Evas Erfahrungen: Hanfhype, Euphorie, Ernüchterung

Autor: Eva Imhof

Verõffentlicht am: 23. März 2018

Geändert am: 19. Juni 2018

Ich sitze im Wartezimmer von Dr. Kessler in Berlin und bin aufgeregt. Heute spreche ich mit ihm über Cannabis als Medizin gegen meine Migräne. Ich schiebe Arzttermine gerne vor mir her. Aber nachdem ich hier in meiner Kolumne beim letzten Mal groß angekündigt habe einen Selbstversuch mit Cannabis als Medizin zur Migränetherapie testen zu wollen, bleibt mir nun nichts anderes übrig als es auch zu tun. Allerdings merke ich schnell, wie man ich bei dem Thema an meine Grenzen stoße.

Evas Erfahrungen: Hanfhype, Euphorie, Ernüchterung

Seit ich für Leafly.de als Botschafterin arbeite, sehe ich die Medizinwelt sowieso noch mal mit ganz anderen Augen. Und ich achte natürlich viel mehr auf das Thema Hanf im Allgemeinen und vor allem im Alltag. Meine Schatz an Erfahrungen wächst täglich.

Was ist dran am Hanfhype?

Ist Ihnen der aufkommende Hanfhype auch schon aufgefallen?! Vom Salatöl über Hanfschokolade zu Energieriegeln und Tee bis zum Hanfbrot: Der sogenannte Nutzhanf erlebt glücklicherweise gerade eine Renaissance – und das zu Recht. Dieser ist reich an Antioxidantien, Aminosäuren, Vitamin E, hochwertigen Proteinen und Vitamin B2, um nur mal ein paar zu nennen. Ihm wird eine entzündungshemmende und entgiftende Wirkung zugeschrieben. Geröstet schmecken die Samen besonders lecker. Denken Sie an mich: Bald löst er Chiasamen und Gojibeeren auf der Hitliste der Superfoods ab ;-).

Das Thema Cannabis als Medizin bereitet mir dagegen mehr und mehr Kopfschmerzen, dabei soll es mir doch gegen meine Migräne helfen. Ich sage Ihnen: je mehr ich in die Materie einsteige, um so komplizierter wird es. Das mag sich anhören wie ein Widerspruch, aber das Traurige ist: Beim Thema Cannabis als Medizin stößt man auf viele Widerstände.

Ist Cannabis als Medizin richtig für mich und meine Migräne?

Doch zunächst zurück zu meinem Migräne-Selbstversuch. Das Erstgespräch bei Dr. Kessler verläuft anders als erwartet:

Dr. Kessler: „Und was tun Sie in Ihrer Freizeit?! Also um sich zu entspannen?!“
Ich: „Ähm, nichts?! Entweder ich stehe im TV-Studio, sitze in der Redaktion, denke auf meinen ganzen Projekten rum oder renne meinen Kindern hinterher“, stelle ich halb belustigt und etwas entgeistert fest und lache.

Die Unterhaltung bringt mich zum Nachdenken. Und schließlich zu der Erkenntnis, dass ich mich zunächst ein paar grundlegenden Baustellen in meinem Leben widmen möchte: vor allem der Ernährung und – wie heißt es so schön – der „Work-Life-Balance“. Also nicht falsch verstehen: ichbeschwere mich nicht über „zu viel Arbeit“, denn ich liebe alles, was ich mache und bin dankbar, dass sich meine Arbeit nicht als solche anfühlt … Aber einfach mal so irgendwas für mich machen?! Das ist mir ganz fremd geworden – vor allem, seit ich Mama bin.

Und nun bin ich hoch motiviert meiner Migräne (Anm.: Ich vertrage keine Triptane) auf Rat von Dr. Kessler erst mal durch Entspannungstechniken und Ernährung beizukommen. Cannabis als Medizin sieht der Spezialist in meinem Fall erst mal nicht als notwendig an. Wenn überhaupt, das zumindest erfahre ich von ihm, käme für Migränepatienten eine THC-haltige Rezeptur zum Einsatz um die akuten Schmerzattacken zu lindern. Allerdings bin ich seiner Einschätzung nach noch lange nicht an dem Punkt, dass ich diese Medikation benötigen würde. Meine CBD-Tropfen soll ich in jedem Fall weiter nehmen und die Wirkung beobachten.

