jahr infizieren sich ungefähr 3.200 Menschen neu mit dem HI-Virus. Am stärksten betroffen sind weiterhin Männer. Früher standen die Mediziner der Erkrankung des Immunsystems machtlos gegenüber. Heute stehen jedoch verschiedene Medikamente zur Verfügung, um den Ausbruch von AIDS zu verhindern. Nebenwirkungsarm sind sie jedoch nicht. Medizinalhanf kann jedoch die Nebenwirkungen lindern und den HIV-Patienten zu einer besseren Lebensqualität verhelfen.

Cannabis als Medizin in der HIV und AIDS Behandlung

Die Behandlung einer HIV-Infektion ist häufig problematisch. Dank der modernen Medizin stehen zur HIV-/AIDS-Behandlung zwar verschiedene Medikamente zur Verfügung, diese können jedoch erhebliche Nebenwirkungen haben. Hinzu kommen die Beschwerden, die im Rahmen der schwerwiegenden Erkrankung auftreten. Viele wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass Medizinal-Cannabis bei HIV-Patienten eine deutliche Besserung ihrer krankheitsbedingten Symptome erreichen kann.

Mehr zum Thema Medizinalcannabis in der HIV Behandlung.

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HIV und AIDS werden zu unrecht in einen Topf geschmissen

HIV und AIDS sind nicht dasselbe

Das Humane Immundefizienzvirus (HIV) ist nicht AIDS (Acquired Immuno Deficiency Syndrome). Wer HIV-positiv ist, hat nicht automatisch auch AIDS. Eine HIV-Infektion kann aber im Laufe der Zeit in die Immunschwäche AIDS übergehen.

Nur bei Menschen, die sich mit dem Humanen Immundefizienzvirus (HIV) infiziert bzw. angesteckt haben, kann sich AIDS entwickeln. Unterschieden wird zwischen dem Humanen Immundefizienzvirus HIV-1, das weltweit verbreitet ist, und dem Humanen Immundefizienzvirus HIV-2, das vorwiegend in Westafrika auftritt.

Aufgrund der Beschaffenheit der Eiweißhülle, die das HI-Virus umhüllt, heftet er sich an die Immunzellen wie die T-Helferzellen (T-Zellen). Infolge dessen werden die befallenen T-Zellen durch das HI-Virus zerstört, das Immunsystem wird langfristig geschwächt und Erreger können leichter ausbrechen, was zu unterschiedlichen Erkrankungen führt.

Wissenschaftler zählen den HI-Virus zur Gruppe der Retroviren, weshalb er häufig auch als RNA-Virus bezeichnet wird. Grund hierfür ist, dass er aus der Erbsubstanz Ribonukleinsäure – kurz RNA – besteht. Hingegen speichern menschliche Zellen oder viele andere Viren ihre genetische Information in Form von Desoxyribonukleinsäure (DNA).

Übertragung und Ansteckung

Das Humane Immundefizienz-Virus kann sowohl durch Blut als auch durch Sperma übertragen werden, weshalb vor allem Menschen gefährdet sind, die ungeschützten Geschlechtsverkehr haben oder auch Drogenabhängige, die ihre benutzten Spritzen untereinander austauschen.

Laut Statistik sind über 90 Prozent der übertragbaren Infektion auf ungeschützten Geschlechtsverkehr zurückzuführen. Am häufigsten sind homosexuelle Männer betroffen. An zweiter Stelle steht die Gruppe der Heterosexuellen und an dritter Stelle die Drogenabhängigen.

Die HIV-Ansteckung durch Geschlechtsverkehr entsteht durch ungeschützten Vaginal- oder Analverkehr. Das HIV-Risiko ist hier besonders hoch. Hingegen besteht ein geringes Risiko, wenn Samenflüssigkeit in den Mund gelangt.

Zudem kann es zu einer Ansteckung der übertragbaren Krankheit kommen, wenn eine HIV-Positive Frau schwanger wird und ihr Kind bei der Geburt mit dem Virus infiziert. Mit entsprechenden Vorsorgemöglichkeiten kann das Risiko für eine Ansteckung jedoch gesenkt werden.

