StartseiteAlle ArtikelKolumnenChristines Welt: Magen-Darm und Cannabistherapie

Christines Welt: Magen-Darm und Cannabistherapie

Christines Welt Brustkrebspatientin Autor:
Christine Kaiser

Christine ist palliative Brustkrebspatientin und berichtet auf Leafly.de über ihren Alltag und ihre Erlebnisse. Eine Krebstherapie kann eine große Belastung für den Magen-Darm-Trakt bedeuten, das hat auch Christine erfahren müssen. Ihr hilft Medizinalcannabis bei Magen-Darm-Problemen.

Christines Welt: Magen-Darm und Cannabistherapie

Nebenwirkungen und Stress setzen Darm zu

Meine zurückliegende Krebs-Bestrahlung zielte auf sehr sensible Punkte, nämlich das Becken und den 11. Brustwirbel. Der Brustwirbel ist neurologisch mit dem Magen verbunden, im Becken liegt ein Teil des Darms. Während der Strahlentherapie wird nicht nur täglich eine gewisse Menge an Strahlung in diesen Bereich eingebracht. Die Strahlungsmenge ist so berechnet, dass sie sich am Zielort eingelagert und dort aufbaut, bis die komplette Dosis vorliegt. Dann baut sie sich über einen gewissen Zeitraum wieder ab.

Diese Behandlung hat zur Folge, dass mir sowohl mein Magen als auch mein Darm noch lange Zeit nach der eigentlichen Bestrahlung Kummer bereiten. Bereits der erste Bestrahlungszyklus in 2015 hat mir einen Reizdarm beschert, der sehr empfindlich auf Stress, Probleme und verschiedene Nahrungsmittel reagiert. Von krampfartigen Schmerzen über zu viel Luft im Bauch bis hin zu Verstopfung oder Durchfall – bei mir finden sich alle Symptome.

Cannabistherapie als Klassiker bei Übelkeit

In meiner letzten Kolumne habe ich euch bereits von meiner schlimmen Übelkeit erzählt, die zum Teil sogar zu Schwindel und Kreislaufproblemen geführt hat. Normalerweise lindert Cannabis exzellent diese Symptome, auch bei mir. Leider war das dieses Mal nicht der Fall – warum auch immer. Zum Glück half es mir aber sehr gut gegen die psychischen und körperlichen Belastungen, die eine Strahlentherapie zusätzlich bereithält.

Das liegt wohl auch daran, dass es eben nicht die erste, sondern bereits die dritte Bestrahlung nach 2016 und 2018 war, die meinem Körper zuteil wurde. So ein Körper vergisst eben einfach nicht so schnell und tut sich zunehmend schwer, je älter er wird.

Entspannung ist das A und O

Die Cannabistherapie hilft mir dabei, dass ich mich entspanne. Und wenn ich mich entspanne, wirkt sich das natürlich auch auf meinen Darm auf. Wenn ich mir zu viele Sorgen mache oder zu wenige Ruhezeiten einplane, dann neigt mein Darm dazu, sich wie das berühmte Duracell Häschen zu benehmen.

Die Bewegung des Darms, sogenannte Peristaltik, ist deutlich hörbar, geht einher mit brennenden Schmerzen direkt im Darm und mit einem sehr aufgedunsenen Bauch, der stark gespannt ist. Die Inhalation meiner Cannabisblüten beruhigt dann auch die Nerven im Darm, sodass die Krämpfe abnehmen und die Schmerzen nachlassen.

Augenmerk auf Essen

Wenn mein Bauch so gespannt ist und sich in meinem Darm so viel Luft befindet, fällt mir auch das Essen schwer. Gefühlt ist da kein Platz mehr für Nahrung. Und dabei ist gerade während der Krebstherapien das Essen so wichtig für den Körper. Die Behandlungen sind sehr anstrengend und der Körper benötigt unglaublich viel Energie um mitzumachen, standzuhalten und zu heilen. Ich muss an diesen Tagen darauf achten, möglichst viele warme Dinge zu mir zu nehmen. Zum Glück bin ich ein Suppenkasper, daher fällt mir das nicht schwer.

Hilfe meiner Ärztin

In schwierigen Situationen vertraue ich mich immer meiner Ärztin an und kläre mit ihr, ob ich an meiner Cannabistherapie etwas ändern sollte: vielleicht eine Blütensorte wechseln oder die Dosierung verändern. Auch ob eventuell noch andere Medikamente sinnvoll erscheinen, bespreche ich mit meiner Ärztin. Nur wenn ich sie in jeden meiner Schritte mit einbeziehe, kann sie mir mit ihrem unglaublichen Wissen auch zur Seite stehen. Gemeinsam haben wir das bisher wirklich gut gemeistert und ich bin sehr froh, dass ich sie habe.

Urlaub vom Krebs

Die zurückliegenden Wochen und Monate waren für meinen Mann und mich sehr anstrengend. Jetzt freuen wir uns darauf, für 10 Tage in die Sonne zu reisen. Wir brauchen ganz dringend Abstand von unserem – nicht immer positiven – Alltag.

Zum ersten Mal seit Jahren habe ich mich getraut, einen Urlaub zu buchen. Im Vertrauen darauf, dass alles gut gehen wird und wir meinen 53. Geburtstag in einem schönen Ambiente am Meer feiern können.

Der nächste Therapiezyklus in Köln steht schon wieder fest und beginnt ein paar Tage nach unserer Rückkehr. Vielleicht schaffen wir es ja, Urlaub vom Krebs zu machen. Das wird ein großes Experiment.

Hilfe finden Menschen, die unter dem Reizdarmsyndrom leiden, auf deren Homepage.

Bis zum nächsten Mal, lasst es euch gut gehen!

Eure Christine

Mehr zu Christine:

Trotz ihrer schweren Krebserkrankung setzt sich Christine bei bei LiLy’s Voice Europe gUG als ehrenamtliche Geschäftsführerin und Patientenvertreterin für andere Patienten ein. LiLy’s Voice ist eine europaweit tätige gemeinnützige Organisation, die Patienten mit Lip- und Lymphödem sowie Dercum Erkrankung unterstützt und informiert. Darüber hinaus bietet Christine als erfahrene Cannabis-Patientin anderen Betroffenen Unterstützung bei ihrem Cannabis-Antrag für die Krankenkasse. Aber auch wenn es um Widerspruch geht, hilft die ehemalige Krankenschwester.

Hier geht es zu Christines Patientenakte auf Leafly.de.

Und hier zum Spendenaufruf bei gofundme!

Ähnliche Artikel