Cannabis als Medizin in der HIV und AIDS Behandlung

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 1. Dezember 2017

Geändert am: 1. Dezember 2017

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts leben in Deutschland rund 85.000 Menschen mit HIV, wovon rund 12.600 nichts von ihrer Infektion wissen. Jedes Jahr infizieren sich ungefähr 3.200 Menschen neu mit dem HI-Virus. Am stärksten betroffen sind weiterhin Männer. Früher standen die Mediziner der Erkrankung des Immunsystems machtlos gegenüber. Heute stehen jedoch verschiedene Medikamente zur Verfügung, um den Ausbruch von AIDS zu verhindern. Nebenwirkungsarm sind sie jedoch nicht. Medizinalhanf kann jedoch die Nebenwirkungen lindern und den HIV-Patienten zu einer besseren Lebensqualität verhelfen.

Cannabis als Medizin in der HIV und AIDS Behandlung

Die Behandlung einer HIV-Infektion ist häufig problematisch. Dank der modernen Medizin stehen zur HIV-/AIDS-Behandlung zwar verschiedene Medikamente zur Verfügung, diese können jedoch erhebliche Nebenwirkungen haben. Hinzu kommen die Beschwerden, die im Rahmen der Erkrankung des Immunsystems auftreten. Viele wissenschaftliche Studien beweisen, dass Cannabis als Medizin bei HIV-Patienten eine deutliche Besserung ihrer krankheitsbedingten Symptome erreichen kann.

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HIV und AIDS werden zu unrecht in einen Topf geschmissen

HIV und AIDS sind nicht dasselbe

Das Humane Immundefizienzvirus (HIV) ist nicht AIDS (Acquired Immuno Deficiency Syndrome). Wer HIV-positiv ist, hat nicht automatisch auch AIDS. Eine HIV-Infektion kann aber im Laufe der Zeit in die Immunschwäche AIDS übergehen.

Nur bei Menschen, die sich mit dem Humanen Immundefizienzvirus (HIV) infiziert bzw. angesteckt haben, kann sich AIDS entwickeln. Unterschieden wird zwischen dem Humanen Immundefizienzvirus HIV-1, das weltweit verbreitet ist, und dem Humanen Immundefizienzvirus HIV-2, das vorwiegend in Westafrika auftritt.

Aufgrund der Beschaffenheit der Eiweißhülle, die das HI-Virus umhüllt, heftet sich der HI-Virus an die Immunzellen wie die T-Helferzellen (T-Zellen). Infolge dessen werden die befallenen T-Helferzellen durch das HI-Virus zerstört, das Immunsystem wird langfristig geschwächt und Erreger können leichter ausbrechen, was zu unterschiedlichen Erkrankungen führt.

Wissenschaftler zählen den HI-Virus zur Gruppe der Retroviren, weshalb er häufig auch als RNA-Virus bezeichnet wird. Grund hierfür ist, dass der HI-Virus aus der Erbsubstanz Ribonukleinsäure – kurz RNA – besteht. Hingegen speichern menschliche Zellen oder viele andere Viren  ihre genetische Information in Form von Desoxyribonukleinsäure (DNA).

HIV-Übertragung und HIV-Ansteckung

Das Humane Immundefizienzvirus kann sowohl durch Blut als auch durch Sperma übertragen werden, weshalb vor allem Menschen gefährdet sind, die ungeschützten Geschlechtsverkehr haben oder auch Drogenabhängige, die ihre benutzten Spritzen untereinander austauschen.

Laut Statistik sind über 90 Prozent der HIV-Infektionen auf ungeschützten Geschlechtsverkehr zurückzuführen. Am häufigsten sind homosexuelle Männer betroffen. An zweiter Stelle steht die Gruppe der Heterosexuellen und an dritter Stelle die Drogenabhängigen.

Die HIV-Ansteckung durch Geschlechtsverkehr entsteht durch ungeschützten Vaginal- oder Analverkehr. Das Infektionsrisiko ist hier besonders hoch. Hingegen besteht ein geringes Risiko, wenn Samenflüssigkeit in den Mund gelangt.

