Krebs

Diese Kategorie wird gefördert von:
Krebs

Dickdarmkrebs und Cannabis als Medizin

Dickdarmkrebs gehört zu den am häufigsten vorkommenden Krebserkrankungen. Einige Studien liefern Hinweise darauf, dass Cannabinoide womöglich in der Lage sind, das Tumorwachstum zu hemmen.

Dickdarmkrebs und Cannabis als Medizin

Nach Brustkrebs bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern ist der Dickdarmkrebs bei beiden die zweithäufigste Krebserkrankung. Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass im Jahr 2018 rund 33.000 Männer und 26.000 Frauen neu an Darmkrebs erkrankt sind. Wenn von Darmkrebs gesprochen wird, ist in der Regel der Dickdarmkrebs (kolorektales Karzinom) gemeint. Grundsätzlich kann der Krebs aber in allen Darmabschnitten entstehen, also auch im Dünndarm und im Analbereich. Diese Tumore kommen jedoch wesentlich seltener vor als Tumore im Dickdarm.

Mediziner unterscheiden den Dickdarmkrebs wie folgt:

  • Rektumkarzinom: Der Tumor befindet sich hier im letzten Abschnitt des Dickdarms, und zwar im Mastdarm (Rektum).
  • Kolonkarzinom: Hier hat der Tumor höhere Abschnitte des Darms befallen.

Cannabis als Medizin hat sich besonders in Palliativmedizin als nützlich erwiesen und kann gegen Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit und Angstzustände helfen. Einige Studien geben Hinweise darauf, dass Cannabinoide, insbesondere Cannabigerol, vermutlich in der Lage sind, das Wachstum von Darmkrebszellen zu hemmen. Beweise hierfür gibt es jedoch noch nicht. Dennoch lassen die unten aufgeführten Studien hoffen.

Mehr zum Thema Cannabis gegen Krebs.

Dickdarmkrebs und seine Ursachen

Die genauen Ursachen von Dickdarmkrebs sind noch nicht abschließend geklärt. Man weiß, dass sich ein Kolonkarzinom entwickelt, wenn die Zellen in der Dickdarmschleimhaut entarten und sich anschließend unkontrolliert teilen. Verschiedene Einflüsse können diesen Prozess begünstigen. Der Körper schafft es jedoch im Normalfall, die veränderten Zellen zu erkennen und auch zu beseitigen. Wenn dem Körper dies nicht gelingt, entarten die Zellen und wachsen unkontrolliert weiter, sodass infolge dessen ein Tumor entsteht.

Meist entsteht Darmkrebs nicht plötzlich, sondern entwickelt sich schleichend. Oftmals entsteht der Krebs aus Darmpolypen. Hierbei handelt es sich um kleine Vorwölbungen in der Darmschleimhaut, die gutartig sind. Sollten diese Polypen jedoch entarten, bilden sie Krebszellen, sodass Darmkrebs entsteht.

In den meisten Fällen von Darmkrebs lässt sich keine direkte Ursache feststellen. Genetische Faktoren können eine Rolle bei der Entstehung von Darmkrebs spielen. Zudem existieren Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit für eine Dickdarmkrebs-Erkrankung erhöhen können. Hierzu gehören:

  • genetisch bedingte Erkrankungen, wie zum Beispiel Gardner-Syndrom, HNPCC, Peutz-Jeghers-Syndrom oder familiäre adenomatöse Polyposis
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Colitis ulcerosa)
  • Darmkrebs in der Familie, wenn der Betroffene bei Krankheitsbeginn unter 50 Jahre alt ist
  • Übergewicht und Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • ungesunde Ernährung (z. B. zu viel Fett und zu viel Fleisch)

Darüber hinaus spielt auch das Alter eine wichtige Rolle, wenn es um die Wahrscheinlichkeit für Dickdarmkrebs geht. Denn je älter man wird, desto höher ist auch das Erkrankungsrisiko. So tritt der Dickdarmkrebs nur selten vor dem 40. Lebensjahr auf. 90 von 100 Dickdarmkrebspatienten sind älter 55 Jahre und mehr als die Hälfte erkranken nach ihrem 70. Lebensjahr. Bei der Diagnose ist eine Frau im Durchschnitt 75 Jahre und ein Mann 72 Jahre alt.

