Evas Erfahrungen: Gabi und die Fibromyalgie

Meine heutige Kolumne dreht sich um Gabi. Gabi hat Fibromyalgie. Noch bekommt sie kein Medizinalcannabis, will es aber probieren. Zu ihrem Leben mit der fiesen Fibro habe ich sie zum Interview zu mir nach Hause eingeladen.

Evas Erfahrungen: Gabi und die Fibromyalgie

Gehetzt renne ich bei mir zuhause die Treppe vom Schlafzimmer runter Richtung Küche und wische mir die Schweißperlen von der Stirn: „Oh Fuck, noch fünf Minuten!“ höre ich mich selber fluchen, während ich gleichzeitig über die Kuriosität der Situation lachen muss. Meine Kinder sind daheim, denn es sind Ferien. Mein Mann ist in Leipzig und hat Sendung. Und ich versuche irgendwie meinen Haushalt, meine Jobs und die Ferienkinder zu koordinieren. Deshalb habe ich meine Interviewpartnerin Gabi kurzerhand zu mir nach Hause eingeladen.

Leider sieht es immer noch aus, als hätten wir am Abend zuvor eine Party gefeiert und vergessen aufzuräumen. So kratze ich noch schnell Krümel, Bastelschnipsel und Brotrinden vom Boden, während es schon an der Tür klingelt und Gabi gut gelaunt hereinkommt. Dass sie seit fast 25 Jahren mit Fibromyalgie lebt, sieht man ihr auf den ersten Blick nicht an.

Fiese Fibro

Fibromyalgie ist eine Krankheit, die im Volksmund auch als „Weichteilrheuma“ bezeichnet wird, rein medizinisch aber gar nichts mit Rheuma zu tun hat. Um eins vorwegzunehmen, Medizinalcannabis kann bei dieser ziemlich fiesen Krankheit ziemlich gut helfen. Einen sehr guten Überblick dazu finden Sie hier. Die Patienten befinden sich in einem ständigen Zirkel aus Schmerzen. Kann man auch hier in der Grafik sehr gut sehen.

Fibro-Schmerz-Zyklus

Besonders gemein ist, dass man diese Schmerzen kaum bis gar nicht sehen kann. Somit ist Fibromyalgie auch offiziell als Krankheit nicht anerkannt. Das macht es den Patienten doppelt schwer. Hilfe und Rat finden Fibromyalgie Patienten unter anderem hier.

Gabi lebt unter Dauerstrom

Gabi ist die Mutter meiner Freundin Jenny und sie leidet unter Fibromyalgie. Sie hat chronische Schmerzen, seid sie Mitte 30 ist. Inzwischen ist sie 59. Ich bewundere ihren Lebensmut und dass sie bei all ihrem Leid trotzdem noch so fröhlich lachen kann.

„Sag mal Gabi, wie sieht denn Dein Alltag aus?“ frage ich neugierig.

„Na ja, ist schon ganz schön viel: Stress im Job, lange Fahrtwege, Haushalt und meine pflegebedürftige Mutter. Da fahre ich ja auch drei Mal die Woche hin,“ berichtet sie ganz ruhig.

„WAS?! DREI Mal pro Woche?!“ entfährt es mir entsetzt. Sorry, aber allein der Gedanke, dass ich mich drei Mal pro Woche um meine Mutter kümmern müsste, sorgt schon dafür, dass sich in mir alles zusammenzieht. Und ich liebe meine Mutter! Aber jemanden zu pflegen und vor allem die psychische Belastung „wegzustecken“ ist krass.

„Die Leute denken: Die spinnt,“ erzählt sie – weil es die Krankheit nach wie vor schwer hat anerkannt zu werden und, weil man die Schmerzen natürlich nicht sieht. Bei einem Gipsbein ist das ja was anderes.

Und Gabi hat sämtliche Stationen durch: Neuraltherapie, Botoxbehandlungen, spezielle Schmerztherapien, Antidepressiva. Sie gilt als 50 Prozent schwerbehindert. Das bringt ihr eine Woche mehr Urlaub ein im Jahr.

„Im Urlaub ist es wesentlich besser. Da fällt schon mal diese ganze Anspannung weg“ sagt sie.

Medizinalcannabis für Gabi?

Als Nächstes will sie nun Medizinalcannabis ausprobieren. Ich rate ihr, sich einen entsprechenden Facharzt bzw. Ärztin in Berlin zu suchen. Diese Therapie könnte genau das Richtige sein für sie.

Denn nach allem, was ich gelesen habe, ist auffällig, dass sämtliche Fibromyalgie Patienten berichten, dass sie durch die Cannabinoide entspannen können und das Gefühl haben, endlich einmal zur Ruhe zu kommen. So schlafen sie auch besser und können teilweise sogar durchschlafen. Richtig eingesetzt und dosiert, hilft die Cannabis-Therapie letztlich auch gegen starke chronischen Schmerzen.

Und während Gabi vor mir sitzt und von ihrer bald 25-jährigen Leidensgeschichte erzählt schießt es mir kurz durch den Kopf: „Mann, kann ich froh sein, dass es mir so gut geht! Meine Migräne und mein Hashimoto schleife ich zwar mit mir herum, aber das sind ja Peanuts gegen solche Krankengeschichten.“

Und ich erinnere mich an die Worte, die ein Arzt bei einem Check Up zu mir gesagt: „Sie haben zwar Hashimoto, aber damit können Sie 100 Jahre alt werden!“

Ganz ehrlich?! Das brauche ich gar nicht, aber vielleicht miterleben zu dürfen wie meine Kinder eigene Kinder bekommen, das wäre schon was Feines.

In diesem Sinne: Halten Sie sich wacker!

Alles Liebe,

Ihre Eva Imhof

 

Übrigens sucht Leafly.de weiterhin nach Patientinnen und Patienten, die ihre Geschichte vor der Kamera oder als Artikel erzählen wollen.
Wer sich dafür interessiert, schreibt eine E-Mail an: patienten@leafly.de

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