Florian Liese, 35, NRW, Schmerzpatient nach Bandscheibenvorfall

Autor: Uta Melle

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Florian ließ sich 2011 nach einem Bandscheibenvorfall operieren. Seit dem leidet der gelernte Einzelhandelskaufmann an Schmerzen. Er probierte die ganze Breite von Schmerzmitteln und Opiaten. Er fand kein Mittel, welches ihm die Schmerzen zu mehr als 30 % Prozent nahm. Seine Rettung kam durch den Rat eines tschechischen Apothekers: Die Behandlung mit Cannabis nimmt ihm heute 70 % Prozent der Schmerzen.

Florian Liese, 35, NRW, Schmerzpatient nach Bandscheibenvorfall

Florian ist ein attraktiver, 35-jähriger Mann aus Leverkusen. Früher war er sehr sportlich. Bei einem seiner Besuche im Fitnessstudio vor 12 Jahren zog es ihm plötzlich wie ein kurzer Blitz durch den Rücken. Er merkte zwar, dass dies kein normaler Schmerz war, kümmerte sich zunächst jedoch nicht so sehr darum. Doch der Schmerz hörte nicht auf – er wurde schlimmer. Vier Jahre lief er von Arzt zu Arzt, nahm Schmerzmittel nach Schmerzmittel ohne irgendein Ergebnis zu bekommen. Erst sein Umzug nach Leverkusen brachte die Erlösung: Ein ortsansässiger Arzt ließ ein MRT durchführen. Er diagnostizierte einen Bandscheibenvorfall.

Diagnose: Bandscheibenvorfall. Folge: Operation

Florians Beruf als Einzelhandelskaufmann setzt körperliche Fitness voraus. Ein Mann mit einem Bandscheibenvorfall kann keine Ware heben. Somit tat er alles, um seinen Zustand zu verbessern. Er stimmte einer Operation Ende 2011 zu. Leider verbesserte sich sein Zustand nicht. Zusätzlich zu seinen Schmerzmitteln wurde ihm  Lidocain gegeben. Ende 2013 unterzog er sich einer zweiten Operation: eine mikrochirurgische Laserbehandlung. Zunächst ging es Florian besser, dies hielt leider nicht lange an.

Ein tschechischer Apotheker hat den richtigen Ratschlag für Florian: Medizinalhanf

2014 kam dann die Wende. Als Florian sich wieder in seinem zweiten Wohnsitz in Tschechien aufhielt, unterhielt er sich mit seinem Nachbarn. Dieser war Apotheker und hatte seit der Legalisierung von Cannabis als Medizin in Tschechien 2013 schon einige Erfahrungen mit der Behandlung von Schmerzpatienten gemacht. Er brachte ihn auf die Idee: Versuch es doch einmal mit Cannabis. Schnell stellte er fest, dass es ihm ungefähr 70 % Prozent der Schmerzen nahm. Es ging ihm so gut wie seit langer, langer Zeit nicht mehr. Er  hatte seine Medizin gefunden.

Ein beleidigter Arzt und eine Krankenkasse, die Opiate verschreiben will

Als er seinem ehemaligen behandelten Arzt erzählte, wie gut es ihm unter Cannabis geht und dies auch noch ohne Nebenwirkungen, reagierte dieser merkwürdig. Er war beleidigt, dass etwas anderes Florian gut tat, als das, was er ihm geraten hatte, anstatt sich zu freuen, dass es ihm besser ging.

Auch die Krankenkasse reagiert alles andere als logisch. Sie verweigerte die Kostenübernahme. Nach deren Meinung sollte er lieber weiterhin Opiate wie Tilidin nehmen. Der Darstellung, dass Florian unter Tilidin sehr viel mehr Schmerzen und viele Nebenwirkungen hatte und somit seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, folgte die Krankenkasse nicht. Eine Monatsbehandlung mit Cannabis kostet in Florians Fall derzeit circa 1.000 Euro. Natürlich sind Opiate günstiger – aber sie zerstören die Menschen physisch und psychisch.

Entsprechend wehrt sich Florian noch immer gegen die Ablehnung der Krankenkasse. Eine Umschulung zum Betreuungsassistent hat er nun begonnen.

Anm. d. Red.: Florian hat ein Präparat gefunden, dass ihm das Leben erträglich macht und es ihm ermöglicht, wieder Pläne zu schmieden. Wir wünschen ihm alles Glück der Welt, dass es ihm weiterhin gut geht und die Krankenkasse schließlich ein Einsehen hat.

Patienteninfos:
Name: Florian Liese
Alter: 35
Wohnort: Leverkusen, Nordrhein-Westfalen
Krankenkasse: AOK
Anamnese: Schmerzpatient nach Bandscheibenvorfall
Medikation: Bedrocan, 3 x 0,5 g/Tag durch Verdampfer

Das Leafly.de Patienteninterview

Leafly.de: Seit wann wendest Du Cannabis als Medizin an?
Florian: Seit 2014

Leafly.de: Wie bist Du denn darauf gekommen?
Florian: Ein Apotheker aus Tschechien hat mich darauf gebracht. Dort wird Cannabis in der Medizin schon seit der Legalisierung 2013 eingesetzt. Daher hatte er schon viele Erfahrungen mit Medizinalhanf.

Leafly.de: In welchen Momenten wendest Du es an?
Florian: Als Dauermedikation

Leafly.de: Welches Präparat nimmst Du in welcher Dosierung?
Florian: Ich bekomme die Blüten Bedrocan und verdampfe drei mal am Tag 0,5 Gramm.

Leafly.de: Gibt es Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?
Florian: Leider ja, sehr große Schwierigkeiten. Das will mir einfach nicht in den Kopf gehen: Die Krankenkasse möchte mir lieber schwere Opiate und sonstige Schmerzmittel geben, die mich und meinen Körper zerstören, als die Kosten für dieses eine Mittel zu übernehmen, welches mich frei von Nebenwirkungen wieder zu einem voll funktionstüchtig Teil der Gesellschaft macht.

Leafly.de: Hast Du Angst vor einer Abhängigkeit?
Florian: Überhaupt keine. Ich kenne Schmerzmittel, Opiate wirklich sehr gut – DIE machen abhängig – und zwar sehr schnell und hart. Manchmal lasse ich das Cannabis für einige Tage weg – doch Entzugserscheinungen habe ich dann nicht – aber wieder heftige Schmerzen.

Vielen Dank, lieber Florian. Wir wünschen Dir, dass Deine Weiterbildung gut läuft und dass die Krankenkasse bald versteht, wie wichtig die Kostenübernahme für Dich und Deine Familie ist.

WDR-Beitrag über Florian 

Weiterführende Links auf Leafly.de:

https://www.leafly.de/mediziner/medizinisches-cannabis-oder-opioide/

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