Ein Leitfaden zu Cannabis-Allergien und den entsprechenden Symptomen

Autor: Leafly Redaktion

Verõffentlicht am: 10. Mai 2017

Geändert am: 21. Juni 2017

Allergische Reaktionen können sehr unangenehm sein, sind jedoch leider weit verbreitet. Nach Angaben des American College of Asthma, Allergy, and Immunology leiden jedes Jahr mehr als 50 Millionen US-Amerikaner unter Allergien. Sehr viele Menschen machen also im Verlauf ihres Lebens Erfahrungen mit allergischen Reaktionen.

Ein Leitfaden zu Cannabis-Allergien und den entsprechenden Symptomen

Bei den Auslösern kann es sich um bestimmte Lebensmittel, Pollen oder Schimmel handeln, oder auch um spezifischere Reizauslöser wie Katzen. Dabei kommt es häufig vor, dass Menschen allergisch auf Dinge reagieren, die mit ihrer Arbeit in Verbindung stehen, sie gern mögen oder schlimmstenfalls sogar benötigen. Mit der voranschreitenden Legalisierung steigt auch die Zahl der Berichte über Cannabis-Allergien deutlich. Aus ihnen geht hervor, dass bei Budtendern (Cannabis-Verkäufer) und Patienten verschiedenste Symptome auftreten können.

Hier ein typischer Bericht, den wir zu diesem Thema erhalten haben:
„Ich habe medizinisches Cannabis ausprobiert und 12 Tage lang eingenommen. Ich hatte das Gefühl, allergisch darauf zu reagieren. Um sicherzugehen, dass die Reaktion vom Hanf verursacht wurde, rauchte ich ein wenig, und tatsächlich trat dieselbe Reaktion auf. Sie war sehr heftig: Mir lief ständig die Nase, die Augen tränten und ich fühlte mich benommen. Manchmal brannten mir auch die Augen. Gibt es zur Behandlung von Schmerzen ein vergleichbares Produkt ohne diese starken Nebeneffekte? Oder kann ich mich irgendwo genauer informieren? Gegen meine Arthritis-Beschwerden hilft Cannabis nämlich. Vielen Dank.“ – Anonymer Absender

Weil sich solche Berichte über allergische Reaktionen häufen und bisher nur wenige Informationen darüber verfügbar sind, wollten wir das Thema genauer untersuchen.

Neuland: Die Cannabis-Allergieforschung

Nachdem sie in der Wissenschaft lange Zeit kaum wahrgenommen wurden, nehmen Cannabis-Allergien in letzter Zeit offenbar deutlich zu. Mit der zunehmenden Verbreitung des Cannabis-Konsums in den USA wächst auch das Interesse der Forschung an diesen Allergien. Die Korrelation zwischen der Zunahme von Allergien bei sich gleichzeitig ausweitender Legalisierung ist tatsächlich auffällig.

Zum Einstieg befassen wir uns mit einer Reihe von speziellen Eigenschaften, die für Cannabis und dessen Herstellung charakteristisch und somit als Auslöser von Allergien von besonderem Interesse sind. Die Pollen der Cannabispflanze sind (ähnlich wie die von Ambrosia) schwimmfähig und können sich dadurch über weite Strecken verteilen. Das kann ihre potenziell reizauslösende Wirkung verstärken. Die Pollen werden normalerweise nur von männlichen Pflanzen produziert, können allerdings auch von weiblichen Pflanzen stammen, die zwittrige männliche Blüten hervorbringen. Hinzu kommt, dass es eine Vielzahl an Präparaten der Gattung Cannabis Sativa gibt.

Es gibt viele Möglichkeiten, Cannabis-Produkte zu konsumieren. Sie können geraucht, vaporisiert, gekaut, als Tinktur eingenommen oder als Topical aufgetragen werden. Zusätzlich zu diesen Faktoren erhöht die Isolation von Pflanzen mit weiblichen Blüten (zur Verhinderung der Bestäubung) durch Erhöhung des THC-Gehalts die psychoaktiven Eigenschaften der Pflanzen. Dadurch hat sich die Potenz von Cannabis im Laufe der Jahre deutlich erhöht. Tragischerweise könnte diese Entwicklung eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit allergischen Erkrankungen spielen, weil THC als potenzielles Cannabis-Allergen gilt.

