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Dickdarmkrebs und Cannabis als Medizin

Leafly: Alexandra Latour Autor:
Alexandra Latour

Dickdarmkrebs gehört zu den am häufigsten vorkommenden Krebserkrankungen. Einige Studien liefern Hinweise darauf, dass Cannabinoide womöglich in der Lage sind, das Tumorwachstum zu hemmen.

Dickdarmkrebs und Cannabis als Medizin

Dickdarmkrebs: Was ist das?

Nach Brustkrebs bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern gehört der Dickdarmkrebs bei beiden zu den häufigsten Krebserkrankungen. Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass im Jahr 2018 rund 33.000 Männer und 26.000 Frauen neu an Darmkrebs erkrankt sind. Wenn von Darmkrebs gesprochen wird, ist in der Regel der Dickdarmkrebs (kolorektales Karzinom) gemeint. Grundsätzlich kann der Krebs aber in allen Darmabschnitten entstehen, also auch im Dünndarm und im Analbereich. Diese Tumore kommen jedoch wesentlich seltener vor als Tumore im Dickdarm.

Mediziner unterscheiden das kolorektale Karzinom in das Rektumkarzinom und das Kolonkarzinom. Beim Rektumkarzinom befindet sich der Tumor im letzten Abschnitt des Dickdarms, und zwar im Mastdarm (Rektum). Hingegen hat der Tumor beim Kolonkarzinom höhere Abschnitte des Darms befallen.

Was verursacht Dickdarmkrebs?

Die genauen Ursachen von Dickdarmkrebs sind noch nicht abschließend geklärt. Man weiß, dass sich ein Kolonkarzinom entwickelt, wenn die Zellen in der Dickdarmschleimhaut entarten und sich anschließend unkontrolliert teilen. Verschiedene Einflüsse können diesen Prozess begünstigen. Der Körper schafft es jedoch im Normalfall, die veränderten Zellen zu erkennen und auch zu beseitigen. Wenn dem Körper dies nicht gelingt, entarten die Zellen und wachsen unkontrolliert weiter, sodass infolgedessen ein Tumor entsteht.

Meist entsteht Darmkrebs nicht plötzlich, sondern entwickelt sich schleichend. In der Regel entsteht der Krebs aus Darmpolypen. Hierbei handelt es sich um kleine Vorwölbungen (gutartige Polypen) in der Darmschleimhaut, die gutartig sind. Sollten diese Polypen jedoch entarten, bilden sie Krebszellen.

Weitere Ursachen

Dickdarmkrebs: Die genauen Ursachen sind unbekannt.

In den meisten Fällen lässt sich keine direkte Ursache feststellen. Genetische Faktoren können eine Rolle bei der Entstehung eines kolorektalen Karzinoms spielen. Zudem existieren Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit für eine Dickdarmkrebs-Erkrankung erhöhen können. Hierzu gehören zum Beispiel genetisch bedingte Erkrankungen, wie zum Beispiel das Gardner-Syndrom, HNPCC, das Peutz-Jeghers-Syndrom oder familiäre adenomatöse Polyposis.

Darüber hinaus können sich Karzinome im Darm auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn  und Colitis ulcerosa bilden. Weitere Informationen hierzu finden Sie in diesem Artikel. Ein erhöhtes Risiko besteht auch dann, wenn ein Rektumkarzinom oder ein Kolonkarzinom in der Familie vorkommt und ein Betroffener bei Krankheitsbeginn unter 50 Jahre alt ist.

Weitere Ursachen, die für die Entstehung eines Karzinoms im Dickdarm mitverantwortlich sein können, sind:

  • Übergewicht und Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • ungesunde Ernährung (z. B. zu viel Fett und zu viel rotes Fleisch)

Darüber hinaus spielt auch das Alter eine wichtige Rolle, wenn es um die Wahrscheinlichkeit für Dickdarmkrebs geht. Denn je älter man wird, desto höher ist auch das Erkrankungsrisiko. So tritt der Krebs im Dickdarm nur selten in jungen Jahren bzw. vor dem 40. Lebensjahr auf. 90 von 100 Patienten sind älter 55 Jahre und mehr als die Hälfte erkranken nach ihrem 70. Lebensjahr. Bei der Diagnose ist eine Frau im Durchschnitt 75 Jahre und ein Mann 72 Jahre alt.

Welche Symptome bei Dickdarmkrebs?

