München: Cannabis Social Club für Medizinalhanf

Autor: Gesa Riedewald

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In München fordert die Ortsgruppe des Deutschen Hanfverbandes (DHV) den legalen Anbau von Medizinalhanf. Grund sind die anhaltenden Lieferengpässe bei den Importeuren von Cannabisblüten – dadurch ist die Versorgungslage vieler Cannabispatienten schlecht. Experten fürchten, dass sich die Situation in Zukunft sogar noch verschärfen wird.

München: Cannabis Social Club für Medizinalhanf

Cannabis Social Club München

Die Ortsgruppe München des Deutschen Hanfverbandes (DHV) hat einen Antrag für die Gründung eines Cannabis Social Club bei der Stadt eingereicht, um Medizinalhanf im Rahmen eines Modellprojektes anzubauen. Gleichzeitig haben die Aktivisten eine Online-Petition für das medizinische Cannabis-Modellprojekt gestartet, die noch bis zum 5. Juni unterzeichnet werden kann.

Versorgunglücke von Cannabispatienten

Leafly.de hat bereits mehrfach über die Lieferengpässe bei Cannabisblüten berichtet. Dadurch sind einzelne Blütensorten teilweise in den Apotheken nicht verfügbar. Und die Lieferengpässe können selbst todkranke Menschen treffen. Bisher wird der deutsche Bedarf an Medizinalhanf komplett durch Importe aus Kanada und den Niederlanden gedeckt.

Ziel der Bundesregierung war, ab 2019 medizinische Cannabisblüten in Deutschland zu ernten. Da das Oberlandesgericht Düsseldorf aber kürzlich das Vergabeverfahren für den Anbau von Cannabis gestoppt hat, ist dieser Zeitplan passé. Die Versorgungslage von Cannabispatienten wird sich daher in absehbarer Zeit nicht verbessern.

„Cannabispatienten haben das Recht auf eine lückenlose medizinische Versorgung. Diese ist aktuell nicht gewährleistet und zukünftig weiter fraglich. Das im Modellprojekt produzierte Cannabis soll Versorgungssicherheit bei Münchener Patienten gewährleisten“, erklärt der Sprecher des Hanfverbands München, Micha Greif.

„Cannabis Social Club“ in München

Wie stellen sich die Münchner Aktivisten den Anbau und die Abgabe von Medizinhanf konkret vor?

  • Die Idee ist ein „Cannabis Social Club“, der an einem gesicherten Ort betrieben wird
  • Die Behörden sollen den Club in puncto Qualität und Sicherheit überwachen
  • Mitglied werden dürfen alle Münchner Cannabispatientinnen und -patienten
  • Anbau, Ernte und Weiterverarbeitung der Cannabisblüten wird durch geschultes Personal erfolgen
  • Mitglieder dürfen nicht mehr als die medizinisch indizierte Eigenbedarfsmenge gegen einen Kostenbeitrag erhalten
  • Der Handel mit Cannabis sowie die Abgabe an Dritte, insbesondere Minderjährige, bleibt weiterhin illegal
  • Die Abgabe der Cannabisblüten erfolgt über die Apotheken
  • Die Apotheken übernehmen weiterhin die bisherigen Identitätsprüfungen

„Wir möchten, dass Apotheker eine faire Bezahlung bekommen“, so Greif.

Versorgungslage mit Cannabis könnte sich weiter verschlechtern

Experten befürchten, dass sich die Importprobleme noch verschärfen, denn in Kanada wird Cannabis als Genussmittel ab Juli legalisiert. Der DHV zitiert den Gesundheitsexperten Erwin Rüddel (CDU), demnach der legale Verkauf von Cannabis die Lieferung von Cannabis als Medizin nach Deutschland ausschließe. Das sei auch der Grund, warum kein Import aus Uruguay genehmigt worden sei.

Der Hanfverband München kritisiert, dass sich aufgrund der schlechten Versorgungslage viele Patientinnen und Patienten auf dem Schwarzmarkt mit Cannabis versorgen. „Sinnvoller wäre ein Eigenanbau“. Ein „Cannabis Social Club“ liege daher im öffentlichen Interesse und verfolge Zweck und Ziel des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG), weil es – anders als der Schwarzmarkt – Cannabis in gleichbleibender Qualität anbieten könne. Medizinalhanf würde im „Cannabis Social Club“ auf Qualität und THC-Gehalt geprüft werden und sei frei von gesundheitsgefährdenden Streckmitteln und anderen Verunreinigungen. Darüber hinaus sei die Produktion preisgünstig möglich.

Bisherige Vorschläge zu Cannabis-Modellprojekten wurden von der Bundesregierung mit dem Argument abgelehnt, dass sie weder zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung beitragen würden, noch den Drogenmissbrauch verhindern könnten.

Nicht so bei ihrem Antrag, argumentiert der Hanfverband München: „Unser Vorschlag würde die medizinische Versorgung einer chronisch unterversorgten Gruppe von Patientinnen und Patienten verbessern und den Missbrauch verhindern.“

 

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