Farmako: Tatsachen und viele Fragen

Das deutsche Unternehmen Farmako überraschte in den letzten Wochen mit zahlreichen Pressemeldungen. Doch bei genauem Hinsehen, tun sich hier sehr viele Fragen auf, die wir im folgenden Beitrag versuchen, zu beantworten.

Farmako: Tatsachen und viele Fragen

Hinweis: Bevor Sie anfangen diesen Artikel zu lesen, weisen wir darauf hin, dass dieser lang ist. In A4-Seiten gesprochen circa 13 Seiten lang. Die Inhalte sind komplex und vielleicht nicht immer auf den ersten Blick zu verstehen. Geben Sie nicht auf! Es lohnt sich den Artikel bis zum Ende zu lesen und das mehr als einmal. Die Dinge, die wir über Farmako herausgefunden haben, sind nur die Spitze des Eisbergs. Wir haben noch viel mehr weiteres Material, das wir allerdings an dieser Stelle nicht veröffentlichen dürfen. Wir halten uns an das, was wir mit Tatsachen und Fakten belegen können.

Einleitung

Wenn ein Unternehmen den Börsengang plant, dann muss es viel erzählen und braucht vor allem Partner. Das dachte sich auch Sebastian Diemer, als er gemeinsam mit Niklas Kouparanis in 2018 das Cannabis-Startup Farmako aus der Taufe hob. Ins Boot holte er sich in diesem Jahr als Partner Nikita Fahrenholz, einen weiteren erfolgreichen Gründer und Business-Angel.

Gemeinsam wollen die Herren den deutschen Cannabismarkt umkrempeln. Gelungen ist ihnen das zumindest in der Presse. Hoch gelobt wird das in Frankfurt ansässige Unternehmen. Doch wenn man hinter die Fassade der bisherigen Presseaussagen schaut, tauchen Fragen auf. Sehr viele Fragen. Viel zu viele Fragen. Leafly.de hat sich auf Spurensuche begeben und erstaunliches herausgefunden.

Rückblick

Am 11. April 2019 berichteten wir bereits über das in Frankfurt am Main ansässige Unternehmen Farmako GmbH. Vor der Veröffentlichung des Artikels gaben wir Farmako mehr als ausreichend Zeit, um unsere offenen Fragen zu beantworten. Bis zum Veröffentlichungszeitpunkt hatte uns jedoch keine Stellungnahme erreicht.

Kurz nach der Veröffentlichung teilte uns Myriam Kirschner (Head of Legal) von Farmako per Mail mit, dass unser Artikel falsche Tatsachen widergebe. Der Bitte, unseren Artikel offline zu nehmen, kamen wir nach. Denn schließlich sind wir daran interessiert, die Sachverhalte zu klären.

Daraufhin haben wir einen Fragenkatalog zusammengestellt und Farmako gebeten, hierauf zu antworten. Nachfolgend stellen wir unsere Recherchen, die Tatsachen sowie die Antworten von Farmako dar.

Hinweis: Alle Antworten von Farmako geben wir im Nachfolgenden wortwörtlich und 1:1 wieder. 

Sachverhaltsdarstellung: Farmako, die Firma

Die Farmako GmbH in Frankfurt am Main ist ein Startup-Unternehmen. Gründer ist Sebastian Diemer, der sich in der deutschen Gründerszene bereits einen Namen gemacht hat. Einer seiner größten Erfolge war das Kreditvergabe-Startup „Kreditech“ im Jahr 2012. Im vergangenen Jahr hieß es dann, dass Diemer das Unternehmen Farmako gegründet hat.

In einem Interview antwortete er auf die Frage, wie er auf Cannabis als Business gekommen sei:

„Ich hatte Cannabis seit einem Jahr auf dem Schirm. In Deutschland kann man Anteile an Anbaulizenzen erwerben. Über Gespräche mit Branchenkennern bin ich darauf gekommen, dass der Anbau in Deutschland nicht so spannend ist. Denn in fünf Jahren wird wie alles auch da angebaut, wo es ökonomisch am sinnvollsten ist.“

Weiter führte Diemer aus, dass er für Farmako „Profis“ benötige, die er wie bei einer „Boyband gecastet“ habe.

„Ich wollte gar nicht selber auf die Bühne, ich wollte die besten aus der Cannabisbranche, den besten Molekularbiologen, ich wollte Leute, die hochprofessionell Lobbyarbeit und PR betreiben“, so Diemer.

Das ehemalige Farmako Team

Neben Diemer als Gesellschafter gehören derzeit zur „Boyband“ der Geschäftsführer Niklas Kouparanis (ehemaliger Sales-Director bei Cannamedical), Molekularbiologe und Co-Founder Patrick Schmitt, Moritz Förster als Head of Global PR und Myriam Kirschner als Head of Legal.

Nicht mehr bei Farmako sind Dr. Lena Müller, die für die Forschungsleitung zuständig sein sollte. Marcus Ewald als Political Affairs, Public Relations Berater und Co-Founder gemeinsam mit Partner Torsten Rössing ist ebenfalls ausgeschieden. Bereits im März 2019 ist auch Mario Reichenbach gegangen als Head of Business Development.

Pläne von Farmako

Farmako plant den Import von Medizinalcannabis aus Polen durch die Firma Pharmacann Polska. Produziert wird das Medizinalcannabis in Mazedonien von dem Unternehmen NYSK Holdings. Zudem plant Farmako die Herstellung von biosynthetischen Cannabinoiden aus einem Tequila-Bakterium. Aus einer aktuellen Pressemitteilung geht außerdem hervor, dass Farmako biosynthetisches CBD nach Kanada zu dem Unternehmen Zenabis Global Inc exportieren und Medizinalcannabis von Zenabis nach Deutschland importieren möchte. All diese Aktivitäten sind laut Presseberichten Vorbereitungen für einen möglichen Börsengang, der voraussichtlich in sechs bis zwölf Monaten erfolgen soll.

Medizinalcannabis soll aus Polen kommen

Viele Portale nahmen die News auf und berichteten darüber, dass sich Farmako eine exklusive Partnerschaft gesichert habe, um im großen Stil Medizinalcannabis aus Polen nach Deutschland zu importieren. Der Geschäftsführer von Farmako Niklas Kouparanis wird am 20. März in einem Bericht von „Apotheke adhoc“ wie folgt zitiert:

„Im Fokus steht die gemeinsame Entwicklung neuer Cannabisblüten für die spezifischen Anforderungen von Patienten. Um Kosten zu senken, werde in Osteuropa produziert. Wir werden höherwertige Medikamente günstiger als unsere kanadischen Mitbewerber herstellen.“

Auf einem weiteren Internetportal findet sich eine ähnliche Pressemitteilung. Auch hier heißt es, dass der Import des Medizinalcannabis durch Pharmacann Polska erfolgt.