Theoretisch besteht auch bei einer Organtransplantation das Risiko einer Ansteckung, wenn der Spender HIV-Positiv ist. Aufgrund strenger Kontrollmaßnahmen in Deutschland ist jedoch das Risiko durch eine Bluttransfusion nahezu ausgeschlossen.

Aktuelle Zahlen der Erkrankungsfälle hat das Robert Koch Institut veröffentlicht.

Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko?

Das Risiko, sich mit dem Humanen Immundefizienzvirus zu infizieren, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Dabei hat die Erregeranzahl den größten Einfluss. Das bedeutet, je mehr Viren in den Körper gelangen, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung.

Auch die Virulenz, also die Fähigkeit der Erreger, eine akute HIV-Infektion auszulösen, sowie der persönliche individuelle Gesundheitszustand haben Einfluss auf eine mögliche Ansteckung.

Darüber hinaus ist es auch von Bedeutung, wie man mit dem HI-Virus in Kontakt kommt. Dabei befindet sich die höchste Viruskonzentration in der Regel im Blut, in der Samenflüssigkeit, im Vaginalsekret (Scheidenflüssigkeit) sowie auf der Oberfläche von Schleimhäuten.

Im Speichel ist die Konzentration des Virus geringer, weshalb eine HIV-Übertragung beispielsweise durch das Küssen lediglich in der Theorie denkbar ist. Bisher wurde weltweit keine HIV-Übertragung durch den Speichel beobachtet.

Wichtig ist auch zu wissen, dass eine Übertragung nicht durch eine Tröpfcheninfektion möglich ist. Das heißt, dass der Immunschwäche-Virus nicht über das Anhusten, Anniesen oder durch einen Hautkontakt übertragbar ist.

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Bluttests im Labor bringen Gewissheit über eine HIV-Infektion

Das sollte jeder über den HIV-Test wissen

Wer ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte und nun Anlass zur Sorge besteht, sich mit dem Virus infiziert zu haben, hat häufig auch große Angst. Doch die Angst sollte nicht die Überhand gewinnen, denn in diesem Fall können Angst und Verdrängung lebensgefährliche Folgen haben. Besteht Grund zur Sorge, sollte man frühestens sechs Wochen nach der letzten Risikosituation einen Test machen lassen.

Mittlerweile gibt es unterschiedliche HIV-Tests:

  • Der HIV-Labortest (HIV-Antikörper-Test) wird von Gesundheitsämtern und Checkpoints – oftmals sogar kostenlos – angeboten und verläuft anonym. Klarheit über HIV-Status hat man hier nach wenigen Tagen.
  • Kostenpflichtig sind die HIV-Schnelltests, die ein Ergebnis innerhalb von 30 Minuten bieten. Auch diese werden von Gesundheitsämtern und Checkpoints angeboten. Um hier eine Ansteckung auszuschließen, muss mindestens drei Monate gewartet werden, bis der Test durchgeführt wird, denn die Schnelltests weisen keine Antigene, sondern nur die HIV-Antikörper nach. Und bei einigen Menschen kann es bis zu drei Monate dauern, bis diese nachweisbar sind.
  • Beim Einsende-HIV-Test wird sich zu Hause selbst Blut abgenommen. Anschließend wird die Blutprobe in ein Labor geschickt. Ob man HIV-positiv oder HIV-negativ ist, wird dann telefonisch mitgeteilt.
  • Ein Sonderfall ist der sogenannte HIV-PCR-Test, der keine Antikörper, sondern das Humane Immundefizienzvirus direkt im Blut nachweist. Als HIV-Test kann dieser Test früher als ein Labortest eingesetzt werden. Jedoch kann der Test nach zwei bis drei Wochen nach einer HIV-Neuinfektion kein sicheres Ergebnis mehr liefern.

Selbsttests für Zuhause in Deutschland verboten

Darüber hinaus gibt es auch Heimtests bzw. HIV-Selbsttests, wovon einige mittlerweile sehr ausgereift sind und als zuverlässig gelten. Jedoch ist der Verkauf dieser HIV-Tests in Deutschland verboten.