Kann man auf Cannabis wirklich allergisch reagieren?

Eine Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems, wobei der Körper versucht, die Atmungsorgane vor vermeintlich schädlichen Eindringlingen zu schützen. Die dabei vom Körper produzierten Antikörper halten zwar diese vermeintlichen Eindringlinge in Schach, rufen allerdings gleichzeitig die bei allergischen Reaktionen üblichen Symptome hervor. Das am weitesten verbreitete Allergen ist der Pollenstaub, der von Bäumen, Gräsern und Kräutern freigesetzt wird, um benachbarte Pflanzen zu befruchten. Schimmelkulturen wiederum sind Sporen, die auf faulenden Holzstämmen oder abgestorbenen Blättern und Gräsern wachsen. Schimmel kommt zwar auch in trockener Umgebung vor, gedeiht allerdings unter feuchten Bedingungen besser.

Wenn wir bedenken, dass diese beiden Allergene mit Cannabis in Verbindung gebracht werden, überrascht es nicht, dass belgische Wissenschaftler kürzlich den Artikel „Emerging allergens: Cannabis“ veröffentlichten. Das Hauptaugenmerk der Forscher galt dabei Cannabis Sativa, einer der beiden Spezies, die unter dem Begriff Marihuana bekannt sind. Die Untersuchungen haben ergeben, dass die Pflanze, wenn sie geraucht, inhaliert oder gekaut wird, verschiedene allergische Symptome wie allergische Rhinitis (Heuschnupfen), Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Hautreizungen und Asthmasymptome auslösen kann. Dieser Sache mussten wir nachgehen, denn das wollten wir genauer wissen.

Was sind Cannabis-Allergien und die dazugehörigen Symptome?

Um keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, sollte zwischen den auf echten Cannabis-Allergien basierenden Symptomen und allergischen Reaktionen auf solche Substanzen in Cannabis-Pflanzen unterschieden werden, die nicht von der Pflanze stammen (zum Beispiel Schimmelpilze). Einfach ausgedrückt: Cannabis kann während der Lagerung schimmeln und bei Menschen mit Schimmelallergien entsprechende Reaktionen auslösen. Es kann sogar passieren, dass Anwender gleichzeitig auf die Pflanze und auf Schimmel allergisch reagieren.

Das mag etwas verwirrend klingen, aber wir haben einen Beweis dafür. Dass in Cannabis-Proben Pilzkontaminierungen vorkommen können, wurde bereits nachgewiesen. Für Patienten mit geschwächtem Immunsystem kann dies das Risiko invasiver Erkrankungen bedeuten. Sogar von einem Fall von bronchopulmonaler Aspergillose wurde berichtet, die der Pilzkontaminierung des Cannabis-Zubehörs eines Patienten zugeschrieben wurde. Das hörte sich erst einmal nicht gut an. Zur Aufklärung bedurfte es dann auch eines Kurses in Steroiden.

Genau genommen handelt es sich bei einer echten Cannabis-Allergie um eine Reaktion auf eine bestimmte in der Cannabispflanze enthaltene Substanz. In ihrem Artikel „Cannabis Sativa: the unconventional ‚weed‘ allergen“ geben die Autoren Ocampo und Rans einen hervorragenden Einblick in die vorhandene Literatur zu diesem Thema. Darin schildern sie, wie in medizinischen Berichten Phasen von allergischen Reaktionen, Überempfindlichkeit und selbst Anaphylaxie nach der Verabreichung verschiedener Formen von Cannabis beschrieben wurden.

Es wurde festgestellt, dass die Inhalation von Cannabis-Pollen Symptome wie allergische Rhinitis, Konjunktivitis und Asthma auslösen kann. Pollen- oder Rauchbelastung hat zum Anschwellen der Nasenschleimhäute, Rhinitis, Niesen, konjunktivaler Injektion, juckendem Rachen, Husten, pfeifendem Atmen und Atemnot geführt.