Allerdings decken sich die Medienberichte nicht. In einer Veröffentlichung auf einem anderen Medium heißt es:

„Produzieren lasse Pharmacann in Mazedonien – dort werden die Pflanzen in Hallen angebaut und weiterverarbeitet. Die Qualitätsstandards in Mazedonien sind mindestens so hoch wie in Kanada.“ Zudem lägen die Kosten deutlich niedriger als bei kanadischen oder niederländischen Lieferanten.

Unsere Frage an Farmako: Warum wird zunächst darüber berichtet, dass Farmako das Medizinalcannabis günstig in Polen produzieren lässt? (Erst später wurde berichtet, dass das Medizinalcannabis aus Mazedonien stammt.)

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Farmako bezieht pharmazeutisches Cannabis von Pharmacann Polska, zugleich ausschließlicher Vertragspartner von Farmako. Pharmacann Polska ist der Mutterkonzern von NYSK Holding und wird die Arzneimittel wiederum von dieser nach Polen importieren und für den europäischen Markt freigeben lassen. Das pharmazeutische Cannabis wird in Mazedonien nach Einhaltung der EU-GMP Richtlinien kultiviert. NYSK Holding hat nach eigenen Angaben bereits pharmazeutische Produkte nach Polen und Österreich exportiert. Außerdem versorgt NYSK Holding seit drei Jahren zuverlässig mazedonische Patienten mit pharmazeutischen Cannabis Produkten.“

Farmako Indoor Cannabis

Pharmacann Polska und NYSK Holdings – die Balkan-Connection

Tatsachen:

  • Über Pharmacann Polska ist wenig bekannt. Auch die Webseite des Unternehmens gibt nur wenige Informationen. Uns liegt ein Handelsregisterauszug vor, aus dem hervorgeht, dass es sich bei Pharmacann Polska um eine GmbH handelt mit einem Stammkapital von 200 000,00 ZŁ, das im Jahr 2017 gegründet wurde. Mit 186.000,00 ZŁ ist das Unternehmen EVA FASHION LIMITED an Pharmacann Polska beteiligt (Mehrheitsbeteiligung).
  • Auf Nachfrage teilte uns Farmako mit, dass Pharmacann Polska mit dem Cannabisunternehmen NYSK Holdings in Mazedonien fusioniert sei. Dies bestätigte uns auch Zlatko Keskovski, der CEO von NYSK in einer E-Mail. Dass jedoch Pharmacann der Mutterkonzern von NYSK Holdings ist, wurde nicht erwähnt.

Unsere Frage an Farmako: Wie kann aufgrund der vorausgegangenen Fakten Pharmacann Polska der Mutterkonzern von NYSK Holding sein?

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Hier geht es um Mehrheitseigentümerschaften, nicht um Gründerdaten. Eine Gesellschaft kann gegründet werden und dann nachträglich die Anteile an einer bereits vorher gegründeten Gesellschaft übernehmen bzw. kaufen. Hierdurch wird diese, sofern es sich hierbei um eine Mehrheitsbeteiligung handelt, zu einer Tochtergesellschaft der Gesellschaft, welche die Anteile hält. Selbiges ist vorliegend der Fall. Pharmacann Polska hält mittlerweile die Mehrheit der Anteile an NYSK, daher handelt es sich bei NYSK um eine Tochtergesellschafter von Pharmacann Polska. Erworben wurde NYSK im Zuge eines Mergers.“

Anm. d. Red.: Es war uns nicht möglich, einen Handelsregisterauszug von NYSK Holdings in Mazedonien zu bekommen. Aus einem Medienbericht geht jedoch hervor, dass Pharmacann Polska und NYSK Holdings fusioniert sind, und zwar unter dem neuen Namen „PharmaCann International“. Inwieweit es hier Beteiligungsverhältnisse gibt oder nicht, können wir aktuell nicht belegen. Im Handelsregisterauszug der Pharmacann Polska ist jedoch bis zum heutigen Zeitpunkt nach wie vor die EVA FASHION LIMITED als Hauptanteilseigner eingetragen.

Import von 50 Tonnen Medizinalhanf

Tatsachenbehauptung von Farmako: Man plant die Einfuhr von 50 Tonnen Medizinalhanf aus Polen nach Deutschland in vier Jahren.

Unsere Frage an Farmako: Um nach GMP-Standards ein bis eineinhalb Kilogramm einwandfreies Medizinalcannabis zu produzieren, benötigt man eine Fläche von einem Quadratmeter. NYSK gibt an, dass die gesamte Facility 12.500 Quadratmeter hat. Legt man das auf die getroffenen Aussagen der Produktionsmenge um, ergibt sich schnell, dass die Produktionsstätte zu klein ist um „19.000 kg hochwertige, trockene Cannabisblüten“ zu produzieren. Auch die angestrebten 50 Tonnen in vier Jahren kommen so nicht zustande. Hierfür müsste die Produktionsstätte mindestens ein Drittel größer sein. Dies wirft eine weitere Frage auf: Wo wird das restliche Medizinalcannabis angebaut? Oder kommt der Rest nicht aus dem Anbau aus Mazedonien, sondern woanders her?

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Die Facility reicht für die Produktion aus. Die Produktion hat verschiedene Einflüsse wie Licht, Nährstoffe und Zyklen. In unserer Produktion haben wir 5.6 Zirkel. Wir beziehen keine weitere Ware von anderen Dienstleistern. Selbst wenn wir hier annehmen, dass ihre Angaben richtig sind und nur ein bis eineinhalb Kilogramm pro Quadratmeter nach GMP-Standarts produziert werden kann, kommen wir bei einer Anbaufläche von 12.500 m2 auf ein Minimum von 50 Tonnen in vier Jahren und ein Maximum von 75 Tonnen, ohne weitere Anbaumaßnahmen wie geplant, zu tätigen.“

Anbau auf Abfalldeponie aus ehemaliger Lindan-Produktionsanlage?