Zudem kann es zu einer HIV-Ansteckung kommen, wenn eine HIV-Positive Frau schwanger wird und ihr Kind bei der Geburt mit dem HI-Virus infiziert. Mit entsprechenden Vorsorgemöglichkeiten kann das Risiko für eine HIV-Ansteckung jedoch gesenkt werden.

Theoretisch besteht auch bei einer Organtransplantation das Risiko einer HIV-Ansteckung, wenn der Spender HIV-Positiv ist. Aufgrund strenger Kontrollmaßnahmen in Deutschland ist jedoch das Risiko einer HIV-Ansteckung durch eine Bluttransfusion nahezu ausgeschlossen.

Wie hoch ist das HIV-Ansteckungsrisiko?

Das Risiko, sich mit dem Humanen Immundefizienzvirus zu infizieren, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Dabei hat die Erregeranzahl den größten Einfluss. Das bedeutet, je mehr Viren in den Körper gelangen, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Ansteckung.

Auch die Virulenz, also die Fähigkeit der Erreger, eine HIV-Erkrankung auszulösen, sowie die der persönliche individuelle Gesundheitszustand haben Einfluss auf eine mögliche HIV-Ansteckung.

Darüber hinaus ist es auch von Bedeutung, wie man mit dem HI-Virus in Kontakt kommt. Dabei befindet sich die höchste Viruskonzentration in der Regel im Blut, in der Samenflüssigkeit, im Vaginalsekret (Scheidenflüssigkeit) sowie auf der Oberfläche von Schleimhäuten.

Im Speichel ist die Konzentration des HI-Virus geringer, weshalb eine HIV-Ansteckung beispielsweise durch das Küssen lediglich in der Theorie denkbar ist. Bisher wurde weltweit keine HIV-Ansteckung durch den Speichel beobachtet.

Wichtig ist auch zu wissen, dass eine HIV-Übertragung nicht durch eine Tröpfcheninfektion möglich ist. Das heißt, dass der HI-Virus nicht über das Anhusten, Anniesen oder durch einen Hautkontakt übertragbar ist.

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Bluttests im Labor bringen Gewissheit über eine HIV-Infektion 

Das sollte jeder über den HIV-Test wissen

Wer ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte und nun Anlass zur Sorge besteht, sich mit HI-Virus infiziert zu haben, hat häufig auch große Angst. Doch die Angst sollte nicht die Überhand gewinnen, denn in diesem Fall können Angst und Verdrängung lebensgefährliche Folgen haben. Besteht Grund zur Sorge, sollte man frühestens sechs Wochen nach der letzten Risikosituation einen HIV-Test machen lassen.

Mittlerweile gibt es unterschiedliche HIV-Tests:

  • Der HIV-Labortest wird von Gesundheitsämtern und Checkpoints – oftmals sogar kostenlos – angeboten und verläuft anonym. Klarheit hat man hier nach wenigen Tagen.
  • Kostenpflichtig sind die HIV-Schnelltests, die ein Ergebnis innerhalb von 30 Minuten bieten. Auch diese werden von Gesundheitsämtern und Checkpoints angeboten. Um hier eine HIV-Ansteckung auszuschließen, muss mindestens drei Monate gewartet werden, bis der Test durchgeführt wird, denn die Schnelltests weisen keine Antigene, sondern nur die Antikörper nach. Und bei einigen Menschen kann es bis zu drei Monate dauern, bis diese nachweisbar sind.
  • Beim Einsende-HIV-Test wird sich zu Hause selbst Blut abgenommen. Anschließend wird die Blutprobe in ein Labor geschickt. Das Ergebnis wird dann telefonisch mitgeteilt.
  • Ein Sonderfall ist der sogenannte HIV-PCR-Test, der keine Antikörper, sondern das Humane Immundefizienzvirus direkt im Blut nachweist. Als HIV-Test kann dieser Test früher als ein Labortest eingesetzt werden. Jedoch kann der Test nach zwei bis drei Wochen nach einer HIV-Infektion kein sicheres Ergebnis mehr liefern.

Darüber hinaus gibt es auch Heimtests bzw. Selbsttests, wovon einige mittlerweile sehr ausgereift sind und als zuverlässig gelten. Jedoch ist der Verkauf dieser HIV-Tests in Deutschland verboten.

