COPD: Volkskrankheit mit der höchsten Steigerungsrate

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 22. August 2018

Geändert am: 22. August 2018

Bei Patienten mit einer fortgeschrittenen chronischen-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) scheint inhaliertes Cannabis die Trainingsleistung und die aktivitätsbedingte Kurzatmigkeit nicht zu verbessern oder zu verschlechtern. Dies geht aus einer randomisierten kontrollierten Studie hervor, deren Ergebnisse jetzt im „Annals of the American Thoracic Society“ veröffentlicht wurden.

COPD: Volkskrankheit mit der höchsten Steigerungsrate

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung – kurz COPD – gehört zu den weltweit am häufigsten auftretenden Erkrankungen und gilt in Deutschland bereits als Volkskrankheit. Es handelt sich hierbei um eine langsam fortschreitende Lungenkrankheit, infolge dessen sich die Lungenfunktion immer weiter verschlechtert. Typische Symptome der COPD sind Atemnot, Husten und Auswurf.

Ursachen der Lungenerkrankung COPD

Häufig ist eine lang anhaltende Schadstoffbelastung, wie zum Beispiel das jahrelange Einatmen von schädlichen Stoffen, die Ursache der Krankheit. Der größte Risikofaktor ist jedoch das Tabakrauchen. So ist das Rauchen bei bis zu 90 Prozent aller Krankheitsfälle die Ursache für die Entstehung der Krankheit. Daneben können auch erbliche Ursachen infrage kommen. In einigen Fällen führt ein Gendefekt, der sogenannte Alpha-1-Antitrypsinmangel, zu der Lungenfunktionsstörung und verursacht ein Lungenemphysem, woraus sich wiederum die chronisch obstruktive Lungenerkrankung entwickeln kann.

Therapie und medikamentöse Behandlung

Die Therapie zielt darauf ab, das Fortschreiten der Lungenerkrankung sowie die Anfallshäufigkeit zu verringern, umso die Lebensqualität zu erhalten und die Lebenserwartung zu steigern. Eine vollständige Heilung ist jedoch nicht möglich, da sich die Schäden an den Lungen und Bronchien nicht mehr rückgängig machen lassen.

Im Anfangsstadium der Erkrankung besteht die medikamentöse Behandlung meist darin, Zustände der akuten Atemnot zu behandeln. In den fortgeschrittenen Stadien wird einer Dauerbehandlung erforderlich. Zum Einsatz können folgende Medikamente kommen:

  • Bronchodilatatoren
  • Kortison
  • Schleimlösende Mittel
  • Hustenstiller
  • Antibiotika

Unterstützend kommen auch nicht-medikamentöse Therapien infrage, wie zum Beispiel eine Atemphysiotherapie oder eine Therapie mit Sauerstoff.

Kann Cannabis als Medizin bei COPD eingesetzt werden?

Wir haben bereits im Januar 2018 in einem Artikel darüber berichtet, dass die renommierte McGill University Health Centre in Montreal (Kanada) gemeinsam mit dem Unternehmen Tilray plant, den Nutzen von Medizinalhanf bei COPD zu erforschen. Sobald die ersten Ergebnisse vorliegen, werden wir selbstverständlich darüber berichten.

Von der McGill University hat sich jetzt auch die Doktorandin der Sportphysiologie Sara J. Abdallah mit ihrem Team dem Thema Cannabis und COPD gewidmet. Im Rahmen der Studie gab es keine Unterschiede zwischen verdampftem Cannabis und einem Placebo auf

  • das Lungenvolumen und
  • die Herzfrequenz in Ruhe oder während des Trainings.

Cannabis habe wohl auch die kognitiven Funktionen, die Stimmung oder die psychische Aktivität nicht beeinflusst.

Die Last der Atemnot bei Patienten mit COPD ist hoch. Selbst bei optimaler medikamentöser Behandlung leiden viele Patienten mit COPD weiterhin an Atemnot in Ruhe und bei der Ausübung grundlegender Alltagsaktivitäten.

„Wir haben uns entschieden, diese Studie weiter zu verfolgen, weil Patienten nach dem Cannabiskonsum eine symptomatische Linderung ihrer COPD-Symptome berichteten“, führte Abdallah aus.

Frühere Studien belegen Wirksamkeit von Cannabis

In den 1970er Jahren berichteten kontrollierte Studien, dass das Rauchen von Cannabis die Atemwege von Erwachsenen mit und ohne Asthma öffnete. In jüngerer Zeit fand eine große Beobachtungsstudie einen positiven Zusammenhang zwischen dem Cannabiskonsum und

  • dem forciertem exspiratorischem Volumen (die Menge an Luft, die in einer Sekunde gewaltsam ausgeatmet wird)

sowie

  • der forcierten Vitalkapazität (die Gesamtmenge an Luft, die nach einer tiefen Aufnahme ausgeatmet wird).

Ergebnisse der aktuellen Studie

In der aktuellen Crossover-Studie nahmen 16 Patienten mit fortgeschrittener COPD teil. Diese erhielten alle Medikamente wie eine Zwei- oder Dreifach-Inhalationstherapie (lang wirkender Muscarin-Antagonist und lang wirksamer Beta2-Agonist-Bronchodilator mit oder ohne inhalativem Corticosteroid).

Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte nach dem Zufallsprinzip. Sie erhielten eine einzelne Dosis Cannabis zum Verdampfen oder ein Placebo vor dem Training auf einem stationären Fahrrad. Weder die Forscher noch die Patienten wussten, wann sie das verdampfte Cannabis oder das Placebo erhielten.

Obwohl die Studie keinen klinisch bedeutsamen negativen oder positiven Effekt von verdampftem Cannabis auf die Atemnot während des Trainings oder der Trainingsleistung fand, bemerkten die Forscher Unterschiede in der Reaktionsfähigkeit auf Cannabis.

Nach dem Einatmen von verdampftem Cannabis verbesserte sich die Atemnot während des Trainings bei 4 der 16 Patienten. Bei den verbleibenden 12 Patienten änderte sich die Atemnot während des Trainings nicht oder verschlechterte sich.

Weitere Studien sind erforderlich

Senior Studienautor Dennis Jensen, PhD, außerordentlicher Professor für Kinesiologie und Leibeserziehung und ein Wissenschaftler in der Translational Research in Atemwegserkrankungen Programm an der McGill University, erklärte, dass die Studienergebnisse möglicherweise nicht verallgemeinert werden können, da die Teilnehmer eine kleine homogene Gruppe von Patienten mit stabiler, aber fortgeschrittener COPD, war.

Zusätzlich zu der Tatsache, dass alle Teilnehmer eine optimale COPD-Therapie erhielten, schlug Dr. Jensen eine Reihe von Faktoren vor, die den therapeutischen Nutzen von Cannabis begrenzt haben könnten, so zum Beispiel die Dosis von Cannabis, die inhalative Einnahme statt einer oralen Einnahme und vor allem deswegen, weil Cannabis nur einmal verabreicht wurde.

„Zukünftige klinische Studien sind gerechtfertigt und sollten das therapeutische Potenzial verschiedener Dosen von verdampftem und oralem Cannabis über längere Zeiträume bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer COPD verabreicht werden, bewerten“, führte Jensen abschließend aus.

Quellen:

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