Tatsachen:

  • In einem Sachstandsbericht heißt es unter anderem, dass der Standort, auf dem sich NYSK Holdings in Mazedonien befindet, eine Deponie für Abfälle aus einer ehemaligen Lindan-Produktionsanlage ist. Auf dem Gelände wurden zwischen 1968 und 1975 insgesamt 25.000-35.000 Alpha- und Beta-Isomere sowie 3.000 t-Delta-Isomere entsorgt. Die vorliegenden Substanzen können als sehr gefährlich eingestuft werden.
  • Das wichtigste Umweltproblem, das sich aus dem Standort ergibt, ist die Verunreinigung des für landwirtschaftliche Zwecke genutzten Grundwassers, da zwischen den Becken und dem Boden, auf dem sie liegen, keine (Alpha- und Beta-Isomere) oder keine ausreichende (Deltapolymere) Schutzabdeckung vorhanden ist.

Am 5. April hat der Spiegel einen Artikel veröffentlicht, in dem es auch um das Unternehmen Farmako geht. Hierin heißt es:

„Produziert werden soll bei einer Firma in Nordmazedonien. Doch die Umstände wirken befremdlich. Das Bürogebäude des Unterlieferanten steht auf dem Gelände einer früheren Chemiefabrik in Skopje. Weil dort mehr als ein Jahrzehnt lang das krebserregende Insektizid Lindan hergestellt worden war, gilt der Boden als verseucht.“

Weiter heißt es, dass eine Sprecherin von NYSK erklärt haben soll, dass dies kein Problem darstelle. Denn die Halle, in der die Züchtung von Cannabis stattfindet, befinde sich „an einem anderen Standort“. Aufgrund von Geheimhaltungsklauseln dürfe sie den Standort nicht verraten.

Der Spiegel schreibt zudem:

„Damit kennt sich der Chef des Lieferanten aus: Einst war er der Boss der mazedonischen Geheimpolizei.“

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Auf dem ehemaligen Gelände der Ad Ohis Chemiefabrik-Gelände steht das Bürogebäude der NYSK Holding DOOEL. Die Kultivierungs-Facility befindet sich an einem anderen Standort. Diesen dürfen aus Gründen der Geheimhaltung, welche bei dem Anbau von Betäubungsmitteln bestehen, nicht veröffentlichen. Unabhängig vom Standort der Produktionsstätte erfolgt die Kultivierung, wie bei Arzneimitteln üblich, nach EU GMP Richtlinien. Dies beinhaltet selbstverständlich die in der Produktion von Arzneimitteln vorgeschriebene osmotische Aufbereitung des Nutzwassers. Zudem findet die Kultivierung von Pflanzen ausschließlich in sterilisierten Kokosfasern und in einem abgeschlossenen System mit Luftfilterung statt. Des Weiteren übersenden wir Ihnen anbei eine Laboranalyse des Militärs, die bestätigt, dass der Boden auf dem die Produktionsanlage steht, nicht kontaminiert ist.“

Anm. d. Red.: Wir haben bereits mit den zuständigen Stellen/Behörden in Mazedonien einen Kontakt hergestellt und diese gebeten, die Echtheit der übersandten Unterlagen zu bestätigen.

Angaben von NYSK Holdings

Der COO Sasho von NYSK Holdings teilte uns schriftlich unter anderem folgendes mit:

„AD OHIS is not operating for many years. OHIS is located 5km from city centre of Skopje and is one of the most populated area. The area surrounding OHIS is populated and people are living in that area. We decided to invest in the area of former OHIS because of the electricity supply in these area.“

Unsere Frage an Farmako: Wo befindet sich denn jetzt die Produktionsstätte in Skopje?

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Die Produktionsstätte steht nicht auf kontaminiertem Gelände (mind. Radius 1km hiervon entfernt). Entsprechende Dokumente, die dies belegen, haben Sie von uns erhalten (Bodenprobe, Stellungnahme NYSK und Hemiski).“

Warum findet der Import über Polen statt?

Unsere Frage an Farmako: Warum importiert Farmako das Medizinalcannabis nicht direkt über NYSK, sondern über Polen, wenn doch laut eigenen Angaben die GMP-Standards für den europäischen Raum angepasst wurden?

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Farmako ist ein pharmazeutischer Großhändler, nicht jedoch ein Hersteller. Nach europäischem Recht gilt der Importeur von Arzneimitteln in der Europäischen Union als so genannter “innereuropäischer Inverkehrbringer” und ist damit in seinen Verantwortlichkeiten dem Hersteller gleichgestellt. Aus diesem Grund erfolgt die Verpackung und arzneimittelrechtliche Freigabe für den europäischen Markt über die Firma Pharmacann Polska, die polnische Muttergesellschaft des mazedonischen Unternehmens NYSK. Farmako erwirbt somit Ware von einem europäischen Unternehmen und importiert somit selbst keine Cannabisblüten in die Europäische Union. Die Produkte werden selbstverständlich von einer Qualified Person in Polen für den europäischen Markt freigegeben. Diese Vorgehensweise ermöglicht es Farmako, eine schnellstmögliche  vollumfängliche Patientenversorgung zu gewährleisten.“

Verfügt Farmako über die notwendigen Genehmigungen und Lizenzen?

Das Regierungspräsidium Darmstadt teilte uns schriftlich mit:

„Die Firma Farmako GmbH in Frankfurt verfügt über eine Erlaubnis gemäß § 52a Arzneimittelgesetz und ist damit berechtigt mit Arzneimitteln Großhandel zu betreiben. Die entsprechende Erlaubnis kann in der öffentlich zugänglichen EUDRA-GMDP-Datenbank eingesehen werden.

Allgemein gilt, dass Cannabis-Erzeugnisse für medizinische Zwecke gemäß der Guten Herstellungspraxis (Good Manufacturing Practice, GMP) herzustellen, zu prüfen und von einer sachkundigen Person freizugeben sind. Das angebaute Cannabis zu medizinischen Zwecken muss im Rahmen des GMP entsprechend der Vorgaben der „Guten Praxis für die Sammlung und den Anbau von Arzneipflanzen“ (Good Agricultural and Collection Practice, GACP) angebaut werden. Die GACP-Guideline wird von dem HPMC, Committee on Herbal Medicinal Products der EMA herausgegeben. Diese Guideline enthält auch u.a. Angaben dazu, dass die Qualitätssicherung hinsichtlich Chemikalien und Schwermetalle (im Boden und Wasser) regelmäßig überprüft und schriftlich festgehalten werden muss.“

Laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist es für den Umgang mit Betäubungsmitteln notwendig, eine Erlaubnis gemäß § 3 BtMG zu besitzen. Farmako teilte uns am heutigen Tage mit, dass das Unternehmen über eine Erlaubnis gemäß § 3 BtMG besitzt.