Gemeinsam haben alle HIV-Tests, dass im Blut nach Antikörpern auf das Humane Immundefizienzvirus gesucht wird. Diese lassen sich meist nach 6 und spätestens nach 12 Wochen nachweisen. Fällt der Test negativ aus, so wurden keine Antikörper im Blut gefunden. Heißt das Ergebnis „HIV-positiv“, so sind weitere spezifische Tests notwendig, um das Ergebnis zu bestätigen.

Von HIV zu AIDS: Mögliche Symptome

Die Infektion verläuft in mehreren Stadien. In der Regel führt sie erst nach Jahren zur AIDS-Erkrankung. Welche Symptome auftreten, ist abhängig davon, in welcher Krankheitsphase sich der Patient befindet. Ärzte teilen die schwerwiegende Erkrankung in die folgenden Kategorien ein:

  • A: akute HIV-Erkrankung (symptomfreie Krankheitsphase)
  • B: Symptome aufgrund der chronischen HIV-Infektion
  • C: AIDS

Zwar geben diese Kategorien Auskunft über den Fortschritt der Infektion, nicht aber darüber, wie gut das Immunsystem des Patienten funktioniert. Aus diesem Grund werden zusätzlich zur Kategorie noch folgende Ziffern angegeben:

  1. mehr als 500 T-Zellen (Immunzellen) pro Mikroliter Blut
  2. zwischen 200 bis 500 T-Helferzellen pro Mikroliter Blut (mittlere Anzahl)
  3. weniger als 200 T-Zellen pro Mikroliter Blut (niedrige Anzahl)

Die Zeit von der Ansteckung bis zum AIDS-Ausbruch, die als Inkubationszeit bezeichnet wird, ist von Betroffenem zu Betroffenem unterschiedlich lang und kann wenige Monate bis über 15 Jahre betragen. Beeinflusst wird die Inkubationszeit durch verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel dem Lebensstil, Medikamententherapie, Begleiterkrankung und der psychischen Verfassung des Betroffenen.

Anzeichen bei akuter Erkrankung und Latenzphase (Stadium: Kategorie A)

Bei einigen Betroffenen, jedoch nicht bei allen, zeigen sich ungefähr ein bis sechs Wochen nach einer Ansteckung Anzeichen Erkältung:

  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Fieber
  • Halsentzündung
  • geschwollene Lymphknoten
  • Appetitlosigkeit
  • Durchfälle
  • Müdigkeit
  • Hautausschlag im oberen Rumpfbereich

Häufig sind diese HIV-Symptome nur schwach ausgeprägt, weshalb von Betroffenen kein Arzt aufgesucht wird. Es können dann Monate oder auch Jahre vergehen, bis sich HIV-Symptome zeigen. Mediziner bezeichnen diese beschwerdefreie Zeit „Latenzphase“, die durchschnittlich etwa zehn Jahre lang anhält. Innerhalb der Latenzphase bildet sich bei ungefähr vier von zehn Betroffenen ein Lymphadenopathie-Syndrom (LAS). Die Lymphknoten in unterschiedlichen Körperregionen schwellen dann über mindestens drei Monate an, verursachen aber keine Symptome.

Anzeichen bei chronischer HIV-Infektion (Stadium: Kategorie B)

Im weiteren Infektionsverlauf können sich verschiedene Beschwerden äußern:

  • Durchfall über einen längeren Zeitraum ohne erkennbare Ursache
  • immer wiederkehrende Gürtelrose an mehreren Körperstellen
  • Pilzbefall im Mund- und Rachenraum
  • weißliche Beläge am Zungenrand (Haarleukoplakie), die nicht abwischbar sind
  • erhöhte Körpertemperatur (max. 38,5 Grad Celsius)
  • Nervenerkrankungen (meist an Armen und/oder Beinen)
  • Infektion mit Bakterien (Listeriose) und/oder Infektion von Blutgefäßen

Bei betroffenen Frauen kann es außerdem zum Pilzbefall der Geschlechtsorgane, Schleimhautveränderungen am Gebärmutterhals sowie Becken- und/oder Eierstockentzündungen kommen.