Erfahrungen, Euphorie und Ernüchterung

So rufe ich also nach dem Termin direkt bei meiner gesetzlichen Krankenkasse an, um mich nach Zuzahlungsmöglichkeiten zu erkundigen. Warum wundert es mich nicht, dass zunächst entweder niemand ran geht oder besetzt ist?! Nun kann ich sehr hartnäckig sein, aber mein anschließendes Telefonat ist so ernüchternd, wie ich es schon befürchtet hatte. Um es kurzzufassen: bei Naturheilkunde wird es, wie erwartet, ganz schwierig.

Wenn der Arzt eine Ernährungsberatung verordnet „kann es eventuell einen Zuschuss geben?“ – Aber ganz ehrlich: mir wurde ziemlich deutlich gemacht, dass ich nicht „krank genug?“ sei. Das ist meine sinngemäße Übersetzung. Da die Dame am Telefon allerdings sehr freundlich ist und ich ja schließlich nicht nur für mich, sondern auch in meiner Rolle als Kolumnistin für Leafly.de anrufe, frage ich sie ganz offen: „Und, wie sieht es aus mit Cannabis als Medizin? Also so im Allgemeinen …?“

Nun wird es für einen Moment still am anderen Ende der Leitung, dann höre ich ein Rascheln und sie kramt in irgendwelchen Akten. Ja, da sei sie gerade am Fälle bearbeiten und das komme SEHR auf den Einzelfall an: „Aber palliativ ist gar kein Problem!?“, schiebt sie schnell mit einer entschuldigenden Stimme hinterher.

Und das macht mich wiederum traurig und wütend zugleich: Palliativ ist es kein Problem?! Wenn jemand also austherapiert ist und ein Ende des Lebens mehr oder weniger absehbar?! Da ich weiß, dass die Mitarbeiterin der Krankenkasse nichts dafürkann, beherrsche ich mich, bedanke mich für das freundliche Gespräch und lege auf. Es gibt viele Baustellen von hohen Ablehnungszahlen bei den Krankenkassen, Lieferengpässen bis hin zu verunsicherten Ärzten. Genaue Zahlen können Sie hier nachlesen.

Aber wissen Sie was?! Wir sind noch am Anfang: das sogenannte Cannabisgesetz ist „erst“ ein Jahr in Kraft und der Bedarf an Medizinalhanf steigt weiter rasant an. Die Zahl der Verordnungen ist um ein Vielfaches höher als ursprünglich angenommen und es kommen jeden Tag neue Patienten dazu. Noch herrschen viel Unsicherheit und Unwissen auf allen Seiten, doch ich bin mir sicher, dass sich Cannabis als Medizin bald etablieren wird im Alltag. Wir, das Team von Leafly.de, halten Sie mit unseren stets aktuellen Artikeln und Patientenakten auf dem Laufenden.

Mit CBD-Öl gegen Migräne

Übrigens habe ich angefangen 5-prozentiges CBD-Öl zu nehmen. Im Gegensatz zum THC wirkt Cannabidiol (kurz CBD) nicht psychoaktiv, erzeugt also keinen Rausch. Es ist frei verkäuflich, als Nahrungsergänzungsmittel und ihm werden zahlreiche Heilkräfte nachgesagt: entzündungshemmend, Angst lösend, entkrampfend, Übelkeit lindernd – sind nur einige Eigenschaften. Ob und inwieweit es bei meiner Migräne hilft, kann ich im Moment noch nicht sagen, weil ich es erst seit ein paar Tagen angefangen habe und ehrlich gesagt noch keine Änderung spüre. Aber ich werde weiterhin über meine Erfahrungen berichten! Versprochen!

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