Cannabis als Medizin in der Therapie von Schmerzen

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 31. Dezember 2017

Geändert am: 12. Juli 2018

Bis zu einem Viertel der deutschen Bevölkerung leidet unter chronischen Schmerzen. Am häufigsten kommen Schmerzzustände wie Kopf-, Rücken-, Muskel- und Gelenkschmerzen vor. Viele Schmerzpatienten erhalten stark wirksame Schmerzmedikamente gegen ihr Leiden und werden hiervon abhängig. Auch die starken Nebenwirkungen sind nicht zu unterschätzen. Oftmals müssen zusätzlich weitere Medikamente eingenommen, um die Nebenwirkungen zu reduzieren. Der Einsatz von Cannabis als Medizin gegen chronische Schmerzen kann jedoch eine Schmerztherapie ergänzen und unterstützen. Viele aktuelle Studien sprechen für das therapeutische Potenzial von Cannabis.

Cannabis als Medizin in der Therapie von Schmerzen

Was ist Schmerz?

„Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebeschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird“ – so definiert die Weltschmerzorganisation International Association for the Study of Pain (IASP) den Schmerz. Doch wie entstehen Schmerzen eigentlich?

Bevor ein Schmerz wahrgenommen wird, geht diesem ein Reiz voraus, der beispielsweise durch einen Stoß ausgelöst wird. Im gesamten Körper befinden sich Schmerzrezeptoren (sensible Sinneszellen; die sogenannten Nozizeptoren), angefangen in der Haut über die Muskeln und Gelenke bis hin zu den inneren Organen, die für die Schmerzwahrnehmung verantwortlich sind. Sie reagieren nicht nur auf mechanische Einflüsse, sondern auch auf chemische Reize, Hitze und Kälte sowie auf Botenstoffe, die bei einer Entzündung freigesetzt werden.

Die Schmerzrezeptoren werden durch die schmerzverursachenden Reize aktiviert. Ebenso können aber auch Reize aus dem Inneren des Körpers, wie beispielsweise bei einer Magenschleimhautentzündung, die Schmerzrezeptoren anregen. Diese Reize bzw. Informationen werden dann von den Schmerzrezeptoren an das Rückenmark und das Gehirn weitergeleitet, wo sie verarbeitet werden. Anschließend wird die entsprechende Reaktion ausgelöst.

Wie stark der Schmerz empfunden wird, ist individuell verschieden. Unter einer hohen Stressbelastung schüttet der Körper verschiedene Botenstoffe aus, die dann für eine Reduktion der Schmerzen sorgen. Unter gewissen Umständen treten die Schmerzen dann auf, wenn der Stress vorüber ist.

Welche Schmerzarten gibt es?

In der Schmerzmedizin bzw. Schmerztherapie wird zwischen den folgenden Schmerzarten unterschieden:

Nozizeptorschmerz Von einem Nozizeptorschmerz wird gesprochen, wenn die Schmerzrezeptoren direkt erregt werden, wie zum Beispiel bei einer entzündlichen Gewebsschädigung.
Neuropathischer Schmerz Die Schmerzimpulsauslösung findet lediglich im Schmerzrezeptor (Nervenendigung) statt, wobei die Nervenfasern für die Impulsweiterleitung verantwortlich sind. Neuropathische Schmerzen können einen dumpfen, brennenden, anfallsartigen oder einschießenden Charakter haben. Zu dieser Schmerzart gehört beispielsweise der Ischiasschmerz.
Deafferenzierungsschmerz Dieser Schmerz tritt beim Verlust einer Extremität (Phantomschmerz) oder bei einem Ausriss eines Nervenplexus aus dem Rückenmark.
Reflektorischer Schmerz Zu dieser Schmerzgruppe gehören beispielsweise Schmerzsymptome, die durch eine gestörte Motorik auftreten. So werden die Schmerzrezeptoren durch eine Muskelverspannung erregt. Wiederum verstärken die Schmerzen die Muskelverspannung, sodass ein Teufelskreis beginnt. Im weiteren Verlauf kommt es zu Muskelschmerzen und Muskelverspannungen.
Psychosomatischer Schmerz Ein körperlich empfundener Schmerz kann auch durch seelische Belastungen auftreten. Das ist beispielsweise bei bestimmten Kopfschmerzarten der Fall.
Viszeraler/somatischer Schmerz Je nachdem, wo die Schmerzen entstehen, werden sie in viszerale und somatische Schmerzen unterteilt. Der viszerale Schmerz geht von den Eingeweiden aus, wie zum Beispiel bei einem Magengeschwür. Beim somatischen Schmerz muss zwischen dem Tiefen- und Oberflächenschmerz unterschieden werden. So sind beispielsweise Muskelkrämpfe typische Tiefenschmerzen und eine Reizung der Haut ein Oberflächenschmerz.
Übertragener Schmerz Die Lokalisation des übertragenen Schmerzes ist schwierig. Beispiele für diese Schmerzart sind ein Herzinfarkt, da der Schmerz in der Regel im linken Arm beginnt, oder die Erkrankung der Gallenblase, bei der der Schmerz in die Schulter übertragen wird.
Gutartige chronische Schmerzen Zu den gutartigen chronischen Schmerzen gehören beispielsweise Kopfschmerzen sowie Schmerzen des Bewegungsapparates wie Rückenschmerzen. Dabei wird diese Schmerzart meist durch psychische Einflüsse mitbestimmt.
Muskel-/Weichteilschmerzen Zu dieser Schmerzgruppe gehören die Fibromyalgie mit ausgedehnten Weichteilschmerzen und das myofasziale Schmerzsyndrom, bei dem die Schmerzen auf wenige Körperareale beschränkt sind.
Gemischter Schmerz Beim gemischten Schmerz handelt es sich um eine Kombination aus neuropathischen und nozizeptiven Schmerzen, wie zum Beispiel beim Tumorschmerz oder der Lumboischialgie.
Attackenschmerz Attackenschmerzen treten beispielsweise bei Migräne, Spannungskopfschmerzen oder Rückenschmerzen auf. Sie sind Ausdruck einer wiederkehrenden oder lang andauernden Überlastung des Körpers.