Anm. d. Red.: Wir haben beim BfArM um Bestätigung gebeten. Allerdings teilte uns das BfArM mit, dass man hierzu keine Angaben macht.

Großhändler, aber kein Importeur?

Tatsachen:

  • Farmako ist ein pharmazeutischer Großhändler und kein Importeur.
  • Dies stellt einen Widerspruch zu den herausgegebenen Pressemitteilungen dar: „Farmako schließt weltweit größten Importvertrag für pharmazeutisches Cannabis“.
  • Der „Import“ ist nur möglich, da das Unternehmen die Waren über Polen einkauft.
  • Polen ist Teil des EWR-Raumes. Somit benötigt die Firma keine Importlizenz (Einfuhrerlaubnis).

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Im März haben wir mit dem Vertrieb in Deutschland begonnen. Dafür haben wir Cannabis aus den Niederlanden importiert. Innerhalb von 18 Tagen sind wir zum größten unabhängigen Distributor in Deutschland geworden. Unsere Genehmigung zum Import aus Holland gilt Deutschland weit, diese ist weder für uns noch für andere Cannabis-Großhändler auf ein Bundesland beschränkt. Des Weiteren besitzen wir bereits eine Einfuhrgenehmigung für den Import von pharmazeutischen Cannabis-Produkten aus Polen. Unsere internen Prozesse sind mit sämtlichen Behörden abgestimmt und sehen vor 6 Wochen vor dem Import eine Einfuhrgenehmigung zu beantragen.“

Farmako selbst spricht allerdings von Importgenehmigungen, wie zum Beispiel in diesem Beitrag. Hier heißt es, dass Farmako die Anträge für die entsprechenden Importgenehmigungen noch stellen müsse. Kouparanis soll sich hierzu wie folgt geäußert haben:

„Wir stehen dazu in einem guten und engem Austausch mit den deutschen Behörden.“

Gleichzeitig äußert er sich in einem anderen Medienbericht:

„… Die erste Lieferung von pharmazeutischem Cannabis soll im Juni in deutschen Apotheken ankommen. Deutsche Patienten werden dann endlich zuverlässig versorgt. Kanadische Anbieter konnten dies in den vergangenen Jahren nicht gewährleisten“, so Kouparanis.

Unsere Fragen an Farmako: Wer ist die „Qualified Person“ in Polen? Welche deutsche und europäische Stelle überprüft die Qualität (Audit)? Wieso bezeichnet sich Farmako als Importeur, wenn dies nicht den Tatsachen entspricht?

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Wir sind zertifizierter Großhändler und halten uns an alle hierfür bestehenden gesetzlichen Vorgaben. Audits in Polen und Mazedonien haben wir durchgeführt. Uns liegt keine Genehmigung vor, den Namen der Qualified Person bekannt zu geben. Auch für eine Einfuhr von einem EU-Land in ein anderes benötigt man für die Einfuhrgenehmigung eine “Import Authorization Number”. Offizielle behördliche Dokumente verwenden auch innerhalb der EU die Begriffe “Einführer” / “Importer”.

Erfüllen Pharmacann Polska und NYSK die europäischen GMP-Standards?

Pharmacann Polska in Polen

Unsere Frage an Farmako: Laut EudraGMPD Datenbank liegt für Pharmacann Polska kein GMP oder GDP Zertifikat vor. Somit kann Pharmacann Polska über keine GMP-Zertifizierung verfügen?

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Unsere Vereinbarung mit Pharmacann Polska setzt voraus, dass alle von Farmako nach Deutschland importierten pharmazeutischen Cannabisprodukte vollumfänglich EU GMP und GDP zertifiziert sind. Alles andere wäre strikt verboten. Dementsprechend wird Pharmacann Polska zum Zeitpunkt der Herstellung und Lieferung auch über die erforderliche GMP Zertifizierung verfügen.“

Wir haben beim zuständigen Regierungspräsidium Darmstadt nachgefragt und erhielten folgende Antwort:

„Details zu Herstellungs- bzw. Einfuhrtätigkeiten der polnischen Firma liegen dem RP Darmstadt nicht  vor. Zum Warenfluss liegen dem RP aktuell ebenfalls keine genauen Informationen vor. Sofern die Firma Pharmacann Polska Herstellungsschritte durchführt, muss diese die GMP (Good Manufactoring Practice)-guideline einhalten.

Sollte die Freigabe für den Markt durch diese Firma stattfinden, müsste eine Zertifizierung wie bereits geschildert durch eine sachkundige Person („qualified person“) erfolgten, die bestätigt, dass die Charge den Anforderungen der Guten Herstellungspraxis (GMP) und der entsprechenden Genehmigung für das Inverkehrbringen entspricht. Hierbei handelt es sich um eine Qualitätsfreigabe der jeweiligen Charge.“

Farmako hat uns schriftlich mitgeteilt, dass ein Audit Polen stattfand. Die Qualified Person dürfe man uns jedoch nicht nennen. Auch ein entsprechendes Dokument, dass die Einhaltung der GMP-Guidelines bestätigt, liegt uns nicht vor. Genauso haben wir keinerlei Nachweis über einen stattgefunden Audit. Zuständig wäre hier Österreich, doch auch dort weiß niemand etwas von einem solchen Audit.

ICC beteiligt sich an Alkaloid in Mazedonien

NYSK Holdings in Mazedonien

Tatsachen:

  • Laut der EudraGMPD Datenbank liegt für NYSK kein GMP oder GDP Zertifikat vor.
  • Mazedonien hat den staatlich kontrollierten Anbau Ende 2015 legalisiert.
  • Zum heutigen Zeitpunkt gibt es keine GMP oder GACP zertifizierten Anbaubetriebe für Medizinalcannabis.

Statement von einem Produzenten aus Mazedonien:

„Es tut mir leid, aber ich kenne diese Firma nicht persönlich. Ich kenne auch keinen dieser Gründer! Es gibt 15 Anbaulizenz im Land und NYSK war eine der ersten Firmen, die noch unter der alten Regierung ihre Anbaulizenz erhalten haben.“

Unsere Frage an Farmako: Verfügt NYSK über eine GMP oder GDP Zertifizierung?