Auch Fälle von Hautreizungen im Zusammenhang mit der Einnahme von Cannabis wurden beschrieben. Hautkontakt durch die Bearbeitung von Pflanzen wurde assoziiert mit Urtikaria (Nesselsucht), allgemeiner Pruritus (Juckreiz) und periorbitalem Angioödem (Schwellung im Augenhöhlenbereich). Anaphylaxie (eine schwere Reaktion) im Zusammenhang mit okularen Symptomen, Urtikaria (Nesselsucht), Angioödem (Schwellung im Augenhöhlenbereich), Dyspnoe (Atemnot) und Dysphonie (Sprechstörung) wurde als Reaktion auf die Einnahme von Hanfsamen berichtet. Ebenfalls geschildert wurden Fälle von allergischem Asthma, ausgelöst durch saisonalen und berufsbedingten Kontakt mit Cannabis.

Cannabis wurde sogar als ein maßgeblicher Faktor bei einem Fall von eosinophiler Pneumonie (Lungenentzündung) vermutet, bei dem die Symptome nach der Einnahme von Cannabis eintraten. (Im Vergleich zu juckenden Augen ist das ein wirklich ernstes Symptom.)

Variierende Kontaktgrade mit Cannabis-Allergenen

Ganz wie bei anderen luftgetragenen Stoffen, die allergische Reaktionen auslösen (Pollen), kann auch die Cannabis-Sensibilisierung durch Aerobiologie beeinflusst werden. Menschen, die in Gegenden mit einer hohen Konzentration an Cannabispflanzen leben, neigen verstärkt zu allergischen Reaktionen auf die Pollen.

In Omaha, Nebraska, wo die Pflanze wild wächst und auch kommerziell angebaut wird, untersuchte eine Studie die Cannabis-Sensibilisierung. Diese Studie ergab, dass 61 % der 127 Patienten mit allergischer Rhino-Konjunktivitis und/oder Asthma-Symptomen bei einem Haut-Prick-Test eine positive Reaktion auf Cannabis-Pollen zeigten
Rhino-Konjunktivitis geht mit einem oder mehreren der folgenden Symptome einher:

  • Schwellung der Nasenschleimhäute
  • Laufende Nase
  • Postnasal-Drip-Syndrom
  • Niesen
  • Augenrötung
  • Nasen- oder Augenjucken

73 % der zufällig ausgewählten Patienten einer auf Cannabis reagierenden Gruppe gaben an, während der Pollenflugsaison unter Atembeschwerden zu leiden. Außerdem geht man von einer Sensibilisierung im Zusammenhang mit der Einnahme von Cannabis aus. Beunruhigenderweise ergab diese Studie im Vergleich mit Nichtrauchern (5 %) ein verstärktes Auftreten positiver Hauttestreaktionen bei Personen, die Cannabis rauchen (14,6 %), und sogar ein noch stärkeres bei Probanden, die starken Konsum angaben (18,2 %).

Cannabis-Verkäufer dürfte interessieren, dass allergische Reaktionen in Verbindung mit berufsbedingtem Cannabis-Kontakt nachgewiesen wurden. Bei einem Cannabis-Züchter, der den eigenen Cannabis-Konsum bisher gut vertragen hatte, traten Hautreizungen durch die Bearbeitung der Pflanzen auf. Bei zwei Patienten, die kein Cannabis konsumierten, traten nach mehrjähriger Tätigkeit in einem Labor Nasen- und Atemwegsbeschwerden auf. Ein Patient litt nach dem Umgang mit Sinsemilla (THC-reiches Cannabis weiblicher Pflanzen) unter ausgeprägteren Symptomen, was in diesem Fall auf eine mögliche allergieauslösende Rolle von THC hindeutet.

