Dreifach negativer Brustkrebs: Neue Therapiemöglichkeit

Autor: Dr. Christine Hutterer

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Dreifach negativer Brustkrebs ist sehr aggressiv und schwer zu behandeln. Eine Kombination aus photodynamischer Therapie mit Cannabinoiden könnte betroffenen Frauen in Zukunft helfen.

Dreifach negativer Brustkrebs: Neue Therapiemöglichkeit

Dreifach negativer Brustkrebs ist die tödlichste Form des Brustkrebses. Er wird meist später diagnostiziert, ist aggressiver, spricht schlechter auf die Behandlung an und kehrt häufiger wieder. Etwa 10-17 Prozent der Frauen sind von dieser Form betroffen. Die Bezeichnung “dreifach negativ” kommt daher, dass die Art des Brustkrebses anhand spezifischer Kriterien, der Rezeptoren auf der Oberfläche der Krebszellen, eingeteilt wird:

  • Östrogenrezeptor-sensitive Tumoren haben Östrogenrezeptoren auf der Zelloberfläche
  • Progesteron-sensitive Tumoren haben Progesteronrezeptoren auf der Zelloberfläche
  • HER-2-sensitive Tumoren haben HER-2-Rezeptoren auf der Zelloberfläche.

Dreifach negativer Brustkrebs weist keine dieser Rezeptoren auf.

Behandlungsoptionen bei Brustkrebs

Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass in Brustkrebsgewebe der Cannabinoidrezeptor 2 (CB2) vermehrt vorkommt, während er in gesundem Brustgewebe nicht zu finden ist. Zudem scheinen CB2-Rezeptor-Agonisten sich als potenzielle Behandlungsoption bei Krebserkrankungen (und anderen Erkrankungen) anzubieten.

Eine weitere Therapieform, die sich bereits bei verschiedenen Krebsarten als gut wirksam und schonend gezeigt hat, ist die photodynamische Therapie. Dabei wird die Energie von Licht bestimmter Wellenlänge genutzt, um Krebszellen gezielt zu schädigen.

Das Prinzip dahinter ist folgendes: Man verabreicht ein Medikament, an das ein lichtempfindliches Molekül angeklebt ist, und das sich bevorzugt in Krebszellen anreichert. Anschließend wird die Stelle, bei Hautkrebs die Stelle auf der Hautoberfläche, bei Blasenkrebs im Bereich der Blase, mit dem Licht bestrahlt. Die Schädigung der Krebszellen erfolgt durchdie lichtempfindliche Substanz. Zugleich kann der angekoppelte Wirkstoff vor Ort aktiv werden.

Kombination aus Cannabinoid- und photodynamischer Therapie

Wissenschaftler aus den USA haben dieses Prinzip nun an Brustkrebszellen untersucht. Dazu haben sie, vereinfacht gesagt, an ein Cannabinoid ein lichtempfindliches Sensormolekül gehängt. Zusätzlich hatten sie eine weitere Substanz im Einsatz, nämlich einen CB2-Agonisten.

Um die Effekte zu untersuchen, injizierten sie Mäusen mit einem dreifach negativen Tumor entweder nur das Sensormolekül (ohne Cannabinoid) (Kontrollgruppe), das Cannabinoid-Sensor-Konstrukt, den CB2-Agonisten oder eine Kombination des Cannabinoid-Sensor-Konstrukts und des CB2-Agonisten. Anschließend bestrahlten sie die Mäuse mit Licht und untersuchten die Effekte auf die Tumorgröße und das Überleben der Mäuse fünf Tage nach der Behandlung.

Ergebnisse der Untersuchung

Die Mäuse der Kontrollgruppe hatten die größten Tumoren und verstarben etwa fünf Tage nach der Behandlung. Die Tiere, die entweder das Cannabinoid oder den CB2-Agonisten bekommen hatten, überlebten etwas länger. Die besten Ergebnisse zeigten sich in der Gruppe, welche die Kombination erhalten hatte. Die Tumorgröße ging um mehr als die Hälfte zurück und das Überleben verlängerte sich auf im Mittel acht Tage.

Dreifach negativer Brustkrebs: Photodynamische Therapie könnte wirksam sein

Der Wirkmechanismus, der hinter den Effekten steckt, ist noch nicht geklärt. Die Autoren vermuten aber, dass durch die Kombination beider Substanzen (Cannabinoid und CB2-Agonist) eine Aktivierung mehrerer unterschiedlicher Signalwege und Zelltodprozesse erfolgt, die günstig zusammenwirken. Auch ob die Therapie auf den Menschen übertragbar ist, wurde noch nicht untersucht. Allerdings zeigen mehrere Studien aus den letzten Jahren, dass die Kombination einer Therapie (z. B. Chemotherapie, Immuntherapie, Radiotherapie u. a.) mit photodynamischer Therapie die Effekte verbessern konnte.

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