Wiederholt (s. o.) antwortet Farmako mit gleichem Satzlaut:

„Unsere Vereinbarung mit Pharmacann Polska setzt voraus, dass alle von Farmako nach Deutschland importierten pharmazeutischen Cannabisprodukte vollumfänglich EU GMP und GDP zertifiziert sind. Alles andere wäre strikt verboten. Unsere Vereinbarung sieht weiter vor, dass wir im Juni 2019 erstmalig EU GMP zertifizierte Cannabisblüten aus Polen importieren. Zum Zeitpunkt der Herstellung und Lieferung werden Pharmacann Polska und NYSK also zwangsläufig über alle erforderlichen Zertifizierungen verfügen.“

Hintergrundinformationen von einem anderen Produzenten in Mazedonien

„Ich installiere aktuell einen hochmodernen Anbaubetrieb und berücksichtige alle GMP Anforderungen. Ich weiß, wie komplex es ist und welcher Output auf Flächen generiert werden kann. 50 Tonnen medizinisches Cannabis höchster Qualität aus GMP oder GACP zertifizierten Anbaubetrieben ist eine sehr hohe Menge!

Unsere Firma befindet sich aktuell im Lizensierungsverfahren, somit weiß ich von was ich spreche! Die Anforderungen sind sehr hoch und ähneln den Anforderungen z.B. in Deutschland. Ich kann Ihnen das Gesetz zur Verfügung stellen. Sie müssen es sich lediglich übersetzen lassen. Jedoch erkennen Sie schnell, dass es dem deutschen Gesetz hinsichtlich der baulichen Vorgaben und Anforderungen (Doppelzaun, Stacheldraht, Überwachung…) sehr ähnelt.

Sie schreiben einen Businessplan und eine Ausarbeitung und reichen diesen bei der mazedonischen Cannabisagentur ein. Ihre Bewerbung wird 30 Tage geprüft und es entscheidet sich, ob das Verfahren weitergeht oder endet. (Qualitätsprüfung) Nach positivem Feedback: Bauliche Umsetzung starten! Nachdem die Mindestanforderungen erfüllt sind, kann ein Pre-Lizenz ausgestellt werden (Gültigkeit 3 Monate). Innerhalb dieser 3 Monaten muss das Projekt gemäß der Bewerbung umgesetzt und durch die Endinspektion vor Ort abgenommen werden. Inspektionen finden unangekündigt oder jährlicher Turnus statt.“

Darüber hinaus berichtete der Produzent in Mazedonien:

„Anbaulizenz bedeutet nicht gleich GMP oder GACP zertifizierter Anbau. Die gleiche Situation haben nun auch die Anbaubetriebe in Deutschland. Unternehmen haben die Anbaulizenz erhalten und müssen nun die Anbaubetriebe gemäß der GACP und/oder GMP Standards aufbauen und organisieren. Das Cannabis wird erst abgekauft, wenn der Anbaubetrieb diese Qualifizierung erreicht hat. Ich möchte damit sagen, dass die Standards in Mazedonien absolut In Ordnung sind!

Es gibt Länder, die für die Einfuhr von medizinischem Cannabis kein GMP Zertifikat verlangen. Möglicherweise haben diese Länder eigene Qualitätszertifikate. Es ist deswegen für mich auch nachvollziehbar, warum ein Drittstaat wie Mazedonien die Anforderung GMP oder GACP nicht zwingend als Bedingung für die Ausstellung der Anbaulizenz fordert. Für europäische Staaten werden diese Zertifikate jedoch benötigt. Das muss deshalb streng geprüft und kontrolliert werden vom Importeur bzw. besonders vom Großhändler.“

Unsere Frage an Farmako: Wie kann sichergestellt werden, dass die eingekaufte Ware GMP-zertifiziert ist, wenn gar keine Zertifikate vorliegen?

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Wie ihre Quelle richtig sagt, sind die Anforderungen in Mazedonien sehr hoch. Wir haben entsprechende Audits in Polen und Mazedonien durchgeführt. Wir haben vertraglich sichergestellt, dass wir ausschließlich EU GMP zertifiziertes pharmazeutisches Cannabis erhalten. Der Import von nicht zertifizierten Arzneimitteln ist verboten. Als Großhändler in Deutschland halten wir uns strikt an die gesetzlichen Vorgaben.“

Da es sich bei Mazedonien um ein Drittland handelt, ist hier das Regierungspräsidium Darmstadt für die Überprüfung der GMP-Standards zuständig. Dieses teilte uns mit, dass Farmako bisher noch keinen Antrag auf eine Drittlandsinspektion gestellt hat.

Farmako stellt GMP-Zertifikat von NYSK zur Verfügung

Tatsachen:

  • Farmako hat uns ein GMP-Zertifikat von der Agency for Medicines and Medical Devices in Mazedonien (MALMED) zugesandt.
  • Auf der Webseite der MALMED ist NYSK Holdings allerdings nicht als Hersteller oder Großhändler aufgeführt, was natürlich unterschiedliche Gründe haben kann.
  • Aus dem Zertifikat ist ersichtlich, dass auf EU-Richtlinien Bezug genommen wird.

Ein Anwalt teilte uns auf Anfrage hierzu folgendes mit:

„Der Status Mazedoniens als EU-Beitrittskandidat kann der Grund dafür sein, dass die Zertifikate schon jetzt klare Referenzen auf die EU Richtlinien haben. Im Wege der Beitrittsbestrebungen haben die entsprechenden Staaten auch ihre Gesetze möglichst EU-konform anzupassen. Dennoch existiert bislang kein Mutual Recognition Agreement zwischen der EU und Mazedonien hinsichtlich der Anerkennung von in Mazedonien ausgestellten GMP-Zertifikaten. Auch gibt es keine Ausnahme-/Sonderregelungen für Beitrittskandidaten in diesem Rahmen. Daher bleibt es bei der Auslandsinspektion des zuständigen Regierungspräsidiums vor Ort.“

Wo wird das eingekaufte Medizinalcannabis in Deutschland gelagert?

Unsere Frage an Farmako: Wo wird das Medizinalcannabis in Deutschlang gelagert? Und wie ist die Lagerungsstätte gesichert? Fand hier schon eine Besichtigung durch die Bundesopiumstelle statt?