So wie es aussieht, scheint man also weder drinnen noch draußen sicher zu sein. Doch damit nicht genug: In einigen europäischen Studien wurde eine potenzielle Kreuzreaktivität zwischen Cannabis und anderen Pflanzen untersucht. Gamboa et al. schilderten den Fall eines 28-jährigen Cannabis-Rauchers mit progressiven allergischen Symptomen, der im weiteren Verlauf mehrere weitere Allergien entwickelte: Urticaria nach der Einnahme von Pfirsichschale, pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien in Verbindung mit verschiedenen Nahrungsmitteln und Anaphylaxie bei Kontakt mit Tomaten, Pfeffer und Feigen. Ebo et al. vermuteten zusätzlich eine allergische Kreuzreaktivität in Verbindung mit Früchten, Gemüse und Nüssen und sogar die Möglichkeit eines „Cannabis-Nahrungsmittel-Syndroms“.

Erkennen von Cannabis-Allergenen

In den genannten Studien wurde also nachgewiesen, dass Cannabis-Pollen allergische Reaktionen verursachen können. Zudem zeigen Menschen mit einer entsprechenden Sensibilität in der Regel auch bei Pollen von anderen Pflanzen allergische Reaktionen. Das erklärt allerdings nicht die Fälle von Cannabis-Allergien, die durch weibliche Pflanzen ohne Anzeichen von Hermaphroditismus verursacht werden. Diese Fälle müssen also einen anderen Auslöser haben.

Wissenschaftler haben bereits einige Anstrengungen unternommen, bestimmte Allergene in Verbindung mit Cannabis zu identifizieren, und konnten eine Reihe möglicher Ursachen aufzeigen. Eine 1971 erschienene Studie behauptete gestützt auf positive Reaktionen auf Haut-Prick-Tests, dass Cannabinoide als Allergene in Frage kommen. Wie bereits erwähnt, vermutete man im Fall eines Forensik-Laboranten, der mit Sinsemilla-Varianten der Sorte Cannabis Sativa in Berührung kam, THC als Auslöser.

Kürzlich wurde im Rahmen einer Studie ein nicht spezifisches, Cannabis-relevantes LTP (nsLTP) identifiziert und mit der Bezeichnung Can s 3 versehen. LPTs (Lipid-Transfer-Proteine) sind für die Übertragung von Lipiden und anderen Fettsäuren in Zellmembranen zuständig und treten häufig bei Nahrungsmittelallergien in Erscheinung. Weiterführende Untersuchungen von Larramendi und Ebo bestätigten das Potenzial von Can s 3 als bedeutendes Allergen im Zusammenhang mit Cannabis-Allergien.

Im Rahmen weiterer Studien wurden unter Einsatz der Immunoblot-Methode (eine Analysemethode zur Erkennung bestimmter Proteine) ns-LTPs identifiziert. Bei einer Studie zur Ermittlung von Cannabis-Allergenen wurden potenzielle Allergene identifiziert, darunter ein Protein mit der Bezeichnung RuBisCO und das Sauerstoff produzierende 23-kDa Protein 2. Zu den weniger eindeutig nachgewiesenen Allergenen zählen die Adenosin-Triphosphat-Synthase, die Phosphoglyceratkinase, die Glycerinaldehyd-3-phosphat-Dehydrogenase und ein luminal bindendes Protein.
Viele dieser Begriffe sind für den Laien Fachchinesisch. Für ein weitergehendes Verständnis der allergischen Sensibilisierung in Bezug auf diese Pflanzengattung ist es dennoch wichtig, Cannabis-Allergene zu identifizieren und zu charakterisieren.

Wie wird eine Cannabis-Allergie diagnostiziert?

Wenn Sie glauben, eine Cannabis-Allergie zu haben, fragen Sie sich wahrscheinlich, wie es weitergeht: Was muss ich tun? An wen muss ich mich wenden? Nun, es ist nicht allzu kompliziert. Sie vereinbaren als Erstes einen Termin beim Allergologen.
Die Ermittlung von Cannabis-Allergien erfolgt in der Regel mit Hauttests. Mittels Haut-Prick-Tests lässt sich herausfinden, ob ein Patient auf ein bestimmtes Allergen allergisch reagiert. Wenn das der Fall ist, produziert das Immunsystem einen Antikörper mit der Bezeichnung Immunglobulin E (IgE). Ein Allergen-spezifischer IgE-Bluttest wird durchgeführt, um zu prüfen, ob ein Patient allergisch auf eine bestimmte Substanz reagiert. Da IgE-Antikörper bei jedem Allergen einzigartig sind, kann durch die Prüfung auf bestimmte Varianten im Blut besser bestimmt werden, ob eine Allergie vorliegt. Diese Tests sind nicht invasiv und führen in der Regel zu raschen Ergebnissen.