Trotz dieser vielfältigen möglichen Beschwerden handelt es sich noch nicht um AIDS, sondern um eine Vorstufe von AIDS.

Symptome von AIDS (Stadium: Kategorie C)

Wenn die Infektion weiter vorschreitet, entsteht der schwere Immundefekt AIDS. Infolge dessen kann sich das Immunsystem immer weniger gegen Krankheitserreger wehren, was zu unterschiedlichen Beschwerden führt:

  • HIV-assoziierte Enzephalopathie (Schädigung des Gehirns)
  • Wasting-Syndrom (ungewollte Gewichtsabnahme, Abgeschlagenheit, Fieber, lang andauernde Durchfälle)
  • opportunistische Infektionen (z. B. Tuberkulose, Salmonelleninfektion, Lungenentzündung)

Typisch für AIDS sind auch Infektionen und Krankheiten, die normalerweise nur selten vorkommen, wie zum Beispiel:

  • Virusinfektion unterschiedlicher Organe (Zytomegalie)
  • Pilzinfektionen, die durch Vögel übertragen werden (Kryptokokkose)
  • Lungenentzündung durch den Pilz Pneumocystis jroveci
  • chronische Darminfektion durch Einzeller (Kryptosporidiose)
  • bösartige Krankheiten, die durch den Virus hervorgerufen werden (z. B. bösartige Tumore des zentralen Nervensystems, Kaposi-Sarkom, Non-Hodgkin-Lymphome)

Therapie und Behandlung

Bislang ist die Krankheit nicht heilbar. Deshalb sind die Ziele der Therapie, den Übergang in AIDS so weit wie möglich hinauszuzögern und die Linderung der Symptome bzw. der Folgeerkrankungen. Um das Immunsystem nicht zusätzlich zu schwächen, sollten Patienten auf eine gesunde Lebensführung achten. Viele Patienten profitieren zudem von einem Austausch mit anderen Betroffenen sowie einer psychotherapeutischen Unterstützung.

Wie gestaltet sich die Therapie?

Einige Präparate sind dank der fortschreitenden Forschung einsatzfähig. So wurden Medikamente entwickelt, die bestimmte Abläufe des Zellbefalls hemmen können. Dabei setzen Mediziner bei der Therapie auf die Kombination unterschiedlicher Medikamente (antiretrovirale Therapie bzw. hochaktive antiretrovirale Therapie). Diese Medikamente müssen Patienten lebenslang einnehmen.

In der Medizin kommen hauptsächlich die folgenden Wirkstoffe im Rahmen der Therapie zur Anwendung:

  • Entry-Inhibitoren (z. B. die Wirkstoffe Maravirox oder Enfuvirtid) können das Eindringen des HI-Virus in die Zellen hemmen und/oder verhindern das Andocken der Viren an die Immunzellen oder die Verschmelzung der Zellmembran mit der Virushülle.
  • Reverse-Transkriptase-Hemmer können ein bestimmtes Virusenzym blocken. Unterschieden wird hier zwischen Nukleosid-Analoga (NRTI) und Nukleotid-Analoga (NtRTI), wie zum Beispiel Tenofovir oder Lamivudin, und nicht-nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmern (NNRTI), wie beispielweise die Wirkstoffe Nevirapin oder Efavirenz.
  • Protease-Hemmer können ein weiteres HIV-Enzym, nämlich die HIV-Protease, blocken. Wenn eine Zelle infiziert ist und neue Eiweißbausteine bildet, können sich hieraus neue Viren zusammensetzen. Beim Zusammenbau dieser Eiweißbausteine spielt die HIV-Protease eine bedeutende Rolle. Demnach können Protease-Hemmer (z. B. Lopinavir, Atazanavir oder Fosamprenavir) dafür sorgen, dass weniger funktionsfähige HI-Viren in den befallenen Zellen entstehen.
  • Integrase-Hemmer (Integrase-Inhibatoren) können die Integrase, ein bestimmtes Virusenzym, blockieren. Dabei versuchen die Wirkstoffe Elvitegravir, Dolutegravir oder Raltegravir, die Integrase zu verhindern.

