„Der Jochen:“ Verteufeln

Autor: Jochen Gutjahr

Verõffentlicht am: 6. April 2018

Geändert am: 6. April 2018

Ich nehme gegen die Spastik und Schmerzen erfolgreich das medizinische Cannabis-Produkt „SATIVEX“. Von meinem Arzt habe ich vor Jahren einen Ausweis erhalten, der mich bei möglichen Problemen – welcher Art auch immer -, die im Zusammenhang mit der Anwendung entstehen könnten, legitimiert. Eine Legitimation kann zum Beispiel bei der Mitnahme und Einnahme von SATIVEX bei Reisen oder Grenzkontrollen sowie bei medizinischen Untersuchungen wichtig sein. Das leuchtet mir ein, da nun eben die Gesetzeslage so ist, wie sie ist!

„Der Jochen:“ Verteufeln

Problematischer ist die „Legitimation“ im Alltag. Wie bereits einmal geschrieben, ich habe mich für die Erkrankung „MS“ nicht freiwillig gemeldet. Ich stürze auch nicht aus lauter Lust und Tollerei auf den Gehweg und wanke beim Laufen nicht in freier Entscheidung wie nach übermäßigem Alkoholgenuss.

Meine regelmäßige Einnahme von starken Schmerzmitteln ist für meinen Magen auch keine ersehnte Anwendung. Ich habe seit Jahren eine Menge Probleme, denn ich leide unter Multipler Sklerose (MS).

Nun jammere ich nicht, denn DAS hilft nicht weiter und würde mich aufzehren. Immerhin kann ich mich noch sehr begrenzt bewegen, kann selbstbestimmt leben – und DAS ist doch schon eine Menge.

Ich brauche aber keine zusätzlichen Probleme, wahrlich nicht!

Nun lebe ich seit einiger Zeit wegen eben dieser gesundheitlichen Probleme im Norden Deutschlands. Der Süden war schlicht zu bergig. Mein Dreirad konnte ich in der alten Heimat auch nicht mehr benutzen.

Nach einigen Jahren kann ich feststellen, dass mit dem Breitengrad gen Norden auch eine Toleranzgrenze abzunehmen schien, Toleranz gegenüber der Einnahme von Cannabis. Vielleicht liegt es daran, dass die Bevölkerungsdichte sehr gering ist, weiter abnimmt und dass damit auch immer wieder von illegalen „Plantagen“ in der Lokalpresse berichtet wird. Vielleicht sind es auch einige Beispiele von Jugendlichen, die die Toleranzgrenze nach unten geschraubt haben und fast die Pauschalablehnung bis hin zur Verunglimpfung hervorgerufen haben. Auch das habe ich erfahren.

In jedem Fall hat die öffentliche Behandlung des Themas kein Gleichgewicht. Berichte über eben die „aufgeflogenen Plantagenbetreiber“ in alten Hallen von geschlossenen Betrieben aus der DDR-Zeit oder von Gebäuden stillgelegter Standorte der „Nationalen Volksarmee“ konnte ich immer wieder lesen. Eine sachlich fundierte Meinung zum legalen Gebrauch weniger, bis auf die Informationen zur Gesetzesänderung.

Erst unlängst im August wurde in einem großen Artikel in der Schweriner Volkszeitung durch die noch amtierende Drogenbeauftragte der Bundesrepublik Deutschland eindringlich vor den Gefahren des Cannabis-Konsums gewarnt. Sicher nicht unberechtigt, jedoch eben auch kein Wort über Cannabis-Produkte für Menschen, die aus gesundheitlichen Problemen Cannabis als Sergen erfahren.

Dass ist eine nicht hinzunehmende Unterlassung, die zu einem Klima beiträgt, das ich „ausbaden“ muss, wenn ich mich für meinen Cannabis-Konsum in eine Rechtfertigungsrolle gedrängt sehe.

Nein, dieses Problem brauche ich nicht zusätzlich!

Euer Jochen Gutjahr

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