Evas Erfahrungen: Patienten Unsicherheit

Herzinfarkt, fehlendes Hirn und Hammermethoden: Warum bei der Ärzteausbildung einiges schief läuft, und was Cannabis als Medizin damit zu tun hat.

Evas Erfahrungen: Patienten Unsicherheit

Kennen Sie diese Momente, die so schrecklich sind, dass für wenige Sekunden das Leben wie ein Film an Ihnen vorbeizieht? Einen solchen Schreck erlebte ich, als ich mit meinem Mann eines Nachts ins Krankenhaus fahren musste, weil er über Schmerzen im Brustbereich klagte. Die Unsicherheit war groß. Was die Ärzte zu sagen hatten, war noch viel schlimmer.

„Frau Imhof, das ist eine sehr ernste Situation. Ihr Mann hatte einen Herzinfarkt. Einen sehr schweren Herzinfarkt. Wir müssen sofort handeln!“

Die ernsten Blicke der Ärzte, die Worte – ich werde diese Situation nie vergessen. Ich war damals gerade im dritten Monat schwanger und wurde sofort ohnmächtig. Die nächste Situation, an die ich mich erinnere, ist, dass ich neben meinem Mann ebenfalls in einem Krankenzimmer liege.

Und dann plötzlich die Kehrtwende. Der gleiche Arzt betritt wieder den Raum und sagt: „Herr Imhof, im Labor wurden die Patientendaten vertauscht! Sie haben gar keinen Herzinfarkt. Die Daten waren von einer Dame, die inzwischen schon operiert wurde!“

Meine Gedanken nach dieser Nacht voller Unsicherheit

Mittlerweile kann ich über diese Nacht herzlich lachen, aber damals war das der blanke Horror. Was wäre gewesen, wenn Sie meinem Peter tatsächlich die Brust aufgeschnitten hätten? Soviel Unsicherheit habe ich lange nicht verspürt und auch nicht so viel Ärger.

Noch unter Schock stehend und in dem Wissen, was in Krankenhäusern scheinbar alles durcheinandergeraten kann, bin ich erst mal direkt zu meiner Frauenärztin gerannt. Ich wollte mich vergewissern, dass mit meiner Zwillingsschwangerschaft wirklich alles normal verläuft.

Unsicherheit bei Patienten

Nun die entscheidende Frage: Was hat diese Episode aus meinem Leben mit Patientensicherheit und Cannabis als Medizin zu tun? Ganz viel!

Denn ich bin mir sicher, dass jede(r) garantiert mindestens eine Geschichte von sich selbst oder aus dem Freundes- und Bekanntenkreis erzählen kann, in der Krankheiten nicht erkannt, falsch diagnostiziert oder vor allem auch falsch behandelt wurden.

Und mit falsch behandelt meine ich hier gar nicht zwangsweise, dass versehentlich ein falsches Medikament verabreicht oder das falsche Bein operiert wurde. Sondern auch, dass den Patienten nicht alle potenziellen Möglichkeiten einer Behandlung aufgezeigt werden.

Ganz abgesehen davon, dass einem gefühlt sowieso jede(r) Arzt oder Ärztin etwas anderes erzählt und somit viele Unsicherheit entstehen, ist Fakt, dass es verhältnismäßig wenige Ärzte gibt, die ihren Patienten Cannabis als Medizin proaktiv als einen Teil der Behandlung vorschlagen.

Und das obwohl Medizinalcannabis einen so wertvollen und essenziellen Beitrag unter anderem bei der Therapie von starken Schmerzen, Multipler Sklerose oder begleitend zu einer Chemotherapie leiten kann.

Über Medizinalcannabis lernt man nichts, weder im Studium, noch in der Schule

Trotzdem wird über Medizinalcannabis weder im Medizin-, Pharmazie- oder Biologiestudium gelehrt. Im Höchstfall bekommen die Studenten zu hören, dass es sich um eine schlimme Droge handelt. Auf den medizinischen Nutzen und die Wirksamkeit wird an ganz wenigen Unis in Deutschland eingegangen.

Medizinisches Fachpersonal, wie Krankenschwestern, Pfleger, PTAs und so weiter, sind hoffnungslos überfordert, sobald ein Patient auf der Station liegt, der Cannabis als Medizin bekommt.

Diese Patienten werden sofort als Drogenabhängige abgestempelt und auch so behandelt. Dem Mann meiner Freundin ist genau das passiert, als er im letzten Jahr beinahe an einer Sepsis verstorben ist. Ist das nicht krass?

Viel schlimmer ist, dass auch im Schulunterricht nichts über diese Heilpflanze gelehrt wird. Die Schüler von heute sind die Ärzte von morgen! Und wenn die das jetzt nicht lernen, immerhin mehr als drei Jahre nach dem Erlass des Cannabisgesetzes, wann sollen sie es denn lernen?

Unwissenheit und Aufklärungswiderstand müssen ein Ende haben

So ist es auch kein Wunder, dass es nach wie vor viele Vorbehalte gegenüber dieser Therapieform gibt – aus Unwissenheit und weil viele Ärzte in diesem Bereich schlichtweg einfach nicht geschult werden oder sich nicht weiterbilden wollen. Da kann man sich nun aussuchen, was schlimmer ist: Unwissenheit aus Ignoranz oder Vorsatz.

Da kann ich nur den Kopf schütteln. Und ehrlich gesagt macht es mich sowohl traurig als auch wütend, wenn ich allgemein über die Situation in Krankenhäusern, Arztpraxen in Deutschland nachdenke.

Auf dem Land gibt es teilweise keine Ärztinnen und Ärzte mehr. In den Krankenhäusern regieren Chaos und Keime. Medizinstudentinnen und -studenten klagen darüber, dass sie sich nach ihrer Ausbildung noch gar nicht bereit fühlen für OPs oder weitere lebenserhaltende Maßnahmen.

Es muss sich also dringend etwas tun in diesem Land!
Mehr dazu in diesem Leafly-Artikel zum Thema Patientensicherheit.
Weiterführende Informationen findet man auch beim Aktionsbündnis Patientensicherheit.

Alles Liebe, Ihre Eva Imhof

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