Gemeinsam haben alle HIV-Tests, dass im Blut nach Antikörpern  auf das Humane Immundefizienzvirus gesucht wird. Diese lassen sich meist nach 6 und spätestens nach 12 Wochen nachweisen. Fällt der HIV-Test negativ aus, so wurden keine Antikörper im Blut gefunden. Heißt das Ergebnis „HIV-positiv“, so sind weitere spezifische Tests notwendig, um das Ergebnis zu bestätigen.

Von HIV zu AIDS: mögliche Symptome

Die HIV-Infektion verläuft in mehreren Stadien. In der Regel führt die Infektion erst nach Jahren zu AIDS. Welche AIDS- bzw. HIV-Symptome auftreten, ist abhängig davon, in welcher Krankheitsphase sich der Patient befindet. Mediziner teilen eine HIV-Infektion in die folgenden Kategorien ein:

  • Kategorie A: akute HIV-Erkrankung (symptomfreie Krankheitsphase)
  • Kategorie B: HIV-Symptome aufgrund der chronischen Infektion
  • Kategorie C: AIDS

Zwar geben diese Kategorien Auskunft über den Fortschritt der Infektion, nicht aber darüber, wie gut das Immunsystem des Patienten funktioniert. Aus diesem Grund werden zusätzlich zur Kategorie noch folgende Ziffern angegeben:

  • Ziffer 1: Es sind mehr als 500 T-Helferzellen (Immunzellen) pro Mikroliter Blut vorhanden.
  • Ziffer 2: Es sind zwischen 200 bis 500 T-Helferzellen pro Mikroliter Blut vorhanden (mittlere Anzahl).
  • Ziffer 3: Es sind weniger als 200 T-Helferzellen pro Mikroliter Blut vorhanden (niedrige Anzahl).

Die Zeit von der HIV-Ansteckung bis zum AIDS-Ausbruch, die als Inkubationszeit bezeichnet wird, ist von Betroffenem zu Betroffenem unterschiedlich lang und kann wenige Monate bis über 15 Jahre betragen. Beeinflusst wird die Inkubationszeit durch verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel dem Lebensstil, Medikamententherapie, Begleiterkrankung und der psychischen Verfassung des Betroffenen.

HIV-Anzeichen bei akuter Erkrankung und Latenzphase (Stadium: Kategorie A)

Bei einigen Betroffenen, jedoch nicht bei allen, zeigen sich ungefähr ein bis sechs Wochen nach einer HIV-Ansteckung Anzeichen einer akuten HIV-Erkrankung, die sich in Form einer Erkältung äußern:

  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Fieber
  • Halsentzündung
  • geschwollene Lymphknoten
  • Appetitlosigkeit, Erbrechen und/oder Durchfälle
  • Müdigkeit
  • Hautausschlag im oberen Rumpfbereich

Häufig sind diese HIV-Symptome nur schwach ausgeprägt, weshalb von Betroffenen kein Arzt aufgesucht wird. Es können dann Monate oder auch Jahre vergehen, bis sich HIV-Symptome zeigen. Mediziner bezeichnen diese beschwerdefreie Zeit „Latenzphase“, die durchschnittlich etwa zehn Jahre lang anhält. Innerhalb der Latenzphase bildet sich bei ungefähr vier von zehn Betroffenen ein Lymphadenopathie-Syndrom (LAS). Die Lymphknoten in unterschiedlichen Körperregionen schwellen dann über mindestens drei Monate an, verursachen aber keine Symptome.

HIV-Anzeichen bei chronischer HIV-Infektion (Stadium: Kategorie B)

Im weiteren Infektionsverlauf können sich verschiedene Beschwerden äußern:

  • Durchfall über einen längeren Zeitraum ohne erkennbare Ursache
  • immer wiederkehrende Gürtelrose-Erkrankung an mehreren Körperstellen
  • Pilzbefall im Mund- und Rachenraum
  • weißliche Beläge am Zungenrand (Haarleukoplakie), die nicht abwischbar sind
  • erhöhte Körpertemperatur (max. 38,5 Grad Celsius)
  • Nervenerkrankungen (meist an Armen und/oder Beinen)
  • Infektion mit Bakterien (Listeriose) und/oder Infektion von Blutgefäßen

Bei betroffenen Frauen kann es außerdem zum Pilzbefall der Geschlechtsorgane, Schleimhautveränderungen am Gebärmutterhals sowie Becken- und/oder Eierstockentzündungen kommen.

