EU-Bericht über Verwendung von Medizinalhanf

Autor: Alexandra Latour

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Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) in Lissabon hat jetzt erstmals einen EU-Bericht über die Verwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken vorgelegt. Dabei stellte die EMCDDA große Unterschiede im Umgang mit Medizinalhanf zwischen den EU-Ländern sowie einen enormen Nachholbedarf an klinischen Studien fest.

EU-Bericht über Verwendung von Medizinalhanf

Der EU-Bericht „trage der Tatsache Rechnung, dass immer mehr europäische Länder in diesem Bereich politische Strategien und Verfahren entwickeln“, heißt es in einer Aussendung der EMCDDA in Lissabon. Immer mehr EU-Länder gestatten die Verwendung von pharmazeutischem Cannabis oder ziehen eine Zulassung in Erwägung.

Weiter heißt es in dem EU-Bericht „Medical use of cannabis and cannabinoids: Questions and answers for policymaking„, dass es jedoch erhebliche Unterschiede hinsichtlich der dabei verfolgten Ansätze zwischen den Ländern gebe. Und zwar in Bezug auf die rechtlichen Rahmenbedingungen und auch die zugelassenen Cannabisprodukte. Um in der Europäischen Union eine politische Debatte über diese Themen führen zu können, sei das Verständnis der vielen nationalen Ansätze wichtig.

EU-Bericht: Unterschiede in der Zulassung der Cannabis-Medikamente

In dem Bericht werden die verschiedenen Ansätze der Zulassung von Medizinalhanf mithilfe von Fallstudien aus Drittländern wie Kanada, Australien, USA und Israel beschrieben. Ausführlich werden die Schwierigkeiten bei den Fragestellungen und Entscheidungsfindungen thematisiert, wenn Regierungen über die Zulassung von Medizinalhanf entscheiden. So könne sich der Begriff „Cannabis für medizinische Zwecke“ auf zahlreiche unterschiedliche Produkte beziehen, die wiederum unterschiedliche Wirkstoffe enthalten. Ebenso gebe es Qualitätsunterschiede sowie verschiedene Verabreichungsmethoden.

EU-Bericht: Keine ausreichende Studienlage

In dem EU-Bericht kommt man zum Schluss, dass weitere Forschungsarbeiten und vor allem klinische Studien unbedingt erforderlich seien. Denn nur so seien die Lücken in den verfügbaren Evidenzdaten zu schließen. Als Beispiel sei hier die Wirkungsweise von Cannabis in der Palliativversorgung genannt. Diese sei teilweise gut erforscht. Für eine ausreichende Evidenz des therapeutischen Nutzens seien aber längerfristige und umfangreichere Studien erforderlich. Das Gleiche gelte bei der Verwendung von Cannabinoiden bei Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen und neurodegenerativen Erkrankungen.

„In den meisten Ländern hat sich im Hinblick auf die Bereitstellung von Cannabis oder Cannabinoide enthaltenden Produkten und Präparaten für medizinische Zwecke im Laufe der Zeit ein Wandel vollzogen, oftmals als Reaktion auf die Nachfrage von Patienten oder Produktentwicklungen“, erklärte Alexis Goosdell, EMCDDA-Direktor.

Weiter führte Goosdell aus, dass es bei diesem Thema wichtig sei, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln. Denn nur so sei es möglich, eine Grundlage für Evaluierungen und Bewertungen zu schaffen.

 

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