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Farmako ist vollumfänglich GDP zertifiziert. Unsere Lagerstätten sind gemäß der gesetzlichen Vorgaben geprüft und gesichert.“

Anm. d. Redaktion: Wo sich das Cannabislager von Farmako befindet und ob es eines in Deutschland gibt, teilte das Unternehmen nicht mit.

Wie will Farmako bis Juni 2019 Medizinalhanf nach Deutschland bringen?

Aufgrund der oben genannten Tatsachen und Aussagen von Farmako ergibt sich die Frage, wie das Unternehmen – wie laut Medienberichten angekündigt – bis Juni diesen Jahres Medizinalcannabis nach Deutschland holen kann, wenn noch nicht alle notwendigen Zertifizierungen und Genehmigungen vorliegen.

Hierzu auch ein Schreiben des BfArM, das Leafly.de vorliegt:

Mazedonien erlaubt keinen Export von medizinischen Cannabisblüten

Die Frage, wie Farmako nun Medizinalcannabis nach Deutschland bringen möchte, stellt sich auch deswegen, da Mazedonien aktuell keinen Export von Cannabisblüten erlaubt.

In einem Bericht dazu heißt es unter anderem:

„According to the existing legislation, only export of final products (extracts, granules, oil and similar) is permitted. The companies that cultivate cannabis in macedonia are not allowed to export the plant and therefore freeze the flowers (fresh oder dried).“

Das bedeutet also, dass lediglich Extrakte, Öle etc., aber keine Cannabisblüten exportiert werden dürfen – weder nach Polen noch nach Deutschland. Es scheint wohl einen entsprechenden Gesetzesentwurf zu geben, der dies ändern soll, unseres Wissens ist dieser jedoch noch nicht verabschiedet worden. Dies lag auch daran, dass erst vor kurzem die Präsidentschaftswahlen in Mazedonien stattfanden und während dieser Zeit, keine Gesetze verabschiedet werden. Ob und vor allem wann, das entsprechende Gesetz verabschiedet wird, können wir nicht genau sagen. Ein Cannabisproduzent in Mazedonien erklärte uns, dass es drei bis sechs Monate dauern kann.

Erinnerung: Farmako plant den Import von Medizinalhanf im Juni diesen Jahres.

Farmako und die Kanadier von Zenabis

In einer ganz aktuellen Pressemitteilung heißt es:

„Frankfurt a.M. Zenabis Global Inc. (TSXV:ZENA) kauft drei Jahre lang insgesamt 36.000 Kilogramm eines biosynthetisch hergestellten CBD-Isolats (99,9%) vom deutschen forschenden Pharmaunternehmen, der Farmako GmbH. Farmako ist das erste Unternehmen weltweit, das CBD-Isolate in dieser Größenordnung biosynthetisch durch die neue “Continuous Bacterial Cannabinoid Biosynthesis Method” (CBCB-Method)™ produzieren wird. Zugleich importiert ein kanadisches Unternehmen erstmalig Cannabinoide von einem unabhängigen deutschen Pharmaunternehmen. Ergänzend hierzu beabsichtigt Zenabis, Farmako mit jährlich 5.000 kg EU GMP-zertifiziertem Cannabis zu beliefern.“

Unsere Frage an Farmako: In der Pressemitteilung heißt es, dass Farmako Medizinalcannabis von Zenabis in Kanada importieren möchte. Zenabis verfügt allerdings über keine GMP-Zertifizierung. Fand hier schon ein Audit statt?

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Hier fand noch kein Audit statt. Farmako wird sicherstellen, dass Produktion und Lieferung in Q4 2019 gemäß aller gesetzlichen Vorgaben abläuft. Ohne EU GMP Zertifizierung kann hierzulande schließlich kein pharmazeutisches Cannabis vertrieben werden.“

Zuständig für ein Audit bzw. eine Inspektion ist das Regierungspräsidium Darmstadt, das uns folgendes mitteilte:

„Sofern der Einführer (direkte Einfuhr aus einem Drittland) in Hessen ansässig ist, ist das RP Darmstadt für eine Inspektion eines Herstellungsbetriebes im Drittland zuständig. Dabei wird die Einhaltung der Herstellung gemäß GMP-Guideline überprüft. Dies wäre der Fall, sofern Farmako GmbH über eine Einfuhrerlaubnis verfügen würde und einen entsprechenden Antrag auf Drittlandsinpektion (z.B. für Kanada, Mazedonien, etc.) stellen würde.“

Unsere weiteren Fragen an Farmako: Darüber hinaus bezeichnet sich Farmako selbst als Großhändler und nicht als Importeur. Wie erklären Sie den jetzigen Wechsel zum Importeur?

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Wir sind nicht zum „Importeur“ „gewechselt“. Als Großhändler benötigen wir pharmazeutisches Cannabis für die Distribution an Apotheken. Da bislang kein Anbau in Deutschland stattgefunden hat, mussten wir dies also zwangsläufig „importieren“, um dann hierzulande als Großhändler tätig zu werden. Grundsätzlich sehen wir uns im Kern aber nicht nur als Importeur, sondern insbesondere als forschendes Pharmaunternehmen. Der Liefervertrag für unser biosynthetisch produziertes CBD belegt dies umso mehr.“

Farmako: Cannabinoide aus Tequila-Bakterium?

Fragen zur Produktion von biosynthetischen Cannabinoiden

Tatsachen:

  • Farmako plant laut Medienbericht die Herstellung verschiedener Cannabinoide für standardisierte Medikamente.
  • Dies verspreche für Patienten eine Versorgungssicherheit sowie niedrige Preise.
  • Denn durch die Zucht und den Anbau würden die aktuellen Produktionskosten in die Höhe getrieben.

„Vergleichsweise kostet ein Kilogramm THC durch Farmakos biosynthetischen Prozess in der Produktion rund ein Tausendstel weniger. Im Gegensatz zu weiteren Unternehmen und Wissenschaftlern verwendet Farmako erstmalig keine Hefezellen. Stattdessen wurde das Bakterium Zymomonas mobilis, auch eingesetzt für die Herstellung von Tequila, gentechnisch so modifiziert, dass es neben CBD und THC im Rahmen einer kontinuierlichen Synthese ebenfalls 180 Cannabinoide herstellen kann“, heißt es in dem Bericht.

