CBD-Studie in Berlin: Teilnehmer gesucht!

Autor: Gesa Riedewald

Verõffentlicht am: 23. April 2018

Geändert am: 5. Juli 2018

Die Charité in Berlin erforscht die Wirkung von CBD auf schizophrene Erkrankungen. Die Cannabidiolstudie wird im Rahmen eines groß angelegten Forschungsprojekts durchgeführt. An dieser sogenannten ESPRIT-Studie beteiligen sich elf unterschiedliche Kliniken in Deutschland. Hier werden moderne und nebenwirkungsarme Methoden zur Behandlung einer Schizophrenie erforscht. Die Charité sucht noch Teilnehmer für ihre CBD-Studie.

CBD-Studie in Berlin: Teilnehmer gesucht!

CBD-Studie an der Charité Berlin

Ziel der CBD-Studie „ESPRIT“ ist es, moderne und nebenwirkungsärmere Methoden zur Behandlung einer frühen schizophrenen Erkrankung zu erforschen. Darüber hinaus soll die Prävention einer Schizophrenie untersucht werden. Insgesamt sind elf Studienzentren (ehemals acht) in Deutschland unter der Leitung des Zentralinstituts für seelische Gesundheit Mannheim an der ESPRIT-Studie beteiligt. Das Verbundprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Charité in Berlin ist eine der teilnehmenden Universitätskliniken.

Charité: Cannabidiolstudie, Präventionsstudie und Sportstudie

Insgesamt ist das Projekt für vier Jahre bewilligt worden. An der Charité wird die Studie noch zwei bis drei Jahre lang fortgeführt werden. Das berichtete uns von Leafly.de der zuständige Wissenschaftler der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité. Dort werden drei unterschiedliche Studien parallel erstellt: eine Präventionsstudie, eine Sportstudie und die Cannabidiolstudie.

Der Fokus der Präventionsstudie liegt auf Personen mit erhöhtem Risiko, eine Schizophrenie zu entwickeln. Die Sportstudie wie auch die CBD-Studie dagegen zielen auf Menschen mit einer frühen schizophrenen Erkrankung, dessen Diagnose nicht länger als sieben Jahre her ist.

Schizophrenie und CBD

Herkömmliche Antipsychotika, die für die Behandlung einer Schizophrenie zugelassen sind, führen häufig zu starken Nebenwirkungen, wie Bewegungsstörungen und Gewichtszunahme. Außerdem können sie das Diabetisrisiko erhöhen. Diese Nebenwirkungen können so belastend sein, dass die Betroffenen die Behandlung abbrechen. Aus diesem Grund ist die Entwicklung von modernen Medikamenten mit weniger Nebenwirkungen ein wichtiges Ziel der Forschung. CBD hat bereits in Studien weniger Nebenwirkungen als klassische Medikamente gezeigt. Mehr zur Wirksamkeit von CBD bei Schizophrenie in diesem Leafly.de Artikel.

Cannabidiol (CBD) ist ein natürlicher Bestandteil der Cannabispflanze. Im Gegensatz zu THC ist CBD nicht psychoaktiv. Das bedeutet, es erzeugt keinen Rausch und keine Abhängigkeit. Dafür besitzt CBD aber einen antipsychotischen Effekt – kann also sehr wohl Auswirkungen auf die Psyche haben, aber positive. Aktuelle wissenschaftliche und klinische Studien belegen das große Potenzial von CBD zur Behandlung einer Vielzahl von Erkrankungen und psychischen Störungen, wie beispielsweise Schizophrenie.

Wurden Patientinnen und Patienten mit einer Schizophrenie erfolgreich therapiert, ist die Gefahr eines Rückfalls leider dennoch sehr hoch. Somit erleiden viele Betroffene trotz einer herkömmlichen Behandlung wieder einen erneuten Krankheitsschub. Die klinische CBD-Studie soll daher überprüfen, ob Cannabidiol den Behandlungserfolg dauerhaft verbessern kann.

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Ablauf der ESPRIT-Studie

Der Wirkstoff CBD soll in der ESPRIT-Studie in einer Erhaltungstherapie erprobt werden.

Was bedeutet das?

Teilnehmende der CBD-Studie müssen gut mit einem herkömmlichen Medikament gegen Schizophrenie eingestellt sein. Das jeweilige Medikament nehmen die Patientinnen und Patienten weiterhin während des gesamten Studienverlaufs ein. Zugelassene Medikamente sind Risperidon, Olanzapin, Aripiprazol, Quetiapin oder Amisulprid.

