Darmkrebs: Cannabinoide hemmen Zellwachstum

In Deutschland ist Darmkrebs bei Frauen die zweithäufigste und bei Männern die dritthäufigste Tumorerkrankung. US-Forscher haben jetzt in Laborversuchen gezeigt, dass verschiedene Cannabinoide aus der Cannabispflanze das Wachstum von Darmkrebszellen hemmen konnten.

Darmkrebs: Cannabinoide hemmen Zellwachstum

Die Forscher am Penn State College of Medicine testeten in Laborversuchen die Auswirkungen von synthetischen Cannabinoidverbindungen auf Darmkrebs Zellen. Während die am häufigsten mit Cannabis assoziierten Verbindungen THC und CBD wenig oder keine Wirkung zeigten, waren jedoch zehn andere Verbindungen wirksam bei der Hemmung des Zellwachstums.

Kent Vrana, Vorsitzender der Abteilung für Pharmakologie am Penn State College of Medicine, erklärte, dass die Studie dazu beigetragen habe, Substanzen zu identifizieren, die weiter getestet werden können, um ihre Wirkung auf Krebszellen besser zu verstehen.

„Nachdem wir nun die Substanzen identifiziert haben, von denen wir glauben, dass sie diese Eigenschaft besitzen, können wir nun versuchen, sie zu verändern, um sie wirksamer gegen Krebszellen zu machen. Und schließlich können wir das Potenzial für die Verwendung dieser Verbindungen zur Entwicklung von Arzneimitteln zur Behandlung von Krebs untersuchen“, führte Vrana aus.

Darmkrebs ist nach wie vor eine der häufigsten Krebserkrankungen

Darmkrebs ist nach Angaben des National Cancer Institute eine der häufigsten Krebserkrankungen in den Vereinigten Staaten. Schätzungen zufolge gab es im Jahr 2018 rund 140.250 neu diagnostizierte Fälle und 50.630 Todesfälle. Der Einsatz von Medizinalcannabis fand in den letzten Jahren überwiegend in der Palliativmedizin statt. Doch schon frühere Studien gaben Hinweise darauf, dass bestimmte Cannabinoidverbindungen das Potenzial besitzen, das Tumorwachstum zu hemmen oder zu verhindern.

Durchführung der Studie

Um herauszufinden, wie wirksam Cannabinoide die Lebensfähigkeit von Darmkrebs Zellen gezielt reduzieren, untersuchten die Forscher die Wirkung von 370 verschiedenen synthetischen Cannabinoidverbindungen auf sieben Arten von menschlichen Darmkrebszellen.

„Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie Zellen Krebs erzeugen können. Jede der sieben getesteten Zellen hatte eine andere Ursache, die zum Krebs führte. Obwohl es sich bei allen um Darmzellen handelte,“ führte Vrana aus.

Die im Labor gezüchteten Krebszellen wurden 48 Stunden lang mit Cannabinoidverbindungen behandelt. Alle Verbindungen, die Anzeichen zeigten, dass sie die Lebensfähigkeit von Krebszellen herabsetzen, wurden dann zur Behandlung aller sieben Zellarten verwendet.

Nach weiteren Screenings und Analysen identifizierten die Forscher zehn Verbindungen, die das Wachstum von fast allen sieben getesteten Dickdarmkrebsarten hemmen. Dennoch wissen die Forscher nicht, wie genau diese identifizierten Verbindungen arbeiten, um die Lebensfähigkeit der Krebszellen zu reduzieren.

Genaue Wirkungsweise auf Krebszellen noch unklar

„Die zehn Wirkstoffe, die wir für effektiv befunden haben, lassen sich in drei Klassen einteilen. Sie sind einander ähnlich, jedoch mit kleinen Änderungen. Wir wissen, wie einer von ihnen funktioniert, indem er die Zellteilung im Allgemeinen hemmt. Wir haben auch herausgefunden, dass die wirksamsten und effektivsten Verbindungen nicht durch herkömmliche Cannabinoid-Rezeptoren funktionieren, obwohl wir uns des genauen Mechanismus noch nicht sicher sind“, erklärte Vrana.

Darüber hinaus erklärte Vrana, dass bestimmte Arten von Zellen, wie Haut- und Darmzellen, anfälliger für Krebserkrankungen sind, da sie sich häufig teilen.

„Jedes Mal, wenn sich eine Zelle teilt, besteht die Chance, dass sie mutiert und sich immer wieder teilt. So können Krebserkrankungen beginnen. Wenn wir also dieses Signal blockieren, das Krebszellen dazu bringt, sich weiter zu teilen, könnte dies eine Möglichkeit sein, den Krebs zu stoppen“, so Vrana.

Da die anderen Verbindungen nicht durch herkömmliche Cannabinoid-Signalwege zu funktionieren schienen, will sich Vrana zukünftig auf ein besseres Verständnis konzentrieren. Wichtig sei zu klären, wie die Verbindungen mit Krebszellen interagieren, und ob Forscher die Verbindungen wirksamer machen können.

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