Farmakos Geschäftsführer Niklas Kouparanis wird wie folgt zitiert:

„Ein x-beliebiges Cannabinoid synthetisch und unheimlich effizient herstellen zu können, ist der Durchbruch für Cannabis in der Medizin. Unser Patent wird die Pharmaindustrie in Sachen Cannabis ähnlich revolutionieren wie die erstmalige Biosynthese von Insulin. Die Cannabisindustrie steht damit vor so rasanten Umbrüchen, wie sie beispielsweise Netflix in der Entertainment-Branche hervorgerufen hat.“

Der Molekularbiologe und Mitgründer von Farmako Patrick Schmitt führte aus, dass man mit einem Produktionsdurchlauf 900 Stunden ohne Unterbrechung Cannabinoide produzieren können. In dieser Zeit würden zum Beispiel 4,5 Kilogramm THC pro Gramm Bakterienmasse entstehen.

Weiter heißt es:

„Der Molekularbiologe modifizierte das Bakterium Zymomonas mobilis, indem er Gene aus dem Malariaerreger bestimmten Bakterien sowie der Cannabispflanze einbrachte. Zudem nutzte er eine Art Genschere, um bestimmte Gene, die eigentlich für die Alkoholproduktion verantwortlich sind, aus dem Erbgut des Bakteriums zu entfernen. Das so künstlich erzeugte Bakterium mit dem Namen Zymomonas cannabinoidis® ist nun in der Lage, Cannabinoide aus Traubenzucker herzustellen.“

Farmako: Patentanmeldung im Februar 2019?

Aus dem Medienbericht geht auch hervor, dass Farmako das Patent im Februar dieses Jahres beim Europäischen Patentamt angemeldet haben soll. Aus dem aktuellen Register des Europäischen Patentamtes und auch des Deutschen Patentamtes ist eine Anmeldung nicht ersichtlich.

Laut des Europäischen Patentamtes dauert es in der Regel bis zu 18 Monate ab dem Anmeldetag, bis das Amt eine Entscheidung über das angemeldete Patent trifft. Eine Patentanmeldung bedeutet also noch nicht, dass auch eine Erteilung des Patents erfolgt.

Aus dem Deutschen Markenregister ist ersichtlich, dass von dem Unternehmen The Good Company GmbH in Frankfurt/Main die folgenden drei Marken eingetragen wurden:

  • Zymomanas cannabinoides
  • CBD BioBoost
  • Helioresin

Unsere Frage an Farmako: Was sind CBD BioBoost und Helioresin für Produkte?

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Bei Helioresin handelt es sich um eine im Vorfeld entwickelte Sonnenschutzpille. Zu CBD BioBoost können wir uns derzeit noch nicht äußern.“

Produktion ist in Vorbereitung

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Wir befinden uns bereits in der Vorbereitung zur Produktion. Diese soll in Q3 2019 beginnen, da wir bereits durch die Anmeldung einem Schutz unterliegen. Die Produktion erfolgt selbstverständlich unter EU GMP Bedingungen in unserem eigenen Labor.“

Tatsachen:

  • Ab dem Zeitpunkt der Veröffentlichung der Patentanmeldung genießt der Patentinhaber einen vorläufigen Schutz (Art. 67 EPÜ). In Deutschland bedeutet das, dass der Anmelder eine angemessene Entschädigung verlangen kann, wenn jemand seine zum Patent angemeldete Erfindung benutzt. Ein Unterlassungsanspruch entsteht aber erst mit der Erteilung des Patents.
  • Da die Patentanmeldung erst im Februar 2018 erfolgte und noch keine 18 Monate vorbei sind und noch keine Veröffentlichung stattfand, genießt das Patent auch noch keinen vorläufigen Schutz. Dies wurde uns auch vom Europäischen Patentamt bestätigt.

Unsere Frage an Farmako: Wie kommt man zu dieser Aussage: “Wir befinden uns bereits in der Vorbereitung zur Produktion diese soll in Q3 2019 beginnen, da wir bereits durch die Anmeldung einem Schutz unterliegen”?

Tatsächliche Aussage von Farmako:

„Zu dieser Frage eine Stellungnahme von Dr. Andreas Stefferl, Patentanwalt bei Hoffmann Eitle:

Die Schutzwirkung im engeren Sinne – also das Verbotsrecht gegenüber Dritten, die Erfindung auszuführen – entfaltet die Anmeldung erst nach Erteilung zum Patent. Im derzeitigen Zustand als unveröffentlichte Patentanmeldung kann Farmako gegenüber Dritten keinen Verbotstitel vor Gericht erstreiten. Eine derartige Verbotswirkung entfaltet auch die veröffentlichte Anmeldung nicht, wie Sie bereits selbst zutreffend zusammengefasst haben.

Die Anmeldung bestimmt aber den sogenannten Zeitrang der patentfähigen Erfindung. Die Anmeldung mit dem früheren Zeitrang kann vielfach einen breiteren, und damit weitreichenderen Schutz der Erfindung erreichen, als es spätere Anmeldungen auf demselben Gebiet ermöglichen. Mit wirksamer Hinterlegung der Patentanmeldung beim zuständigen Amt hat sich Farmako für die darin beschriebene patentfähige Erfindung den Zeitrang gesichert, der gegenüber Wettbewerbern, die später in das Feld einsteigen, eine zukünftige  Rechtsposition ermöglichen kann. Diese Rechtsposition kann selbst dann Bestand haben, wenn ein Dritter nach Hinterlegung der Patentanmeldung, aber noch vor Veröffentlichung oder vor der Patenterteilung die Erfindung zu benutzen beginnt. Mit Erteilung des Patents könnte Farmako diesem Dritten die weitere Benutzung der Erfindung auf dem Gerichtswege untersagen, oder eine Lizenzgebühr verlangen. Somit hat der Hinterlegungszeitpunkt / Zeitrang eine entscheidende Rolle für den zukünftigen Schutz der Erfindung und für die zukünftige Rechtsposition von Farmako gegenüber Dritten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass – streng patentrechtlich betrachtet  – die Aussage, dass Aktivitäten von Farmako „bereits durch die Anmeldung einem Schutz unterliegen“, stark verkürzt ist. Soweit eine patentfähige Erfindung beschrieben ist, hat sich Farmako jedoch durch die Anmeldung einen möglicherweise vorteilhaften Zeitrang „geschützt“. Nach Ablauf des Prioritätsjahres (zwölf Monate nach erster Hinterlegung) kann Farmako auch ohne Gefährdung der eigenen Anmeldung Informationen über die Erfindung kommunizieren (z.B. soweit dies  für behördliche Zulassungen notwendig sein mag). Auch die unter Wahrung der Vertraulichkeit durchgeführten Vorbereitungen für die Produktion im eigenen Labor von Farmako stellen keine Gefahr für die Anmeldung dar, selbst wenn die Vorbereitungen bereits innerhalb des Prioritätsjahres erfolgen. Auch hier hat sich Farmako also im Hinblick auf die beschriebene Erfindung eine Rechtsposition „geschützt.“