Zusätzlich zu der individuell angepassten Behandlung mit einem der genannten Medikamente erhalten die Teilnehmenden das Medikament Arvisol® (Cannabidiol) oder ein Placebo. Die Einnahme erfolgt über einen Zeitraum von 24 bis 26 Wochen und wird durch regelmäßige medizinische und psychologische Untersuchungen begleitet. Im Anschluss werden Kontrollmessungen durchgeführt. Somit dauert die Studie für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer rund ein Jahr.

Die Wissenschaftler erwarten, dass die Erhaltungstherapie mit Cannabidiol die Rückfallquote der Schizophrenie senkt. An der klinischen Studie werden 180 Patientinnen und Patienten teilnehmen.

Ablauf der CBD-Studie im Überblick:

  1. Screening Phase: Zu Beginn führen die Mediziner der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité eine ausführlich medizinische und psychologische Untersuchung durch. Darüber hinaus wird der Ablauf der Studie erläutert. Hier ist auch Raum für Fragen der Teilnehmenden.
  2. Behandlungsphase: Die zweite Phase ist die Behandlungsphase. Hier nehmen die Patientinnen und Patienten das CBD-Präparat neben dem klassischen Medikament gegen Schizophrenie ein. Diese Behandlungsphase dauert 24 Wochen. Im Verlauf führen die Mediziner in regelmäßigen Abständen insgesamt sechs Kontrollmessungen durch. Dabei werden die Krankheitssymptome sowie die Lebensqualität der Teilnehmenden erfasst.
  3. Follow-up Phase: Nach Abschluss der Behandlung folgen in den nächsten 24 Wochen Kontrollmessungen an drei unterschiedlichen Terminen.

CBD-Studie: Teilnahmekriterien

An der Studie können Sie teilnehmen, wenn Folgendes auf Sie zutrifft:

  • Die Diagnose Schizophrenie wurde vor weniger als 7 Jahren gestellt.
  • Interessierte sind stabil auf eines der Medikamente Risperidon, Olanzapin, Aripiprazol, Quetiapin oder Amisulprid eingestellt.
  • Für Frauen gilt: Sie sind derzeit nicht schwanger, wollen es während der Studiendauer nicht werden und befinden sich nicht in der Stillzeit.
  • Interessierte dürfen keine Drogen nehmen und nicht übermäßig Alkohol trinken.
  • Sie haben keine schwere oder instabile körperliche Erkrankung (Herz-Kreislauf-Erkrankung, unbehandelter Bluthochdruck, Infektionskrankheiten, Asthma, Tumorerkrankungen) oder eine Hirnerkrankung und hatten nie eine schwere Kopfverletzung.
  • Teilnehmende benötigen ausreichend deutsche Sprachkenntnisse, um diese Informationen und die Aufgaben im Rahmen der Untersuchungen zu verstehen.
  • Teilnehmende sollten sich dauerhaft für den Zeitraum der Studie in der Nähe Berlins aufhalten. Da acht Visiten verteilt über ein Jahr in der Charité durchgeführt werden, ist es von Vorteil, wenn die Probandinnen und Probanden im Raum Berlin leben. Dies ist aber nicht ausschlaggebend.
  • Alter zwischen 18 und 65 Jahren.

Wer führt die CBD-Studie durch?

Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Charité Campus Mitte liegt im Herzen von Berlin. Im zugehörigen Forschungsbereich Mind and Brain forscht ein multiprofessionelles Team. Unter der Leitung von Professor Andreas Heinz und Professor Henrik Walter wird in den historischen Gebäuden der Charité das ESPRIT-Projekt durchgeführt. Das Team besteht aus Psychologen, Ärzten und Studierenden, die die Teilnehmenden der ESPRIT-Studie betreuen.

Wenn Sie Interesse haben, an der CBD-Studie der Charité teilzunehmen, finden Sie weitere Informationen und Kontaktdaten auf der Internetseite der ESPRIT-Studie der Charité.

Ergebnisse der CBD-Studie

Das ESPRIT-Projekt wurde für insgesamt vier Jahre genehmigt. Die Studie wird jetzt noch zwei bis drei Jahre laufen. Mit ersten veröffentlichten Ergebnissen ist in rund drei Jahren zu rechnen, erklärte uns der zuständige Mitarbeiter der Charité.

Die Hoffnungen in die Wirksamkeit von CBD bei einer schizophrenen Erkrankung sind hoch: Der pflanzliche Wirkstoff hat bereits gezeigt, dass er ebenso wirksam, aber besser verträglich ist als zugelassene Antipsychotika. Durch die groß angelegte klinische Cannabidiolstudie im Rahmen von ESPRIT erhoffen sich die Experten jetzt weitere und belastbare Erkenntnisse dazu, wie CBD bei einer Schizophrenie helfen kann.

Quellen:

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