Unterschied zwischen akuten und chronischen Schmerzen

Ein akuter Schmerz ist immer als Warnsignal des Körpers zu betrachten, dass der Körper verletzt oder geschädigt wurde. In der Regel ist der akute Schmerz deshalb auf den Entstehungsort begrenzt, wie zum Beispiel bei einem Armbruch. Dabei hängt die Schmerzintensität vom Ausmaß der Verletzung oder der Schädigung ab. So schmerzt ein Armbruch stärker als eine leichte Prellung. Wenn die Ursache behoben oder geheilt ist, verschwindet der Schmerz von selbst. Von chronischen Schmerzen wird hingegen gesprochen, wenn die Schmerzen seit mindestens drei Monaten bestehen und den Betroffenen beeinträchtigen.

Akute Schmerzen Chronische Schmerzen
Warnsignal des Körpers Funktion als Warnsignal geht verloren
Beschränkung auf den verletzten/erkrankten Körperteil Fortbestehen der Schmerzsymptomatik trotz geheilter Ursache
Schmerzintensität hängt vom Ausmaß der Verletzung/Schädigung und des Entstehungsortes ab Ursachen sind meist nicht erkennbar
Abklingen des Schmerzes nach Heilung Eigenständige Erkrankung

Chronische Schmerzen und die Entstehung des Schmerzgedächtnisses

Wenn die Schmerzen über einen längeren Zeitraum andauern und nicht behandelt werden, kann der Körper ein Schmerzgedächtnis entwickeln. Die Schmerzimpulse werden über die Nervenbahnen durch den Körper geleitet, und wenn sie ständig gereizt sind, verselbstständigen sich die Schmerzen. Wenn im Körper beispielsweise eine Entzündung besteht, senden die Nervenzellen im Rückenmark ein entsprechendes Signal an das Gehirn.

Tritt nun dieser Schmerzreiz immer wieder auf, so reagieren die Nervenzellen jedes Mal stärker, und zwar auch dann, wenn der Schmerzreiz nicht stärker wird. Es werden dann ständig Signale an das Gehirn weitergeleitet. Mediziner sprechen dann davon, dass die Nervenzellen spontanaktiv werden und dass es keinen Schmerzreiz mehr braucht, um die Nervenzellen zu befeuern. Obwohl die Entzündung abgeheilt ist, bleiben die Schmerzen, da die Nervenzellen dem Gehirn weiterhin Signale schicken.

Forscher haben außerdem entdeckt, dass chronische Schmerzen die genetische Aktivität der Nervenzellen beeinflussen können. Infolge dessen bilden sich neue Eiweißketten, wodurch sich die Zellmembrane derartig verändern, dass die Nervenzellen noch schneller reagieren und die Schmerzintensität stärker wird.

