China profitiert vom Cannabis-Boom

China ist ein Land mit sehr strengen Drogengesetzen. Auf der anderen Seite ist Hanf jedoch ein wichtiger Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin. Ein Unternehmen in Südchina hat jetzt die erste Genehmigung für den Hanfanbau erhalten, um aus Hanf CBD-Produkte herzustellen, die dann im Ausland verkauft werden.

China profitiert vom Cannabis-Boom

CBD hat ein enormes Potenzial, erklärte Tan Xin, der Vorsitzende der Hanma Investment Group, die 2017 als erstes Unternehmen die Genehmigung zur Gewinnung von Cannabidiol (CBD) im Süden von China erhalten hat. Vermarktet wird das CBD im Ausland.

Die Bewegung zur Legalisierung hat in China kaum eine Chance. Doch die langsame Entstigmatisierung von Cannabis in Nordamerika hat zu einer weltweiten Nachfrage geführt, insbesondere nach CBD.

Hanmas Tochtergesellschaft in Shanchong, einem Dorf in einem abgelegenen Tal westlich von Kunming in der Provinz Yunnan, baut mehr als 1.600 Morgen Hanf an. Aus der Ernte wird CBD in Öl- und Kristallform gewonnen, und zwar in einer Fabrik, die vor zwei Jahren in einer Sperrzone neben einem Waffenhersteller eröffnet wurde.

„Es ist sehr gut für die Gesundheit der Menschen“, sagte Tian Wei, Generaldirektor der Tochtergesellschaft, Hempsoul, während eines Interviews in der Fabrik, das von Testschüssen des Herstellers nebenan unterbrochen wurde. „China ist auf diesen Aspekt vielleicht erst spät aufmerksam geworden, aber in Zukunft wird es definitiv Chancen geben“, so Tian.

China nutzt seit Jahrtausenden Hanf

Tatsächlich baut China seit Tausenden von Jahren Hanf an. Denn Hanf ist nicht nur ein wichtiger Rohstoff, sondern auch Teil der traditionellen Medizin. In vielen alten Schriften heißt es, dass Hanfsamen und -blätter Heilkräfte besitzen und bei einer Vielzahl von Krankheiten helfen können.

Die Volksrepublik China hat sich nach ihrer Gründung im Jahr 1949 strikt gegen illegale Drogen ausgesprochen. Der Anbau und der Konsum von Cannabis sind bis heute strengstens verboten. Die Strafen sind hoch – in extremen Fällen droht hier sogar die Todesstrafe.

Verbot des Hanfanbaus in China

Nach der Unterzeichnung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über psychotrope Substanzen im Jahr 1985 ging China noch weiter. Es verbot jeglichen Hanfanbau, der seit Langem in Yunnan, einer Bergprovinz, die an Myanmar, Laos und Vietnam grenzt und zu den ärmsten Chinas gehört, angebaut wurde. Die Landwirte produzierten Hanf für die Herstellung von Seilen und Textilien. Obwohl Hanf nur geringe Spuren von THC enthält, hatte China den Hanfanbau dennoch verboten.

Wiederaufnahme der Hanfproduktion

Auf einer Pressekonferenz im vergangenen Monat in Peking sagte Liu Yuejin, stellvertretender Direktor der Nationalen Drogenbekämpfungskommission, der Schwung der Legalisierung in anderen Ländern bedeute, dass die chinesischen Behörden „die Überwachung von industriellem Cannabis strenger verstärken“ würden. In der Fabrik in Hempsoul gibt es Dutzende von Überwachungskameras, die Videos direkt an das Büro für öffentliche Sicherheit der Provinz streamen.

China gab erst 2010 nach, sodass Yunnan die Hanfproduktion wieder aufnehmen konnte. Hanf wurde dann hauptsächlich für Textilien verwendet, einschließlich der Uniformen der Volksbefreiungsarmee. Die wachsende Industrie hat Yunnan dringend benötigte Investitionen gebracht. Das milde, frühlingshafte Klima ist beispielhaft für den Anbau von Hanf, und ein Landwirt kann dafür umgerechnet 300 US-Dollar pro Morgen verdienen, mehr als für Flachs oder Raps, führte Tian von Hempsoul aus.

Vier Unternehmen erhalten Genehmigung für den Hanfanbau

Hempsoul ist jetzt eines von vier Unternehmen in Yunnan, die Lizenzen für die Hanfverarbeitung für Cannabidiol erhalten haben und mehr als 36.000 Acres anbauen. Jetzt schließen sich andere dem Ansturm an.

Im Februar erteilte die Provinz drei Tochtergesellschaften der Conba Group, einem in der Provinz Zhejiang ansässigen Pharmaunternehmen, eine Lizenz. Auch andere Regionen haben davon Kenntnis genommen. 2017 erlaubte Heilongjiang, eine Provinz an der nordöstlichen Grenze Chinas zu Russland, zusammen mit Yunnan den Anbau von Hanf. Jilin, die Provinz nebenan, will ebenfalls mit dem Hanfanbau beginnen. Durch die vielen Ankündigungen stiegen die Aktien der Unternehmen an den Börsen in China.

Während die gesundheitlichen Vorteile von CBD noch nicht restlos erforscht sind, genehmigte die US-amerikanische Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration im vergangenen Jahr jedoch die erstmalige Anwendung als Medikament zur Behandlung von zwei seltenen und schweren Formen der Epilepsie (Leafly.de berichtete). Andere mögliche Verwendungen werden untersucht.

China erlaubt den Verkauf von Hanfsamen und Hanföl sowie die Verwendung von CBD in Kosmetika.  CBD für die Verwendung in Lebensmitteln und Arzneimitteln ist noch nicht zugelassen. Daher ist der größte Teil des Produkts von Hempsoul – ungefähr zwei Tonnen pro Jahr – für Märkte in Übersee bestimmt. Tian ist überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis China CBD freigibt.

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