Tatsachen:

  • An der Geschäftsadresse in Frankfurt am Main sind laut öffentlichem Handelsregister die Unternehmen Farmako GmbH, The Good Company GmbH und The Good Spirit GmbH angemeldet.
  • Als Geschäftsgegenstand bei der Farmako GmbH ist eingetragen „Großhandel mit Medizinpräparaten…“ und bei der The Good Company GmbH der „Erwerb, das Halten, das Verwalten sowie das Veräußern von Beteiligungen an Unternehmen jeglicher Art, insbesondere von Unternehmen, die im Großhandel mit Medizinpräparten tätig sind…“.
  • Die The Good Spirit GmbH hat als Geschäftsgegenstand „Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Kosmetika, Nahrungsergänzungsmitteln, Lebensmitteln und Getränken …“.

Unsere Fragen an Farmako:

  • Warum gibt es drei unterschiedliche Unternehmen?
  • Welchen Zweck hat die The Good Company GmbH?
  • Soll die The Good Spirit GmbH die Produktion der Cannabinoide übernehmen?
  • Und wenn ja, hat diese eine GMP-Zertifizierung?

Zu diesen Fragen liegen uns zwei unterschiedliche tatsächliche Aussagen von Farmako vor:

Tatsächliche Aussage 1 von Farmako:

„Für die Herstellung der aus dem Patent resultierenden Produkte wird eine eigene Entity gegründet, die auch der Produktion befähigt ist. Da die Produktion erst für Q3 2019 geplant ist können wir hier noch keine weiteren Aussagen tätigen.“

Tatsächliche Aussage 2 von Farmako:

„Wir vertreiben aktuell nur über die Farmako GmbH. Egal ob wir natürlich angebaute oder zukünftig auch biosynthetisch hergestellte pharmazeutische Produkte in Europa distribuieren oder auch biosynthetisch selber herstellen werden, werden wir immer gewährleisten, dass diese EU GMP zertifiziert sind.“

FAZIT

Status Quo am 10. Mai 2019:

Farmako …

  • trifft fragliche Aussagen in offiziellen Pressemeldungen (tatsächliche Aussage von Farmako vom 10.05.2019: „Die Aussagen waren inhaltlich korrekt.“)
  • besitzt eine Großhandelserlaubnis
  • verfügt über keine Genehmigung zum Import von Medizinalhanf aus Polen, das in Mazedonien produziert wurde
  • besitzt keine Genehmigung zum Import von Medizinalhanf aus Kanada
  • hat (noch) keinen Antrag auf eine Drittlandsinspektion für NYSK Holdings in Mazedonien durchgeführt
  • erklärt zwar, dass eine Inspektion in der Produktionsstätte von Pharmacann Polska stattfand, ein entsprechendes Dokument liegt nicht Auch das Regierungspräsidium Darmstadt weiß nichts von einem Audit
  • verfügt über keine Einfuhrgenehmigung
  • verfügt zum jetzigen Zeitpunkt über keinen GMP-zertifizierten Partner – weder in Polen, Mazedonien noch Kanada

Nach vielen Wochen der Recherche, der Sichtung unendlicher Fakten, langen Gesprächen und vielen Stunden Arbeit lässt sich abschließend die Frage stellen, ob Farmako noch im Juni 2019 mit dem Import von Blüten beginnen kann. Auch ein baldiger Börsengang erscheint aufgrund der vorliegenden Tatsachen offen.

Am Ende bleiben viele Fragen:

  • Besitzt Farmako die Erlaubnis gemäß § 3 BtMG?
  • Das RP Darmstadt muss eine Inspektion (Prüfung der GMP-Guidelines) bei NYSK Holdings in Mazedonien durchführen. Eine Anfrage hat das RP noch nicht erhalten. Wie kann es sein, dass der Import von Medizinalhanf bereits für Juni diesen Jahres geplant ist?
  • Das RP Darmstadt muss eine Inspektion (Prüfung der GMP-Guidelines) bei Zenabis in Kanada durchführen. Eine Anfrage hat das RP noch nicht erhalten. Wie kann es sein, dass der Import von Medizinalhanf bereits für das 4. Quartal diesen Jahres geplant ist?
  • Wie will Pharmcann Polska Medizinalhanf von NYSK Holdings in Mazedonien bis Juni importieren, wenn Mazedonien den Export von Cannabisblüten (noch) nicht erlaubt?
  • Wo und wie wird das importierte Medizinalcannabis gelagert?
  • Wie kann die Cannabinoidherstellung im 3. Quartal erfolgen, wenn das deutsche Labor noch nicht GMP-zertifiziert ist?
  • Warum wurden neben der Farmako GmbH die beiden Unternehmen The Good Company GmbH und The Good Spirit GmbH gegründet?

Was bedeutet das nun genau?

Für die Cannabisbranche und insbesondere für den deutschen Cannabismarkt tragen solche Unternehmungen dazu bei, dass die Branche weiter in Verruf gerät. Für Cannabispatienten ist dies besonders tragisch. Sie unterliegen nicht nur nach wie vor einer Stigmatisierung, sondern bekommen aufgrund der bestehenden Lieferengpässe nicht ihre dringend benötigte Medizin. Kommen dann Startup-Unternehmen mit großen Versprechungen, dass sie Medizinalhanf innerhalb kürzester Zeit in großen Mengen importieren können, werden ebenso große Hoffnungen geschürt. Aber es ist eben nur ein Hauch von Hoffnung, der genauso schnell wieder verfliegt wie er aufgetaucht ist.

Wenn Startup-Unternehmen nicht die Patienten in den Fokus rücken, sondern auf Investorengelder setzen, hat dies einen bitteren Beigeschmack. Sicher, alle müssen Geld verdienen und sollen dies auch, doch nicht um jeden Preis! Am Ende sind es die Patienten, die darunter leiden müssen.

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