Ein positiver Haut-Prick-Test auf ein bestimmtes Allergen bedeutet nicht zwangsläufig, dass dieses Allergen beim Patienten auch eine allergische Reaktion auslöst. Deshalb müssen Mediziner die Ergebnisse des Hauttests mit dem zeitlichen und örtlichen Auftreten der Symptome vergleichen, um eine mögliche Übereinstimmung festzustellen. Wenn Haut-Prick-Tests negativ ausfallen, folgen Intrakutantests, die dem Allergologen weitere Details über die Ursachen der vorliegenden Symptome vermitteln. Nach jedem Test wird der betroffene Hautbereich 15 Minuten lang beobachtet, um eventuell auftretende Reaktionen zu erkennen. Die „Quaddel“ (eine juckende, rote Beule) und die „Fackel“ (Rötung um die Teststelle) sind Zeichen für die Präsenz eines Allergie-Antikörpers. Je größer Quaddel und Fackel ausgebildet sind, desto größer ist auch die Empfindlichkeit gegenüber dem Allergen.

Hauttests scheinen eine einfache Sache zu sein, müssen aber von geschulten Medizinern mit einem guten Verständnis der Variationen und Risiken der Testprozedur durchgeführt werden. Testextrakte werden normalerweise aus zerkleinerten Knospen, Blättern und Blüten der Cannabispflanze hergestellt. Unterschiede beim Ausgangsmaterial und bei den Extraktionsmethoden können deutliche Schwankungen zur Folge haben, aber auch Verunreinigungen und im nativen Allergen enthaltene Additive können die diagnostische Auswertung stark beeinträchtigen. Ohne zuverlässige und standardisierte Optionen für Diagnosetests und unter Berücksichtigung der häufig geringen Korrelation zwischen Testergebnis und tatsächlicher klinischer Allergie ist die Einbeziehung der Krankengeschichte von entscheidender Bedeutung für die Auswertung.

Können Cannabis-Allergien behandelt werden?

William Silvers ist ein Allergologe aus Colorado. Im Februar 2016 veröffentlichte er einen Artikel über drei Patienten, deren Symptome auf Cannabis-Allergien hindeuteten. Der Artikel gibt einen hervorragenden Einblick in die praktischen Erfahrungen eines Allergologen, der in einem Bundesstaat mit vollständiger Cannabis-Legalisierung potenzielle Cannabis-Allergien behandelt.

Einer der Patienten, der häufig Cannabis raucht, litt unter geschwollenen Nasenschleimhäuten, die sich zu einem chronischen Husten entwickelten, nachdem er einen Job als Trimmer in einer Cannabis-Plantage angetreten hatte. Durch die Behandlung mit einem Nasenspray und einem Inhalator konnten die Symptome gelindert werden.

Ein zweiter Patient hatte bisher nie unter Asthma oder Allergien gelitten. Als er anfing, in einer Cannabis-Plantage und Abgabestelle zu arbeiten, und mit Cannabis in Berührung kam, zeigte er allerdings allergische Symptome. Es wurde eine Asthma-Erkrankung diagnostiziert, die sich durch den Kontakt mit Cannabis noch durch Heuschnupfen, eine Augenentzündung und eine vermutlich auf Cannabis zurückzuführende Kontaktdermatitis verschlimmerte. Neben anderen Maßnahmen wurde ihm empfohlen, den Kontakt mit Cannabis möglichst zu vermeiden. Zudem bekam er Medikamente verschrieben, die seinen Zustand deutlich verbesserten.

Der letzte Patient war ein starker Cannabis-Konsument, der von einem Notarzt überwiesen wurde. Der Verdacht lautete Anaphylaxie nach Kontakt mit Cannabis-Rauch. Er gab an, Konzentrat zu rauchen. Dabei handelt es sich um ein mithilfe von Kohlendioxid extrahiertes Cannabis-Wachs, das eine THC-Konzentration von 60 bis 70 % aufweist. Erstaunlicherweise zeigte er keinerlei allergische Reaktionen auf Cannabis-Extrakte, und auch die Pollentests fielen negativ aus. Möglicherweise hat der Patient auf eine im Wachskonzentrat enthaltene Verunreinigung oder ein Additiv reagiert.