In der Regel entwickelt sich der Krebs im Dickdarm über eine längere Zeit hinweg, ohne dass er Symptome verursacht. Insbesondere in den frühen Krebsstadien fehlen oftmals typische Symptome. Mögliche Symptome können Stuhlgangveränderungen (z. B. Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall, häufiger Stuhlgang, bleistiftdünner Stuhlgang oder übel riechender Stuhlgang) sein. Auch okkultes Blut auf oder im Stuhl kann auf eine Krebserkrankung hinweisen.

Weitere mögliche Symptome können sein:

  • starke Blähungen, die ggf. mit Blut-, Schleim- oder Stuhlverlust einhergehen
  • wiederholte Darmkrämpfe (mindestens eine Woche lang) oder andere Beschwerden im Magen-Darm-Trakt
  • Verhärtungen im Bauchraum, die tastbar sind
  • Appetitlosigkeit, Blässe, Müdigkeit, Leistungsabfall
  • unerklärliche Gewichtsabnahme

Wenn derartige Beschwerden auftreten, sind diese noch lange kein Beweis für Krebs. In vielen Fällen sind diese Symptome harmlos. Trotzdem sollten Betroffene sichergehen und sich ärztlich untersuchen lassen. Das gilt vor allem dann, wenn im oder auf dem Stuhl Blut gefunden wird.

Diagnose und weiterführende Untersuchungen

Die Darmspiegelung (Koloskopie) ist die sicherste Methode, um ein Rektumkarzinom oder ein Kolonkarzinom zu diagnostizieren oder ausschließen zu können. Besteht der dringende Verdacht auf Dickdarmkrebs, wird der Arzt eine Darmspiegelung vorschlagen. Die Koloskopie kann ambulant in einer gastroenterologischen Praxis durchgeführt werden. Während der Darmspiegelung kann der Arzt auch Gewebeproben aus verdächtigen Bereichen entnehmen und kleinere Darmpolypen entfernen.

Mithilfe der Darmspiegelung kann ein Darmkrebs erkannt werden.

Wenn die Durchführung einer Darmspiegelung nicht möglich ist, beispielsweise dann, wenn es im Bauchraum zu Verwachsungen gekommen ist, kann alternative eine virtuelle Darmspiegelung (virtuelle Kolongrafie) durchgeführt werden.

Diese Untersuchungsmethode bietet den Vorteil, dass in den Darm kein Endoskop eingeführt werden muss.

Die Darstellung der einzelnen Darmabschnitte erfolgt dann mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) oder der Computertomografie (CT).

Von Nachteil ist hier jedoch, dass Schleimhautveränderungen und Darmpolypen nicht zu zuverlässig erkannt werden können.

Weitere Untersuchungen

Wenn sich der Verdacht auf Darmkrebs bestätigt hat, erfolgen weitere Untersuchungen, um das Krebsstadium bestimmen zu können (TNM-Klassifikation). Wichtig sind hier Größe und Ausbreitung des Tumors. Außerdem muss untersucht werden, ob die Lymphknoten befallen sind und sich Tochtergeschwülste Metastasen gebildet haben. Beim Dickdarmkrebs bilden sich diese oftmals in der Lunge oder in der Leber. Um diese Punkte klären zu können, werden in der Regel folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Ultraschall des Bauches, um zu prüfen, ob sich in der Leber Metastasen befinden (ggf. auch MRT oder CT)
  • Röntgenaufnahme des Brustraums, um zu prüfen, ob sich in der Lunge Metastasen gebildet haben
  • körperliche Untersuchung des Enddarms (Tastuntersuchung)

Darüber hinaus erfolgt auch eine Blutuntersuchung. Insbesondere wird hier ermittelt, ob der CEA-Wert (Carcinoembryonales Antigen) erhöht ist. Hierbei handelt es sich um einen Tumormarker, der Hinweise darauf geben kann, ob möglicherweise eine Krebserkrankung vorliegt. Jedoch ist ein erhöhter Wert kein Beweis für eine Darmkrebserkrankung. Denn eine Erhöhung des Wertes kann auch bei einer Entzündung vorkommen.