Trotz dieser vielfältigen möglichen Beschwerden handelt es sich noch nicht um AIDS, sondern um eine Vorstufe von AIDS.

Symptome von AIDS (Stadium: Kategorie C)

Wenn die Infektion weiter vorschreitet, entsteht der schwere Immundefekt AIDS. Infolge dessen kann sich das Immunsystem immer weniger gegen Krankheitserreger wehren, was zu unterschiedlichen Beschwerden führt:

  • HIV-assoziierte Enzephalopathie (Schädigung des Gehirns)
  • Wasting-Syndrom (ungewollte Gewichtsabnahme, Abgeschlagenheit, Fieber, lang andauernde Durchfälle)
  • opportunistische Infektionen (z. B. Tuberkulose, Salmonelleninfektion, Lungenentzündung)

Typisch für AIDS sind auch Infektionen und Krankheiten, die normalerweise nur selten vorkommen, wie zum Beispiel:

  • Virusinfektion unterschiedlicher Organe (Zytomegalie)
  • Pilzinfektionen, die durch Vögel übertragen werden (Kryptokokkose)
  • Lungenentzündung durch den Pilz Pneumocystis jroveci
  • chronische Darminfektion durch Einzeller (Kryptosporidiose)
  • bösartige Krankheiten, die durch HIV hervorgerufen werden (z. B. bösartige Tumore des zentralen Nervensystems, Kaposi-Sarkom, Non-Hodgkin-Lymphome)

HIV und AIDS: die Therapien

HIV und AIDS sind bislang nicht heilbar. Deshalb sind die Ziele der HIV-Therapie, den Übergang in die AIDS-Erkrankung so weit wie möglich hinauszuzögern und die Linderung der Symptome bzw. der Folgeerkrankungen. Um das Immunsystem nicht zusätzlich zu schwächen, sollten HIV-Patienten auf eine gesunde Lebensführung achten. Viele HIV-Patienten profitieren zudem von einem Austausch mit anderen Betroffenen sowie einer psychotherapeutischen Unterstützung.

Wie gestaltet sich die HIV-Therapie, und welche HIV-Medikamente gibt es?

Einige HIV-Medikamente sind dank der fortschreitenden Forschung einsatzfähig. So wurden Medikamente entwickelt, die bestimmte Abläufe des Zellbefalls hemmen können. Dabei setzen Mediziner bei der HIV-Therapie auf die Kombination unterschiedlicher Medikamente (antiretrovirale Therapie bzw. hochaktive antiretrovirale Therapie). Diese Medikamente müssen HIV-Patienten lebenslang einnehmen.

Hauptsächlich werden die folgenden Wirkstoffe im Rahmen der HIV-Therapie eingesetzt:

  • Entry-Inhibitoren (z. B. die Wirkstoffe Maravirox oder Enfuvirtid) können das Eindringen des HI-Virus in die Zellen hemmen und/oder verhindern das Andocken der Viren an die Immunzellen oder die Verschmelzung der Zellmembran mit der Virushülle.
  • Reverse-Transkriptase-Hemmer können ein bestimmtes Virusenzym blocken. Unterschieden wird hier zwischen Nukleosid-Analoga (NRTI) und Nukleotid-Analoga (NtRTI), wie zum Beispiel Tenofovir oder Lamivudin, und nicht-nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmern (NNRTI), wie beispielweise die Wirkstoffe Nevirapin oder Efavirenz.
  • Protease-Hemmer können ein weiteres HIV-Enzym, nämlich die HIV-Protease, blocken. Wenn eine Zelle infiziert ist und neue Eiweißbausteine bildet, können sich hieraus neue Viren zusammensetzen. Beim Zusammenbau dieser Eiweißbausteine spielt die HIV-Protease eine bedeutende Rolle. Demnach können Protease-Hemmer (z. B. Lopinavir, Atazanavir oder Fosamprenavir) dafür sorgen, dass weniger funktionsfähige HI-Viren in den befallenen Zellen entstehen.
  • Integrase-Hemmer (Integrase-Inhibatoren) können die Integrase, ein bestimmtes Virusenzym, blockieren. Dabei versuchen die Wirkstoffe Elvitegravir, Dolutegravir oder Raltegravir, die Integrase zu verhindern.