Schmerztherapie zur Reduktion von Schmerzen

Chronische Schmerzen zu behandeln, ist oft nicht einfach, da es sich hier um eine komplexe Erkrankung handelt, die einer ebenso komplexen Therapie bedarf. Dementsprechend gibt es nicht die eine Therapie, um chronische Schmerzen zu behandeln. Welche Therapien und Behandlungsverfahren geeignet ist, muss immer individuell entschieden werden. In der Regel verspricht eine Kombination aus unterschiedlichen Verfahren (multimodale Therapie) den größten Erfolg. Mögliche Therapiemethoden sind beispielsweise:

Physikalische Therapie (Physiotherapie) Hierunter werden verschiedene Behandlungsformen wie Bewegungstherapie, Krankengymnastik, Sport-/Ergotherapie, Massage, Wasseranwendungen, Wärme- oder Kälteanwendungen zusammengefasst, um verschiedene chronische Schmerzen zu behandeln.
Psychologische Therapie Bei der Entstehung als auch bei der Chronifizierung von Schmerzen spielen psychosoziale Faktoren eine wichtige Rolle. So leiden viele Schmerzpatienten an Depressionen, die das Schmerzsyndrom verstärken und aufrechterhalten können. Zum Einsatz kommt hier eine Schmerzpsychotherapie (kognitiv-verhaltensmedizinische Therapie).
Invasive Therapieverfahren Je nach Schmerzart werden invasive (eingreifende) Therapieverfahren angewendet, wie zum Beispiel Injektionen oder Nervenstimulation.
Komplementäre Verfahren Bei den komplementären Therapieverfahren geht es darum, Schmerzen ergänzend alternativ zu behandeln. Das können beispielsweise Naturheilverfahren oder Therapien aus der Traditionellen chinesischen Medizin (TCM) sein. Ebenso können chronische Schmerzen auch homöopathisch behandelt werden. Weitere Verfahren sind beispielsweise Akupunktur, Akupressur, Osteopathie oder Reflextherapien.

Medikamentöse Behandlung von chronischen Schmerzen

Die Behandlung von chronischen Schmerzen mit Medikamenten spielt in der Schmerzmedizin neben den oben genannten Therapieverfahren eine bedeutende Rolle. Mithilfe von entsprechenden Arzneimitteln sollen die Schmerzpatienten zum einen möglichst schnell wieder aktiv werden und zum anderen sollen andere Behandlungsmaßnahmen durch die Reduktion der Schmerzen erleichtert werden. Für die Behandlung von chronischen Schmerzen stehen die folgenden Gruppen von Medikamenten zur Verfügung.

Schmerzmedikamente und entzündungshemmende Medikamente

Zu den klassischen Schmerzmedikamenten (Analgetika) gehören Wirkstoffe wie Paracetamol, die schmerzlindernd und gleichzeitig fiebersenkend wirken. Eine wesentlich stärkere entzündungshemmende Eigenschaft haben die sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen. Problematisch ist bei dieser Wirkstoffklasse, dass sie unerwünschte Nebenwirkungen haben, die insbesondere die Magen-Darm-Schleimhaut betreffen. Auch der Blutdruck sowie die Nieren werden von diesen Medikamenten beeinflusst. Grundsätzlich gilt, dass sich diese Arzneimittel nicht für die Langzeitbehandlung eignen, sondern nur für den kurzfristigen Einsatz und das auch nur mit möglichst geringen Dosen.

Antikonvulsiva/Antiepileptika

Je nach Schmerzart, insbesondere bei Nervenschmerzen, werden krampflösende Medikamente (Antikonvulsiva) wie Gabapentin, Lamotrigin oder Topiramat verordnet. Ursprünglich fanden diese bei der Epilepsie-Behandlung Anwendung. Inzwischen ist aber bekannt, dass sie bestimmte Schmerzprozesse beeinflussen können. So ist beispielsweise Topiramat zur Migräneprophylaxe und Carbamazepin für die Behandlung von neuralgischen Schmerzen zugelassen. Häufig beobachtete Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Ataxie und Schwindel. Hinzu kommt, dass laut der Food and Drug Administration (FDA) die Suizidneigung erhöhen kann. Die US-amerikanische Zulassungsbehörde hatte elf Wirkstoffe untersucht und laut der Studie steigt die Häufigkeit von Selbstmordgedanken  und -verhalten von 0,24 Prozent auf 0,43 Prozent an. Aus diesem Grund sind in den Beipackzetteln entsprechende Warnhinweise zu finden.