Darmkrebs: Behandlung und Therapien

Die Behandlung richtet sich vor allem danach, wie aggressiv der bösartige Tumor wächst, und ob er bereits Metastasen gebildet hat. Dabei stellt die Operation die wichtigste Therapiemethode dar. Denn in einem frühen Stadium ist Dickdarmkrebs mithilfe einer Operation gut heilbar. Bei einer Operation erfolgt dann die Entfernung eines Dickdarmteiles und die Enden werden aneinandergenäht. In seltenen Fällen ist es nach einer Operation erforderlich, vorübergehend einen künstlichen Darmausgang (Stoma) zu legen, damit sich der Darm leichter generieren kann.

Die weitere Behandlung ist davon abhängig, ob der Tumor vollständig entfernt werden konnte. Eine adjuvante Chemotherapie kann ergänzend durchgeführt werden, um eventuell noch vorhandene Krebszellen abzutöten. Ebenso kann eine Strahlentherapie zum Einsatz kommen, um einzelne Körperbereiche gezielt zu bestrahlen, zum Beispiel dann, wenn sich Metastasen gebildet haben.

Beim Rektumkarzinom kann es in einigen Fällen sinnvoll sein, vor der Operation eine Strahlentherapie oder aber eine kombinierte Chemotherapie und Strahlentherapie durchzuführen. Im Rahmen dieser neoadjuvanten Therapie soll sich der Tumor zunächst verkleinern, sodass der operative Eingriff weniger umfangreich ist. Zudem erhöht diese Therapie die Chancen, dass der Schließmuskel erhalten bleibt und ein dauerhafter künstlicher Darmausgang nicht notwendig wird.

Therapie im fortgeschrittenen Stadium

Sollte sich der Tumor im Bauchraum oder in andere Organe ausgebreitet haben, kommt eine Operation meist nicht infrage. In der Regel erhalten Patienten dann eine Chemotherapie sowie eine zielgerichtete Therapie.

Neben der klassischen Chemotherapie mit Zytostatika kommen auch immer häufiger neue Medikamente bei vielen Krebserkrankungen zum Einsatz. Diese ähneln den Antikörpern des Immunsystems und richten sich gegen bestimmte Merkmale von Krebszellen. Oftmals werden diese Medikamente ergänzend bei Patienten eingesetzt, bei denen der Krebs bereits Metastasen gebildet hat. Beim Darmkrebs können die folgenden Medikamente infrage kommen:

  • Angiogenesehemmer: Wirkstoffe wie Evacizumab können die Bildung neuer Blutgefäße verhindern, sodass der Tumor nicht mehr mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird.
  • Wachstumsrezeptorblocker: Wirkstoffe wie Cetuximab oder auch Panitumumab können auf der Oberfläche der Darmkrebszellen bestimmte Rezeptoren blockieren. Der epidermale Wachstumsfaktor (EGF) bindet normalerweise an diese Rezeptoren. Infolge wird das Tumorwachstum gefördert. Mithilfe eines Wachstumsrezeptorblockers können die Rezeptoren besetzt werden. Allerdings sind diese Wirkstoffe lediglich bei Patienten wirksam, bei denen das K-Ras-Gen mutiert ist.

Weitere Informationen zu den Therapiemöglichkeiten gibt der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Darmkrebs: Krankheitsverlauf und Prognose

Je früher der Darmkrebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Wie bei allen anderen Krebsarten gilt auch beim Darmkrebs, dass je früher dieser erkannt wird, desto besser kann der Krankheitsverlauf beeinflusst werden und umso besser ist auch die Prognose.

Wie sich ein Dickdarmkrebs entwickelt, ist von Patient zu Patient unterschiedlich.

Der Verlauf und die Prognose hängen auch davon ab, ob es sich um einen kleinen oder großen Tumor handelt, wie schnell er wächst, und ob bereits Metastasen in anderen Organen vorhanden sind.

Wenn es bei einer Operation gelingt, den Tumor mit den angrenzenden Lymphknoten zu entfernen, sieht die Prognose bzw. die Heilungsaussicht gut aus.

Cannabigerol bei der Behandlung von Darmkrebs

Eine aktuelle Studie von israelischen Forschern zielte darauf ab, die zytotoxische Wirkung von Extrakten aus Cannabis auf Kolonkarzinomzellen und adenomatöse Polypen zu bestimmen. Im Ergebnis heißt es, dass Cannabisverbindungen, insbesondere das Cannabinoid Cannabigerol (CBG), bei den Darmkrebszellen einen Zellstillstand sowie einen apoptotischen Zelltod auslösten. Ebenso schienen sich die Cannabisverbindungen auch auf adenomatöse Polypen positiv auszuwirken, was auf einen möglichen zukünftigen therapeutischen Wert schließen lässt.

