Cannabis-Rezepte: Deutschlands Süden liegt vorn

Autor: Gesa Riedewald

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Bayern und Baden-Württemberg sind Spitzenreiter bei den Cannabis-Verordnungen. Am wenigsten dagegen verschreiben die Ärztinnen und Ärzte in Sachsen Cannabis auf Rezept. Besonders beliebt sind inzwischen cannabishaltige Rezepturarzneimittel. Cannabisblüten werden zwar nicht am häufigsten verschrieben, sie sorgen aber für einen hohen Umsatz.

Cannabis-Rezepte: Deutschlands Süden liegt vorn

In den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg werden wesentlich mehr Cannabis-Rezepte ausgestellt als im Rest Deutschlands. Cannabisblüten werden zwar seltener als Zubereitungen verschrieben, Blüten sind aber besonders umsatzstark. Das zeigen Analysen des Informationsdienstleisters INSIGHT Health.

Hohe Ausgaben der GKV für Cannabisblüten

Seit der Zulassung als Arzneimittel im März 2017 wächst der Umsatz mit Cannabis-Produkten in Deutschland deutlich. Von Juli bis September 2018 erzielten Cannabisblüten und cannabishaltige Zubereitungen (ohne Fertigarzneimittel) einen Umsatz von über 17 Millionen Euro innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Das entspricht nahezu einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Dieser Trend zeichnete sich bereits im Sommer ab. Denn da ermittelte die GKV mit Abstand die größte Steigerung ihrer Ausgaben für Cannabis als Medizin bei den unverarbeiteten Cannabisblüten. Darüber hinaus hatte sich der Bruttoumsatz zwischen Juni 2017 und April 2018 mehr als verfünffacht. (Leafly.de berichtete.)

Auf Cannabisblüten entfallen zwar weniger Cannabis-Rezepte als auf Zubereitungen (Rezepturarzneimittel), sie erzielen aber den größeren Umsatz. Das belegen auch die Daten der gesetzlichen Krankenversicherungen.

Im Süden werden mehr Cannabis-Rezepte vergeben

In Deutschland gibt es starke regionale Unterschiede bei den Rezepten für cannabishaltige Zubereitungen und Cannabisblüten. Laut INSIGHT Health werden die meisten Rezepte pro GKV-Versicherten in Bayern und Baden-Württemberg ausgestellt. An zweiter Stelle liegen das Saarland und Hamburg, gefolgt von Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Das Schlusslicht in Deutschland beim Verschreiben von Cannabis auf Rezept ist Sachsen. Danach folgen Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.

Aufgrund der starken regionalen Unterschiede innerhalb Deutschlands bilanziert INSIGHT Health-Experte Oliver Hammel:

“Es ist möglich, dass in bestimmten Regionen Deutschlands noch Wachstumspotenzial für cannabishaltige Arzneimittel besteht.“

Rezepturarzneimittel beliebter als Fertigarzneimittel

Pharmazeutisches Cannabis wird in drei Formen auf den Markt gebracht: als Fertigarzneimittel, als Zubereitung (Rezepturarzneimittel) und als Cannabisblüten. Die Fertigarzneimittel, beispielsweise Sprays oder fertige Kapseln, beherrschten nach der Legalisierung von Cannabis als Medizin den Markt. Im Jahr 2018 stagniert das Wachstum in diesem Bereich jedoch. Ab Mitte 2018 hat die Zahl der Verordnungen cannabishaltiger Zubereitungen die Verordnungen von Fertigarzneimitteln klar überholt. Zubereitungen (Rezepturarzneimittel) sind vom Apotheker hergestellte Medikamente, etwa in Form von Kapseln oder Tropfen.

Cannabispatienten im Durchschnitt 55 Jahre alt

Die INSIGHT Health-Daten zeigen auch, dass das Klischee des „jungen Kiffers“, der sich seine Drogen über Rezept besorgen will, nicht der Realtität entspricht. Denn der Altersdurchschnitt der Cannabispatienten liegt bei 55 Jahren. Weibliche Patientinnen sind mit 58,6 Jahren im Durchschnitt etwas älter als die männlichen Patienten. Die Männer haben ein Durchschnittsalter von 52,5 Jahren.

INSIGHT Health ist einer der führenden Informationsdienstleister im Gesundheitsmarkt mit Sitz in Waldems-Esch und Niederlassungen in Berlin, Wien und Baar.

Foto: obs/Insight Health

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