Kein Cannabisöl für britischen Schriftsteller

Der britische Schriftsteller James Coke ist an Multiple Sklerose erkrankt und kann die Symptome mit Cannabisöl lindern. Obwohl Medizinalcannabis seit Ende letzten Jahres verordnungsfähig ist, bekommt er nicht seine dringend benötigte Medizin.

Kein Cannabisöl für britischen Schriftsteller

Wir haben bereits Ende März über den 17-jährigen Bailey aus dem Vereinigten Königreich berichtet, der um sein dringend benötigtes Cannabisöl kämpft. Obwohl das Vereinigte Königreich Ende letzten Jahres Cannabis als Medizin freigab, steht diese Therapieoption kaum jemandem zur Verfügung.

Der britische Schriftsteller James Coke berichtet nun, dass er hocherfreut war, als damals der Innenminister Sajid Javid ankündigte, dass pharmazeutisches Cannabis ab November 2018 auf Rezept erhältlich sein wird. Lange Zeit konnte James die Symptome der Multiplen Sklerose mit (illegal beschafftem) Cannabis lindern. Nach der Verkündung von Javid, dachte er, dass nun viele andere  von der Veränderung profitieren können. So hatte James gehofft, nun legal Cannabisöl auf Rezept zu erhalten. Doch die Tür bleibt immer noch fest geschlossen, heißt es in seinem Bericht.

Nachdem James vor kurzem umgezogen war, hat er sich bei einem neuen Arzt registriert und gefragt, ob er das Cannabisöl für seine Schmerzbehandlung bekommen könne. Die Forderung nach THC-haltigem Öl sei mit Ungläubigkeit und einem Vortrag über die möglichen Gefahren für die psychische Gesundheit beantwortet worden. Stattdessen bot der Arzt ihm Ibuprofen oder das starke Schmerzmittel Oxycontin an. Enttäuschend für James.

Kein Zugang zu Cannabisöl

Weiter berichtete James, dass er schon den Verdacht hatte, dass dies passieren könnte. Die Verordnung von Cannabis durch „Fachärzte“ und Formulierungen wie „besondere klinische Bedürfnisse, die von lizenzierten Produkten nicht erfüllt werden können“, hatten seine Alarmglocken läuten lassen. Warum ist Medizincalcannabis die Wahl? Die wachsenden Beweise auf der ganzen Welt deuteten darauf hin, dass Medizinalcannabis bei vielen Beschwerden hilft und zahlreiche Patienten andere verschreibungspflichtige Medikamente absetzen konnten, so James.

Weiter berichtet James über die Eröffnung eines „Fachzentrums“ im vergangenen Monat in Manchester. Dieses soll es Privatpatienten ermöglichen, pharmazeutisches Cannabis zur Schmerzbehandlung einzusetzen. Die damit verbundenen Kosten sind jedoch so hoch, dass sich die meisten Patienten eine solche Behandlung gar nicht leisten können. Und so fragt sich James, ob die großen Gewinne wichtiger sind, als Patienten von Schmerzen zu befreien.

Großbritannien ist weltweit einer der größten Cannabisproduzenten

Laut James wird der legale Cannabismarkt in Europa bis zum Jahr 2028 einen Wert von £ 106 Mrd. haben. Viele Anleger betrachten den Cannabismarkt als neuen Goldrausch. Im Jahr 1998 erhielt GW Pharmaceuticals eine staatliche Lizenz zur Herstellung von Sativex, das weltweit verkauft wurde. Doch nur wenige britische Patienten haben es wegen seiner hohen Kosten aufgrund des Monopols von GW Pharmaceuticals auf dem legalen Cannabis-Markt erhalten.

Großbritannien ist der weltweit größte Anbieter von legalem Cannabis, der jährlich 95 Millionen Tonnen produziert. Dennoch gebe es laut James einen Mangel an Cannabis-Medikamenten und man sei auf Importe aus den Niederlanden und Kanada angewiesen.

THC-freie Produkte in Großbritannien

Laut James verwenden mehr als 300.000 Briten regelmäßig ein Nahrungsergänzungsmittel auf Cannabisbasis, die kein THC enthalten. Obwohl viele Experten THC als wirksamen Bestandteil des Cannabisöls ansehen, sei es praktisch für alle im Vereinigten Königreich nicht erhältlich.

James nennt auch den Fall des kleinen Billy, der unter schwerer Epilepsie leidet (Leafly.de berichtete). Seine Mutter war nach Kanada geflogen, um dort Cannabisöl zu besorgen. Bei ihrer Rückkehr beschlagnahmte jedoch der britische Zoll das Cannabisöl.

Am Ende erklärte James noch, dass er nun gezwungen sei, sein Cannabisöl illegal zu beschaffen und dass die britische Regierung es nicht geschafft habe, ihr Versprechen in Bezug auf Medizinalcannabis zu halten.

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