Forscher der University of Naples Federico in Italien beschreiben im Rahmen ihrer Studie im Jahr 2014 CBG als nicht-psychotropes Cannabinoid, das möglicherweise an der Karzinogenese (Tumorentwicklung) beteiligt sein könnte. Die Forscher untersuchten an Mausmodellen, ob CBG gegen eine Darmtumorentstehung schützen kann. CBG konnte unter anderem die Apoptose (Zelltod) verhindern das Zellwachstum der Darmkrebszellen reduzieren. Weiter heißt es, dass CBG in vivo das Wachstum von Xenotransplantat-Tumoren sowie die chemisch induzierte Kolonkarzinogenese inhibierte. CBG hemmte das Fortschreiten des Dickdarmkrebses in vivo und selektiv das Wachstum der Darmkrebszellen.

Cannabidiol (CBD) scheint ebenfalls das Krebszellenwachstum zu hemmen

Die gleichen italienischen Forscher untersuchten auch die Wirkung eines Cannabis-Extraktes mit einem hohen CBD-Gehalt auf das Wachstum (Proliferation) von Darmkrebszellen in vivo. Auch hier zeigte sich, dass CBD die Zellproliferation reduzierte. Reines CBD reduzierte hingegen die Zellproliferation nur auf CB1-empfindliche Antagonisten. Im Ergebnis führten die Forscher aus, dass das Cannabisextrakt mit hohem CBD-Gehalt die Darmkarzinogenese abschwächte und das Wachstum der Darmkrebszellen hemmte, und zwar über Aktivierung des CB1- und CB2-Rezeptors. Weiter heißt es, dass die Ergebnisse eine gewisse klinische Relevanz für die Verwendung von Medikamenten auf Cannabis-Basis bei Krebspatienten haben könnte.

Bereits zwei Jahre zuvor untersuchten die italienischen Forscher die CBD-Wirkung auf das Wachstum von Darmkrebszellen in Mausmodellen. In kolorektalen Karzinomzelllinien zeigte CBD eine schützende Wirkung, heißt es im Ergebnis. Außerdem verringerte CBD die Zellproliferation in einer auf CB1-Antagonisten empfindlichen Weise. Die Forscher schlussfolgerten, dass CBD in vivo eine chemopreventive Wirkung ausübt und die Zellproliferation durch mehrere Mechanismen reduziert.

Schwedische Forscher verfolgen interessanten Ansatz

Forscher der Uppsala University in Schweden haben im Jahr 2011 einen interessanten Ansatz verfolgt. In der Studie heißt es, dass die Cyclooxygenase-Enzyme (COX-1 und COX-2) die Produktion von Prostaglandinen aus Arachidonsäure katalysieren. Dabei gehören Prostaglandine zu den Fettsäure-Abkömmlingen und wirken als Gewebshormone. Außerdem sind sie wichtige Mediatoren in Entzündungsprozessen und ihre Produktion lässt sich COX-Hemmer reduzieren.

Endocannabinoide, endogene Analoga der pflanzlichen Cannabinoide, kommen normalerweise im menschlichen Körper vor. Die Endocannabinoide ähneln strukturell der Arachidonsäure (ungesättigte Fettsäure bzw. Omega-6-Fettsäure). Es wird angenommen, dass sie den Entzündungsprozess stören und die Proliferation von Krebszellen hemmen können.

Weiter heißt es, dass bei Cannabinoiden und Endocannabinoiden eine entzündungshemmende Wirkung beobachtet wurde. Die Wirkungsweise ist jedoch noch nicht geklärt. Zudem könne eine entzündungshemmende Wirkung, das heißt, die Inhibierung von COX-2, eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Darmkrebs spielen. In der Studie wurden die sechs Cannabinoide Tetrahydrocannabinol (Δ⁹-THC), Tetrahydrocannabinolsäure (Δ⁹-THC-A), Cannabidiol (CBD), Cannabidiolsäure (CBDA), Cannabigerol (CBG) und Cannabigerolsäure (CBGA) isoliert und auf ihre Auswirkungen auf die Prostaglandinproduktion in-vitro untersucht. Im Ergebnis heißt es, dass die Cannabinoide die Cyclooxygenase-Enzymaktivität hemmen konnten.

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Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

 

Quellen:

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