CBD-Händler: Weitere Einschränkungen

Autor: Gesa Riedewald

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Mastercard und Visa arbeiten nicht mehr mit Händlern zusammen, die CBD-Produkte verkaufen. Nachdem kürzlich Amazon CBD-Produkte von seinem Markplatz verbannt hat, ist das ein weiterer herber Schlag für die Unternehmen, die legale Hanfprodukte verkaufen. Was hinter dieser Praxis von Amazon und den Kreditkartenunternehmen steckt, bleibt unklar.

CBD-Händler: Weitere Einschränkungen

Wer online CBD-Produkte verkaufen will, hat es inzwischen schwer: Zum 1. März 2018 nahm der Online-Gigant Amazon so gut wie alle CBD-Produkte, die man oral einnehmen kann, aus dem Programm. (Leafly.de berichtete.) Nun werden auch Zubehör wie Vapepens, E-Zigaretten oder Anbauequipment verbannt. Die CBD-Händler erhielten kurz zuvor eine Ankündigung per E-Mail – wehren konnten sie sich allerdings nicht dagegen, dass ihre Produktseiten offline genommen wurden.

Darüber hinaus können Online-Shops mit CBD-Produkten nicht mehr über Kreditkarten abrechnen: Mastercard und Visa, die beiden großen internationalen Kreditkarten-Gesellschaften, verweigern die Zusammenarbeit mit Hanf-Händlern. Offensichtlich sind die Vertragspartner der Kreditkartenfirmen – die Zahlungsanbieter – angewiesen worden, Shops mit CBD-Produkten die Abwicklung zu verweigern.

Mastercard und Visa wollen mit Hanf-Produkten nichts zu tun haben

Die Firma Hempcare aus St. Pölten in Österreich handelt mit CBD-Produkten wie CBD-Ölen, CBD-Extrakten und Hanfkosmetik. Das ist auch in Österreich legal. Dennoch haben ihnen diverse Zahlungsanbieter die Zusammenarbeit aufgekündigt. Begründung: Mastercard und Visa wollen nicht mehr mit Hanf-Händlern kooperieren.

So schrieb ein Zahlungsanbieter an Hempcare, dessen Statement wir nur anonym wiedergeben können:

„Die derzeitige Sachlage ist so, dass Visa / Mastercard im Sommer 2017 eine neue Regulierung herausgegeben hat, wo speziell darauf hingewiesen wurde, dass keine Kreditkartenzahlungen mehr in Verbindung mit Hanf-Produkten unterstützt werden dürfen und bei jeglichen Verstößen gegen dies Strafen bis zum Lizenzverlust angedroht werden!“

Auch von anderen Zahlungsanbietern erhielt das Hempcare-Team Schreiben mit ähnlichen Begründungen:

„In unserer Liste verbotener Unternehmen heißt es, dass „Marihuana-Apotheken und damit verbundene Geschäfte“ verboten sind. Grundsätzlich umfasst dies leider Nahrungsergänzungsmittel oder Sprays, Öle oder Pasten, die Cannabidiol (CBD), Cannabigerol (CBG) oder Cannabinol (CBN) enthalten. Diese Anweisung kommt direkt von unseren Kreditkarten- und Bankpartnern, daher befürchte ich, dass wir diesbezüglich keinen Spielraum haben.“ (Übersetzung aus dem Englischen)

Hempcare ist ein Unternehmen, dessen Name bereits deutlich macht, dass es sich hier um Hanf dreht. Andere CBD-Händler mit neutraleren Namen arbeiten teilweise noch mit Mastercard und Visa zusammen. Die Zahlungsanbieter müssen erst nach und nach ihre Vertragspartner überprüfen.

Was steckt hinter der Haltung der Kreditkartenunternehmen?

Wieso erklären Visa und Mastercard CBD-Händler zu verbotenen Unternehmen – oder auch „Risikokunden“? Für Paul Purgina von Hempcare hat das mit der US-amerikanischen Drogenpolitik zu tun:

„Während viele Staaten in den USA Cannabis legalisieren, ist die US-amerikanische Drogenpolitik sehr restriktiv. Ich persönlich glaube, dass hier Druck ausgeübt wird und daher die amerikanischen Unternehmen mit Cannabis per se nichts zu tun haben wollen.“

Tatsächlich scheint es darum zu gehen, dass THC in den USA grundsätzlich verboten ist, egal wie gering der Anteil in den Produkten ist. Visa und Mastercard sind amerikanische Unternehmen und wollen keine illegalen Geschäfte abwickeln – und so sind auch CBD-Produkte auf die Blacklist geraten.