Opioide

Opioide sind die Abkömmlinge des Morphins und sind sehr starke Schmerzmittel. Häufig wird in der Schmerzmedizin Morphin verwendet, das aus dem Saft des Schlafmohns gewonnen wird. Durch die chemische Abwandlung des Pflanzenwirkstoffes (Alkaloid) aus dem Schlafmohn entstehen halbsynthetische Opioide, wie zum Beispiel Hydromorphon. Wirkstoffe wie Tilidin, Tramadol oder Fentanyl sind hingegen vollsynthetische Opioide. Unterteilt werden Opioide auch in schwächer wirkende und stark wirkende Opioide. Zu den schwächer wirkenden Opioiden gehören zum Beispiel Tilidin oder Dihydrocodein und zu den stärkeren Opioiden Morphin, Fentanyl, Oxycodon und Buprenorphin. Diese Opioide unterliegen der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV). Hingegen können Ärzte schwächer wirksame Opioide auf einem normalen Rezept verschreiben.

Nicht jeder Patient profitiert von diesen starken Schmerzmitteln. Bei Tumorschmerzen ist die Wirkung in der Regel sehr gut. Hingegen bewirken sie langfristig lediglich bei der Hälfte der chronischen Schmerzpatienten eine Verbesserung. Hinzu kommen unerwünschte Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung. Oftmals ist es erforderlich, weitere Medikamente einzusetzen, um die Nebenwirkungen erträglich zu machen.

Antidepressiva

In der Schmerztherapie kommen Antidepressiva sehr häufig zum Einsatz, da sie in niedriger Dosierung die Schmerzverarbeitung beeinflussen können. Auch die Weiterleitung der Schmerzimpulse kann mithilfe von Antidepressiva gebremst und die Schmerzhemmung beeinflusst werden. In der Regel wird hier das trizyklische Antidepressivum Amitriptylin oder aber Wirkstoffe aus der Gruppe der Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer verschrieben. Doch auch diese Medikamente sind nicht nebenwirkungsfrei. Typische Nebenwirkungen sind unter anderem Mundtrockenheit, Müdigkeit, Magen- und Darm-Beschwerden.

Cannabis als Medizin in der Schmerztherapie

Die Cannabispflanze enthält eine Vielzahl an unterschiedlichen Pflanzenverbindungen (Cannabinoide) wie Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), die unter anderem schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften besitzen. Wenn diese dem Körper zugeführt werden, interagieren die Pflanzenverbindungen mit dem (körpereigenen) Endocannabinoidsystem, dessen Rezeptoren über den gesamten Körper verteilt sind und die bei vielen physiologischen Prozessen wie dem Schmerzmanagement, dem Gedächtnis und dem Appetit eine wichtige Rolle spielen.

Neben den Cannabinoiden enthält die Cannabispflanze auch zahlreiche Terpene, wie zum Beispiel Beta-Caryophyllen, Beta-Myrcen und Alpha-Pinen, denen ebenfalls eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung nachgesagt werden und das Potenzial von Cannabis als Medizin bei der Behandlung von chronischen Schmerzen erhöhen.

Wie wirkt Cannabis gegen Schmerzen?

Das Rückenmark ist in der Lage, Schmerzimpulse abzuschwächen oder zu verstärken, bevor sie in das Bewusstsein gelangen und der Schmerz wahrgenommen wird. Diese Funktion des Rückenmarks wird als Torkontrolle bezeichnet. Cannabinoide können diese Torkontrolle verändern, indem sie die Schmerzimpulse abschwächen. Hingegen wirken konventionelle Schmerzmedikamente an anderen Orten im Nervensystem und setzen nicht im Rückenmark an.

Vielmehr setzen sie an den peripheren Nerven an, die zum Rückenmark entweder hinführen oder wegführen. Zwar wirken Cannabinoide hier auch, aber nur in geringem Maße. Aus diesem Grund können sich Cannabinoide und Schmerzmittel auch ergänzen. Opioide wirken genau wie Cannabinoide zentral im Rückenmark, jedoch existieren hier Unterschiede. Denn Opioide erschlagen wortwörtlich die Schmerzweiterleitung, wohingegen Cannabinoide die Schmerzweiterleitung bremst.

Die Wirkung der Cannabinoide kann man mit einem einfachen Beispiel beschreiben: Wenn wir uns in den Finger schneiden, spüren wir zunächst einen starken Schmerz, der aber von selbst wieder nachlässt. Für dieses Nachlassen der Schmerzen sind die körpereigenen Cannabinoide verantwortlich und durch die zugeführten Cannabinoide aus der Cannabispflanze wird diese Wirkung noch verstärkt. Vor allem bei chronischen Schmerzen haben sich Cannabinoide als hilfreich erwiesen, da sie das entgleiste körpereigene Regulationssystem modulieren können.

