Cannabisforschung: neue Institute und Forschungszentren in Deutschland und im Ausland geplant

Veröffentlicht am: 31. August 2017

Geändert am: 24. September 2017

Was haben Sachsen-Anhalt, Wales und Orange County in Kalifornien gemeinsam? Sie alle planen neue Cannabis-Institute. Die Hochschulen Merseburg sowie die University of California Irvine setzen auf ein interdisziplinäres Konzept. Im walisischen Cardiff entsteht ein zukunftsweisendes Cannabisforschungs-Institut und in Israel, dem Vorreiter der medizinischen Cannabisforschung, entwickeln sich weitere Kooperationen zwischen Wissenschaft und Pharmaindustrie.

Interdisziplinäre Cannabisforschung in Merseburg, Sachsen-Anhalt

Wissenschaftler der Hochschule Merseburg in Sachsen-Anhalt wollen ihre Universität zu einem Wegbereiter der Cannabisforschung in Deutschland machen. Initiatorin des Vorhabens ist Dr. Gundula Barsch, Professorin an der Hochschule Merseburg und Expertin auf dem Gebiet der Drogenforschung. Sie begeisterte mit der Idee, ein interdisziplinäres Forschungsinstitut nach dem Vorbild des Cannabis-Forschungsinstituts an der Humboldt State University in Kalifornien aufzubauen. Prof. Dr. Barsch verbrachte dort selbst ein Forschungssemester. Die Humboldt State University gründete im Jahr 2012 das erste interdisziplinäre Cannabis-Forschungsinstitut der USA.

Konzept des Cannabis-Instituts

Der Grundgedanke des interdisziplinären Ansatzes ist es, Expertenwissen zu allen Fragen rund um Cannabis zu entwickeln, so Dr. Barsch. Die Einrichtung soll Wissenslücken zu Anbau, Anwendung und Wirkung von Hanf schließen, und zugleich als Beratungsstelle für Wirtschaft und Politik dienen. Inwiefern hier auch medizinische Forschung betrieben wird, ist derzeit noch unklar. „Wir sind gerade dabei, bereits vorhandene Expertise und Interessenten zu finden und anzusprechen, sodass wir mit einem Kick-off-Meeting im November schon wissen, wie und mit wem wir an die Arbeit gehen. Dann wird auch klarer, welches Konzept und welcher Organisationsrahmen geeignet ist“, erklärt Professorin Barsch.

Offensichtlich steckt das Projekt Forschungsinstitut der Hochschule Merseburg noch in den Kinderschuhen. Wird es konkret, könnte das Zentrum Sachsen-Anhalt eine herausragende Rolle verleihen, denn in keinem anderen Bundesland gibt es bisher eine ähnliche Institution. Und ein solches Zentrum bedeutet selbstverständlich auch eine wirtschaftliche Chance für das Land Sachsen-Anhalt.

Cannabisforschung findet breite Unterstützung in der Politik

Auch die Grünen im Landtag unterstützen das Projekt: „Wir nehmen das positiv auf“, erklärte Fraktionschefin Cornelia Lüddemann der Volksstimme. Sie erwartet, dass medizinisches Cannabis in Zukunft in mehr Bereichen zur Anwendung kommen wird als bisher. Die Cannabisforschung ist daher von großer Bedeutung. Auch die Christdemokraten sehen den Nutzen dieser Forschungsarbeit. Gegenüber der Volksstimme gibt der hochschulpolitische Sprecher der CDU allerdings zu bedenken, dass er die Forschung bei den medizinischen Fakultäten der Universitäten sieht.

Leafly.de wird die Entwicklung in Merseburg im Blick behalten und weiter berichten.

Drittes interdisziplinäres Cannabis-Institut der USA in Orange County, Kalifornien

Die Humboldt State University in Kalifornien war 2012 die erste Universität der USA, die ein interdisziplinäres Cannabis-Institut gründete. Im Jahr 2016 folgte die Colorado State University Pueblo mit einem ähnlichen Konzept. Jetzt zieht die dritte US-amerikanische Universität nach: Die University of California Irvine liegt in Orange County, einem südlichen Bezirk des US-Bundesstaates Kalifornien. Hier wurden Anfang Mai die Planungen für ein interdisziplinäres Cannabis-Forschungsinstitut eingeläutet.

Das interdisziplinäre Konzept des Hanf-Instituts

Das Institut ist die Idee von Dr. Daniele Piomelli, Anatomie- und Neurobiologie Professor an der UC Irvine, der untersucht, wie Cannabis im Körper arbeitet. Piomelli will keine Zeit verschwenden – das sagte der Professor dem Orange County Register, einer regionalen Tageszeitung. Sein Ziel sei, das Institut innerhalb von 12 Monaten mit hilfe der medizinischen wie der juristischen Fakultät aufzubauen. Weitere Fachbereiche sollen ebenfalls involviert werden, wie beispielsweise die Wirtschaftswissenschaften und das Ingenieurwesen. Piomelli erklärt, die Idee sei zu untersuchen, wo Cannabis mit den verschiedensten Bereichen unseres Lebens Berührungspunkte hat – von der Umwelt über die Strafjustiz bis zur Kultur. Auch das Filmstudium der Universität sei interessiert, sich einzubringen.