Behandlung mit mehreren Präparaten

In der Regel besteht die HIV-Therapie aus drei unterschiedlichen Präparaten. Bei der Erstbehandlung verordnen Ärzte meist eine Kombination aus zwei Nukleosid- oder Nukleotid-Reverse-Transkriptase-Hemmer sowie einem nicht-nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmer. Alternativ kommen dann Protease- oder Integrasehemmer zum Einsatz. Wenn die Wirksamkeit der Arzneimittel im weiteren Krankheitsverlauf nachlässt, wird die medikamentöse HIV-Therapie entsprechend umgestellt.

Resistenz gegen Arzneimittel

Im Laufe der Zeit mutiert das HI-Virus, sodass sich die Beschaffenheit der Hülle als auch die Erbinformationen des Virus verändern. Bereits kleinste Veränderungen können bewirken, dass Medikamente nicht mehr ausreichend oder gar nicht mehr wirken. In solch einem Fall wird versucht, verschiedene Wirkstoffe zu kombinieren, um ein Mindestmaß an Wirkung zu erreichen.

Arzneimittel und ihre Nebenwirkungen

Die heutigen modernen Medikamentenkombinationen sind zwar verträglicher also noch vor einigen Jahren, jedoch existieren keine Arzneimittel ohne Nebenwirkungen. Eine der gefährlichsten Nebenwirkungen ist die zuvor beschriebene Resistenz. Daneben können unter anderem folgende unerwünschte Wirkungen auftreten:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfälle
  • Kopfschmerzen
  • Hautausschläge
  • Leberinsuffizienz
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)

Langzeitnebenwirkungen der Präparate

Zu den Langzeitnebenwirkungen zählen unter anderem:

  • Nervenstörungen (Neuropathie)
  • Störungen im Fettstoffwechsel
  • Störung im Blutzuckerstoffwechsel
  • Störungen in der Fettverteilung und Abbau von Fettgewebe
  • Laktatazidose (vermehrte Milchsäure im Blut)

Durch die Störungen im Fett- und Blutzuckerstoffwechsel sowie in der Fettverteilung nimmt das Fettgewebe bei Patienten im Gesicht, an Armen und Beinen sowie am Gesäß stark ab. Hingegen nimmt das Fettgewebe an Bauch und Nacken zu. Im Gesicht sehen Patienten dann ausgemergelt aus, während sie aber dennoch einen Stiernacken und einen dicken Bauch aufweisen. Zudem können auch Leber und Muskulatur verfetten. Durch die Fettstoffwechselstörung steigt außerdem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankung und Diabetes mellitus.

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HIV-Virus unterm Mikroskop

Wie ist der Krankheitsverlauf?

Der genaue Krankheitsverlauf ist nicht absehbar und individuell verschieden. Dank der Entwicklung neuartiger medizinischer Präparate hat sich jedoch die Prognose einer HIV-Infektion bzw. von AIDS verbessert. Wenn Patienten positiv und ansonsten gesund sind, können sie bei rechtzeitiger Behandlung eine nahezu normale Lebenserwartung haben. Wenn eine erhöhte Viruslast und eine niedrige T-Helferzellen-Anzahl, ist dies hingegen ein ungünstiger Prognosefaktor. Auch wenn es aktuell noch kein Heilmittel gibt, so versterben im Vergleich zu früher weniger HIV-Infizierte an den Folgen einer HIV-Infektion. Das gilt jedoch nur für HIV-Infizierte in Industrieländern, wo die entsprechende Medizin verfügbar ist. Leider ist die Versorgung von HIV-Infizierten in armen Ländern wesentlich schlechter, weshalb dort wesentlich mehr Patienten infolge der Erkrankung des Immunsystems versterben.