In der Regel besteht die HIV-Therapie aus drei unterschiedlichen Präparaten. Bei der Erstbehandlung ist dies meist eine Kombination aus zwei Nukleosid- oder Nukleotid-Reverse-Transkriptase-Hemmer sowie einem nicht-nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmer. Alternativ kommen dann Protease- oder Integrasehemmer zum Einsatz.

Wenn die Wirkung der Medikamente im weiteren Krankheitsverlauf nachlässt, wird die medikamentöse HIV-Therapie entsprechend umgestellt.

Resistenz gegen HIV-Medikamente

Im Laufe der Zeit mutiert das HI-Virus, sodass sich die Beschaffenheit der Hülle als auch die Erbinformationen des Virus verändern. Bereits kleinste Veränderungen können bewirken, dass Medikamente nicht mehr ausreichend oder gar nicht mehr wirken. In solch einem Fall wird versucht, verschiedene Wirkstoffe zu kombinieren, um ein Mindestmaß an Wirkung zu erreichen.

Medikamente bei HIV und ihre Nebenwirkungen

Die heutigen modernen Medikamentenkombinationen sind zwar verträglicher also noch vor einigen Jahren, jedoch existieren keine HIV-Medikamente ohne Nebenwirkungen. Eine der gefährlichsten Nebenwirkungen ist die zuvor beschriebene Resistenz gegen HIV-Medikamente. Daneben können unter anderem folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfälle
  • Kopfschmerzen
  • Hautausschläge
  • Leberinsuffizienz
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)
  • Zu den Langzeitnebenwirkungen zählen unter anderem:
  • Nervenstörungen (Neuropathie)
  • Störungen im Fettstoffwechsel
  • Störung im Blutzuckerstoffwechsel
  • Störungen in der Fettverteilung und Abbau von Fettgewebe
  • Laktatazidose (vermehrte Milchsäure im Blut)

Durch die Störungen im Fett- und Blutzuckerstoffwechsel sowie in der Fettverteilung nimmt das Fettgewebe bei HIV-Patienten im Gesicht, an Armen und Beinen sowie am Gesäß stark ab. Hingegen nimmt das Fettgewebe an Bauch und Nacken zu. Im Gesicht sehen HIV-Patienten dann ausgemergelt aus, während sie aber dennoch einen Stiernacken und einen dicken Bauch aufweisen. Zudem können auch Leber und Muskulatur verfetten. Durch die Fettstoffwechselstörung steigt außerdem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankung und Diabetes mellitus.

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HIV-Virus unterm Mikroskop 

Der genaue Krankheitsverlauf ist nicht absehbar und von HIV-Patient zu HIV-Patient verschieden. Dank der Entwicklung neuartiger Medikamente hat sich jedoch die Prognose einer HIV-Infektion bzw. von AIDS verbessert. Wenn Patienten HIV-positiv und ansonsten gesund sind, können sie bei rechtzeitiger Behandlung eine nahezu normale Lebenserwartung haben. Wenn eine erhöhte Viruslast und eine niedrige T-Helferzellen-Anzahl, ist dies hingegen ein ungünstiger Prognosefaktor. Auch wenn es aktuell noch kein Heilmittel gegen HIV gibt, so versterben im Vergleich zu früher weniger Patienten an den Folgen einer HIV-Infektion. Das gilt jedoch nur für HIV-Patienten in Industrieländern, wo die entsprechenden Medikamente verfügbar sind. Leider ist die Versorgung von HIV-Patienten in armen Ländern wesentlich schlechter, weshalb dort wesentlich mehr HIV-Patienten infolge der Erkrankung des Immunsystems versterben.