Dickdarmkrebs: Welche Symptome können auftreten?

In der Regel entwickelt sich der Krebs im Dickdarm über eine längere Zeit hinweg, ohne dass er Symptome verursacht. Insbesondere in den frühen Krebsstadien fehlen oftmals typische Symptome. Mögliche Symptome von Darmkrebs können sein:

  • Blut auf dem Stuhl oder Blut im Stuhl
  • Stuhlgangveränderungen (z. B. Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall, häufiger Stuhlgang, bleistiftdünner Stuhlgang oder übel riechender Stuhlgang)
  • starke Blähungen, die ggf. mit Blut-, Schleim- oder Stuhlverlust einhergehen
  • wiederholte Darmkrämpfe (mindestens eine Woche lang)
  • Verhärtungen im Bauchraum, die tastbar sind
  • Appetitlosigkeit, Blässe, Müdigkeit, Leistungsabfall
  • unerklärliche Gewichtsabnahme

Wenn derartige Beschwerden auftreten, sind die noch lange kein Beweis für Krebs. In vielen Fällen sind diese Symptome harmlos. Trotzdem sollten Betroffene sichergehen, wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum anhalten und sich ärztlich untersuchen lassen. Das gilt vor allem dann, wenn im oder auf dem Stuhl Blut gefunden wird.

Dickdarmkrebs: Diagnose und weiterführende Untersuchungen

Die Darmspiegelung (Koloskopie) ist die sicherste Methode, um den Krebs im Dickdarm zu diagnostizieren oder ausschließen zu können. Besteht der dringende Verdacht auf Dickdarmkrebs, wird der Arzt eine Darmspiegelung vorschlagen. Diese kann ambulant in einer gastroenterologischen Praxis durchgeführt werden. Während der Darmspiegelung kann der Arzt auch Gewebeproben aus verdächtigen Bereichen entnehmen und kleinere Darmpolypen entfernen.

Wenn die Durchführung einer Darmspiegelung nicht möglich ist, beispielsweise dann, wenn es im Bauchraum zu Verwachsungen gekommen ist, kann alternative eine virtuelle Kolongrafie durchgeführt werden. Diese Untersuchungsmethode bietet den Vorteil, dass in den Darm kein Endoskop eingeführt werden muss. Die Darstellung der einzelnen Darmabschnitte erfolgt dann mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) oder der Computertomografie (CT). Von Nachteil ist hier jedoch, dass Schleimhautveränderungen und Darmpolypen nicht zu zuverlässig erkannt werden können.

Wenn sich der Verdacht auf Darmkrebs bestätigt hat, erfolgen weitere Untersuchungen, um das Krebsstadium bestimmen zu können. Wichtig sind hier Größe und Ausbreitung des Tumors. Außerdem muss untersucht werden, ob die Lymphknoten befallen sind und sich Metastasen gebildet haben. Beim Dickdarmkrebs bilden sich Metastasen oftmals in der Lunge oder in der Leber. Um diese Punkte klären zu können, werden in der Regel folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Ultraschall des Bauches, um zu prüfen, ob sich in der Leber Metastasen befinden (ggf. auch MRT oder CT)
  • Röntgenaufnahme des Brustraums, um zu prüfen, ob sich in der Lunge Metastasen gebildet haben
  • Untersuchung des Enddarms (Tastuntersuchung)

Darüber hinaus erfolgt auch eine Blutuntersuchung. Insbesondere wird hier ermittelt, ob der CEA-Wert (Carcinoembryonales Antigen) erhöht ist. Hierbei handelt es sich um einen Tumormarker, der Hinweise darauf geben kann, ob möglicherweise eine Krebserkrankung vorliegt. Jedoch ist ein erhöhter Wert kein Beweis für eine Darmkrebserkrankung, denn eine Erhöhung des Wertes kann auch bei einer Entzündung vorkommen.

