Erdogan plant Hanfanbau in der Türkei

Statt Plastiktüten im Supermarkt soll es jetzt Hanftaschen geben. Hierfür will Präsident Erdogan wieder den Hanfanbau in der Türkei einführen.

Erdogan plant Hanfanbau in der Türkei

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte einem Medienbericht zufolge auf einem kommunalpolitischen Symposium in Ankara die Wiedereinführung des Hanfanbaus in der Türkei an.

“Ich bin aus Rize. In Rize wurde einst Hanf hergestellt. Es wurden sogar Unterhemden daraus gemacht, denn die Schweißabsorption ist auf hohem Niveau”, führte Erdogan aus.

Aus Hanffasern lassen sich auch Einkaufstaschen herstellen. Erdogan betonte, wie „schlimm“ Plastik sei und dass es sich erst in Hunderten von Jahren zersetze.

„Mein Mütterchen hat selbst zu Hause Netzfäden gemacht, und mit diesem Netz haben wir unsere Einkäufe erledigt. Wenn sie schmutzig waren, haben wir sie gewaschen und wiederverwendet. Dahin kehren wir jetzt zurück“, so der türkische Präsident.

Seit kurzem kosten Plastiktüten in türkischen Supermärkten 25 Kurus (ungefähr vier Cent). Diese Maßnahme soll den Plastiktütenverbrauch reduzieren, um die Umwelt zu schonen. Und so erklärte Erdogan, dass man aus Hanf „Millionen Stofftaschen und Netze“ produzieren könne, um diese an das Volk verteilen zu können.

Erdogan profitiert von Tütenregelung

„Diken“, eine oppositionelle Nachrichten-Webseite, berichtete, dass nicht nur die Umwelt von der neuen Tütenregelung profitiert. So fließen 15 der 25 Kurus pro Türe in die Kasse des Präsidialamtes. Vizechefin Gülizar Bicer Karaca von der Oppositionspartei CHP erklärte, dass das Präsidialamt so jährlich das Mehrfache vom Budget des Umweltministeriums verdiene.

Hanfanbau nur für das eigene Land

Der türkische Präsident erklärte, dass der Hanfanbau lediglich dem Eigenbedarf des Landes diene. Ein Export sei nicht geplant. Weiter heißt es, dass das Landwirtschaftsministerium in der Türkei bereits an einer entsprechenden Richtlinie arbeitet. Die Erarbeitung dieser Richtlinien würde in Kürze abgeschlossen sein.

Hanfanbau: Aktuelle Lage in der Türkei

Bereits im Jahr 2017 gab es in der Türkei einen Wandel im Umgang mit dem illegalen Hanfanbau. In 19 türkischen Provinzen hatte das Ministerium für Nahrungsmittel, Agrarkultur und Viehzucht den Hanfanbau unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Damit versuchte Erdogan, den illegalen Hanfanbau zu bekämpfen.

Wenn Bauern in der Türkei Hanf anbauen wollen, müssen zunächst beim zuständigen Ministerium eine Bewerbung einreichen. Verläuft die Bewerbung erfolgreich, erhalten Bauern eine dreijährige Erlaubnis, um Hanf anzubauen. Zusätzlich ist eine beglaubigte Erklärung notwendig, in der jeglicher Zusammenhang mit Verstößen gegen das türkische Betäubungsmittelgesetz ausgeschlossen wird. Nach wie vor gilt nämlich in der Türkei, dass der Cannabiskonsum generell verboten ist, ebenso wie der Handel und der Anbau. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Gefängnisstrafe rechnen.

Erlaubnis ist gut – Kontrolle ist besser

Einen Monat vor der Hanfernte soll eine strenge Kontrolle der Bauern stattfinden. So kontrollieren die Mitarbeiter des Ministeriums mindestens einmal die Hanfbauern und überprüfen alles auf die Richtigkeit. Außerdem sind die Hanfbauern dazu verpflichtet, die Reste der Pflanzen nach der Ernte zu vernichten. Mit diesem Vorgehen bezweckt die Regierung, dass auch nicht die kleinsten Reste aus der Ernte auf dem Schwarzmarkt kommen. Zusätzlich findet eine strenge Überwachung der Hanfbauern statt. Denn so seien Verbindungen zum Schwarzmarkt sofort erkennbar.

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