Hilft Cannabis gegen die Beschwerden bei HIV?

Cannabis wird seit Langem bei der Behandlung von HIV/AIDS zur Schmerzlinderung und zur Appetitanregung genutzt. Auch bei neuropathischen Schmerzen ist die positive Wirkung der Cannabinoide aus der Cannabispflanze bekannt. Weitere Gründe für Cannabis als Medizin sind die Linderung von Übelkeit und Erbrechen sowie die Verbesserung des Schlafes.

Medizinalhanf gegen Appetitlosigkeit

Das Wasting-Syndrom, unter dem eine ungewollte Gewichtsabnahme um mindestens zehn Prozent verstanden wird, tritt häufig im Krankheitsstadium Kategorie C (AIDS) auf. Dieses geht mit Appetitlosigkeit, andauernden Durchfällen, Fieber und Abgeschlagenheit einher. Daneben kann Appetitlosigkeit aber auch eine Nebenwirkung der medikamentösen HIV-Therapie sein.

Zahlreiche Studien belegen, dass Cannabis eine appetitanregende Wirkung haben kann. So führten beispielsweise Wissenschaftler des Imperial College London im Jahr 2005 eine Umfrage durch. Es wurden insgesamt 523 HIV-positive Patienten befragt. 97 Prozent der Befragten gaben an, dass sich ihr Appetit durch den Cannabiskonsum verbessert habe.

Forscher des College of Physicians and Surgeons of Columbia University in New York kamen nach der Durchführung einer Doppelblind-Studie im Jahr 2007 zu dem Ergebnis, dass sowohl Dronabinol als auch Cannabis den appetitsteigernd wirkte. Je nach Dosis aßen die Probanden häufiger und verzeichneten eine höhere Kalorienaufnahme.

Und auch eine junge Studie aus dem Jahr 2016 von der University of Illinois at Chicago hat gezeigt, dass Dronabinol eine gut verträgliche Option zur Stimulation des Appetits sein kann.

Medizinalhanf gegen Übelkeit

Übelkeit und Erbrechen sind häufige Symptome einer HIV-Infektion und können sich auch als Nebenwirkungen von den HIV-Medikamenten äußern. Cannabinoide aus Cannabispflanze können jedoch die Übelkeit bei HIV-Patienten lindern. So hat die US-Behörde für Nahrungsmittel und Drogen (Food & Drug Administration) sogar Dronabinol (synthetisch hergestelltes THC) als Therapiemethode gegen Übelkeit und Appetitlosigkeit infolge einer Krebserkrankung und HIV-Erkrankung zugelassen.

Eine steigende Zahl an Studienergebnissen zeigt, dass Cannabis als Medizin für manche HIV-Patienten sowie Krebspatienten, die eine Chemo- und/oder Strahlentherapie erhalten, ein wirksames Antiemetikum sein kann. Bereits im Jahr 1975 beschäftigten sich Forscher mit dem Cannabinoid Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und seiner Wirkung gegen Übelkeit und Erbrechen. Im Rahmen einer Doppelblind-Studie erhielten die Probanden, die unter Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie litten, oral THC. Keiner der Probanden musste sich übergeben. Zudem berichteten die Probanden von einer signifikanten Linderung der Übelkeit.

In den darauffolgenden Jahren wurden zahlreiche weitere Studien durchgeführt, die zeigen, wie Cannabinoide THC und Cannabidiol (CBD), gegen Übelkeit und Erbrechen wirksam sein können.

Medizinalhanf gegen Schmerzen und Neuropathien

Im Rahmen einer HIV-/AIDS-Erkrankung treten häufig periphere Neuropathien auf. Wenn einer oder mehrere Nerven des peripheren Nervensystems beschäftigt werden, kann es zu unterschiedlichen Beschwerden wie Schmerzen, Parästhesien, Muskelschwund und Zuckungen kommen.

Wissenschaftler des General Hospitals in San Francisco untersuchten die Wirkung von Cannabis auf neuropathische Schmerzen, die durch eine HIV-Erkrankung ausgelöst wurden.  Die Probanden erhielten im Rahmen der randomisierten, placebokontrollierten Studie entweder Cannabis mit 3,56 Prozent THC oder eine oder eine identische Placebo-Zigarette dreimal täglich fünf Tage lang. Im Ergebnis heißt es, dass Cannabis die täglichen Schmerzen effektiv lindern konnte.