Darmkrebs: Behandlung und Therapien

Die Behandlung richtet sich vor allem danach, wie aggressiv der Tumor wächst, und ob er bereits Metastasen gebildet hat. Dabei stellt die Operation die wichtigste Therapiemethode dar. Denn in einem frühen Stadium ist Dickdarmkrebs mithilfe einer Operation gut heilbar. Bei einer Operation erfolgt dann die Entfernung eines Dickdarmteiles und die Enden werden aneinandergenäht. In seltenen Fällen ist es nach einer Operation erforderlich, vorübergehend einen künstlichen Darmausgang (Stoma) zu legen, damit sich der Darm leichter generieren kann.

Die weitere Behandlung ist davon abhängig, ob der Tumor vollständig entfernt werden konnte. Eine Chemotherapie kann ergänzend durchgeführt werden, um eventuell noch vorhandene Krebszellen abzutöten. Ebenso kann eine Strahlentherapie zum Einsatz kommen, um einzelne Körperbereiche gezielt zu bestrahlen, zum Beispiel dann, wenn sich Metastasen gebildet haben.

Zielgerichtete Therapie

Neben der klassischen Chemotherapie mit Zytostatika kommen auch immer häufiger neue Medikamente bei vielen Krebserkrankungen zum Einsatz. Diese ähneln den Antikörpern des Immunsystems und richten sich gegen bestimmte Merkmale von Krebszellen. Oftmals werden diese Medikamente ergänzend bei Betroffenen eingesetzt, bei denen der Krebs bereits Metastasen gebildet hat. Beim Darmkrebs können die folgenden Medikamente infrage kommen:

Angiogenesehemmer: Wirkstoffe wie Evacizumab können die Bildung neuer Blutgefäße verhindern, sodass der Tumor nicht mehr mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird.

Wachstumsrezeptorblocker: Wirkstoffe wie Cetuximab oder auch Panitumumab können auf der Oberfläche der Darmkrebszellen bestimmte Rezeptoren blockieren. Der epidermale Wachstumsfaktor (EGF) bindet normalerweise an diese Rezeptoren. Infolge wird das Tumorwachstum gefördert. Mithilfe eines Wachstumsrezeptorblockers können die Rezeptoren besetzt werden. Allerdings sind diese Wirkstoffe lediglich bei Betroffenen wirksam, bei denen das K-Ras-Gen mutiert ist.

Darmkrebs: Krankheitsverlauf und Prognose

Wie bei allen anderen Krebsarten gilt auch beim Darmkrebs, dass je früher dieser erkannt wird, desto besser kann der Krankheitsverlauf beeinflusst werden und umso besser ist auch die Prognose. Wie sich ein Dickdarmkrebs entwickelt, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Der Verlauf und die Prognose hängen auch davon ab, wie groß der Tumor ist, wie schnell er wächst, und ob bereits Metastasen in anderen Organen vorhanden sind. Wenn es bei einer Operation gelingt, den Tumor mit den angrenzenden Lymphknoten zu entfernen, sieht die Prognose bzw. die Heilungsaussicht gut aus.

Cannabigerol bei der Behandlung von Darmkrebs

Eine aktuelle Studie von israelischen Forschern zielte darauf ab, die zytotoxische Wirkung von Extrakten aus Cannabis auf Kolonkarzinomzellen und adenomatöse Polypen zu bestimmen. Im Ergebnis heißt es, dass Cannabisverbindungen, insbesondere das Cannabinoid Cannabigerol (CBG), bei den Darmkrebszellen einen Zellstillstand sowie einen apoptotischen Zelltod auslösten. Ebenso schienen sich die Cannabisverbindungen auch auf adenomatöse Polypen positiv auszuwirken, was auf einen möglichen zukünftigen therapeutischen Wert schließen lässt.

