Cannabisbranche: Startups in Deutschland

Deutsche Startups in der Cannabisbranche hoffen auf die Legalisierung von Cannabis und wittern hier das große Geschäft. Wettbewerbsökonom Justus Haucap und Startup-Unternehmer Sebastian Diemer sehen im Cannabisgeschäft einen Milliardenmarkt.

Cannabisbranche: Startups in Deutschland

Deutsche Startups wittern in der Cannabisbranche einen Milliardenmarkt, auch ohne Legalisierung, heißt es in einem Medienbericht. Erzählt wird von dem deutschen Startup-Millionär Sebastian Diemer, der in Toronto bei den Cannabis-Awards zu Gast war. Diemer schätzt ein, dass sich in den nächsten zehn Jahren auch in Europa und Deutschland ein Milliardenmarkt für Cannabis entwickeln wird – vor allem für Medizinalcannabis.

„Europa wird mit Abstand der weltweit größte Markt für pharmazeutisches Cannabis sein“, so Diemer.

Weiter erklärte Diemer, dass der Cannabismarkt bis zum Jahr 2028 laut dem Bericht von Prohibition Partners ein Marktvolumen von 55 Milliarden Euro erreichen wird. Deshalb gründete er im Dezember 2018 das deutsche Startup Farmako, das inzwischen ein siebenstelliges Investment eingesammelt hat laut dem Bericht.

Cannabisbranche in Deutschland

Diemer ist nicht allein. Auch viele andere deutsche Unternehmer wittern das große Geschäft in der Cannabisbranche. Nach eigenen Angaben des Deutschen Hanfverbandes rufen regelmäßig Unternehmer an, die sich über das Potenzial des Cannabismarktes informieren möchten. Justus Haucap, ein Wettbewerbsökonom, bestätigt den Trend.

„Es herrscht eine gewisse Goldgräberstimmung auf dem Cannabis-Markt. Das erklärt sich auch dadurch, dass international gerade Zug um Zug eine Legalisierung stattfindet — sei es in Kanada, Kalifornien oder Michigan“, führte Haucap aus.

Das Cannabisgeschäft in Deutschland ist ein „schwieriges Unterfangen“. Denn Medizinalhanf ist hier streng reguliert und die Hürden sind hoch. Der GKV-Spitzenverband gibt in einem Bericht an, dass rund 128 000 Cannabisrezepte in dem Zeitraum Januar bis September 2018 ausgestellt wurden. Dies entspricht einem Umsatz von rund 51 Millionen Euro. Zwar ist das gemessen an den Umsätzen in Kanada sehr wenig, die Nachfrage in Deutschland steigt jedoch rasant.

Legalisierung würde die Cannabisbranche beflügeln

Viele Unternehmen, die in den Medizinalhanf-Markt einsteigen, hoffen auf die Legalisierung in Europa und Deutschland. Damit hätten sie schon jetzt einen Startvorteil. Wie dieser Markt aussehen könnte, zeigt Haucap in seiner Studie „Die Kosten der Cannabis-Prohibition in Deutschland“, die vom Deutschen Hanfverband beauftragt wurde. Wenn die Deutschen jedes Jahr 250 Tonnen Cannabis verbrauchen, ergebe das einen Bruttoumsatz von 2,5 Milliarden Euro. Und dies sei noch eine konservative Schätzung.

Laut Haucap würde auch der deutsche Staat ordentlich verdienen. So könnte die Cannabis-Legalisierung in Deutschland ungefähr 1,3 Milliarden Euro an Steuereinnahmen bringen. Zudem wäre die Schaffung von über 19 000 Arbeitsplätzen möglich.

Ausländische Konkurrenz schläft nicht

Fraglich ist, ob die deutschen Startups und Pharmaunternehmen gegen die ausländische Konkurrenz ankommen. Denn diese haben deutlich mehr Erfahrung. Außerdem dreht sich in der Cannabisbranche nicht alles um den Import und die Forschung. Viel wichtiger wäre hier dann der Cannabisanbau.

Cannabisanbau in Deutschland

Läuft alles wie geplant, kann in Deutschland im Jahr 2020 die erste Cannabisernte eingefahren werden (Leafly berichtete). Florian Rister vom Deutschen Hanfverband erklärte jedoch, dass die „Karten hierbei unfair gemischt seien“.

„Die Vergabekriterien bevorteilen Unternehmen, die schon Erfahrung im Anbau von Arzneipflanzen haben. Das schafft einen Markt, in dem große Pharmaunternehmen und ausländische Firmen den Kuchen unter sich aufteilen. Startups haben da keine Chance“, so Rister.

Darüber hinaus führte Rister aus, dass die Unternehmen in der Cannabisbranche zu Beginn vermutlich erst ein Minusgeschäft erwartet. Denn die erlaubten Verkaufsmengen seien viel zu gering. Startups könnten sich dies kaum leisten.

Cannabisprodukte als neues Feierabendbier?

Sebastian Diemer will sich mit seinem Startup Farmako weniger mit dem Cannabisanbau beschäftigen. Er legt den Fokus auf die Erforschung von Cannabisblüten und -ölen. Damit will er mittelfristig die Preise drücken. Zudem baut Diemer gerade das Schwesterunternehmen Good Company auf, das sich auf frei verkäufliche CBD-Produkte konzentriert.

„Cannabis-Produkte könnten das neue Feierabendbier werden: Sie haben die gleiche entspannende Wirkung, aber ohne die negativen Effekte“, erklärte Diemer.

So seien von CBD-Ölen über Chips und Gummibärchen bis hin zu Sekt alles möglich, führte er weiter aus. In Kanada boomt längst das Cannabis-Geschäft. Seit der Legalisierung eröffnen immer mehr Geschäfte, wie zum Beispiel der Cannabis-Shop „Fire an Flower“, das an eine Luxus-Boutique erinnert. Die Cannabisbranche wandelt sich: Weg vom Kiffer-Klischee hin zum Lifestyle-Produkt.

 

Ähnliche Artikel