Auch die University of California kam im Jahr 2009 im Rahmen ihrer Doppelblind-Crossover-Studie mit Placebo-Kontrollgruppe zu dem Schluss, dass Cannabis zur Linderung der Symptome von peripheren Neuropathien beitragen kann. Außerdem gaben die Probanden an, dass sich ihre Stimmung als auch ihre gesamte Verfassung im Verlauf der Studie verbessert haben.

Cannabis bei der HIV-Behandlung – weitere interessante Studien

Forscher der University of Louisiana vermuten, dass Cannabis möglicherweise in der Lage sein könnte, die HIV-Ausbreitung im Körper zu hemmen. Laboraffen bekamen über 17 Monate lang eine tägliche Dosis THC und im Ergebnis heißt es, dass dies die Ausbreitung des HI-Virus verlangsamt hatte. Weiter berichteten die Wissenschaftler, dass sich der HI-Virus durch die Infektion und Abtötung der Immunzellen ausbreite und dass bei den Affen nach der THC-Behandlung eine höhere Anzahl gesunder Zellen gefunden wurde als vorher. Studien aus den Jahren 2011 und 2012 hatten eine solche Auswirkung von Cannabis auf die HIV-Erkrankung bereits nahegelegt.

Besonders interessant ist auch eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2017, die an der Virginia State University durchgeführt wurde. Hier heißt es, dass viele HIV-Patienten Cannabis konsumieren und das bekannt ist, dass THC auch das Immunsystem beeinflussen kann. Dabei seien die Auswirkungen des Cannabiskonsums bei HIV-Positiven Menschen nach wie vor umstritten. Die Wissenschaftler ermittelten die Unterschiede in der Lymphozytenanzahl, insbesondere der CD4+ und CD8+ Zellen, bei HIV-Patienten mit und ohne Cannabiskonsumvergangenheit. Dabei fanden die Forscher heraus, dass die THC-Positiven Patienten eine signifikant höhere Anzahl an CD4+ und CD8+ Zellen aufwiesen als ihre THC-Negativen Pendants. Das bedeutet, dass die THC-Positiven Patienten besser Immunwerte besaßen.

Die Ergebnisse dieser Studien deuten darauf hin, dass Cannabis womöglich Einfluss auf den Krankheitsverlauf einer HIV-Infektion haben kann. Generell können die Studienergebnisse als ermutigend bezeichnet werden. Es ist jedoch noch ein sehr langer Weg und es bedarf vieler Forschungen und Untersuchungen, um herauszufinden, wie sich Cannabis tatsächlich auf das Immunsystem und eine HIV-/AIDS-Erkrankung auswirkt.

Hoffnung verspricht eine Studie an der University of Florida. Robert L. Cook kündigte im November 2017 an, dass er beabsichtigt, eine Studie über fünf Jahre zum Thema „Auswirkungen von Medizinalhanf auf HIV-Patienten“ mit 400 Probanden durchzuführen. Dabei will Cook die Wirkung von Cannabis auf das Gehirn der Patienten dokumentieren und herausfinden, wie genau das HI-Virus auf das zugeführte Cannabis reagiert. Zudem soll festgehalten werden, welche Cannabissorten von den Patienten konsumiert werden, wie hoch der THC-Gehalt in den jeweiligen Sorten ist, und welche anderen Cannabinoide enthalten sind. Laut Cook ist das etwas, was anderen Forschern noch nicht gelungen ist.

 

Quellen:

Robert-Koch-Institut, „Welt-AIDS-Tag 2016: Neue Schätzung zu HIV/AIDS“ in Deutschland

Magill Department of Anesthesia, Imperial College London (E.W., A.H.), and HIV/GUM Services (S.B., J.S., J.O., A.D.), Chelsea and Westminster Hospital, London, United Kingdom, Jonathon Samuel et al., 2005, “Cannabis Use in HIV for Pain and Other Medical Symptoms

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