Cannabisbericht: Hohe Nachfrage bei Medizinalhanf

Cannabis-Experten beobachten den europäischen Markt für Cannabis als Medizin genau. Sie erwarten in den kommenden Jahren ein rasantes Wachstum. Die Zahlen der Cannabis-Patienten sollen in Italien, den Niederlanden und Deutschland bis Ende des Jahres auf 225.000 ansteigen. Die Experten betonen allerdings auch die Wichtigkeit von verlässlichen, klinischen Studien.

Cannabisbericht: Hohe Nachfrage bei Medizinalhanf

Die stark steigenden Zahlen von Cannabis-Patienten und die Änderungen bei der Gesetzgebung haben zu einer Trendwende beim Einsatz von medizinischem Cannabis in Europa geführt. Das geht aus einem neuen Cannabisbericht der Cannabis-Experten Prohibition Partners in Davos hervor. Dieser „European Cannabis Report“ ist laut Prohibition Partners die umfassendste Überprüfung der führenden Cannabis-Märkte in Europa. Er prognostiziert ein Wachstum auf Rekordniveau für die kommenden Jahre.

Der Cannabis-Bericht prognostiziert, dass die Patientenzahlen in Italien, den Niederlanden und Deutschland von 130.000 Patienten auf 225.000 Patienten im Jahr 2019 ansteigen werden. Darüber hinaus erwarten die Experten, dass der Gesamtmarkt für medizinisches Cannabis bis 2028 auf 58 Milliarden Euro ansteigen wird.

Cannabis als Medizin ist in mittlerweile 14 Ländern Europas legal

Der Bericht weist auf eine Welle von Gesetzesänderungen hin. Das Bewusstsein für potenzielle gesundheitliche Vorteile von Cannabis-Produkten wird als wichtiger Wachstumstreiber hervorgehoben.

Im Jahr 2018 legalisierte das Vereinigte Königreich verschreibungspflichtiges Cannabis, ebenso wie Portugal und Malta. Mittlerweile gibt es 14 Länder in Europa, die Cannabis als Medizin legalisiert haben. Die EU-Gesetzgeber haben die Grundlagen für ein europaweit harmonisiertes Regelwerk für die Verwendung von pharmazeutischem Cannabis gelegt. Auch die französische Behörde für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte hat kürzlich den medizinischen Wert von Cannabis anerkannt.

Markt für pharmazeutisches Cannabis wächst

Für das Jahr 2028 erwartet der Davos-Bericht, dass die führenden Märkte für medizinisches Cannabis – Deutschland, Italien und die Niederlande – in eine 18-Milliarden-Euro-Industrie expandieren werden.

Dazu erklärt Stephen Murphy, Mitbegründer von Prohibition Partners:

„Der europäische Cannabis-Markt befindet sich in einem Umbruch, getrieben von der rasanten Nachfrage. Dies hat die nationalen Regierungen auf dem gesamten Kontinent zum Handeln gezwungen und Europa ist bereit, zu einer Hochburg für die medizinische Entwicklung zu werden.“

Murphy glaubt auch, dass der durch politische Ereignisse hervorgerufene Wandel als Katalysator für weiteres Wachstum wirken kann.

„Die meisten Länder stützen ihren rechtlichen Status auf Drogenkonventionen der WHO/UN. Die WHO prüft jetzt den rechtlichen Status von Cannabis neu und EU-Ausschüsse prüfen, wie der Cannabiskonsum international reguliert werden kann. Dies wird in den nächsten Jahren ein rasches Wachstum bewirken.“

Der Cannabisbericht zeigt, dass der Löwenanteil des Wachstums von den deutschen und italienischen Märkten kommen wird. Diese sind nach den Niederlanden der zweit- und der drittgrößte europäische Markt. Der deutsche Markt hat derzeit einen geschätzten Wert von 133 Millionen Euro und soll bis 2020 einen Wert von über einer Milliarde Euro erreichen.

Murphy sagt: „Deutschland hat medizinischen Cannabis im Jahr 2017 legalisiert, und die Patientenzahlen sind von 1.000 auf über 40.000 gestiegen. Eine breitere Palette von Erkrankungen kann in Deutschland behandelt werden und eine Reihe von Cannabis-Produkten ist verfügbar. Dies stärkt den Wert des deutschen Marktes für medizinisches Cannabis und wird ihm ermöglichen, mit beeindruckender Geschwindigkeit zu wachsen.“

Cannabisbericht: Vielen Ländern fehlt die Infrastruktur

Der Bericht weist zwar auf eine hohe Patientennachfrage hin, erklärt jedoch auch, dass in vielen Ländern der Zugang zu Cannabis als Medizin noch beschränkt ist. Medizinalcannabis ist seit einigen Jahren in mehreren europäischen Ländern legal. Der Davos-Bericht zeigt jedoch, dass nur sehr wenige Länder über die Infrastruktur oder die entsprechenden Rechtsvorschriften verfügen, um die Patienten zu versorgen. Mit Ausnahme der Niederlande und Israel sind die Länder auf Cannabisimporte angewiesen. Dies trifft bisher auch auf Deutschland zu.

„Obwohl wir wissen, dass Cannabis über 60 Erkrankungen behandeln kann, fehlen uns die klinischen Daten, die für die Ausschöpfung des vollen Marktpotenzials von Bedeutung sind. Zuverlässige, reproduzierbare Forschung wird von entscheidender Bedeutung sein, um die konservativen Regierungen zu einer Reform zu bewegen.“

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