Linderung der Beschwerden mithilfe von medizinischem Cannabis

Cannabis als Medizin in unterschiedlichen Anwendungsformen (z. B. Cannabisblüten, Cannabisöl, Cannabis-Medikamente) wird seit Langem bei der Behandlung von HIV/AIDS zur Schmerzlinderung und zur Appetitanregung genutzt. Auch bei neuropathischen Schmerzen ist die positive Wirkung der Cannabinoide aus der Cannabispflanze bekannt. Weitere Gründe für Medizinalcannabis sind die Linderung von Übelkeit und Erbrechen sowie die Verbesserung des Schlafes.

Medizinalhanf gegen Appetitlosigkeit

Das Wasting-Syndrom, unter dem eine ungewollte Gewichtsabnahme um mindestens zehn Prozent verstanden wird, tritt häufig im Krankheitsstadium Kategorie C bei AIDS-Kranken auf. Dieses geht mit Appetitlosigkeit, andauernden Durchfällen, Fieber und Abgeschlagenheit einher. Daneben kann Appetitlosigkeit aber auch eine unerwünschte Wirkung der medikamentösen HIV-Therapie sein.

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass Cannabis für medizinische Zwecke eine appetitanregende Wirkung haben kann. So führten beispielsweise Wissenschaftler des Imperial College London im Jahr 2005 eine Umfrage durch. Es wurden insgesamt 523 positive Patienten befragt. 97 Prozent der Befragten gaben an, dass sich ihr Appetit durch den Cannabis-Konsum verbessert habe.

Forscher des College of Physicians and Surgeons of Columbia University in New York kamen nach der Durchführung einer Doppelblind-Studie im Jahr 2007 zu dem Ergebnis, dass sowohl Dronabinol als auch die medizinische Anwendung von Cannabis appetitsteigernd wirkte. Je nach Dosis aßen die Probanden häufiger und verzeichneten eine höhere Kalorienaufnahme.

Und auch eine junge Untersuchung aus dem Jahr 2016 von der University of Illinois at Chicago hat gezeigt, dass Dronabinol eine gut verträgliche Option zur Stimulation des Appetits sein kann.

Medizinalcannabis gegen weitere Symptome

Übelkeit und Erbrechen sind häufige Symptome einer HIV-Infektion und können sich auch als Nebenwirkungen von den HIV-Medikamenten äußern. Cannabinoide aus der Cannabispflanze können jedoch dieses Symptom bei Erkrankten lindern. So hat die US-Behörde für Nahrungsmittel und Drogen (Food & Drug Administration) sogar das Cannabis-Medikament Dronabinol (synthetisch hergestelltes THC) als Therapiemethode für AIDS-Patienten zugelassen.

Eine steigende Zahl an Studienergebnissen zeigt, dass Cannabis als Medizin für manche HIV-Patienten sowie Krebspatienten, die eine Chemo- und/oder Strahlentherapie erhalten, ein wirksames Antiemetikum sein kann. Bereits im Jahr 1975 beschäftigten sich Forscher mit dem Cannabinoid Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC). Im Rahmen einer Doppelblind-Studie erhielten die Probanden, die unter Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie litten, oral THC. Keiner der Probanden musste sich übergeben. Zudem berichteten die Probanden von einer signifikanten Linderung der Symptome.

In den darauffolgenden Jahren wurden zahlreiche weitere Studien durchgeführt, die zeigen, wie die Cannabinoide THC und Cannabidiol (CBD) aus dem medizinischen Cannabis gegen Übelkeit und Erbrechen wirksam sein können.

Medizinisches Cannabis gegen Schmerzen und Neuropathien

Im Rahmen der Krankheit treten häufig periphere Neuropathien auf. Wenn einer oder mehrere Nerven des peripheren Nervensystems beschäftigt werden, kann es zu unterschiedlichen Beschwerden wie chronische Schmerzen, Parästhesien, Muskelschwund und Zuckungen kommen.

Ärzte des General Hospitals in San Francisco untersuchten das Wirkungsspektrum von medizinischem Cannabis auf neuropathische Schmerzen, die durch eine HIV-Erkrankung ausgelöst wurden.  Die Probanden erhielten im Rahmen der randomisierten, placebokontrollierten Untersuchung entweder Cannabisblüten mit 3,56 Prozent Tetrahydrocannabinol oder eine oder eine identische Placebo-Zigarette dreimal täglich fünf Tage lang. Im Ergebnis heißt es, dass durch die medizinische Verwendung der Cannabisblüten die täglichen Schmerzen effektiv lindern konnte.

