Cannabispolitik: Mehrheit der Briten für Legalisierung

Autor: Gesa Riedewald

Veröffentlicht am:

Geändert am:

In einer Umfrage haben sich die Briten für die Legalisierung von Cannabis ausgesprochen. Cannabis als Medizin ist bereits seit dem 1. November in Großbritannien erlaubt. Aber auch den Freizeitkonsum will eine Mehrheit freigeben. Folgt Großbritannien dem Vorbild Kanada bei der Cannabis-Legalisierung?

Cannabispolitik: Mehrheit der Briten für Legalisierung

Cannabispolitik in Großbritannien: Die Mehrheit der britischen Öffentlichkeit unterstützt die Legalisierung von Cannabis – sowohl für medizinische Anwendungen wie auch für den Freizeitkonsum. Das hat kürzlich eine Umfrage gezeigt, die vom Thinktank Volteface und dem Center for Medicinal Cannabis in Auftrag gegeben wurde.

Zustimmung zu Cannabis als Medizin ist hoch

Die britische Bevölkerung ist offen für Cannabis als Medizin. Wenn Cannabis vom Arzt verschrieben wird, wären mehr als Dreiviertel der Befragten bereit, die Behandlung auszuprobieren. 13 Prozent planen sogar, ihren Arzt oder Gesundheitsdienstleister nach dem Zugang zu Cannabis-Medikamenten zu fragen. Jüngere Umfrageteilnehmer (18 bis 24-Jährige) sind offener für eine Cannabis-Therapie als der Rest der Bevölkerung (18% bzw. 19%).

Insgesamt planen rund 6,7 Millionen Menschen, ihren Arzt nach Medizinalcannabis zu fragen. In Großbritannien können Ärzte seit dem 1. November Cannabis auf Rezept verschreiben.

Mehr als die Hälfte der Briten pro Cannabis-Legalisierung

59 Prozent der Teilnehmer der Befragung befürworten die Freigabe von Cannabis oder befürworten diese tendenziell. Nur 31 Prozent der Befragten lehnen dies ab. Seit der letzten Umfrage der Regierung vom Mai 2018 ist damit die Unterstützung für die Cannabis-Legalisierung um 37 Prozent gestiegen. Dementsprechend ist der Widerstand um 32 Prozent zurückgegangen.

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die Unterstützung der Cannabis-Legalisierung bei jüngeren Menschen am höchsten ist. Mehr als zwei Drittel (68%) der 18 bis 24-Jährigen befürworten die Freigabe, bei den über 65-Jährigen sind es knapp die Hälfte (49%).

Zwei Drittel (65%) der britischen Bevölkerung glaubt, dass die Cannabisgesetze reformiert werden sollten. Nur ein Drittel der Befragten spricht sich dafür aus, dass der Besitz und der Verkauf von Cannabis weiterhin eine Straftat sein sollten. Wobei ältere Menschen eher die Beibehaltung der aktuellen Cannabispolitik befürworten (39% der 55 bis 64-Jährigen und 43% der über 65-Jährigen).

Neue Cannabispolitik gefordert

Die aktuelle Umfrage markiert eine dramatische Veränderung in der öffentlichen Meinung. Das bestätigt auch Liz McCulloch vom Thinktank Volteface:

„In nur sechs Monaten hat sich die Meinung zugunsten der Legalisierung von Cannabis geändert, was nach Ansicht von Volteface eine Reaktion auf die jüngsten Entwicklungen bei medizinischem Cannabis ist“, erklärt McCulloch gegenüber dem Independent.

Weiterhin sagt sie, dass das zunehmende Bewusstsein für die Gefahren des illegalen Cannabismarktes zu dem Meinungsumschwung beigetragen hätte. Darüber hinaus habe die Legalisierung in Kanada den Effekt verstärkt.

„Cannabis ist mittlerweile fester Bestandteil der politischen Debatte in der Cannabispolitik, und das Bewusstsein für alternative Ansätze auf der ganzen Welt hat die Legalisierung zu einer realisierbaren politischen Option gemacht“, fügt McCulloch hinzu.

Umdenken in Sachen Cannabis als Medizin wegen öffentlichem Druck

In Großbritannien führten im Sommer zwei brisante Fälle zu großer Empörung in der Bevölkerung und trugen schließlich auch zur Legalisierung von Cannabis als Medizin bei. Die Regierung geriet unter Druck, nachdem im Juni eine Charge Cannabisöl von Charlotte Caldwell, Mutter von Billy Caldwell, am Flughafen Heathrow konfisziert wurde.

Die Medikamente braucht der kleine Billy, um seine Anfälle zu kontrollieren. Die Junge leidet an einer seltenen Form von Epilepsie. Nach einem öffentlichen Aufschrei gewährte das Innenministerium Billy eine kurzfristige Lizenz, um ihm den Zugang zu Cannabisöl zu ermöglichen.

Alfie Dingley, ein siebenjähriger Junge, der Cannabisöl in ähnlicher Weise zur Bekämpfung epileptischer Anfälle einsetzt, machte bereits im März Schlagzeilen. Seine Familie bat die Regierung, dass er medizinisches Cannabis anwenden dürfe, das ihm in den Niederlanden verschrieben worden war. (Leafly.de hat bereits mehrfach über die guten Erfolge von Cannabis bei bestimmten, seltenen Epilepsieformen berichtet.)

Im Anschluss an die Empörung aufgrund dieser zwei Fälle gab der Innenminister Sajid Javid bekannt, dass Ärzte in Großbritannien ab November Medizinalhanf legal verschreiben dürfen.

Wird Großbritannien dem Vorbild Kanada folgen?

Da die aktuelle Umfrage jetzt zeigt, dass die öffentliche Meinung auch pro Cannabis-Legalisierung für den Freizeitkonsum ist, wird Großbritannien dann das nächste Land werden, das Cannabis freigibt? Steve Rolles, ein Experte für Drogenpolitik, glaubt, dass Großbritannien Cannabis innerhalb der nächsten fünf Jahre legalisieren wird. Gegenüber dem Independent erklärt der Drogenexperte:

“Das Blatt hat sich gewendet. Kanada ist eine G7-Nation und eines der größten Commonwealth-Länder. Wir gehen davon aus, dass Großbritannien und viele andere in den nächsten fünf Jahren nachziehen werden, damit die Regierung und nicht die Kriminellen die Kontrolle über die Produktion und die Lieferung von Cannabis hat.“

Ähnliche Artikel