CBD-Händler müssen sich Alternativen suchen

Für Shops ist es eine schwierige Situation, wenn Zahlungsanbieter nicht mit ihnen kooperieren wollen. Wie sollen sie ihre Ware online verkaufen? Mastercard und Visa haben eine riesige Marktmacht. Die beiden Betreiber von Hempcare haben mehreren Vertragspartnern in langen E-Mails versucht zu verdeutlichen, dass sie keine illegalen Geschäfte betreiben.

„Unsere Produkte werden aus EU-zertifiziertem Nutzhanf gewonnen, der in der gesamten Europäischen Union angebaut werden darf. Und wir versenden nur in Länder, wo wir wissen, dass unsere Produkte legal sind. Wir überprüfen jede Bestellung darauf, dass sie mit den Gesetzen konform geht,“ erklärt Paul Purgina.

Hempcare hatte am Ende Glück: Die Betreiber haben einen Zahlungsanbieter gefunden, der mit ihnen zusammenarbeitet – obwohl bekannt ist, dass es sich bei Hempcare um einen CBD-Shop handelt. Für andere bleibt die Suche nach einem Affiliate-Programm und der Umstieg auf Kryptowährungen wie Bitcoins. Dies wurde auch umfänglich auf der ICBC International Cannabis Business Conference in der letzten Woche diskutiert.

Auch Amazon schließt CBD-Händler aus

Bereits im März stellte der Internet-Riese Amazon die meisten CBD-Produkte offline. In der Ankündigung an die betroffenen Händler schreibt das Unternehmen, dass Amazon den „Verkauf von Pflanzenteilen der Gattung Cannabis Sativa“ verbietet.

Inzwischen scheint es so, dass Amazon nur die CBD-Produkte rauswirft, die oral eingenommen werden. Allerdings sind auch noch vereinzelt CBD-Öle und CBD-Kapseln erhältlich. Ob diese Produkte im Laufe der Zeit noch entfernt werden, ist nicht bekannt. Was besonders überrascht: In anderen EU-Ländern sind CBD-Produkte bei Amazon nicht entfernt worden, wie beispielsweise auf der Seite von Amazon UK, Frankreich oder Österreich.

Nun kann der Online-Markplatz Amazon natürlich selbst entscheiden, was er auf seiner Plattform zulässt und was nicht. Allerdings ist die Unternehmens-Entscheidung nicht nachvollziehbar, da reine CBD-Produkte in Deutschland legal und frei verkäuflich sind. Auch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) entschied Anfang des Jahres, dass internationale Verbote gegen reines Cannabidiol nicht gerechtfertigt seien, da CBD keine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellt. Gleichzeitig wurde das therapeutische Potenzial betont. Leafly.de berichtete.

In der Branche munkelt man, dass Amazon mit seinem CBD-Verbot nur auf die Anfrage eines großen deutschen Unternehmens für Nahrungsergänzungsmittel reagiert hätte. Dieses vertreibt seine eigenen CBD-Produkte über andere Kanäle und wollte Konkurrenten ausschalten. Ob an diesen Gerüchten etwas dran ist, können wir von Leafly.de allerdings nicht beurteilen.

Leafly.de hat mehrfach Amazon.de um eine Stellungnahme gebeten, diese aber leider bisher nicht erhalten.

Ist Cannabidiol grundsätzlich legal?

Cannabidiol (CBD) ist ein Cannabinoid, das weder psychoaktiv noch berauschend wirkt. Es besitzt vielversprechende medizinische Eigenschaften: Die Substanz wirkt schmerzlindernd, anti-entzündlich und anti-psychotisch.

CBD-Produkte, die einen THC-Gehalt von weniger als 0,2 Prozent haben, sind in Deutschland nicht rezeptpflichtig. Das bedeutet, sie können frei und legal erworben werden, beispielsweise als Nahrungsergänzungsmittel oder als Kosmetikprodukt. Diese frei verkäuflichen Produkte können ohne Probleme in Geschäften oder online gekauft werden. Als einzige Einschränkung gilt: Käuferinnen und Käufer müssen volljährig sein.

Wenn Cannabidiol allerdings als Arzneimittel vertrieben wird, ist es rezept- und apothekenpflichtig. Es muss von einem Arzt auf einem Rezept verschrieben werden und kann dann vom Patienten aus der Apotheke bezogen werden. Diese Produkte besitzen häufig, aber nicht zwingend, einen erhöhten THC-Anteil.

Fazit: CBD als Arzneimittel muss vom Arzt verschrieben und aus der Apotheke bezogen werden. CBD als Nahrungsergänzungsmittel oder als Kosmetikprodukt (jeweils THC-Gehalt unter 0,2 Prozent) gibt es legal im Einzelhandel oder im Internet zu kaufen. Wer bei Amazon nicht mehr fündig wird, kann auf andere Online-Shops zurückgreifen.

 

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

Quellen:

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