Forscher der University of Naples Federico in Italien beschreiben im Rahmen ihrer Studie im Jahr 2014 CBG als nicht-psychotropes Cannabinoid, das möglicherweise an der Karzinogenese (Tumorentwicklung) beteiligt sein könnte. Die Forscher untersuchten an Mausmodellen, ob CBG gegen eine Darmtumorentstehung schützen kann. CBG konnte unter anderem die Apoptose (Zelltod) verhindern das Zellwachstum der Darmkrebszellen reduzieren. Weiter heißt es, dass CBG in vivo das Wachstum von Xenotransplantat-Tumoren sowie die chemisch induzierte Kolonkarzinogenese inhibierte. CBG hemmte das Fortschreiten des Dickdarmkrebses in vivo und selektiv das Wachstum der Darmkrebszellen.

Cannabidiol (CBD) scheint ebenfalls das Krebszellenwachstum zu hemmen

Die gleichen italienischen Forscher untersuchten auch die Wirkung eines Cannabis-Extraktes mit einem hohen CBD-Gehalt auf das Wachstum (Proliferation) von Darmkrebszellen in vivo. Auch hier zeigte sich, dass CBD die Zellproliferation reduzierte. Reines CBD reduzierte hingegen die Zellproliferation nur auf CB1-empfindliche Antagonisten. Im Ergebnis führten die Forscher aus, dass das Cannabisextrakt mit hohem CBD-Gehalt die Darmkarzinogenese abschwächte und das Wachstum der Darmkrebszellen hemmte, und zwar über Aktivierung des CB1- und CB2-Rezeptors. Weiter heißt es, dass die Ergebnisse eine gewisse klinische Relevanz für die Verwendung von Medikamenten auf Cannabis-Basis bei Krebspatienten haben könnte.

Bereits zwei Jahre zuvor untersuchten die italienischen Forscher die CBD-Wirkung auf das Wachstum von Darmkrebszellen in Mausmodellen. In kolorektalen Karzinomzelllinien zeigte CBD eine schützende Wirkung, heißt es im Ergebnis. Außerdem verringerte CBD die Zellproliferation in einer auf CB1-Antagonisten empfindlichen Weise. Die Forscher schlussfolgerten, dass CBD in vivo eine chemopreventive Wirkung ausübt und die Zellproliferation durch mehrere Mechanismen reduziert.

Schwedische Forscher verfolgen interessanten Ansatz

Forscher der Uppsala University in Schweden haben im Jahr 2011 einen interessanten Ansatz verfolgt. In der Studie heißt es, dass die Cyclooxygenase-Enzyme (COX-1 und COX-2) die Produktion von Prostaglandinen aus Arachidonsäure katalysieren. Dabei gehören Prostaglandine zu den Fettsäure-Abkömmlingen und wirken als Gewebshormone. Außerdem sind sie wichtige Mediatoren in Entzündungsprozessen und ihre Produktion lässt sich COX-Hemmer reduzieren.

Endocannabinoide, endogene Analoga der pflanzlichen Cannabinoide, kommen normalerweise im menschlichen Körper vor. Die Endocannabinoide ähneln strukturell der Arachidonsäure (ungesättigte Fettsäure bzw. Omega-6-Fettsäure). Es wird angenommen, dass sie den Entzündungsprozess stören und die Proliferation von Krebszellen hemmen können.

Weiter heißt es, dass bei Cannabinoiden und Endocannabinoiden eine entzündungshemmende Wirkung beobachtet wurde. Die Wirkungsweise ist jedoch noch nicht geklärt. Zudem könne eine entzündungshemmende Wirkung, das heißt, die Inhibierung von COX-2, eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Darmkrebs spielen. In der Studie wurden die sechs Cannabinoide Tetrahydrocannabinol (Δ⁹-THC), Tetrahydrocannabinolsäure (Δ⁹-THC-A), Cannabidiol (CBD), Cannabidiolsäure (CBDA), Cannabigerol (CBG) und Cannabigerolsäure (CBGA) isoliert und auf ihre Auswirkungen auf die Prostaglandinproduktion in-vitro untersucht. Im Ergebnis heißt es, dass die Cannabinoide die Cyclooxygenase-Enzymaktivität hemmen konnten.

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

Ähnliche Artikel