Während unter vorgehaltener Hand bereits von einer Epidemie gesprochen wird, hat Dr. Silvers eine ganz andere Meinung: Nämlich die, dass die relativ niedrige Anzahl an „seit der Legalisierung von Cannabis in Colorado aufgetretenen Fälle darauf hindeutet, dass es sich bei Cannabis Sativa um ein mildes Allergen handelt. Um allergische Reaktionen im Bereich der Atemwege und der Haut auszulösen, ist intensiver Kontakt erforderlich.“
Das sind gute Nachrichten für Cannabis-Anwender. Noch dazu stehen Allergikern (wie geschildert) je nach Schwere der allergischen Reaktion geeignete Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Für Cannabis-Patienten mit chronischer Allergie gilt leider das Gleiche wie auch bei anderen Allergien: Kontakt ist nach Möglichkeit zu vermeiden.

Natürlich müssen auch weitere Faktoren wie lokale Aerobiologie und berufsbedingter Kontakt berücksichtigt werden. Zur Behandlung von Symptomen in Verbindung mit allergischer Rhino-Konjunktivitis können Antihistaminika, intranasale Steroide und abschwellende Nasenmittel eingesetzt werden. Für die Behandlung von Asthma eignen sich Beta-Agonisten oder bei Bedarf ein inhalatives Kortikosteroid. Patienten mit Anaphylaxie sollte EpiPens verordnet werden.

Einige wenige Fälle wurden sogar mit Immuntherapie behandelt. Ein Bericht zeigte bei zwei Patienten eine Desensibilisierung. Eine Verbesserung wurde festgestellt bei einer Gruppe von Hanfarbeitern, die ein Jahr lang zweimal wöchentlich eine Immuntherapie erhalten hatten. Man kann sicherlich nicht behaupten, ein Wundermittel gegen Cannabis-Allergien entdeckt zu haben, aber es gibt doch eine Reihe weiterer Optionen.

Schlussfolgerungen

Noch sind die Fälle relativ selten, dennoch häufen sich die Berichte über Cannabis-Allergien. Schwere allergische Reaktionen wie Anaphylaxie wurden im Zusammenhang mit Sensibilisierung durch Pollinose, Cannabis-Konsum, berufsbedingtem Kontakt und potenzieller Kreuzreaktivität zwischen Pflanzen festgestellt. Es gibt jedoch keinen Grund zur Beunruhigung. Schließlich war eine Zunahme der Berichte über Cannabis-Allergien bei steigendem Cannabis-Konsum zu erwarten.

Cannabis-Allergien können genau wie andere Allergien behandelt werden. Allerdings werden die Validierung und die Anwendbarkeit von Diagnosetests bisher durch die mangelnde Standardisierung der Testverfahren beeinträchtigt. Es ist nach wie vor eine intensive Forschung nötig, um Allergien präziser zu definieren, standardisierte Extraktionsmethoden zu entwickeln, diagnostische Spezifität zu schaffen und die Behandlungsoptionen für Patienten zu klären.

Die rechtlichen Einschränkungen bei der Beschaffung von Cannabis-Extrakten stellen ohne Zweifel eine große Herausforderung dar, denn die einzige staatlich genehmigte Quelle von Cannabis-Spezies in den USA befindet sich an der University of Mississippi. Gleichzeitig schafft die Illegalität des Cannabis-Konsums nach wie vor große Hürden hinsichtlich der Berichte über Patienten. Wenn wir unsere Kenntnisse über Cannabis-Allergien erweitern wollen, müssen wir Ersteres überwinden, indem wir eine breit angelegte Forschung ermöglichen, und Letzteres lösen, indem wir die heimlichen Cannabis-Allergiker ermuntern, ihr Schweigen zu brechen – und zwar völlig unvoreingenommen.

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