Auch die University of California kam im Jahr 2009 im Rahmen ihrer Doppelblind-Crossover-Studie mit Placebo-Kontrollgruppe zu dem Schluss, dass Medizinalcannabis zur Linderung der Symptome von peripheren Neuropathien beitragen kann. Außerdem gaben die Probanden an, dass sich ihre Stimmung als auch ihre gesamte Verfassung im Verlauf der Untersuchung verbessert haben.

Cannabis bei der HIV-Behandlung – weitere interessante Studien

Forscher der University of Louisiana vermuten, dass Cannabis möglicherweise in der Lage sein könnte, die HIV-Ausbreitung im Körper zu hemmen. Laboraffen bekamen über 17 Monate lang eine tägliche Dosis THC und im Ergebnis heißt es, dass dies die Ausbreitung des HI-Virus verlangsamt hatte. Weiter wird wissenschaftlich berichtet, dass sich der HI-Virus durch die Infektion und Abtötung der Immunzellen ausbreite und dass bei den Affen nach der medizinischen Anwendung von THC eine höhere Anzahl gesunder Zellen gefunden wurde als vorher. Untersuchungen aus den Jahren 2011 und 2012 hatten eine solche Auswirkung von Cannabis auf die Krankheit bereits nahegelegt. Dies hängt vor allem mit dem Endocannabinoid-System und den Cannabinoid-Rezeptoren zusammen, die sich unter anderem auf den Immunsystemzellen befinden.

Weitere interessante Studie

Besonders interessant ist auch eine aktuelle Untersuchung aus dem Jahr 2017, die an der Virginia State University durchgeführt wurde. Hier heißt es, dass einige Erkrankte Cannabis konsumieren und das bekannt ist, dass Tetrahydrocannabinol auch das Immunsystem beeinflussen kann. Dabei seien die Auswirkungen des Cannabis-Konsums bei HIV-Positiven Menschen nach wie vor umstritten. Die Wissenschaftler ermittelten die Unterschiede in der Lymphozytenanzahl, insbesondere der CD4+ und CD8+ Zellen, bei HIV-Patienten mit und ohne Cannabiskonsumvergangenheit. Dabei fanden die Forscher heraus, dass die THC-Positiven Patienten eine signifikant höhere Anzahl an CD4+ und CD8+ Zellen aufwiesen als ihre negativen Pendants. Das bedeutet, dass die THC-Positiven Patienten besser Immunwerte besaßen.

Die Ergebnisse dieser Studien deuten darauf hin, dass Cannabis womöglich Einfluss auf den Krankheitsverlauf einer HIV-Infektion haben kann. Generell können die Studienergebnisse als ermutigend bezeichnet werden. Es ist jedoch noch ein sehr langer Weg und es bedarf vieler Forschungen und Untersuchungen, um herauszufinden, wie sich Cannabis tatsächlich auf das Immunsystem auswirkt.

Neue Untersuchung in Planung

Hoffnung verspricht eine Untersuchung an der University of Florida. Robert L. Cook kündigte im November 2017 an, dass er beabsichtigt, eine Untersuchung über fünf Jahre zum Thema „Auswirkungen von Medizinalhanf auf HIV-Erkrankte“ mit 400 Probanden durchzuführen. Dabei will Cook die Wirksamkeit von Cannabis auf das Gehirn der Patienten dokumentieren und herausfinden, wie genau das HI-Virus auf das zugeführte Cannabis reagiert. Zudem soll festgehalten werden, welche Cannabissorten von den infizierten Patienten konsumiert werden, wie hoch der THC-Gehalt in den jeweiligen Sorten ist, und welche anderen Cannabinoide enthalten sind. Laut Cook ist das etwas, was anderen Forschern noch nicht gelungen ist.

 

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

 

 

 

 

Quellen:

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