Das interdisziplinäre Hanf-Institut soll ebenfalls mit der Universität von San Diego kooperieren. Diese besitzt ein Zentrum für medizinische Cannabis-Forschung, die staatliche Finanzierung erhält, um Cannabis als Medizin zu erforschen.

Cannabis Wissenschaft made in Wales

Im walisischen Cardiff streben die Wissenschaftler eines neuen Cannabis-Instituts nach der internationalen Spitzenrolle in der medizinischen Cannabisforschung. Das neue Zentrum, das von dem britischen Biotechnik-Unternehmen MediPen Ltd. betrieben wird, eröffnet noch diesen Sommer. Laut MediPen plant das Forschungsinstitut eine Reihe von Cannabis Studien, um die medizinischen Anwendungsbereiche der verschiedenen Bestandteile von Hanf zu untersuchen.

Cannabis Medikamente für Krebspatienten

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Behandlung von Krebspatienten. Mit den ersten Cannabis Studien soll erforscht werden, wie THC bei den Nebenwirkungen einer Chemotherapie helfen kann. Die Untersuchungen sollen sich aber nicht nur auf die Linderung der begleitenden Symptome einer Krebserkrankung beschränken: Geplant ist zu erforschen, wie Cannabinoide die Vermehrung von Krebszellen reduzieren können – um somit eine Metastasierung einzudämmen.

Das staatliche britische Gesundheitssystem, abgekürzt NHS, war in die Planung des Cannabis-Forschungsinstituts involviert. Die zukünftigen Cannabis Studien werden in Kooperation zwischen der Cannabis Wissenschaft und dem NHS vorangetrieben. So erhofft sich MediPen, das öffentliche Image von medizinischem Hanf in Großbritannien zu verbessern.

An die Spitze der medizinischen Cannabisforschung

Laut eines Sprechers ist das Unternehmen bestrebt, „mit dem neuen Forschungsinstitut Großbritannien zu einer führenden Nation in der Cannabisforschung zu machen“. Gegenüber dem Independent erklärte MediPen, dass es aussagekräftige Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen gäbe, die den wirksamen Effekt von Cannabinoiden in Zellkulturen oder in vivo – also dem lebendigen Körper – bestätigen. „Wir jedoch planen, unter den ersten weltweit zu sein, die mit klinischen Studien an Menschen beginnen“. (Lesen Sie mehr zu dem walisischen Cannabis-Forschungsinstitut hier.)

Neue Forschungskooperation in Israel

Eine der führenden Nationen in der Cannabisforschung ist derzeit ohne Zweifel Israel. Woher kommt diese Vorreiterrolle? Israel ist ein Pionier der Cannabisforschung: Bereits 1996 startete hier das erste Programm, medizinisches Cannabis zu erforschen, erklärt Saul Kaye von iCAN, einem privaten Forschungszentrum. „Ein weiterer Grund ist die großflächige Akzeptanz innerhalb der Gesellschaft und die allgemeine Überzeugung, dass Cannabis hilft“, so der Wissenschaftler gegenüber dem Guardian. Israel setzt viel Energie in das relativ neue Feld der Cannabisforschung – hier hilft dem kleinen Land sein Expertenwissen in den Bereichen Landwirtschaft, Technologie und Cannabis-basierte Medizin.

Cannabis Arzneimittel gegen Krebs

Auch amerikanische Unternehmen arbeiten gemeinsam mit israelischen Wissenschaftlern: Die beiden kalifornischen Pharmaunternehmen CURE Pharmaceutical und CannaKids planen eine Forschungskooperation mit Technion-Israel Institute of Technology. Ziel ist, neue Cannabis-Arzneimittel auf den Markt zu bringen, die Krebszellen bekämpfen.

Forscher der CURE Pharma-Cannabinoid-Abteilung und Technions Laboratorium wollen herausfinden, wie unterschiedliche Cannabinoid-Verbindungen verschiedene Krebs-Subtypen beeinflussen können. Mithilfe dieser Ergebnisse erhoffen sich die Forscher, unterschiedliche Arten von Krebs mit einem effektiven Cannabisextrakt zu paaren, um so die Behandlungswirksamkeit von Cannabis-Medikamenten zu optimieren. Mehrere Studien haben bereits gezeigt, dass Cannabinoide Antitumor-Effekte haben können.

Quellen:
Mitteldeutsche Zeitung
https://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/cannabis-hanf-institut-fuer-sachsen-anhalt-geplant
http://www.ocregister.com/2017/05/05/uc-irvine-developing-an-interdisciplinary-cannabis-research-institute/
http://www.independent.co.uk/news/uk/medipen-cbd-vaporiser-uk-gets-first-publicly-available-dedicated-cannabis-weed-marijuana-research-a7789891.html
https://medipen.co/blog/medicinal/medipen-to-launch-uk-cannabis-research-facility
https://www.theguardian.com/science/2017/apr/03/israels-medical-marijuana-pioneers-look-to-cash-in-on-20bn-market#img-2
https://globenewswire.com/news-release/2017/05/31/1004584/0/en/CURE-Pharmaceutical-and-CannaKids-Announce-Research-Collaboration-with-Technion-Israel-Institute-of-Technology-on-Cancer-Fighting-Cannabinoids.html
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/9258689-cannabis-report-israel-investiert-forschung
https://www.leafly.com/news/politics/8-reasons-israel-capital-cannabis-research