Alternative Schmerztherapie mit Cannabis

Seit März 2017 dürfen Ärzte jeder Fachrichtung Cannabis als Medizin auf einem Betäubungsmittelrezept verschreiben und Patienten können bei ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. In Deutschland sind aktuell folgende Cannabismedikamente auf Rezept erhältlich:

  • Cannabisblüten verschiedener Importeure zum Inhalieren
  • Canemes mit dem Wirkstoff Nabilon in Tablettenform
  • Sativex mit dem Wirkstoff Naxibimol als Mundspray
  • Dronabinol (THC-Öl)
  • Cannabis-Vollspektrum-Extrakte von Tilray

Verordnet wird Cannabis als Medizin am häufigsten bei den folgenden Beschwerde- und Krankheitsbildern:

CBD-Öl gegen chronische Schmerzen

CBD ist ein nicht psychoaktives Cannabinoid aus der Cannabispflanze und deshalb eine legale Substanz. Zwar ist die CBD-Wirkung noch nicht so gut erforscht wie es beim THC der Fall ist, dennoch gibt es bereits Studien und zahlreiche Erfahrungsberichte von Schmerzpatienten, die einen schmerzlindernden und entzündungshemmenden Effekt beschreiben. So kann CBD-Öl die Schmerztherapie ergänzen und unterstützen.

Da CBD-Öl nicht berauschend wirkt, kann es zu jeder Tageszeit eingenommen werden. Aufgrund der nervenschützenden, krampflösenden und entzündungshemmenden Eigenschaften ist CBD-Öl vielseitig einsetzbar. Ggf. kann das CBD-Öl auch den Bedarf an konventionellen Schmerzmitteln reduzieren. Dies sollte jedoch nur in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

In Deutschland kann CBD-Öl legal gekauft werden, da es kein THC enthält. Beim Kauf selbst ist insbesondere auf den Reinheitsgrad zu achten. So sollte das CBD-Öl aus mehr als 99 Prozent CBD bestehen und keine Zusätze enthalten. Empfehlenswert sind hier Bio-Produkte, die nach den ISO- und GMP-Richtlinien hergestellt wurden.

Nebenwirkungen bei der Anwendung von pharmazeutischem Cannabis

Im Allgemeinen ist Cannabis gut verträglich und zeigt keine körperlichen Langzeitnebenwirkungen. Akute Nebenwirkungen bei der Verwendung können sich in Form von folgenden Symptomen äußern:

  • Blutdruckabfall
  • Beschleunigung der Herzfrequenz
  • Mundtrockenheit
  • Bindehautreizung
  • psychischer Effekt wie High-Gefühl oder beruhigender Effekt je nach Cannabismedikament und Dosierung

Gegen diese Symptome baut der Körper in aller Regel relativ schnell eine Toleranz auf, sodass sie bei regelmäßiger Anwendung kaum oder gar nicht mehr spürbar sind. Um die Atemwege nicht zu schädigen, wird empfohlen, die Cannabisblüten mithilfe eines Vaporizers (Verdampfer) zu inhalieren und nicht mit Tabak als Joint zu rauchen.

Für folgende Personengruppen ist die Verwendung von Cannabis als Medizin in der Regel nicht geeignet:

  • Schwangere und stillende Mütter
  • Kinder vor der Pubertät
  • Patienten mit Herzerkrankungen
  • Patienten mit Psychosen

 

Quellen:

Deutsche Schmerzliga e.V.,2017, „Chronischer Schmerz: Daten, Fakten, Hintergründe

Deutsches Ärzteblatt, 2008, „Suizidrisiko bei Einnahme von Antiepileptika

Deutsches Ärzteblatt, Grotenhermen, Franjo; Müller-Vahl, Kristen, 2012, „Das therapeutische Potenzial von Cannabis und Cannabinoiden

Deutsches Ärzteblatt, Nickolaus, Barbara, 2002, „Chronische Schmerzen: Cannabis verhindert Schmerz und Spastik

Department of Biotechnology and Bioscience, University of Milano-Bicocca, piazza della Scienza 2, 20126 Milano, Italy, Costa B1 et al., 2007, “The non-psychoactive cannabis constituent cannabidiol is an orally effective therapeutic agent in rat chronic inflammatory and neuropathic pain

Department Anesthesia, Psychiatry, Dalhousie University, Halifax, Canada, Lynch ME1, Campbell F., 2011, “Cannabinoids for treatment of chronic non-cancer pain; a systematic review of randomized trials

Department of Physiology and Pharmacology Vittorio Erspamer, Faculty of Pharmacy and Medicine, Sapienza University of Rome, Italy, Esposito G1, 2013, “Cannabidiol in inflammatory bowel diseases: a brief overview

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